Kapitalismus Wie der Linksruck uns nutzen kann
Mit dem Bankensystem gerät der gesamte Kapitalismus in Verruf. Nun gilt es, ihn zu retten, statt ihn zu verdammen

© Spencer Platt/AFP/Getty Images
Lieber nachdenken als verzweifeln: Szene an der Wall Street
Beweist der Zusammenbruch des Finanzsystems nicht auch, dass Hartz IV falsch war? Müssen Reformfreunde nicht Abbitte leisten, weil sie dem zerstörerischen Turbokapitalismus den Weg ebneten? So jedenfalls klingt es in der deutschen Kapitalismusdebatte. Darauf gibt es zwei Antworten, und beide haben am Ende ein klares Nein.
Die erste Antwort ist die einfache, weil sie sich einfache Gegner sucht. Gegner, die schon immer gegen mehr Markt waren und nun den Tag der Revanche gekommen sehen. Sie tun, als ob der deutsche ökonomische Aufbruch der vergangenen Jahre nichts weiter war als die Verschwörung des Finanzkapitals gegen den kleinen Mann. Durch ihre Worte schimmert Triumph gegenüber den Managern und ihren Apologeten sowie Schadenfreude gegenüber Amerika, als ob der jetzige Zusammenbruch nicht vor allem den Ärmeren und den Arbeitslosen zusetzen wird, um die es doch angeblich immer geht. Hier feiert eine Ideologie ihren scheinbaren Sieg über die andere, mehr nicht.
Es ist allemal interessanter, sich mit dem stärkeren Argument auseinanderzusetzen. Und das lautet: Die vielleicht gut gemeinten deutschen Reformen und das Treiben der enthemmten Banker sind eines (neoliberalen) Geistes Kind und deshalb untrennbar miteinander verbunden. Wer das eine fordert, treibt das andere indirekt voran – und wer den Staat an einer Stelle zurückdrängt, schwächt ihn überall.
Dieser Sichtweise kommt man nicht einfach bei mit der durchaus richtigen Beobachtung, dass in der Finanzkrise neben dem Markt auch der Staat gehörig versagt hat – und allein in Deutschland mit seinen eigenen Banken bislang fast 20 Milliarden Euro im Spekulationssumpf versenkt hat. Denn die Politiker wurden demnach von der Welle des Marktliberalismus mit weggerissen, sie konnten sich de facto nicht auflehnen gegen das lange Zeit so coole angelsächsische Finanzcasino.
Aber was heißt das alles? Doch nur, dass der Diskurs keine Differenzierung verträgt und die Politik von ideologischen Wellen getragen wird. Wenn das stimmt, können wir die jetzige Debatte gleich schließen und sagen: Ja, der Markt ist am Ende, jetzt kommt die nächste, die linke Welle, und wir können auch sie nur geschehen lassen.
In Deutschland beruft sich fast jeder auf Ludwig Erhard
Tatsächlich ist der Kapitalismus in der Legitimationskrise, wenn die Banken wanken und viele Bürger diesseits und jenseits des Atlantiks Angst ums Ersparte bekommen. Wieder einmal hat er die ihm innewohnende Tendenz unter Beweis gestellt, zu überdrehen und sich dadurch selbst zu bedrohen. Darin liegt die Dialektik des Systems: Seine Dynamik ermöglicht gewaltige Innovationen und Wohlstandssprünge – aber sie kennt kein natürliches Ende, bevor das zerstörerische Element das schöpferische überwiegt. Aus genau dieser Einsicht ist der Ordoliberalismus erwachsen, demzufolge der Staat mit strengen Regeln das Funktionieren der Märkte sichern und die Menschen vor existenziellen Risiken bewahren soll.
In Deutschland beruft sich fast jeder auf Ludwig Erhard und die Idee der sozialen Marktwirtschaft, doch die meisten tun es zu Unrecht. Tatsächlich steht dahinter die Idee: so viel Markt wie möglich, so viel Regelwerk wie nötig. Markt nicht als Selbstzweck, sondern weil auf diese Weise die Chance auf neuen Wohlstand besonders groß ist.
