Popkomm 2008 »Illegale Downloads sind Diebstahl«
Wie soll die Musikindustrie mit dem Internet umgehen? Seit dem Jahr 2000 haben Raubkopien die Umsätze nahezu halbiert. Ein Streitgespräch aus Anlass der Branchenmesse
DIE ZEIT: Seit einem vollen Jahrzehnt klagt die Musikindustrie über sinkende Umsätze und dramatische Verluste durch Raubkopien. Wie steht es zur Stunde um den Patienten? Hat er Überlebenschancen, oder wird er nur noch künstlich beatmet?
Maurice Summen: »Ein Unternehmer, der nicht jammert, dem geht es schlecht«, sagt der Volksmund – und behält recht. Noch immer verdienen die Konzerne mächtig viel Geld mit Musik, auch mit dem Verkauf von CDs, nur eben nicht mehr ganz so viel wie in den Achtzigern, als Digitalisierung noch ein Fremdwort war. Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs von der Musikindustrie hin zur Musikwirtschaft, daher der Katzenjammer. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Branche, die mit der Vermarktung von Bluesmusik groß geworden ist, hat auf einmal selber den Blues.
Dieter Gorny: Halten wir fest, dass der Blues alle betrifft, auch die Künstler. Als erste Branche der Kreativwirtschaft sind wir massiv von der Tatsache betroffen, dass das Produkt, das wir herstellen, einerseits einen spannenden, wichtigen, neuen Vertriebsweg übers Internet findet, andererseits aber das Internet die Verkaufbarkeit der Musik schwierig macht. In der letzten Dekade haben wir fieberhaft nach einem Umgang mit dieser neuen Situation gesucht. Zu einer Lösung können wir nur kommen, wenn wir realisieren, dass alle in einem Boot sitzen: die sogenannte Industrie, aber auch die Künstler, und letztlich auch die Konsumenten.
ZEIT: Aufgrund der vielen Fälle von Kriminalisierung durch den Phonoverband konnte man den Eindruck gewinnen, gerade der Konsument sei der natürliche Feind der Musik.
Gorny: Das ist doch Unsinn. Ein Problem mit der Basis hätten wir, wenn niemand sich für unsere Produkte interessieren würde. Das ist aber gerade nicht der Fall, nie war das Interesse an Musik größer als heute. Was wir haben, ist ein Problem mit der Abrechnung. Es kann doch nicht sein, dass wir so dumm sind zu glauben, nur das, was man anfassen kann, hat einen Wert. Im digitalen Zeitalter! Deshalb fordere ich eine Debatte über den gesellschaftlichen Wert von Kreativität: Die Leute müssen einsehen, dass illegale Downloads Diebstahl sind.
Summen: Ich kann nur Public Enemy zitieren: »Don’t believe the hype!« Dieses schlechte Gewissen, das wir alle haben sollen, diese Angst, die uns durch Mark und Bein fahren soll, wenn wir für unsere Schwiegermutter eine CD brennen: Das ist die Politik von Mächtigen. Als Künstler mache ich nicht nur Musik für die Leute, die es sich leisten können, eine CD von mir zu kaufen. Darum kann man sich das aktuelle Album meiner Band, der Türen, auch komplett als Stream auf unserer Homepage anhören. In guter Qualität. Bitte, Herr Gorny, stecken Sie diese Menschen nicht ins Gefängnis, wir brauchen wirklich jeden Fan!
Gorny: Dem einzelnen Künstler ist es natürlich freigestellt, seine Musik zu verschenken. Es gehört zu seiner Autonomie zu sagen: Hier, nimm sie. Aber dass Musikdiebstahl im großen Stil geduldet werden soll, weil der Glaube vorherrscht, die kreative Leistung sei nichts wert – das kann nicht sein, und das ärgert mich auch. Erst vor Kurzem war ich wieder im Elektronikmarkt, da hängt über der Kasse groß ein Schild: Jeder – mit Ausrufezeichen –, JEDER! Diebstahl wird zur Anzeige gebracht. Und bloß weil es um digitale Produkte geht und keiner sie anfassen kann, soll es sich um ein Bagatelldelikt handeln?
ZEIT: Hat die Branche zu lange auf den materiellen Tonträger gesetzt, die CD?
Summen: Solange eine Band wie Rosenstolz eine Million Alben verkauft, muss die Antwort ganz klar Nein lauten. Noch bis in die neunziger Jahre wurden in bestimmten Genres, zum Beispiel bei Schlagern, immer noch bespielte Musikkassetten besser verkauft als CDs oder LPs. Alte Formate laufen so lange neben den neuen, technisch-innovativeren Formaten her, bis es sich eben nicht mehr lohnt, solche herzustellen. Und mal von Unternehmer zu Unternehmer gesprochen: Es kostet ja nichts, eine CD herzustellen. Die Marge ist unglaublich hoch.
Gorny: Davon leben wir letztlich alle: von verkaufter Musik. Die neuesten Statistiken besagen, dass wir als Branche, von den Mittelständlern im Independent-Bereich bis hin zu den Großen, einen Riesensockel der Umsätze – um die 90 Prozent – noch immer mit traditionellen Medien erwirtschaften. Ich warne in dem Zusammenhang vor ideologischen Argumentationen: An diesem System hängen Arbeitsplätze, in Produktion, Warenhaltung und Organisation. Richtig ist aber auch, dass wir uns der digitalen Herausforderung stellen müssen, sonst werden wir von der Entwicklung überrollt.
ZEIT: Auf Branchenmessen wie der Popkomm wird seit Jahren das Musikabo aus dem Netz herbeigeredet. Warum setzen sich attraktive Internetangebote trotzdem nur langsam durch?
