Ausbildungswege Uni oder Lehre?

Viele Abiturienten stehen vor dieser Entscheidung. Mit beiden Varianten lässt sich Karriere machen

Hochschule oder Lehre: Welcher Weg ist der richtige?

Hochschule oder Lehre: Welcher Weg ist der richtige?

Weiterlernen oder Geld verdienen? Zwei Schulfreunde aus Berlin erzählen, warum sie nach dem Abitur unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Keiner von ihnen hat die Entscheidung bereut – und Freunde sind sie auch noch

Martin Kohs, 22, Auszubildender bei Bayer

Als ich vor zwei Jahren meinen ersten Lohnzettel in der Hand hielt, wusste ich sofort: Du hast die richtige Entscheidung getroffen. So viel Geld hatte ich noch nie in einem Monat verdient – und das im ersten Ausbildungsjahr! Nach nur drei Monaten konnte ich mir ein größeres Auto leisten, später sogar eine eigene Wohnung. Welcher Student kann sich das schon erlauben?

Während der Schulzeit habe ich als Ordner im Olympiastadion in Berlin gejobbt; manchmal auch zwölf Stunden am Stück. Dazu die Lernerei fürs Abitur – irgendwann reichte es mir mit der Doppelbelastung. Zwar konnte ich dadurch meinen Führerschein finanzieren und war etwas unabhängiger von meinen Eltern. Aber noch mal fünf Jahre so weitermachen – nur um an die Uni zu gehen? Nein, danke! Während meines Zivildienstes in der Kurzzeitpflege schickte ich dann 40 Bewerbungen ab. Auf die Ausbildung zum Biologie-Laboranten war ich beim Arbeitsamt gestoßen. Dass Bayer Health Care mich gleich haben wollte, hat mich stolz gemacht – die Firma ist schließlich sehr bekannt.

Die Unterrichtseinheiten hier sind sehr schulähnlich strukturiert. Wir üben im Klassenverbund, werden oft abgefragt – und lassen gar nicht erst etwas schleifen. Gut für mich, denn an der Universität würde ich wahrscheinlich immer erst auf den letzten Drücker lernen. Und das würde mächtig nach hinten losgehen, wenn ich sehe, wie früh Nicolas vor einer Klausur anfängt zu büffeln.

In meinem Ausbildungsleiter habe ich schnell einen Mentor gefunden, der für Probleme ein offenes Ohr hat, mich gut kennt und berät. Er gibt mir auch Rückmeldung, wenn etwas nicht so gut läuft, sodass ich an einigen Schwächen noch arbeiten und an meinen Stärken feilen kann. An den Berliner Unis geht es dagegen ja recht anonym zu. Die wenigsten Professoren kennen einen mit Namen, und auf einen Gesprächstermin muss man ewig warten – das haben mir jedenfalls Freunde erzählt.

Sehr gut gefällt mir an der Ausbildung auch, dass man schon früh ein Gefühl dafür bekommt, worauf man sich eingelassen hat und was einen später im Job erwartet. Während Nicolas vorerst ins Blaue studieren muss, konnte ich in den ersten zwei Jahren meiner Ausbildung schon verschiedene Abteilungen kennenlernen. Ich betreue eigene kleine Projekte und weiß genau, worauf ich mich einlasse. Außerdem versuche ich, mich bei jeder Lehrstation neu zu beweisen; dann erinnern sich die Kollegen und Vorgesetzten vielleicht an mich, wenn nach der Ausbildung eine Stelle frei wird. Mein Netzwerk hier wächst also von Woche zu Woche.

Vorteilhaft finde ich auch die geregelten Arbeitszeiten: Ich fange um 7.45 Uhr an, fast wie zu Schulzeiten. Zwischendurch gibt es eine Frühstücks- und eine Mittagspause. Und um 16.15 Uhr ist schon Feierabend. Dann kann ich noch ins Fitnessstudio gehen, Freunde treffen oder einfach zu Hause auf dem Sofa abhängen. Nicolas muss dann oft noch jobben. Oder er lernt mal wieder. Klar, manchmal muss ich auch etwas für Klausuren tun. Aber vor den wichtigsten Prüfungen nehme ich mir dann einfach frei – mir stehen ja 30 Urlaubstage im Jahr zu, an denen weiterhin Geld auf mein Konto fließt.