Allerdings verlangt dieser Ansatz nicht nur den Mut zu wirtschaftlicher Freiheit, sondern auch einen wahrhaft starken Staat. Keinen besonders großen, sondern einen, der gegenüber der Wirtschaft zu allen Zeiten Distanz wahrt und sich gegen wettbewerbsfeindliches Verhalten durchzusetzen weiß. Durch diesen Test sind Rot-Grün und Schwarz-Rot in Deutschland mehrfach gefallen. Etwa als Berlin die Konzerne davon befreite, die Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen zu versteuern. Oder jahrelang den Strommonopolisten die Stange hielt. Oder eben auf Wunsch der Banken das Zocken leichter machte. Es kommt darauf an, dass der Staat sich gerade dann als mutig erweist, wenn die Gewinne sprudeln und der Enthusiasmus auf die Spitze zustrebt.
Gibt es einen Fortschritt im Hin und Her von Markt und Staat?
Freilich: Bei der Agenda 2010 hat sich Rot-Grün nicht von der Industrie leiten lassen, sondern von der miserablen deutschen Lage. Schon vor der Wiedervereinigung hatte sich die Arbeitslosigkeit im Westen verfestigt. Dann kamen die neuen Bundesländer hinzu, und der Druck zu mehr Differenzierung auf dem Arbeitsmarkt stieg weiter an, denn von der Kapitalausstattung und von der Ausbildung her war die Wirtschaft nun deutlich heterogener als vorher. Schließlich sorgte die Globalisierung noch dafür, dass westliche Arbeitnehmer mit Hunderten Millionen Indern und Chinesen konkurrieren mussten. Zum Handeln drängte hier nicht die Ideologie, sondern die Realität.
Der Erfolg hat sich auch eingestellt. Deutschland zählt heute so wenig Arbeitslose wie seit 15 Jahren nicht mehr, Vollbeschäftigung erscheint möglich, und im Jahr 2006 ist erstmals seit geraumer Zeit die Zahl der Armen gesunken. Ist das etwa ein Ausweis der Unzulänglichkeit des Kapitalismus?
Nirgendwo fand die These, dass den reichen Nationen die Arbeit ausgehe, in den vergangenen 25 Jahren so viele Anhänger wie bei uns. Mochten auch Länder von Dänemark bis Australien das Gegenteil beweisen, so hielten in Deutschland doch weite Kreise an der Idee fest, dass man Arbeit umverteilen müsse, weil es so wenig davon gebe. Erst glaubte man also an das Ende der Arbeitsgesellschaft, jetzt an ihre Ungerechtigkeit.
Auch diese These ist falsch. Was wäre ungerechter als Massenarbeitslosigkeit? Zwar sind im Boom die Einkommen tatsächlich noch ungleicher geworden, und viele warten noch auf höhere Löhne. Doch das ist Ausdruck der tiefen deutschen Krise vorher und neuer Steuern und nicht die Folge einer allgemeinen Fehlfunktion der Marktwirtschaft. Manche Ungleichheit ist notwendig, um die Ungerechtigkeit der Arbeitslosigkeit abzuwenden.
Wahr ist aber auch, dass die Deutschen viel unnötige Ungleichheit erzeugt haben, die nichts dazu beiträgt, mehr Jobs zu schaffen. Wenig Bildungschancen für armer Leute Kinder, ein hohes Armutsrisiko für Alleinerziehende, hohe Abgaben für Normalverdiener, während reiche Erben kaum Steuern bezahlen – das sind wirkliche Armutszeugnisse fürs Land, auf die es zu reagieren gilt.
Schon vor dem großen Bankenkrach war die Welle des Marktliberalismus verebbt, hatte der sogenannte Linksruck in Deutschland und anderswo begonnen. Nun bekommen diejenigen, die das Heil im Staat statt im Markt sehen, weiteren Auftrieb. Die Frage ist nur, wozu die neue Gestaltungsenergie genutzt wird. Bisher fiel der Berliner Regierung nicht viel mehr ein, als Reformen einfach zurückzudrehen. Das ist aber nicht gut genug.
