Prüfung Zeit für Baldrian
Prüfungsangst kennen Lehrer ebenso gut wie ihre Schüler

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Baldrian und andere Hilfsmittelchen: Der Prüfungsangst können sie nur bedingt entgegenwirken
Feuchte Hände, das Herz schlägt bis zum Hals. Kritische Blicke von der Prüfungskommission. Die Schläfen hämmern: Was war noch das englische Wort für »Gleichnis«? Obwohl die mündlichen Abiturprüfungen noch in der Ferne liegen, bereitet sich Susanne Isgen schon jetzt intensiv darauf vor. Mehrmals in der Woche liest sie englische Zeitungen, hört englisches Radio und plant eine weitere Reise ins englischsprachige Ausland. Raphael Pillen geht es ähnlich. »Dieser Druck«, stöhnt er. Er möchte unbedingt ein gutes Abitur hinlegen, um sich später seinen Ausbildungs- und Studienplatz aussuchen zu können. »Wenn die Noten nicht stimmen, wird man nirgends genommen«, fasst er das Abi-Dilemma kurz zusammen. Schon jetzt würde er sich am liebsten im Unterricht verkriechen, doch Susanne Isgen kennt Raphaels Prüfungsangst und hat ein offenes Ohr für ihn. Sie ist seine Lehrerin.
Sowohl Schüler als auch Lehrerin kämpfen gegen ihre Angst vor dem Abitur: Raphael nennt es den »Horror vor der Prüfung«, Susanne Isgen spricht lieber von »großem Respekt«, den sie gegenüber dem Abitur hege. Für beide ist es das erste Mal. Raphael ist 19 Jahre alt und in der 13. Klasse, Susanne Isgen ist 33 Jahre alt. Seit anderthalb Jahren unterrichtet sie die Fächer Englisch und Deutsch an einem bilingualen Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Das Sprachniveau der Schüler ist sehr hoch, schließlich findet auch der Erdkunde-, Geschichts- und Politikunterricht auf Englisch statt. Isgen saß zwar schon als Protokollantin in Abiturprüfungen, aber nun bringt sie zum ersten Mal einen Englisch-Grundkurs durchs Abitur – »hoffentlich vollzählig«, wie sie sich wünscht.
Der Druck, den das Abitur bei Schülern und Lehrern auslöst, ist immens, sagt Lothar Dunkel vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Als Leiter der schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Münster hat er täglich mit dem Thema Prüfungsangst zu tun. »Überall wird über das Abitur geredet: Die Endnote entscheidet über den Studienplatz und -ort, selbst manche Ausbildungsbetriebe ziehen heute Abiturienten Real- und Hauptschülern vor«, sagt er. Hinzu komme, dass viele Eltern ihre Zukunftsängste auf ihre Kinder projizieren würden und sich der Druck noch mehr verstärke.
Doch Prüfungsangst ist etwas ganz Normales, sogar eine sinnvolle Reaktion, wie Dunkel und seine Kollegen unruhigen Schülern und Eltern immer wieder erklären: »Durch den Stress stellt der Körper zusätzliche Energiereserven zur Verfügung«, sagt Dunkel. Ähnlich einem Tier, das Angst wittert und fliehen möchte, schießt auch bei einem Menschen in einer Prüfungssituation Adrenalin in den Körper. Zusätzlich gehen Herzschlag und Blutdruck hoch – ein Urtrieb, um schnell wegzurennen oder um in einer Prüfung mehr Leistung zu erbringen. Doch wie immer ist es das gesunde Mittelmaß, das Erfolg verspricht. »Zu viel Angst wirkt sich eher lähmend auf den Körper aus und blockiert die Energien. Und zu wenig Anspannung ist auch nicht gut«, erklärt Dunkel.
Raphael beruhigt das eher wenig. Er kann den Auslöser seiner Angst klar benennen: »Ich habe Angst, dass Düsseldorf in der Prüfung etwas drannimmt, was wir im Unterricht nicht hatten.« Düsseldorf, Landeshauptstadt und Sitz des Schulministeriums in NRW, spukt wie ein unberechenbarer Schulgeist durch die Klassenräume und Lehrerzimmer vieler Gymnasien. Schuld ist das neue Zentralabitur, das mit dem Abiturjahrgang 2007 in Nordrhein-Westfalen eingeführt wurde und in vielen anderen Bundesländern seit Jahren zum Alltag gehört.
