Sozialpolitik Teuer bezahlte SparsamkeitSeite 3/3
Manche Initiativen, die sich um das Wohl von Kindern bemühen, kritisieren die Verknüpfung des Themas mit ökonomischen Argumenten. Sie verwahren sich dagegen, Kinder als künftige Arbeitskräfte zu sehen, die der Wirtschaft Gewinne bescheren sollen. Eine solche Betrachtung von Kinderarmut empfinden sie als herzlos. Nur: Die Appelle an das Mitgefühl und die soziale Gerechtigkeit haben schon bislang wenig bewirkt. Daran wird sich auch künftig wenig ändern.
Die Umweltbewegung hat es vorgemacht. Solange sie allein die Zerstörung der Natur und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten beklagte, gab es bestenfalls ein wohlmeinendes Nicken. Erst seitdem sie ökonomisch argumentiert und auf Schäden für die Volkswirtschaft verweist, folgen plötzlich Taten. Was dem Wachstum schadet, rückt auf der Prioritätenliste ganz nach vorn. Deshalb ist es wichtig, jenseits des Mitgefühls auch die Folgen für die Ökonomie deutlich zu machen, wenn sich etwas ändern soll. Langfristig, das belegen amerikanische Studien, erzielen Investitionen in die Förderung benachteiligter Kinder extrem hohe Renditen. Denn die Folgeschäden von Kinderarmut kosten die Volkswirtschaft weit mehr als die Maßnahmen, die sie verhindern könnten. Sie werden nachfolgende Generationen mindestens ebenso belasten wie die Staatsverschuldung.
Auch deshalb müssen die Politiker dringend Weichen stellen für die hinreichende Versorgung der betroffenen Kinder, ihre nachhaltige Förderung und Chancengleichheit bei der Bildung. Doch mit dem Ruf nach mehr staatlichem Engagement allein ist es nicht getan. Beim Kampf gegen die Kinderarmut ist die gesamte Gesellschaft gefordert. Die Unternehmen werden als Sponsoren gebraucht, sie müssen mit Schulen kooperieren und benachteiligten Jugendlichen eine Ausbildung bieten. Und jeder Einzelne kann sich in Initiativen für arme Kinder engagieren. Wir alle müssen die Sinne schärfen für die vielfältige Benachteiligung dieser Kinder und ihr entgegenwirken. Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft.
Der Text ist ein Auszug aus dem neuen Buch unserer Autorin Ulrike Meyer-Timpe
Ulrike Meyer-Timpe: Unsere armen Kinder Wie Deutschland seine Zukunft verspielt. Pantheon, 205 Seiten, 12,95 €
- Datum 28.05.2009 - 10:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Man kann die Armut von Kindern nur bekämpfen, wenn man etwas gegen die Armut ihrer Eltern unternimmt!
Solange Politiker und Wirtschaftsbosse ungestraft darüber schwadronieren dürfen, dass die Hartz-IV-Sätze zu hoch sind und dass auch ein Stundenlohn unter 3 Euro beispielsweise für einen Altenpfleger gerechtfertigt ist, werden alle wohlmeinenden Appelle ungehört verhallen.
Ein Arbeitnehmer MUSS von seinem Lohn leben können, ohne weitere staatliche Unterstützung, und die Hartz-IV-Sätze müssen so hoch sein, dass Eltern ihren Kindern eine vernünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen können. Ferner gehört die
frühkindliche Bildung erheblich ausgebaut, das Schulsystem auf die heutigen Anforderungen ausgerichtet und der Zustand abgeschafft, dass beinahe 30% Prozent eines Jahrgangs die Schule gänzlich ohne Abschluss verlassen. Zudem müssen alle Kinder und ihre Eltern Zugang zu weiteren Bildungsangeboten erhalten und Berührungspunkte mit der
vielfältigen Kultur unseres Landes bekommen. Und zwar ohne erhobenen Zeigefinger und gerümpfte Nase.
Wir können uns das Berufsbild „Hartz-IV-Empfänger“ nicht leisten! Um dies zu vestehen, braucht es keine Studien aus den USA, da reicht etwas gesunder Menschenverstand völlig aus - aber der scheint in den oberen Etagen unserer Gesellschaft abhanden gekommen zu sein.
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