Dass sich Wellen der Liberalisierung und Regulierung ablösen, ist angelegt im ökonomischen Kräftespiel. Der übertriebene Keynesianismus der siebziger Jahre forderte die Gegenbewegung genauso heraus, wie es heute umgekehrt das Desaster des ungeregelten Finanzsystems tut. Der Kölner Soziologe Wolfgang Streeck glaubt sogar: Durch die jeweils herrschende Lehre wandeln sich Menschen und Institutionen derart, dass die Lehre nicht mehr funktioniert. Ein faszinierender Gedanke und zugleich ein beängstigender. Für die an den allgegenwärtigen Staat gewöhnte Wirtschaft der siebziger Jahre war die Deregulierung eine Befreiung, aber dann griff die Gier um sich und führte das neue System an den Abgrund.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob wir dem periodischen Hin und Her zwischen Markt und Staat, zwischen Liberalisierung und Reglementierung, einen Fortschritt der Erkenntnis und des politischen Handelns abringen können. Ob wir die Dynamik der Marktwirtschaft nutzen und trotzdem dem Verlangen der Menschen nach Sicherheit nachkommen können.
Im Sozialen würde das heißen, auf der Agenda 2010 aufzubauen und sie nicht einfach wieder abzutragen – also für mehr Fairness zu sorgen und trotzdem im nächsten Aufschwung weiter in Richtung Vollbeschäftigung zu marschieren. Die Lehre aus der großen Privatisierungswelle lautet auch nicht, dass der Staat nichts mehr verkaufen darf oder gar das Verkaufte zurückverlangen sollte. Vielmehr sollte er sich künftig nur aus einer Position der Stärke von Volksvermögen trennen – und nicht, wenn die privaten Käufer ihm alle Konditionen diktieren können.
Am meisten gäbe es im Finanzwesen zu lernen. Denn reines Verbieten bisheriger Bankpraktiken führt nicht weit, weil es sich an den gestrigen Eskapaden orientiert und neue auf Dauer nicht verhindert. Schließlich wollen Politiker im großen Boom tatsächlich keine Spielverderber sein, zumal dann auch die Steuern reichlich fließen. Alternativ können sie von vornherein unabhängige Zirkel bilden, deren Risikoanalyse für die Bankaufsicht verbindlich ist – und antizyklische Regeln erlassen: Spanien zum Beispiel schreibt seinen Banken vor, dass sie im Boom mehr Kapital zurücklegen müssen als in der Flaute, und ist damit in der Krise bisher relativ erfolgreich. Außerdem mussten dort auch zockende Sondergesellschaften der Banken mit Kapital unterlegt werden, anders als bei den deutschen Instituten.
Das alles geht freilich nicht, wenn die Gegenbewegung von Revanchismus getragen wird. Wenn es vor allem darum geht, den reichen Bankchefs eine Lehre zu erteilen, statt das System dynamisch und stabil zugleich zu machen. Wenn die Marktreformen ausgemerzt werden sollen, statt sie mit mehr Fairness zu flankieren. Wenn statt der gestern dominanten Lobbyisten nun die anderen das Sagen haben sollen.
In der ökonomischen Debatte hat sich Deutschland bisher nicht als besonders differenzierungsfähig erwiesen. Und die vielen pauschalen Reaktionen auf die Finanzkrise sind auch nicht gerade ermutigend. Das muss sich ändern, im Wahlkampf und in den Denkstuben. Sonst sind uns andere Länder bald wieder voraus, die Skandinavier etwa, die auf pragmatische Art Wege zu mehr Arbeit und Gerechtigkeit, Wohlstand und Sicherheit ausprobieren.
- Datum 04.05.2009 - 10:53 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
- Kommentare 57
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Ich hab von einem Linksruck nichts bemerkt.
Den kleinen Leuten gehts wie bisher von Jahr zu Jahr
schlechter, und die schamlosen BRANDSTIFTER werden mit Milliarden
unterstützt.
Wieso befindet sich der Kapitalismus in der Legitimationskrise?!?
