Schriftsteller Gleich kracht’s!

Sieben Jahre war er weg. Jetzt ist er wieder da, mit einem Roman über einen hundertjährigen Weltkrieg. Der frühere Popautor schreibt einen Literaturklassiker. Ein Tag mit Christian Kracht

Die Besten werden die Ersten sein, und zwar hier und jetzt, der Herr belohnt sie gleich. Das ist das puritanische, das liberale Modell. Der Herr, das ist der Markt. Im Fall der Literatur, etwas diffuser, die literarische Öffentlichkeit.

Oder so: Die Besten werden verkannt und sterben früh. Das ist das romantische Modell.

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Wie aber ist es mit Christian Kracht?

»Hätte ich so weitergemacht«, sagt er, »wäre ich in drei Jahren tot gewesen.« Er spricht vom Trinken. Vor einem Jahr habe er damit aufgehört. Seitdem lebt er von Wasser und Zigaretten. Und vor einem Jahr hat er geheiratet. Für das romantische Modell wäre er also verloren. Wie es aber aussieht, verhält es sich mit dem puritanischen Instant-Karma-Modell nicht anders. Christian Kracht hat zwei der besten Bücher geschrieben, die in jüngerer Zeit erschienen sind – Faserland (1995, da war er 29 Jahre alt) und 1979, sechs Jahre später. Dass es ihm die Götter reich gelohnt hätten, kann man nicht behaupten.

»Sie wollten wieder über Popliteratur reden«, sagt er und schaut etwas ratlos. Er kommt von einem kleinen Interviewmarathon. Wir sind in Zürich. Es gefällt ihm hier. Hier ist er beinahe zu Hause. Er wuchs in der Schweiz auf. Wir irren ein wenig herum auf der Suche nach einem Taxi zum Zürichsee. Da wollen wir in der Sonne sitzen und über sein neues Buch reden. Es hat den schönen, auf beunruhigende Weise beruhigenden Titel Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten.

Dann sitzen wir auf den flachen Stufen am Ufer, die Sonne scheint noch einmal sehr warm auf den Zürichsee, er ist ein einziges Glitzern und Gleißen.

»Das Buch«, sagt er, »es ist ernst gemeint.«

Er sagt es leise, eindringlich, als fürchte er, man glaube ihm das wieder nicht. Er ist, das ist das Wunderbare an ihm, die poetische Ausnahme, aber eben auch die Provokation. So einer hat Freunde und Feinde, und seine Feinde nehmen ihm die Aura von richesse und Dandytum übel, die um ihn und an der er nicht unschuldig ist. Aber was soll ein junger Dichter tun, der herauswill aus der trüben Konvention? Er steigt aufs Pop-Trampolin, springt so hoch er kann und versucht dabei so gut auszusehen wie möglich.

Er ist gesprungen – in die Literatur. Von allen, die auch hüpften, ist er derjenige, der zum Schriftsteller wurde. Und warum, Herrgott, soll es nicht einmal einen deutschen Gegenwartsautor geben, der dabei auch noch gut aussieht?

Vier Jahre habe er am neuen Roman gearbeitet, sagt er. Einmal sei er ihm geraubt worden. »Das war in Paraguay, da haben Polizisten mich vergiftet. Ich hatte einige Romankapitel geschrieben und den Laptop im Rucksack dabei. Ein Freund und ich waren in einer Bar, es war spät, dann gingen die Rollläden runter, wir dachten, schön, eine kleine Party. Wir hatten uns mit ein paar Herren ganz angenehm unterhalten, Polizisten. Die schütteten uns dann Rohypnol ins Bier. Es macht, dass man gefügig und willenlos wird. Sie beraubten uns, die Gegend ist bekannt dafür. Der Laptop war weg, ich musste alles neu schreiben.«

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