Bislang läuft alles richtig gut; meine Zwischenprüfung habe ich mit der Note »Eins« bestanden. Und in einem Jahr habe ich dann schon einen richtig soliden Abschluss in der Tasche, den mir keiner mehr nehmen kann. Mein Ziel ist es, auf jeden Fall übernommen zu werden. Ich fände es toll, weiterhin in diesem Job zu arbeiten. Und wenn ich irgendwann doch noch mal auf die Idee kommen sollte, ein Studium auf meine Ausbildung oben draufzusetzen, ist das ja auch kein Problem. Ich kann nur weich fallen!

Nicolas Schulze, 22, Student an der TU Berlin

Mit einem akademischen Abschluss erreicht man höhere Ziele und verdient besser – davon bin ich überzeugt. Meine Eltern mussten mich deshalb nach dem Abitur gar nicht überreden: Ich wollte auf jeden Fall an die Uni.

Für Autos habe ich mich schon immer interessiert, in Mathematik war ich auch gut. Und Ingenieure werden zurzeit ja dringend gesucht. Mit einem Bachelor in Verkehrswesen liege ich also sicher ganz richtig, auch wenn der Lernaufwand natürlich sehr hoch ist – viel höher als in einer Ausbildung. Wenn ich einen Monat vor der Klausur anfange zu lernen, wird es schon knapp. Jede einzelne Uni-Prüfung ist härter als das Abitur. Es sind einfach ganz neue Dimensionen. Aber dafür sind die Erfolgserlebnisse auch umso schöner. Man kann sich selbst noch etwas beweisen und weiß: Die Paukerei hat sich gelohnt. Mit Anfang 20 sollte man seinen Horizont doch noch erweitern und seine Kapazitäten ausnutzen, so gut es nur geht. Es wäre ja schlimm, jetzt schon auf einem Wissensstand stehen zu bleiben.

Ich genieße es jedenfalls, mich auf dem Campus mit anderen werdenden Akademikern auszutauschen. Es motiviert mich, wenn ich sehe, dass sie ähnliche Ziele verfolgen. Und es ist eine Bereicherung, ihre verschiedenen Denkansätze kennenzulernen. Das enorme Wissen einiger Professoren beeindruckt mich auch. Im Hauptstudium würde ich gerne als HiWi arbeiten und noch mehr Kontakte zum Lehrstuhl knüpfen. Das Umfeld gibt mir einfach sehr viel mehr als ein normaler Arbeitsplatz. Da komme ich sowieso noch früh genug hin.

Jetzt genieße ich erst mal, mir meine Zeit frei einteilen zu können. Mal lerne ich zu Hause, mal in der Bibliothek, mal mit Kommilitonen, mal allein. Wenn ich Lust dazu habe, fange ich gleich morgens an, ansonsten lege ich eine Nachtschicht ein. Es trainiert die eigene Disziplin, wenn man für sich und seine Leistungen selbst verantwortlich ist. Ich bin schon bei vielen Abläufen strukturierter geworden und kann mich gut organisieren. Das sind alles Fähigkeiten, mit denen ich später im Berufsleben punkten kann. Meine Wochenstunden lege ich mir so, dass ich nicht jeden Tag zur Uni muss. Martin muss jeden Tag acht Stunden lang in die Firma, da läuft alles viel unflexibler.

In der Freizeit geht es weiter: Ich gehe dreimal die Woche zum Kickboxen, der Kurs beginnt schon nachmittags. Das könnte ich mit einer geregelten Arbeitsstelle gar nicht vereinbaren. Und in den Semesterferien stehen zwar teilweise Hausarbeiten an; aber diesen Sommer konnte ich mir beispielsweise den kompletten August abzwacken. Damit wäre Martins Jahresurlaub ja fast schon erschöpft!