Die Gesetze der freien Marktwirtschaft gelten schließlich auf für Banken. Wer mit faulen Eiern handelt, den fegt es vom Markt. Insofern unterscheidet sich der Finanzmarkt in nichts von anderen Märkten. Die Finanzmärkte sind nicht ausreichend auf die Qualität ihres Handelsgutes hin geprüft worden. Das ist der Punkt. Die Analysten der Banken haben ganze Wirtschaftsbereiche durchanalysiert. Sich selbst haben sie nie auf den Prüfstand gestellt. Und dabei übersehen, daß ihre gesamte Branche an der Realität vorbeispekuliert hat. Ich kann da nur kalt lächeln.
Die Immobilienkrise in Japan war genauso fällig, absehbar und wurde letztendlich auch kuriert.
Was, bitte schön, hat denn eine schlampige bis nicht existierende "Bankenaufsicht" mit dem Kapitalismus zu tun?
Davon abgesehen, den Kapitalismus muß man nicht retten, weil er einfach die natürliche Wirtschaftsform des Menschen darstellt. Der Kapitalismus ist so "menschlich" wie der Niesreiz, wenn es in der Nase kribbelt. Beispiel:
Wenn vor 400.000 Jahren der Neander A zum Neander B pilgerte um fünf sauber ausgearbeitete steinerne Pfeilspitzen gegen eine Hirschkeule zu tauschen, was war das? Es war freier Handel! Und was ist freier Handel letztlich? Eben, es ist Kapitalismus!
Schon unsere frühesten Vorfahren waren Kapitalisten, im Grunde genommen. Der Kapitalismus ist die angeborenen Wirtschafts- und Handelsform aller irgendwie denkenden Lebewesen! Der K a p i ta l i s m u s ist die Urform allen wirtschaftlichen Handels!
Freihandel ist beileibe nicht gleichzusetzen mit Kapitalismus. Weder im direkten Vergleich noch via irgendwelche Proxysysteme...
Kapitalismus währe eher dort angesiedelt wo es heisst das man andere für sich arbeiten lässt... und andere kann man sehr leicht für sich arbeiten lassen indem man jemandem genügend Kredite, z. Bsp. in Form von Aktien, gibt so das von den Zinseinnahmen gelebt und neu investiert werden kann.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
aus dem Neandertal macht mich nahezu sprachlos.
Freihandel ist beileibe nicht gleichzusetzen mit Kapitalismus. Weder im direkten Vergleich noch via irgendwelche Proxysysteme...
Kapitalismus währe eher dort angesiedelt wo es heisst das man andere für sich arbeiten lässt... und andere kann man sehr leicht für sich arbeiten lassen indem man jemandem genügend Kredite, z. Bsp. in Form von Aktien, gibt so das von den Zinseinnahmen gelebt und neu investiert werden kann.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
aus dem Neandertal macht mich nahezu sprachlos.
Freihandel ist beileibe nicht gleichzusetzen mit Kapitalismus. Weder im direkten Vergleich noch via irgendwelche Proxysysteme...
Kapitalismus währe eher dort angesiedelt wo es heisst das man andere für sich arbeiten lässt... und andere kann man sehr leicht für sich arbeiten lassen indem man jemandem genügend Kredite, z. Bsp. in Form von Aktien, gibt so das von den Zinseinnahmen gelebt und neu investiert werden kann.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
@morgenrot - Ich habe nur von der Urform menschlichen Handels und Wirtschaftens geschrieben, mehr nicht. Das man den "Urhandel" von vor etwa 400.000 Jahren nicht mehr mit dem Wirtschaftshandel unserer Zeit vergleichen kann weiß ich auch; trotzdem ändert sich nichts am Grundprinzip.
Das der ungezügelte "freie Handel", ob nun Ware, oder Arbeitskraft nicht im Sinne einer irgendwie gearteten gerechten Gesellschaft sein kann, dies prägte ja schon der Begriff "Manchester Kapitalismus".