Das Zentralabitur hat nicht nur bei Schülern, sondern auch bei den Lehrern, den Stress- und Angstfaktor vor dem Abitur erhöht. Wenn die halbe Klasse schlechte Noten in der Zentralklausur schreibt, fällt das nun deutlicher auf sie zurück. »Ich weiß nicht, was im Abitur abgefragt wird, deshalb muss ich meine Schüler bestmöglich auf alles vorbereiten«, fasst Susanne Isgen ihre Sorgen zusammen. Wie andere Kollegen schaue sie oft im Internet nach, um sich über die Vorgaben und Richtlinien des Schulministeriums zu informieren. »Ständig frage ich mich, habe ich alle Themenbereiche ausführlich genug behandelt?«, erzählt Susanne Isgen. Nebenbei läuft ihr die Zeit davon. »Bis Ende des Jahres muss ich Shakespeare, die Globalisierung, Lyrik und die Zeit der Postkolonisierung durchgenommen haben, damit am Ende genügend Zeit bleibt, Themen und Methodik zu wiederholen.«
»Das bedeutet ordentlich Stress, nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich«, sagt Isgen.
Nur wenige Lehrer trauen sich, über ihre Angst vor dem Abitur zu sprechen. Susanne Isgen stand als Einzige offen und mit ihrem Namen für ein Interview zur Verfügung. »Jüngeren Lehrern fällt es oft leichter, ihre Angst zu artikulieren«, erklärt Lothar Dunkel. Sie seien Anfänger, und es stehe ihnen zu, nicht alles gleich perfekt zu beherrschen. »Ältere Lehrer zeigen dagegen eher Zeichen von Resignation, um sich vor zu viel Stress zu schützen.« Doch resignierte Lehrer ermuntern ihre Schüler im Abitur auch weniger, Leistung zu bringen. Und das ist wichtig, denn besonders auf der Zielgeraden zum Abitur schwächeln manche Schüler.
So ging es auch Nina Konerding aus Osnabrück, die trotz Prüfungsangst in diesem Jahr ihr Abitur bestand. Immer wieder ermunterten sie Lehrer, im Unterricht etwas vorzutragen – und das, obwohl die Schülerin panische Angst davor hatte. »Ich hatte so große Sorge, zu versagen, dass ich auch nicht mehr sprechen konnte, obwohl ich sonst sehr selbstbewusst bin.« Nachts raste ihr Herz vor Aufregung, an Schlaf war kaum zu denken. Morgens konnte sie nur eine Banane essen. Ihre Mutter machte Yoga-Atemübungen mit ihr und versuchte sie zu überreden, Baldrian zur Beruhigung zu nehmen. Doch Nina wollte nicht. Stattdessen entschied sie sich, mit einem Vertrauenslehrer zu sprechen. »Wir Lehrer wollen doch nur dein Bestes«, beruhigte er sie und riet ihr, die mündlichen Abiturprüfungen selbst in die Hand zu nehmen und den Prüfern möglichst wenig Zeit für Fragen zu geben. Das half, und Nina bestand ihre Prüfungen. Heute bereut sie, dass sie erst in letzter Minute angefangen hat, für das Abitur zu lernen. »Ich weiß noch nicht, ob ich später studieren will, deswegen fehlte mir der Ehrgeiz, einen guten Durchschnitt zu machen.« Mit einem Numerus clausus im Kopf hätte sie vielleicht besser abgeschnitten – und die Angst zu versagen wäre vielleicht geringer gewesen.
Susanne Isgen hat einen Weg gefunden, mit ihrem Abiturstress umzugehen. »Ich begreife mich mehr als Trainerin, die animiert, mehr für das Abitur zu tun, ohne aber Angst und Panik aufkommen zu lassen«, sagt sie. Um ihren Schülern etwas mehr Sicherheit zu geben, zeigt sie ihnen Aufgabenbeispiele vom letzten Zentralabitur. »Das ist alles machbar«, sagt sie dann. Nebenbei bietet sie an, Hausaufgaben einzusammeln. Auch die Klausuren werden mit Beginn der zwölften Klasse wie im Zentralabitur bewertet. Lothar Dunkel hält das für einen guten Weg: »In Nordamerika und Skandinavien sind die Lehrer in erster Linie Coach und erst danach Autoritätsperson. Dadurch fühlen sich die Schüler weniger abhängig von ihnen, und die Lehrer zeigen ganz stark Verantwortung für ihre Schüler.« Angst gehöre auf keinen Fall in den Unterricht. Denn Angst verstärke die Unsicherheit, und Unsicherheit erhöhe wiederum die Angst. »Die Lehrer sollten durch ihr eigenes sicheres Auftreten auch die Sicherheit der Schüler stärken«, sagt Dunkel.