Finanziell steht er in der Lehre zwar ziemlich gut da; dank meines Nebenjobs kann ich mich aber auch nicht beschweren. Ich arbeite 35 Stunden im Monat in einem Lager, sortiere dort Leergut. Meine Eltern unterstützen mich auch ein bisschen. Dadurch muss ich im Alltag nicht auf jeden Cent achten. Ich kann feiern gehen, gelegentlich Sushi essen, mir den Beitrag fürs Fitnessstudio leisten. Dass man als Student dauernd pleite ist, ist nur ein Vorurteil.

Ich mag es auch, dass mir mit einem gewissen Respekt begegnet wird, wenn ich erzähle, dass ich studiere. Bei den Eltern meiner Freundin ist das gut angekommen; sie haben mich gleich ganz viel gefragt. Die eigenen Anstrengungen werden gewürdigt, und das macht mich stolz. Im Master möchte ich mich auf Kraftstofftechnik spezialisieren. Vielleicht arbeite ich später dann in der Forschung. Jedenfalls habe ich keine Bedenken, gut unterzukommen!

Aufgezeichnet von Katja Bosse

Mehr zum Thema Abitur lesen Sie in der Beilage der aktuellen Ausgabe DIE ZEIT

 
Leser-Kommentare
    • KFlash
    • 02.10.2008 um 11:18 Uhr

    Wer die Wahl zwischen Studium und Ausbildung hat, entscheidet sich eigentlich zwischen Agieren oder Reagieren.

    Als Gelernter ist man einer von Vielen. Leicht ersetzbar und von der Globalisierung bedroht. Wenn man studiert hat, kann man von der Globalisierung eher profitieren. Man hat auch einen leichteren Stand wenn es darum geht die Firma zu wechseln. Man bekommt attraktivere Jobs und vor allem ein Netzwerk was breiter gespannt ist.
    Denn die Kommolitonen sitzen selbst auch an interessanten Stellen.

    Bildung ist die Ressource der Zukunft. Das bedeutet aber auch, dass mit zunehmender Menge an Akademikern auch der Wert eines einzelnen Abschlusses sinkt. Nur ist dies dann bei nicht Akademikern noch schlimmer. Das Abi von Heute ist der Realschulabschluss von Morgen. Der Bachelor übernimmt die Rolle des Abiturs. Das einzige was dauerhaft bleibt ist ein Master/Diplom.

    Außerdem, und das ist doch das eigentliche Ergebnis des Studiums, lernt man an der Uni selbstständig zu lernen. Das ist es was man mitnehmen kann und was überall funktioniert.

  1. Es ist doch vor allem eine Frage der Persönlichkeit und des Interesses und beide Wege sind richtig.
    Mir persönlich macht lernen Spaß und ich erwerbe gerne neues Wissen, weil es für mich etwas mit "Wahrheit" oder Realität zu tun hat, ich will einfach wissen, wie diese Welt funktioniert. Ich würde Bildung immer höher schätzen als Geld und lieber habe ich wenig, aber weiß dafür, dass ich die Arbeitswelt noch ein wenig hinausschieben kann.
    Ich kann es aber auch verstehen, wenn man lieber praktisch arbeitet und sehen will, "wofür" man etwas lernt. Für denjenigen bedeutet wahrscheinlich eher das Praktische und Pragmatische "Realität", während universitäres Wissen abgehoben erscheint.

    Das wichtigste ist, dass man den Weg geht, der für einen gut und richtig ist. Zu studieren, weil man damit besser auf die Globalisierung vorbereitet ist, halte ich nicht für den richtigen Weg, wenn man dann überfordert ist. Man kann auch als Gelernter auf die Globalisierung vorbereitet sein. Es geht ja nicht darum, später Konzerne zu leiten. Man kann sich ja beispielsweise auch selbstständig machen. Und wegen des Geldes eine Ausbildung/Lehre anfangen, obwohl man ein Lerntyp ist, funktioniert auch nicht, weil man sich dann wahrscheinlich schnell deprimiert fühlt.