Dieser Begriff steht für rücksichtslose Ausbeutung, und zeigte, wohin ein unkontrollierter "freier Handel" bzw. Kapitalismus führt. Das ist doch nicht das Problem! Das wirkliche Problem liegt darin, in wie weit der Staat in den freien Handel eingreifen muß!, und nicht nur sollte, und wo er nichts zu suchen hat.
Die richtige Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik ist also letztlich eine Frage, was dient einerseits dem natürlichen menschlichen freien Handeslstrieb, und schützt andererseits den Mensch vor dem Mensch (Homo hominus lupus est!)?
Diese Frage wird über unsere Zivilisation entscheiden!
@morgenrot - Ich habe nur von der Urform menschlichen Handels und Wirtschaftens geschrieben, mehr nicht. Das man den "Urhandel" von vor etwa 400.000 Jahren nicht mehr mit dem Wirtschaftshandel unserer Zeit vergleichen kann weiß ich auch; trotzdem ändert sich nichts am Grundprinzip.
Das der ungezügelte "freie Handel", ob nun Ware, oder Arbeitskraft nicht im Sinne einer irgendwie gearteten gerechten Gesellschaft sein kann, dies prägte ja schon der Begriff "Manchester Kapitalismus".
Dieser Begriff steht für rücksichtslose Ausbeutung, und zeigte, wohin ein unkontrollierter "freier Handel" bzw. Kapitalismus führt. Das ist doch nicht das Problem! Das wirkliche Problem liegt darin, in wie weit der Staat in den freien Handel eingreifen muß!, und nicht nur sollte, und wo er nichts zu suchen hat.
Die richtige Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik ist also letztlich eine Frage, was dient einerseits dem natürlichen menschlichen freien Handeslstrieb, und schützt andererseits den Mensch vor dem Mensch (Homo hominus lupus est!)?
Diese Frage wird über unsere Zivilisation entscheiden!
Sobald mehr als die Hälfte der Menschen von HIV (oder etwas extremer, ohne jedes Einkommen gelassen werden) leben, gibt es keine Armen mehr. Jeder hat zumindest das Median-Einkommen zur Verfügung.
Das tröstliche also an jeder Krise: Die Mehrheit kann nicht verarmen.
Aus einer Abnahme der Armut lässt sich aber auch nicht unbedingt schließen, dass sich etwas zum Besseren verändert hat.
Also das Loblied auf die Agenda 2010 halte ich für übertrieben, da die berechtigte Kritik (Statistik wurde frisiert, Arbeitslosenzahlen sinken durch mehr Rentner, neue Jobs sind zum Teil von geringer Qualität, niedrige Löhne etc...) einfach ausgeblendet wird. Deutschland wird China und Indien (hoffentlich...) nicht gerade im Niedriglohnsektor erfolgreich Konkurrenz machen. Insofern denke ich, dass viele Ansätze an der Agenda 2010 schon von der Idee her (und nicht erst in der Ausführung oder Erklärung) falsch sind, was sich besonders deutlich am gegenwärtigen Fachkräftemangel zeigt.
Ich frage mich manchmal was einige Journalisten dafür kriegen, dass sie so kräftig Werbung für die Agenda 2010 machen.
Den Begriff "Linksruck" halte ich auch für ideologisch geprägt. Bei der Agenda sprach auch niemand vom "Rechtsruck". Das verwundert nicht: Sprachlich ist das ein ziemlich niedriges Niveau und derartige Bezeichnungen vernebeln um welche Inhalte es eigentlich geht.
Ansonsten ein interessanter Artikel und wesentlich besser, als das, was ich bisher von Uwe Jean Heuser gelesen habe.
Nach ca. 20 Jahren der in unglaublichen Dimensionen angelangten und beinahe ungebremsten Verherrlichung und Vergötterung (der Tanz um das Goldene Kalb) des Kapitals und der Traumrenditen (auf das leider immer mehr reduzierte Eigenkapital) wird es wohl Zeit, ernsthaft zur Besinnung und auf den Boden der realen Produktions und Arbeitswelt zu kommen...von echtem Konsum lässt sich bei den miesen Lohnerhöhungen der vergangen Jahre wohl kaum reden. Immerhin können generell die Unternehmen Gewinnsteigerungen von gut 200% auf 10 Jahre ausweisen während viele Lohnkategorien sogar Senkungen in kauf nehmen mussten..
