Bildungspolitik Würdiger AbschiedWürdiger Abschied
Bildungspolitiker aller Parteien sollten die Hauptschulen fairer behandeln
Noch gibt es rund 5000 Hauptschulen, die von einer Million Schüler besucht werden. Trotzdem darf man die Schulform als Auslaufmodell betrachten. Bald gibt es die Nachfolgerinnen der Volksschuloberstufe nur noch in einer Handvoll Bundesländern; langfristig werden sie – schon weil die Schülerzahlen zurückgehen – wohl auch dort mit Realschulen zu einem Schultyp verschmelzen, der in Thüringen Regelschule, in Schleswig-Holstein Regionalschule genannt wird.
Im Sinne der Hauptschüler und ihrer Eltern und Lehrer sollte dieses Auslaufen aber in Würde erfolgen. Es ist weder hilfreich, wie es einige Schulpolitiker der Union betreiben, vorzugaukeln, die Hauptschulen seien mit ein paar Hilfsmaßnahmen für die Zukunft gewappnet. Noch ist es fair, wie es aufseiten der Sozialdemokraten und der Grünen verbreitet ist, die Hauptschulen rundweg als »Restschulen« zu schmähen.
Die Union muss sich eingestehen, dass es – außer der Macht der Gewohnheit – kein pädagogisches Argument, etwa aus der Begabungstheorie, für diese Schulform gibt und dass sie keine Strahlkraft entwickeln konnte. Rot-grüne Politiker sollten hingegen nicht vergessen, dass ausgerechnet ihre Schulpolitik die Hauptschulen an den Rand gedrängt hat – durch die zusätzliche Einführung von Gesamtschulen. In Bayern, wo rund vierzig Prozent der Achtklässler die Hauptschule besuchen, gibt es kein dramatisches Problem. Das wurde in Hamburg, Berlin und im Ruhrgebiet produziert, wo es nur um die zehn Prozent sind.
Die Bildungspolitiker müssen den Hauptschulen und den Hauptschülern eine vernünftige Perspektive bieten und sollten aufhören, sich auf ihrem Rücken zu profilieren.
- Datum 28.12.2008 - 18:07 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
- Kommentare 7
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könnte die Hauptschule sagen.
So ganz nebenbei wird im Artikel erwähnt dass in Bayern über 1/3 der Schüler die Hauptschulen besuchen. Das ist so.
Ebenso eine tragende Rolle spielt die Hauptschule in der Schweiz und Österreich wo es ebenfalls ein 3-gliedriges System gibt.
Hm. Bayern, Schweiz, Österreich.. echte Armutsinseln.
Anstatt immer auf den Kleinststaat Finnland zu schielen, der dem gemeinen alt68er sowieso latend sympathisch ist, wäre mal der realistische Blick gen Süden ganz heilsam bezüglich der "Restschule" die sich dort ganz gut macht. Die Schuldebatten in dieser Richtung waren noch nie mehr als Etikettenschwindel gesteuert von Stichwortreflexen.
und von mir aus auch die Leher! Dieser Artikel ärgert mich sehr. Typisch deutsche Bildungspolitik, die den Schulformen mehr Bedeutung beimisst als dem, wozu sie dienen sollen.
Die Hauptschule hat erwiesenermaßen versagt. Sie demotiviert, weil sie keine Chancen mehr bietet. Umso wichtiger ist es, sich zu fragen was man für die Menschen tun kann und muss, die jetzt immer noch dort ausharren.
Man schmückt sich mit den Ergebnissen der Gymnasien und verschweigt den schlimmen Zustand der Hauptschulen in den Ballungsräumen. Jeder 5. Hauptschüler in Bayern verlässt die Schule ohne Abschluss. Und dann wundedert man sich, dass sich diese Jugendlichen kriminell verhalten und Sozialleistungen beziehen. Tja, wie man in den Wald hineinruft so schallt es heraus.