    Was mir auffällt ist, dass vor kurzem noch in Jessens Artikel über die Jugend geschrieben wurde, die pragmatisch alles in ihrem Leben nach einer späteren Karriere ausrichtet (dem Artikel konnte ich zustimmen), und nun werden in diesem Artikel genau zwei solche steoreotypen Abiturienten dargestellt.
    Und warum muss man heute eigentlich immer von "Netzwerken" reden? Früher gab es Freunde oder Bekannte, mit denen man sich ausgetauscht hat. Und Leute, die man nicht mochte, hat man sich nicht warmgehalten, weil sie später nochmal nützlich sein könnten. Früher sah man das als verlogen an, heute gehört das scheinbar zum "Networking".

    • S.Moon
    • 02.10.2008 um 13:09 Uhr

    Sowohl Artikel, wie auch die bisherigen Kommentare zeichnen für mich ein viel zu einfaches/falsches Bild.
    Für mich beschreibt der Artikel weder für die Ausbildung, noch für das Studium die Realität - einfach viel zu Oberflächlich!

    Was mich aber am meinsten stört ist der Pathos, den sowohl Artikel, als auch meine Vorredner an den Tag legen. Auf der einen Seite der wissenshungrige "Gelehrte" mit Idealen und einem viel größeren Horizont - wie grundlegend falsch und eingebildet ist es denn bitte "Gelernten" (allein diese Wortwahl ist ja schon erniedrigend) nicht einmal zuzugestehen vorrausschauend Denken zu können.

    Wieso dieses "Zweiklassendenken"?

    Ich kenne Leute aus meinem Bekanntenkreis, die jedem Studenten intellektuell das Wasserreichen können!

    Ja, wir brauchen Spezalisten. Aber man erkläre mir doch einmal bitte, wer denn nun mehr Fachwissen besitzt. Jemand der schon knapp zwei Jahre lang eine Arbeit ausführt, oder jmd., der sich hierfür zwei Jahre theoretisches Wissen angeeignet hat ...

    In der täglichen Arbeit sollte doch die einzelne Person zählen. Traurig, dass sogar in einem Artikel - der ja objektiv sein sollte - schon ein so einseitiges Bild vermittelt wird.

  2. Jaja, Turbo-Abi, -Ausbildung, -Studium - und es wächst eine Generation heran, die es schon nicht mehr anders hat kennenlernen können. Anstelle dieses Artikels könnte auch, nahezu gleichwertig, eine "Focus"-Checkliste (natürlich mit der Möglichkeit eigener "Wichtungen", wir sind ja gar nicht so) zur Bestimmung der maximalen Karrierechancen stehen. War noch was? Das frühe Erwachsenenalter auch (!) als ein letzter Schutzraum, der noch Raum für Muße und innere Reifung läßt? Ein Begriff von Bildung, der auf mehr abstellt als den Erwerb und die Anwendung von Wissen - oder besser von Informationsblöcken? Universitäten, die nicht um den Status der "besten" Berufshochschulen wetteifern? Wie meinen?

  3. 5. Uiuiui

    Menschen mit Berufsausbildung ohne Studium sind etwas wert? Können sogar Karriere machen? Das sollte man mal den Herrschaften bei der OECD erzählen! Akademiker braucht das Land! Millionen davon! Gern auch nur mit Bachelor, Hauptsache, die Akademikerquote steigt. Dann wird alles gut. Nur was machen die Leute mit ihrem Uni-Abschluss, der sich am Ende als nichts anderes als eine erweiterte schulische Berufsqualifizierung herausstellt? Oder oft leider nicht mal das... Bolognalisierung als Wunderwaffe der Bildungspolitik? Ich hoffe nicht.

  4. Ist es denn fast alleinig das Geld, welches als Beweggrund der jeweiligen Richtung angestrebt wird?
    Wie kann man so kapitalistisch und materialistisch Begründen, für was man sich entscheidet?
    Sollte solch Entscheidung nicht aus viel tieferen Beweggrüngen entschieden werden, als das auferlegte, teilweise von den Eltern aufgezwungene, oder gar von der Gesellschaft eingeflößte Geld, bzw. dessen vermittelter Wichtigkeit?
    Das finde ich grauenvoll.
    Das Interesse, die Selbstentfaltung und die Erkenntniss sollten m. E. im Zentrum der jeweiligen Entscheidung für oder gegen das Studium/ die Ausbildung stehen und nicht, fast gänzlich, das Geld!