Gegen den Stress vor dem Abitur empfiehlt der Psychologe Lehrern und Schülern, zu lernen, sich rechtzeitig zu entspannen, sodass Stresshormone schnell wieder abgebaut werden. Möglich sind Yoga oder autogenes Training oder ganz einfach nach der Schule mal eine Busstation vorher auszusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen. Auch Fahrradfahren hilft. »Sie sollten im Nacken leicht schwitzen – so viel Anstrengung muss sein, um den Stress abzubauen«, rät Dunkel. Je früher der Körper lernt, mit dem Rauf und Runter klarzukommen, desto entspannter lässt sich die Herzfrequenz runterfahren und desto ruhiger lassen sich Prüfungen bewältigen.
Mehr zum Thema Abitur lesen Sie in der Beilage der aktuellen Ausgabe DIE ZEIT
- Datum 02.10.2008 - 17:05 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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Gerade durch die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wird der Prüfungsstress noch intensiviert. Lehrer kennen das, zumeist vom ersten und zweiten Staatsexamen. Ein Durchfallen im zweiten Staatsexamen bedeutet "gehe zurück auf 'Los', vergiss deine Karriere ...". Erstaunlicherweise hört man von vielen Lehrern danach die Aussage, dass sie nie mehr an einer Prüfung teilnehmen wollen.
Den Schülern geht es heute aber nicht besser. Selbst ein "normaler" Ausbildungsplatz ist heute oft nur mit gutem Abitur zu haben. Am Ende einer Ausbildung (oder eines Studiums) steht dann wieder eine Prüfung. Dabei sind die Prüfungen in den Ausbildungsberufen, aus meiner Sicht, noch die fairsten (trotz stellenweise beachtlicher Durchfallquoten), da sie oft an die Durchführung einer konkreten und exemplarischen Arbeitssituation gebunden sind.
Generell sollte man versuchen sich von dieser klassichen Prüfungssituation mit engen inhaltlichen Vorgaben und noch engerem Zeitrahmen zu lösen. Eine offene Aufgabenvorstellung und angemessener Zeitrahmen wären sehr viel sinnvoller, als dieser Marathon.
Men Gott, hier geht es ums Abi und nciht um eine wer-weiß- wie hoch einzuischätzende Prüfung! Die meisten Punkte für die Abiendnote sind doch sowieso schon in den KLassen 12 und 13 erledigt, und die paar Tage Abistress machen nur noch einen kleinen Teil der Note aus...
Kommt mal in die Uni, Kids, DA werden die Prüfungen stressig!
Men Gott, hier geht es ums Abi und nciht um eine wer-weiß- wie hoch einzuischätzende Prüfung! Die meisten Punkte für die Abiendnote sind doch sowieso schon in den KLassen 12 und 13 erledigt, und die paar Tage Abistress machen nur noch einen kleinen Teil der Note aus...
Kommt mal in die Uni, Kids, DA werden die Prüfungen stressig!
Danke, Manu84!
Genauso ist es... es wird so viel Wind ums Abi gemacht, dabei erhält das Wort Prüfungsstress erst an der Uni seine eigentliche Dimension.
Also, Abi-Kiddies... nicht rumheulen, es wird noch viel besser! :-)
Danke, Manu84!
Genauso ist es... es wird so viel Wind ums Abi gemacht, dabei erhält das Wort Prüfungsstress erst an der Uni seine eigentliche Dimension.
Also, Abi-Kiddies... nicht rumheulen, es wird noch viel besser! :-)
... ist diese Situation auch eine Vorbereitung auf spätere Berufs- und Karrierejahre, wenn im Büro auch Leistung verlangt wird oder ein bestimmtes Projekt die eigene Firma retten könnte.