...das hat (noch) nicht mit der Verteufelung des Systems zu tun. Kann aber soweit kommen wenn sich die Global aggierenden Protagonisten des Kapitals nicht freiwillig und in für normal sterbliche Verständlichen Dimensionen zurückhalten.
Ausserdem finde ich die Verfechter des Kapitalismus haben etwas empfindliche Seelen in Ihrer Brust wenn diese bei jeglicher Kritik gleich von Verteufelung reden...
Kritik ist angebacht. Sehr sogar. Hat doch dieses System so fantastische Aussmasse in der Beeinflussung von immer mehr Gesellschaftlichen Berreichen erreicht das es schon fast unerträglich ist. Alles, aber auch wirklich alles muss irgendeinen blöden Profit ausweisen anstatt das man sich Gedanken darüber gemacht hat wie denn der erwirtschaftete Reichtum vieler Länder nun mehr oder weniger gerecht verteilt werden könnte.
Viele solcher Umverteilsysteme wurden der lächerlichkeit Preisgegeben und Schritt für Schritt abgerissen. Die Profitablen Bereiche wurden fast Ausnahmslos privatisiert, oder sind kurz davor ohne das es für die Bevölkerung auch nur ein paar Cents echten Mehrwert gegeben hätte. Im Gegenteil... auch hier wurden die Unternehmen für maximale Renditen ausgepresst bis diese... ja, entweder per Konkurs erledigt wurden, oder mittels Outsourcing oder Entlassungen noch einmal mehr für Profite sorgen konnten.
Diese Profite wurden nun aber nicht mehr für den Staat, die Länder oder Gemeinden und somit das Gemeinwohl zur Verfügung gestellt. Nen, diese wanderten ungekürzt in Private Hände. Diese haben in den vergangen Jahren so fantastische Mengen an Kapital angesammelt das diese schon gar nicht mehr wussten wo noch Sinnvoll investiert werden kann.
Es mussten also für diese gigantischen Kapitalansammlungen die jeglicher normalen Vorstellung von Reichtum völlig abgehen (10, 20, 30, 40, 50 Mia. $ Vermögen für 1 Individuum) neue, sogenannte innovative, Investmentvehikel erdacht werden um die 100' von Mio. arbeitsloses Kapital auf irgendeine Art und Weise zu beschäftigen. So wurden alle Barrieren die es für Länderübergreifende Kapitaltransfers mal gab abgerissen. Ungehindert von Steuern und Transaktionsgebühren sollte es befreit um den Globus fliessen können.
Daher auch die komplette Blindheit für Renditesysteme welche 20% und mehr versprachen obwohl dies jeglicher kaufmänischer Kalkulationsregel wiedersprach.
... this is not the End...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
@morgenrot - Ich habe nur von der Urform menschlichen Handels und Wirtschaftens geschrieben, mehr nicht. Das man den "Urhandel" von vor etwa 400.000 Jahren nicht mehr mit dem Wirtschaftshandel unserer Zeit vergleichen kann weiß ich auch; trotzdem ändert sich nichts am Grundprinzip.
Das der ungezügelte "freie Handel", ob nun Ware, oder Arbeitskraft nicht im Sinne einer irgendwie gearteten gerechten Gesellschaft sein kann, dies prägte ja schon der Begriff "Manchester Kapitalismus".
Dieser Begriff steht für rücksichtslose Ausbeutung, und zeigte, wohin ein unkontrollierter "freier Handel" bzw. Kapitalismus führt. Das ist doch nicht das Problem! Das wirkliche Problem liegt darin, in wie weit der Staat in den freien Handel eingreifen muß!, und nicht nur sollte, und wo er nichts zu suchen hat.
Die richtige Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik ist also letztlich eine Frage, was dient einerseits dem natürlichen menschlichen freien Handeslstrieb, und schützt andererseits den Mensch vor dem Mensch (Homo hominus lupus est!)?
