Energiegewinnung Energie aus Teufels KücheSeite 3/3
Sollen die Anlagen in Island viele Jahre halten, müssen ihre Metallteile gut geschützt werden. Aber wie? Erfahrungen aus den Kohlekraftwerken, die auch überkritisches Wasser benutzen, helfen nicht weiter. »Die haben bisher keine Probleme mit Korrosion«, sagt Starflinger. Allerdings verwenden sie hochreines Wasser, das sie obendrein mit chemischen Zusätzen entschärfen. Bei der Geothermie kann man sich das Wasser nicht aussuchen, sondern muss nehmen, was aus der Tiefe kommt. Niemand weiß genau, welche Zusätze der Vulkan dort einrührt.
Bleibt noch das Problem, das überkritische Wasser bis zur Oberfläche zu bringen, ohne dass es einen erheblichen Teil seiner Energie verliert. Das kilometerlange Förderrohr wirkt wie ein Kühler, das die kostbare Energie raubt. Eine Abkühlung und gleichzeitige Druckentlastung könnte zu einer Verflüssigung des Wassers führen. »Wir müssen nach Möglichkeit die Temperatur halten, damit wir nicht im flüssigen Bereich landen«, sagt GFZ-Experte Huenges. Eine Isolierung könnte helfen – aber die würde die Röhre enger machen, sodass die Energieausbeute geringer ausfiele.
So verwegen das isländische Projekt auch wirkt, es soll doch nur ein weiterer Meilenstein sein bei der Entwicklung der Erdwärmenutzung: Nach den flachen Erdwärmepumpen, die längst Wohngebäude klimatisieren, den tiefen Bohrungen, die heißes Wasser zum Heizen und Dampf zum Verstromen liefern, und den künstlich geschaffenen Durchlauferhitzern wie in Basel, die sogar aus trockenem Gestein Energie zapfen, kommt jetzt der Zugriffversuch in die heißen Eingeweide der Erde. Wenn er gelingt, könnten auch andere Länder profitieren – vorausgesetzt, sie verfügen über aktive Vulkane. Auf der Liste der potenziellen Nutznießer stehen etwa El Salvador, Kenia, die Philippinen oder Costa Rica, wo schon heute bis zu 20 Prozent der Elektrizität aus Erdwärme gewonnen wird. Allerdings müssen sie sich noch einige Jahre gedulden.
- Datum 03.08.2009 - 13:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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"Energie aus Teufels Küche" - man merkt: dem Autor ist diese Art von Energiegewinnung nicht geheuer. Herr Jacob, sind sie abergläubisch? - könnte ein aufgeklärter Zeitgenosse höhnisch fragen. Doch das ungute Gefühl, das der Artikel spüren lässt, ist uralt und hängt wohl mit der ebenfalls uralten Vorstellung von der heiligen Mutter Erde zusammen, die in ihrer Güte alles wachsen lässt, was der Mensch als Nahrung braucht. Trotzdem verletzt er sie in sündiger Gier, indem er auf der Suche nach Gold und anderen Bodenschätzen schürfend in ihre Eingeweide eindringt. Diese Gier, die den Mensch von den Tieren unterscheidet, ist krank und verursacht Schuldgefühle und Angst (Klaus Jacob erinnert an den Schreck der Baseler 2006). Der Römer Plinius der Ältere gibt diesem unguten Gefühl in seiner "Naturgeschichte" (33,1) Ausdruck:
"Von den Metallen, den Schätzen selbst und von den Werten der Gegenstände wird nun gesprochen werden, da unsere einzige Sorge das Innere der Erde auf vielfache Weise durchsucht; hier nämlich durchgräbt man sie auf der Jagd nach Reichtum, weil die Welt nach Gold, Silber, Elektron und Kupfer verlangt, dort der Prunksucht zuliebe nach Edelsteinen und Färbemitteln für Wände und Holz, anderswo um verwegenen Treibens willen nach Eisen, das bei Krieg und Mord sogar noch mehr geschätzt wird als das Gold. Wir durchforschen alle ihre Adern und leben auf ihr dort, wo sie ausgehöhlt ist, wobei wir uns noch wundern, dass sie zuweilen birst oder zittert, wie wenn dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der heiligen Mutter Erde gedeutet werden könnte. Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, gleichsam als wäre sie dort, wo sie betreten wird, nicht genügend gütig und fruchtbar; und am wenigsten durchwühlen wir sie dabei der Heilmittel wegen, denn wie vielen ist schon die Heilkunde ein Grund zum Graben? Und doch bietet sie auch diese Gabe an ihrer Oberfläche wie Früchte, freigebig und bereitwillig in allem, was überhaupt Nutzen bringt. Nur das vernichtet uns, nur das treibt uns zur Unterwelt, was sie verborgen und versenkt hat, nur das, was allmählich entsteht, so dass der ins Leere emporstebende Geist bedenken mag, was für ein Ende ihre Ausbeutung in all den Jahrhunderten finden und bis wohin die Habgier noch vordringen soll. Wie unschuldig, wie glücklich, ja sogar wie köstlich wäre das Leben, wenn die Menschheit nichts anderwoher als über der Erde zur Erfüllung ihrer Wünsche suchte, kurz, nur das, was sie umgibt."
(Übersetzung: Roderich König in Zusammenarbeit mit Gerhard Winkler)
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