Angst, mit 10 Jahren den Übertritt auf eine höhere Schule nicht zu schaffen. Angst, mit einem Hauptschulabschluss keinen Ausbildungsplatz zu finden. Angst, in der Ausbildung als Laufbursche benutzt zu werden. Angst, im Beruf nicht abgebrüht genug zu sein. Und da wundert man sich in Deutschland , dass dann Menschen, die einem von klein an diese Angst eingejagt haben, später ins Altersheim abgeschoben werden. In anderen Ländern liebt man seine Kinder und lässt sie ohne Angst aufwachsen, dafür wird man im Alter geliebt und betreut!
Prüfungen gehören zweifellos zum Leben dazu, aber die Deutschen neigen wirklich dazu, sich in unnötige Korsetts der Angst zu zwängen und sich um alles "einen Kopf zu machen". Nicht umsonst gibt es im englischen Sprachraum das geflügelte Wort von der "german angst". Mit dieser Angst wächst das Schulkind von klein auf in Deutschland heran, immer wissend, dass es um Anforderungen geht, die ein System an es heranträgt und nicht um Zeugnisablegung über die eigenen Talente und Begabungen. Eine Beurteilung wird so gleichsam zu einer Aburteilung, einem Versagen von Zukunftsaussichten und das zieht sich durch das ganze Schülerleben und erzeugt Druck und Frust. Selbstverständlich müssen zum Erreichen von Schulabschlüssen Standards eingehalten werden, aber die Herangehensweise, diese Standards zu erreichen, müsste an deutschen Schulen gründlich überdacht werden. Wir machen unsere Kinder zur Zeit systemkompatibel und nicht das System schülerkompatibel. In Deutschland muss ein Kind, egal welche Begabungen es wirklich besitzt und woher es kommt, sich dem Schulsystem anpassen. Unser Schulsystem ist nicht darauf angelegt, sich auf das Individuum Kind einzustellen. Die Anspruchshaltung, die daraus gegenüber dem Kind entsteht, nimmt es nicht ernst in seinem Wesen und in seinen Fähigkeiten. Schüler spüren das. Sie spüren, dass es nur selten darum geht zu zeigen, was in ihnen steckt, sondern darum, anderen gerecht zu werden und das in ziemlich gnadenloser Art und Weise, geht es doch von vornherein jedesmal um "seine Existenz". Dahinter steckt viel von dem hierachischem Denken, das in Deutschland nach wie vor weit verbreitet ist und das weniger auf Individualität als vielmehr auf Konformität setzt. Die Angst vor dem "Versagen" bedroht existenziell und lähmend, die Angst vor dem "nicht Bestehen" kann Motivation und Einsatz erzeugen, weil ein nicht Bestehen Chancen übriglässt.
Prüfungen gehören zweifellos zum Leben dazu, aber die Deutschen neigen wirklich dazu, sich in unnötige Korsetts der Angst zu zwängen und sich um alles "einen Kopf zu machen". Nicht umsonst gibt es im englischen Sprachraum das geflügelte Wort von der "german angst". Mit dieser Angst wächst das Schulkind von klein auf in Deutschland heran, immer wissend, dass es um Anforderungen geht, die ein System an es heranträgt und nicht um Zeugnisablegung über die eigenen Talente und Begabungen. Eine Beurteilung wird so gleichsam zu einer Aburteilung, einem Versagen von Zukunftsaussichten und das zieht sich durch das ganze Schülerleben und erzeugt Druck und Frust. Selbstverständlich müssen zum Erreichen von Schulabschlüssen Standards eingehalten werden, aber die Herangehensweise, diese Standards zu erreichen, müsste an deutschen Schulen gründlich überdacht werden. Wir machen unsere Kinder zur Zeit systemkompatibel und nicht das System schülerkompatibel. In Deutschland muss ein Kind, egal welche Begabungen es wirklich besitzt und woher es kommt, sich dem Schulsystem anpassen. Unser Schulsystem ist nicht darauf angelegt, sich auf das Individuum Kind einzustellen. Die Anspruchshaltung, die daraus gegenüber dem Kind entsteht, nimmt es nicht ernst in seinem Wesen und in seinen Fähigkeiten. Schüler spüren das. Sie spüren, dass es nur selten darum geht zu zeigen, was in ihnen steckt, sondern darum, anderen gerecht zu werden und das in ziemlich gnadenloser Art und Weise, geht es doch von vornherein jedesmal um "seine Existenz". Dahinter steckt viel von dem hierachischem Denken, das in Deutschland nach wie vor weit verbreitet ist und das weniger auf Individualität als vielmehr auf Konformität setzt. Die Angst vor dem "Versagen" bedroht existenziell und lähmend, die Angst vor dem "nicht Bestehen" kann Motivation und Einsatz erzeugen, weil ein nicht Bestehen Chancen übriglässt.