Diese Frage wird über unsere Zivilisation entscheiden!
da fällt mir ein Zitat von Arthur Schlesinger ein..." „Linke Zyklen beugen sich dem verderblichen Einfluss der Macht, konservative Zyklen dem verderblichen Einfluss des Geldes. Beide haben ihre charakteristischen Vor- und Nachteile..."
Also eigentlich nicht zur Beantwortung der Zivilisationsfrage... vielmehr scheint diese Frage nicht wirklich zu beantworten sein... Es aber dann einfach einseitig bei einem System zu belassen oder blind auf die Erfüllung desselben zuzusteuern, koste es was es wolle, kann es aber bestimmt nicht sein...
daher , so glaube ich, ist es an der Zeit das die Liberalisierer und Verfechter der sogenannten und etwas schönfärberisch klingenden "Eigenverantworung" sich mal besinnen und hinterfragen warum das aktuelle System so viele Fehler hat und warum sich diese trotz immer stärkerer Massnahmen (Hartz III -> HartzIV -> Hartz V) einfach nicht beseitigen lassen... Arbeitslosigkeit etwa ist ein Systemimmanentes Uebel d.h. ohne Arbeitslose kann dieses auf Kapital und Zins basierende System nicht funktionieren.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
"Kapitalismus ist die urspruengliche Form des menschlichen Handelns"?
What?
Demnach waere zum Beispiel Sushi eigentlich auch die Ur form des menschlichen Kochens (zur info: Bei Sushi ist der Fish roh, wie damals).
Nicht sehr clever.
Cheers,
Werner
ps., zur Erklaerung:
Abgesehen davon, dass sogar bei unsren Steinzeit Vorfahren sehr wohl lokale und vermutlich recht pragmatische Regeln den Handel gelenkt haben (siehe Hochzeiten, Religion, sonstige oft irrationale uralte Uebereinkommen):
Wie schon andre erwaehnt haben - es gab keinen Zins und keine Arbeitgeber/nehmer und ohne diesen Faktoren kann man das Wort "Kapital" garnicht in den Mund nehmen.
da fällt mir ein Zitat von Arthur Schlesinger ein..." „Linke Zyklen beugen sich dem verderblichen Einfluss der Macht, konservative Zyklen dem verderblichen Einfluss des Geldes. Beide haben ihre charakteristischen Vor- und Nachteile..."
Also eigentlich nicht zur Beantwortung der Zivilisationsfrage... vielmehr scheint diese Frage nicht wirklich zu beantworten sein... Es aber dann einfach einseitig bei einem System zu belassen oder blind auf die Erfüllung desselben zuzusteuern, koste es was es wolle, kann es aber bestimmt nicht sein...
daher , so glaube ich, ist es an der Zeit das die Liberalisierer und Verfechter der sogenannten und etwas schönfärberisch klingenden "Eigenverantworung" sich mal besinnen und hinterfragen warum das aktuelle System so viele Fehler hat und warum sich diese trotz immer stärkerer Massnahmen (Hartz III -> HartzIV -> Hartz V) einfach nicht beseitigen lassen... Arbeitslosigkeit etwa ist ein Systemimmanentes Uebel d.h. ohne Arbeitslose kann dieses auf Kapital und Zins basierende System nicht funktionieren.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
"Kapitalismus ist die urspruengliche Form des menschlichen Handelns"?
What?
Demnach waere zum Beispiel Sushi eigentlich auch die Ur form des menschlichen Kochens (zur info: Bei Sushi ist der Fish roh, wie damals).
Nicht sehr clever.
Cheers,
Werner
ps., zur Erklaerung:
Abgesehen davon, dass sogar bei unsren Steinzeit Vorfahren sehr wohl lokale und vermutlich recht pragmatische Regeln den Handel gelenkt haben (siehe Hochzeiten, Religion, sonstige oft irrationale uralte Uebereinkommen):
Wie schon andre erwaehnt haben - es gab keinen Zins und keine Arbeitgeber/nehmer und ohne diesen Faktoren kann man das Wort "Kapital" garnicht in den Mund nehmen.
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