Dieser ganze Tonträgerwahnsinn bei mir zu Haus! Links im Zimmer das Schallplattenregal, vom Fußboden bis unter die Decke, rechts eine halbe Wand CDs, in zwei Kisten in der Ecke noch Kassetten, auf dem Schreibtisch iMac und iPod mit einigen Gigabyte Musikdateien. Alle paar Jahre ein neues Medium, und alle wollen bei mir wohnen. Der ganze Abspielgerätewahnsinn kommt dazu. Plattenspieler, Kassettenrekorder, CD-Player, Rechner. Was die Stellfläche allein an Miete verschlingt…

Schluss jetzt, rufe ich in einer Aufwallung, weg mit den CDs! Dabei – fällt mir ein – habe ich mir neulich gerade noch mal eine gekauft. Im Feuilleton hatte ich eine so herzerwärmende Kritik gelesen, dass ich dachte, das muss ich haben. Die Musik war eine Art Jazz, genau lässt sich das ja heute manchmal gar nicht mehr sagen, und als ich bei Marga, meiner Plattenhändlerin, im Laden stand, meinte sie, klar, das Album könne sie mir bestellen. Aber das gebe es nur auf CD, ob ich das wirklich wolle?

Es war ein Doppelalbum, über 20 Euro hat es mich gekostet. In einer Papphülle steckte die eigentliche Plastikverpackung; man musste sie herausschieben, dann aufklappen, um an die beiden CDs zu kommen, die sich wiederum auf der Vorder- und Rückseite eines beweglich aufgehängten Plastikblattes befanden, gehalten jeweils von kreisförmig angeordneten Plastikzähnchen in der Mitte, einem Tonträgergebiss. Das klingt jetzt etwas umständlich, aber ich schwöre, so war es, und als ich die erste CD dem Gebiss entwinden wollte, brach gleich was ab, Plastikzahnausfall!

Dann hab ich sie in meinen CD-Player gesteckt, und er wollte sie nicht lesen, geschweige denn abspielen. Ich glaube, das liegt daran, dass er schon etwas älter ist und erst warm werden muss, denn nach einer Weile geht es immer oder jedenfalls meistens. Ich brauche ein neues Gerät, keine Frage, aber wenn ich jetzt das Ende der CD ausrufe, erscheint so eine Anschaffung natürlich wenig sinnvoll.

Die neue CD hat mir nicht so gefallen; bisher hab ich sie bloß einmal dringehabt. Vielleicht braucht sie noch Zeit, vielleicht war’s auch ein Fehlkauf, weil ich sie im Laden nicht anhören konnte. Ich weiß, ich weiß, man kann im Netz jede Platte hören, aber das sind Schnipsel in schlechter Tonqualität, und wenn’s um komplexere Musik geht, die sich langsam entfaltet, dann hilft das bei der Kaufentscheidung wenig.

Nun liegt die CD etwas verloren bei mir im Wohnzimmer herum, möglicherweise sollte sie auf Dauer einen Ehrenplatz bekommen. Schließlich habe ich mir seit sechs Jahren keine mehr gekauft, und alle CDs, die bei mir so herumstehen, sind noch von früher oder ein Geschenk.

Mit dem letzten CD-Kauf korrespondiert zufällig mein erster bezahlter Download. Ich suchte nach einem Lied aus einem Film der fünfziger Jahre, das ich in einer Instrumentalversion kannte. Ich rief iTunes in meinem Computer auf, ging auf Store durchsuchen und tippte den Titel ein: This Nearly Was Mine. Im Nu erschienen 100 Aufnahmen der Ballade. Ich entschied mich für die des amerikanischen Opernsängers Giorgio Tozzi. Eine Einzugsermächtigung über 99 Cent später war das Lied auf meiner Festplatte gespeichert. Tolle Sache.