Danke, Manu84!
Genauso ist es... es wird so viel Wind ums Abi gemacht, dabei erhält das Wort Prüfungsstress erst an der Uni seine eigentliche Dimension.
Also, Abi-Kiddies... nicht rumheulen, es wird noch viel besser! :-)
Prüfungen gehören zweifellos zum Leben dazu, aber die Deutschen neigen wirklich dazu, sich in unnötige Korsetts der Angst zu zwängen und sich um alles "einen Kopf zu machen". Nicht umsonst gibt es im englischen Sprachraum das geflügelte Wort von der "german angst". Mit dieser Angst wächst das Schulkind von klein auf in Deutschland heran, immer wissend, dass es um Anforderungen geht, die ein System an es heranträgt und nicht um Zeugnisablegung über die eigenen Talente und Begabungen. Eine Beurteilung wird so gleichsam zu einer Aburteilung, einem Versagen von Zukunftsaussichten und das zieht sich durch das ganze Schülerleben und erzeugt Druck und Frust. Selbstverständlich müssen zum Erreichen von Schulabschlüssen Standards eingehalten werden, aber die Herangehensweise, diese Standards zu erreichen, müsste an deutschen Schulen gründlich überdacht werden. Wir machen unsere Kinder zur Zeit systemkompatibel und nicht das System schülerkompatibel. In Deutschland muss ein Kind, egal welche Begabungen es wirklich besitzt und woher es kommt, sich dem Schulsystem anpassen. Unser Schulsystem ist nicht darauf angelegt, sich auf das Individuum Kind einzustellen. Die Anspruchshaltung, die daraus gegenüber dem Kind entsteht, nimmt es nicht ernst in seinem Wesen und in seinen Fähigkeiten. Schüler spüren das. Sie spüren, dass es nur selten darum geht zu zeigen, was in ihnen steckt, sondern darum, anderen gerecht zu werden und das in ziemlich gnadenloser Art und Weise, geht es doch von vornherein jedesmal um "seine Existenz". Dahinter steckt viel von dem hierachischem Denken, das in Deutschland nach wie vor weit verbreitet ist und das weniger auf Individualität als vielmehr auf Konformität setzt. Die Angst vor dem "Versagen" bedroht existenziell und lähmend, die Angst vor dem "nicht Bestehen" kann Motivation und Einsatz erzeugen, weil ein nicht Bestehen Chancen übriglässt.
Dass Lehrer noch nicht über den Status ihrer Kinderzeit, wo sie Angst hatten, hinausgekommen sind, hilft Schüler gar nichts sondern ist vielmehr ein Alarmzeichen dafür, dass man endlich den inzwischen erwachsenen Lehrern helfen müsste.
Dass das Abitur Druck macht, ist eine glatte Lüge. Der Druck wird von den Betroffenen selbst gemacht und zwar durch Autosuggestion. Und die Autosuggestion machen sie unbewusst, weil sie das durch den verkehrten Umgang der Pädagogik mit dem Leben eine ganze Schulzeit so verkehrt unbewusst eingeübt haben.
Dass es ganz anders gehen kann, zeigt z.B. experimentell die neue Ich-kann-Schule; sie ist das Gegenmodell zur üblichen Du-musst-Schule mit ihrem Druck und arbeitet nur mit SOG-Wirkung. In der Ich-kann-Schule würden auch Schüler ihren Lehrern helfen, wenn sie noch in ihren Pubertätsproblemen stecken, und sie können das gut, denn sie wissen aus Erfahrung: "Wenn ich mit deinen Talenten besser umgehe als Du, folgen sie mir lieber als Dir." Mit herzhaften Grüßen
Franz Josef Neffe, DCI
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