    Greetingz

    Timo

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    Hallo Timo

    Ich muss getsehen dass ich meine Studiumsentscheidung hauptsaechlich an der Geldfrage bemessen und mich folglich 4 Jahre lang mit ungeliebten Faechern wie derivaten Finanzinstrumenten herumgeschlagen habe, obwohl ich Philosophie a la Karl Popper viel interessanter finde.

    Das hat nichts mit "von der Gesellschaft eingefleossten Geld" zu tun, sondern mit meiner persoehnlichen Einstellung und einem gewissen Freiheitsstreben. Mit dem Geld will ich keine tollen Dinge kaufen, wie das in dem Artikel beschriebene "groessere Auto", ehrlich gesagt fand ich diesen Satz zum kotzen und kann dir in diesem Kontext durchaus zustimmen.

    Aber haette ich Philosphie studiert haette ich (voraussichtlich) nicht die Wahl in 3-4 Jahren meine Freundin zu schwaengern und dann einfach 1-2 Jahre nicht zu arbeiten. Mit dem Gehalt in einer Investmentbank kann man das aber ohne weiteres machen. Und darin sehe ich die Aufgabe des Geldes, naemlcih mir finanzielle Sicherheit und Unabhaengigkeit zu geben.

    Das teilweise langweilige und droege, Wirtschaftsstudium (ein paar Faecher waren dennoch extrem spannend) hat mich dennoch nicht davon abgehalten zwei bis drei mal die Woche in einer Soziologie, Geschichts oder Philosphie Vorlesung zu sitzen, Karl Popper zu lesen, mit Freunden ueber Franzoesische Geschichte zu diskutieren, Laender zu bereisen und im Rahmen meines Studiums das "Interesse, die Selbstentfaltung und die Erkenntniss" wie Du sie nennst, in den Vordergrund zu stellen.

    In diesem Sinne alles Gute
    Octave

    Hallo Timo

    Ich muss getsehen dass ich meine Studiumsentscheidung hauptsaechlich an der Geldfrage bemessen und mich folglich 4 Jahre lang mit ungeliebten Faechern wie derivaten Finanzinstrumenten herumgeschlagen habe, obwohl ich Philosophie a la Karl Popper viel interessanter finde.

    Das hat nichts mit "von der Gesellschaft eingefleossten Geld" zu tun, sondern mit meiner persoehnlichen Einstellung und einem gewissen Freiheitsstreben. Mit dem Geld will ich keine tollen Dinge kaufen, wie das in dem Artikel beschriebene "groessere Auto", ehrlich gesagt fand ich diesen Satz zum kotzen und kann dir in diesem Kontext durchaus zustimmen.

    Aber haette ich Philosphie studiert haette ich (voraussichtlich) nicht die Wahl in 3-4 Jahren meine Freundin zu schwaengern und dann einfach 1-2 Jahre nicht zu arbeiten. Mit dem Gehalt in einer Investmentbank kann man das aber ohne weiteres machen. Und darin sehe ich die Aufgabe des Geldes, naemlcih mir finanzielle Sicherheit und Unabhaengigkeit zu geben.

    Das teilweise langweilige und droege, Wirtschaftsstudium (ein paar Faecher waren dennoch extrem spannend) hat mich dennoch nicht davon abgehalten zwei bis drei mal die Woche in einer Soziologie, Geschichts oder Philosphie Vorlesung zu sitzen, Karl Popper zu lesen, mit Freunden ueber Franzoesische Geschichte zu diskutieren, Laender zu bereisen und im Rahmen meines Studiums das "Interesse, die Selbstentfaltung und die Erkenntniss" wie Du sie nennst, in den Vordergrund zu stellen.

