Hoteltest Eine Nacht bei Robert de Niro

Der Schauspieler hat ein Hotel im New Yorker Stadtteil Tribeca eröffnet. Es gibt viel Platz und kaum Nippes.

Man mag von Amerikanern halten, was man will – als Gastgeber sind sie schwer zu schlagen. Freundlich, entspannt, gut gelaunt. In New York kommt etwas hinzu, was Gäste von außerhalb leicht neidisch macht: Eine unnachahmliche Coolness, die keine Sekunde lang arrogant wirkt.

Die jungen Leute am Empfang von The Greenwich Hotel sehen in erfreulichem Maße gut aus. Dazu mag beitragen, dass sie munter und fröhlich sind, als hätten sie tatsächlich Spaß an ihrer Arbeit und als würden sie sich wirklich über eintreffende Gäste freuen. Wer den Gast eincheckt, führt ihn auch zum Zimmer und kommt mit einem so spontanen » Shall I show you to your room?« hinter dem Empfangstresen hervor, als sei dies keine Routine, sondern eine Idee, die eben erst entstanden ist. Man muss das nicht glauben, nett ist es trotzdem.

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Es gibt im The Greenwich 88 Zimmer und Suiten mit 88 verschiedenen Einrichtungen. Von Raum zu Raum unterscheiden sich die antiken Lampen, die Bücher in den Regalen, die Hand gewobenen Teppiche aus Tibet, die dunklen Ledersessel aus England und die Bäder, die mal mit bunten marokkanischen Mosaikkacheln gefliest, mal mit weißgrauem Carrara-Marmor ausgelegt wurden. Gleich sind nur die schweren, sehr bequemen Holzbetten und die kostenlose Auswahl an Snacks – von New Yorker pretzels über Kartoffelchips bis M&Ms – die für kleine Hungerattacken bereitsteht. Als Konzession an den Zeitgeist wurden die Zimmer mit WLAN-Anschlüssen, Kunstbänden und Bose-Musikanlagen ausgestattet. Man ist schließlich in New York.

The Greenwich Hotel gehört Robert de Niro. Der Schauspieler gilt als der heimliche Herrscher von New Yorks Downtown-Viertel Tribeca. Hier hat er bereits zwei Edelrestaurants eröffnet, ein teures Apartmenthaus errichtet und ein Filmfestival samt Filminstitut und Filmcenter gegründet. Sein neues Luxushotel soll die Gegend zusätzlich aufwerten. Wer ihn aus seinen Filmen zu kennen glaubt und sich seinen Wohnstil vorstellt, muss zugeben, dass The Greenwich zu ihm passt: Es ist schnörkellos, ein kleines bisschen verwohnt und sehr männlich. Es gibt viel Platz und kaum Nippes.

Von außen wirkt der wuchtige, leicht verwitterte Bau, als habe er schon immer in Sichtweite des Hudson River und in Laufweite von Soho, dem Broadway und Chinatown gestanden. In Wirklichkeit ist das Gebäude brandneu, errichtet auf einem ehemaligen Parkplatz, allerdings mit alten, handgeformten Backsteinen, die aus den Beständen einer stillgelegten Ziegelei in Pennsylvania stammen. Innen gleicht das Hotel einem italienischen Landhaus – und tatsächlich lassen sich hier problemlos amerikanische Gäste finden, die glauben, so und nicht anders lebe man in der Toskana. Mit Böden aus ungeschliffenen Terrakottaplatten oder unpolierten Eichendielen, mit Decken, die von massiven Holzbalken getragen werden, und mit Sesseln, auf denen eine Großmutter mit fünf Enkelkindern bequem Platz findet. Der Fake ist gelungen, trotzdem bleibt er durchschaubar. Für ein Landhaus sind die Dimensionen zu groß, die Textilien zu ungewöhnlich, das Mobiliar zu eklektisch. Doch was macht das schon? Niemand wird die Einrichtung hinterfragen, solange sie gut aussieht und ihren Sinn erfüllt.

Zum Hotel gehört das italienische Restaurant Ago. Es ist bodenständig und kommt ohne modischen Schnickschnack aus. Lieber bereitet Küchenchef Agostino Sciandri – ein gebürtiger Italiener, man glaubt es kaum – eine knapp 800 Gramm schwere bistecca fiorentina von amerikanischen Rindern zu, kräftig gesalzen, scharf angeröstet und zart wie Butter. Auf der Speisekarte stehen auch hausgemachte Bandnudeln mit Wildschweinragout und Dinkelsalat mit gebratenen Auberginen, dazu gibt es eine Weinauswahl, die alles andere als bescheiden ist. Hier fühlt man sich tatsächlich wie in Italien auf dem Land. Nur dass es dort keine Chill-out-Musik gibt und keine Bar mit schick gekleideten, Martini trinkenden Menschen.

The Greenwich Hotel, 377 Greenwich Street, New York, Tel. 001-212/9418900,www.thegreenwichhotel.com, DZ ab 624 US-Dollar

 
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