Wohnen Zimmer frei
Untermiete, Wohngemeinschaft oder Studentenwohnheim: Wo lebt es sich am besten? Wie geht man Konflikten am besten aus dem Weg? Und wie viel kosten die ersten eigenen vier Wände. Drei Hausbesuche
1)Ruth Vochem, 23, studiert im 8. Semester Medizin an der TU München und hat ein Zimmer im Studentenwohnheim
Die weißen Trennwände enden eine Handbreit über dem Boden. Fünf Zentimeter mehr, und niemand könnte hören, was man so macht auf dem stillen Örtchen, das seinen Namen ja eher zu Unrecht trägt. »Klar gibst du ein Stück Privatsphäre auf, wenn du im Studentenwohnheim lebst«, sagt Ruth Vochem. Mit 17 anderen Studenten teilt sie sich vier Toiletten, alle in einem Raum, vier Duschkabinen nebenan. Und eine Küche, das Herzstück des Stockwerks. Immer sitzt jemand an dem großen Tisch aus hellem Holz, liest Zeitung, wartet, dass die Nudeln kochen, isst. »Ich bin nie allein. Und das ist schön, denn allein wäre es mir viel zu langweilig«, sagt Ruth.
Sie mag es, dass sie mit so unterschiedlichen Menschen zusammenlebt. Mit Ali aus Iran etwa, der ständig Tomaten grillt und ihr vom Leben in seiner Heimat erzählt. »Im Studentenheim gibt es ein Potpourri ganz verschiedener Charaktere. Du bist nicht wie an der Uni nur mit Studenten aus deinem Fachbereich zusammen, sprichst nicht nur über Magenspiegelungen. Das öffnet den Horizont«, sagt Ruth.
Wenn sie doch mal Ruhe braucht nach einem stressigen Tag an der Uni, macht sie die Zimmertür zu. In ihrem Zimmer gibt es: ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank, ein Waschbecken, einen kleinen Balkon. Zwölf Quadratmeter Ruhezone. »Na ja, die Wände sind dünn. Da kannst du nicht selber bestimmen, wann der Wecker klingelt. Um acht fängt hier der Tag an.«
Anders leben möchte Ruth trotzdem nicht. Sie liebt die Freiheit, die ihr das Studentenwohnheim bietet. Keine ewigen Diskussionen um den Putzplan etwa, wie sie sie von WG-Freunden kennt. Im Wohnheim kommt jeden Tag ein Putzmann. Und keine leidigen Diskussionen, ob den Nachbarn noch eine Party zumutbar ist. Im Wohnheim gibt es einen Partykeller, jeden Donnerstag wird gefeiert. Dann ist da noch der Preis: 245 Euro zahlt Ruth, Internet inklusive. »Das findest du nirgendwo sonst in München«, sagt sie.
2) Thomas Brenner, 24, studiert im 8. Semester Fahrzeugtechnik an der FH Ulm und wohnt zur Untermiete
In einem schmalen Tal steht das Haus, in dem Thomas seit zwei Jahren lebt, hinter dem Garten fängt der Wald an. »Ich brauche Natur«, sagt Thomas. Er joggt mehrmals die Woche und fährt mit dem Rad zur FH. Mitten in der Stadt leben, auf engem Raum, vielleicht in einer WG mit mehreren Menschen? Das kann er sich nicht vorstellen. »Ich bin eher der zuverlässige Typ«, sagt Thomas. Einer, der sich an den Putzplan hält. Und der es schwierig findet, wenn das andere nicht machen. Also hat er ein Zimmer bei Manfred gemietet, der mit seinen 57 Jahren immerhin doppelt so alt wie er selbst ist.
- Datum 03.07.2009 - 08:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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