war es nicht das Bestreben der Grünen und der SPD, die Gesamtschule neben dem dreigliedrigen Schulsystem einzuführen, sondern sie sollte es ersetzen. Was dabei der SPD/den Grünen anzukreiden war, ist, dass sie das Leistungsniveau der Gesamtschulabschlüsse einschl. Abitur im Niveau herabsetzen wollten, um mehr Schülern gerecht zu werden. Das hat die Gesamtschule zum gefundenen Fressen für die CDU gemacht, die daraufhin auf der vermeintlichen"Einheitsschule" herumreiten konnte, in der alle Kinder gleichgemacht werden. An heutigen Gesamtschulen ist dies widerlegt und sogar ins Gegenteil verkehrt, weil mit einem guten Konzept aus so manchem Hauptschulkind mehr herausgeholt werden kann, als je einer erwartet hätte und das ist mittlerweile erwiesen. Eine Gesamtschule neben dem dreigliedrigen Schulsystem zu etablieren war unheimlich schwer und gerade das kommt den heutigen Gesamtschulen zugute. Ihre Konzepte sind zukunftsweisend, individuell fördernd und differenzierend, die wahre Einheitsschule ist das Dreigliedersystem, das Kinder in Schubladen packt und entweder auf ALLEN Gebieten ein sehr hohes oder aber sehr niedriges Niveau einfordert. Die Schüler, die überall auf niedrigem Niveau unterrichtet werden an den herkömmlichen Hauptschulen sind am Markt kaum noch vermittelbar (das ist der volkswirtschaftliche Aspekt) und in ihrer Persönlichkeit herabgesetzt, weil ihre vorhandenen Begabungen unberücksichtigt bleiben, sie keine Herausforderung, sprich Anerkennung spüren. Noch immer hat man in Deutschland nicht gecheckt, dass Schule sich an den Kindern zu orientieren hat und nicht die Kinder sich an die Schule anpassen müssen. Jedes Kind sollte da herausgefordert werden, wo es in der Lage ist, mehr zu leisten und sollte da gefördert werden, wo seine Begabungen unterdurchschnittlich sind. DAS hat das Ziel der Schule sein. Dann würden sich alle ernster genommen fühlen: die Kinder, die Lehrer und die Eltern. Es ist mitnichten hinnehmbar und zwingend, dass derartig viele Schüler ohne Abschluss die deutschen Schulen verlassen. Würde man sich ihrer nur individueller annehmen und ihr Lebensumfeld berücksichtigen, man würde staunen, was in ihnen steckt. Schulleiter vieler Gesamtschulen bestätigen das mittlerweile. Wieso wird also die Zulassung dieser Schulform immer noch aus parteipolitischen Gründen vielerorts behindert und blockiert? Geht es um die Kinder oder geht es um Interessenpolitik im Dienste der Akademikereltern, für die Elite sich aus Herkunft, nicht aber aus Begabung ergibt?
Die Obrigkeit hat IMHO kein Interesse an einer gut ausgebildeten Bevölkerung. Bildungsmäßig gesehen haben wir hier ein Kastensystem.
Siehe dazu auch http://kommentare.zeit.de.... Das kommt einer primär auf Machterhalt fixierten politischen Klasse nur entgegen. Um es frei nach Reinhard Mey auszudrücken: Der Boss nimmt flüsternd den Minister beim Arm: Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!
Die Hauptschule hieß ja einmal zusammen mit der Grundschule Volksschule: Schule des Volkes. Heute ist Schule weder Schule noch des Volkes. In den Unterrichtsvollzugsanstalten wird der Lehrplan nach vorbereiteten perfektionierten Schablonen abgewickelt. Dadurch werden alle: Lehrer, Schüler und Eltern zu Objekten degradiert. Kein Wunder, wenn immer mehr immer stärker über Erschöpfung und Ausgebranntsein klagen; es ist ja alles ganau darauf angelegt. Wenn ich dieser Du-musst-Schule die neue Ich-kann-Schule als praktisches Kontrastmodell gegenüberstelle, wird es offensichtlich: Dort erschöpfen sich alle, indem sie alles für die Schwächen tun, hier dagegen stärkt man die geschwächten Stärken; dort macht man Erziehung mit Druck und verstärkt diesen bei Misserfolg auch noch - Erziehung mit Druck ist Erdrückung, dabei muss das Gegenteil herauskommen - in der Ich-kann-Schule meidet man Druck und sorgt für SOG-Wirkung, woraus die schönsten lebendigen Entwicklungen ganz logisch erfolgen. Natürlich ist die Ich-kann-Schule eine Schule des Volkes, denn sie wird nicht am Volke vollzogen sondern DIENT ihm, egal in welcher äußeren Schulschablone, über alle Schablonen hinauszuwachsen.
Warum tun wir uns denn in der Schulentwicklung immer so schwer? Ist es nicht die SINNfrage, auf die alle angeblichen Reformatoren (anders als die Ich-kann-Schule) bisher keine andere Antwort haben als neue Zwänge?
Mit unbequemen Grüßen
Franz Josef Neffe
Wer Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen ernst nimmt, kommt an einem gegliederten Schulsystem nicht vorbei.
Wer ein kostengünstiges Bildungssystem will, der vertreibt auf der einen Seite die Leistungsstarken an elitäre Privatschulen durch Etablierung von Pseudoeinheitsschulen und schafft auf der anderen Seite das Sitzenbleiben ab.
Nur der Name der Schulform muss geändert werden: Neue(s) Schilda braucht das Land.
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