Orhan Pamuk, Philip Roth, Marguerite Duras, Wisława Szymborska, John Rawls, Jeffrey Eugenides, Michel Foucault, Edward O. Wilson, Margriet de Moor, Shakespeare, Claude Lévi-Strauss, Susan Sontag, Céline. Wie klein wäre die Welt, wie beschränkt unser Denken, wie unendlich verarmt unsere Vorstellungskraft, ohne anregende Lektüre von Autoren wie diesen und anderen draußen in der Welt. Für die meisten Leser gilt: Kein Wort wüssten sie von der Weltliteratur und den großen Denkern, würde ihnen dieses Wort nicht von einem Übersetzer geschenkt. Satz für Satz. Buch für Buch. Die intellektuelle Geschichte der Welt hätte übrigens in ihrem Reichtum nicht stattgefunden.

Abwehr, Hohn, Beschimpfung, Gejammer, Scheinheiligkeit, Kaltschnäuzigkeit. Wie wunderbar wären unsere Feuilletons, würden einem dort nicht schon zum Frühstück Kommentare über die Entscheidung des Übersetzerverbandes serviert, der eine Honorarvereinbarung abgelehnt hat, von der sich die meisten Übersetzer keinerlei Verbesserung ihrer Lage versprechen. Es sollten bitte mal mehr als 1000 Euro netto sein! Für die Kommentatoren – Literaturkritiker, Verleger, Zeitungsredakteure – gilt nicht nur, dass vermutlich die wenigsten von ihnen in den Sprachen der Welt so zu Hause sind, dass sie ohne Übersetzerhilfe lesen könnten, sondern auch, dass die meisten sich einer saturierten Existenz erfreuen dürfen. Sie würden den Teufel tun, mit den Übersetzern zu tauschen, denen sie zu hohe Forderungen unterstellen. Verständlich, wer ist schon gerne Hungerleider?

Die Welt des Buches ernährt ihre Leute unterschiedlich. Unvergessen jener Sonntag, an dem man einem Grafiker begegnete, der am Vormittag das Cover für ein neues Buch hingeworfen hatte, an dessen Übersetzung ein anderer Freund über viele Monate ganztägig gearbeitet hatte. Große Literatur übrigens. Das vormittägliche Grafikerhonorar lag, hörte man erstaunt, satt über 50 Prozent des Übersetzerhonorars. Ja, aus so was erwächst Groll.

Interessant ist, dass am Buch gut verdient werden kann, oft aber am wenigsten von den Kreativen – Autor und Übersetzer, aus deren Sprache das Werk hervorgeht. Lektor, Hersteller, Verleger, Buchhändler, Literaturkritiker, alle schmücken sich mit ihrer Arbeit am Buch, das sie doch den Kreativen verdanken. Dies ist der böse Kern der Unversöhnlichkeit. Es geht auch um Abwehr einer schmerzlichen Wahrheit, die eine Neujustierung des eigenen Narzissmus verlangt. Ein Zurückstutzen der eigenen Rolle. Des Verlegers Risiko, die Entdeckerlust des Lektors, des Kritikers Scharfsinn, alles verblasst vor der Leistung derer, die Kunst hervorbringen. Und dafür angemessenen Lohn erwarten.

Alle Kalkulationen gehen dann nicht mehr auf? So ist es.