    In diesem Sinne alles Gute
    Octave

  5. Hallo Timo

    Ich muss getsehen dass ich meine Studiumsentscheidung hauptsaechlich an der Geldfrage bemessen und mich folglich 4 Jahre lang mit ungeliebten Faechern wie derivaten Finanzinstrumenten herumgeschlagen habe, obwohl ich Philosophie a la Karl Popper viel interessanter finde.

    Das hat nichts mit "von der Gesellschaft eingefleossten Geld" zu tun, sondern mit meiner persoehnlichen Einstellung und einem gewissen Freiheitsstreben. Mit dem Geld will ich keine tollen Dinge kaufen, wie das in dem Artikel beschriebene "groessere Auto", ehrlich gesagt fand ich diesen Satz zum kotzen und kann dir in diesem Kontext durchaus zustimmen.

    Aber haette ich Philosphie studiert haette ich (voraussichtlich) nicht die Wahl in 3-4 Jahren meine Freundin zu schwaengern und dann einfach 1-2 Jahre nicht zu arbeiten. Mit dem Gehalt in einer Investmentbank kann man das aber ohne weiteres machen. Und darin sehe ich die Aufgabe des Geldes, naemlcih mir finanzielle Sicherheit und Unabhaengigkeit zu geben.

    Das teilweise langweilige und droege, Wirtschaftsstudium (ein paar Faecher waren dennoch extrem spannend) hat mich dennoch nicht davon abgehalten zwei bis drei mal die Woche in einer Soziologie, Geschichts oder Philosphie Vorlesung zu sitzen, Karl Popper zu lesen, mit Freunden ueber Franzoesische Geschichte zu diskutieren, Laender zu bereisen und im Rahmen meines Studiums das "Interesse, die Selbstentfaltung und die Erkenntniss" wie Du sie nennst, in den Vordergrund zu stellen.

    In diesem Sinne alles Gute
    Octave

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    Octave, ich beglückwünsche Sie zu dieser vernünftigen Haltung. Als promovierte Literaturwissenschaftlerin, die den holprigen Weg der idealistischen Selbstentfaltung gewählt hat und lange Zeit am Existenzminimum herumkrebsen musste, würde ich heute auch so entscheiden wie Sie. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich höchstwahrscheinlich das Studium sogar ganz lassen, stattdessen eine solide Handwerks- oder kaufmännische Ausbildung machen und meiner Liebe zur Literatur in der Freizeit nachgehen.
    Fakt ist, die heute Gesellschaft braucht keine weltfremden Denker, sondern wirtschaftstaugliche Pragmatiker.

    Octave, ich beglückwünsche Sie zu dieser vernünftigen Haltung. Als promovierte Literaturwissenschaftlerin, die den holprigen Weg der idealistischen Selbstentfaltung gewählt hat und lange Zeit am Existenzminimum herumkrebsen musste, würde ich heute auch so entscheiden wie Sie. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich höchstwahrscheinlich das Studium sogar ganz lassen, stattdessen eine solide Handwerks- oder kaufmännische Ausbildung machen und meiner Liebe zur Literatur in der Freizeit nachgehen.
    Fakt ist, die heute Gesellschaft braucht keine weltfremden Denker, sondern wirtschaftstaugliche Pragmatiker.

  6. Octave, ich beglückwünsche Sie zu dieser vernünftigen Haltung. Als promovierte Literaturwissenschaftlerin, die den holprigen Weg der idealistischen Selbstentfaltung gewählt hat und lange Zeit am Existenzminimum herumkrebsen musste, würde ich heute auch so entscheiden wie Sie. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich höchstwahrscheinlich das Studium sogar ganz lassen, stattdessen eine solide Handwerks- oder kaufmännische Ausbildung machen und meiner Liebe zur Literatur in der Freizeit nachgehen.
    Fakt ist, die heute Gesellschaft braucht keine weltfremden Denker, sondern wirtschaftstaugliche Pragmatiker.

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  • Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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  • Schlagworte Arbeitsamt | Hochschule | Oder | Fitnessstudio | Abitur | Ausbildung | Berlin
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