Summen: Das müssen Sie Herrn Gorny fragen. Ich habe nichts gegen eine Flatrate. Ein Radio, in dem ich mir die Titel selbst aussuchen kann, eine Jukebox für das traute Heim: fantastische Vorstellung.
Gorny: Eine schöne Vorstellung, ja. Dass ich im Zeitalter der Mobilität, des iPods auch solche Szenarien denken muss, dass die über kurz oder lang auch eintreten werden: einverstanden. Aber zum einen war die digitale Revolution eben heftiger, als alle dachten. Und zum zweiten ist die Flatrate kein Allheilmittel: Von offenen urheberrechtlichen Fragen abgesehen, läuft der Künstler Gefahr, im Datenstrom unterzugehen.
Summen: Es ist doch eher so: Konzerne funktionieren wie Beamtenstuben. Alles geht sehr lange Wege. Dann gibt es auch noch hohe Personalfluktuation. Manager in Krisen werden vor die Tür gesetzt, obwohl sie vielleicht im Begriff sind, eine überfällige Modernisierung zu vollziehen. Aber das ist ja kein Alleinstellungsmerkmal der Musikindustrie.
Gorny: Ach, dieses Gerede von den Großen und den Kleinen, das ist doch Kinderkram: Wir sollten uns lieber auf gemeinsame Ziele besinnen. Ich erinnere daran, dass von den 350 Mitgliedern unseres Verbands nur vier Majors sind, die anderen sind alle klein. In einem Punkt möchte ich Herrn Summen aber recht geben: Die Branche muss und wird sich ändern. Schon jetzt wäre es besser, statt von »der Musikindustrie« von Dienstleistern zu sprechen. Die, die die beste Dienstleistung erbringen, werden sich durchsetzen.
ZEIT: Bleiben wir einmal beim Künstler: Wenn alle nur das Beste wollen, warum arbeiten so viele Musiker an der Armutsgrenze?
Summen: Weil Pop immer noch wie eine Monarchie funktioniert: Welchen Unterschied macht es, wenn von unten mehr kommt? Es entsteht einfach ein noch größerer, härterer Wettbewerb. Interessant wäre die Entwicklung, wenn es – nicht nur für Künstler – ein Grundeinkommen gäbe. Unter diesem Aspekt könnte eine neue Kultur entstehen, eine, die einlöst, was Pop immer nur verspricht, aber aufgrund seines Warencharakters niemals einhalten kann.
Gorny: Aber das ist doch gerade das Wesentliche an Pop, dass es sich um Waren handelt! Ich erinnere an Warhols Suppendosen: eine Idee haben und die millionenfach unter die Leute bringen. Wir müssen akzeptieren, dass wir uns in einer Wirtschaftslandschaft bewegen, für deren Vielfalt – auch im Sinne des Mittelstands – ich mich ausdrücklich einsetze.
Summen: In Wahrheit verschwindet die Mittelschicht auch in der Musikindustrie. Es ist meinem Label, trotz teilweise erfolgreicher Platten, unmöglich zu wachsen. Dafür fehlt mir als jemand, der auch aus der Mittelschicht stammt, einfach das nötige Kapital. Auf Pump wird man langfristig der Handlanger der großen Geschäftspartner. Und am Ende mit Haut und Haaren gefressen…
Gorny: Das sind doch Orwellsche Verschwörungsszenarien. Mich nervt diese Haltung, immer davon auszugehen, in »der Industrie« – um mal provokant bei dem Wort zu bleiben – säßen ausschließlich Leute, die gute Musik verhindern wollen. Mich ärgert und nervt die Ignoranz derjenigen, die nicht verstehen, dass nicht alle für große Karrieren geeignet sind, dass der Markt aber – nicht zuletzt durch das Netz – mittlerweile so offen ist, dass, wenn Potenzial da ist, verschiedene Optionen denkbar sind.
ZEIT: Auf der letztjährigen Popkomm hat Billy Bragg, der britische Songwriter, eine Brandrede auf die Möglichkeiten des Internets gehalten: Hier käme die Musik zu sich selbst.
Gorny: Das war naiv gedacht von ihm. Ein Utopist, leider kein Pragmatiker. Über Abrechnungsmöglichkeiten hat er sich keine Gedanken gemacht.
Summen: Billy Bragg hat, wie viele anderen, einfach große Hoffnungen gemacht. Hoffnung ist immer ein Stück weit naiv.
ZEIT: Wie groß sind die Chancen für die digitale Selbstvermarktung über die bandeigene Homepage, Stichwort Radiohead?
Summen: Radiohead haben mit ihrer Kampagne von einer extrem blutarmen Platte abgelenkt. So wie Pink Floyd früher auf Konzerten das berühmte aufblasbare Schwein fliegen ließen. Es braucht eben ein großes Medienspektakel um die Musik herum, wenn die Musik eigentlich gar nichts weiter will als kuscheln.
Gorny: Um es noch einmal zu sagen: Die Musikverschenkerei übers Netz wird die Vielfalt nicht fördern, sondern vernichten. Über diesem läppischen, links angehauchten Diskutieren der digitalen Probleme droht eine ganze Musiklandschaft wegzurutschen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass der Künstler für sein geistiges Eigentum kämpfen muss. Und es sollte auch kein Problem für ihn sein, sich dabei helfen zu lassen, viele Menschen von der Qualität seiner Idee zu überzeugen. Radiohead sind schon berühmt. Aber Sie können keine weltweite Karriere machen ohne einen großen Konzern.
ZEIT: Wer Internetplattformen wie MySpace besucht, wird das Gefühl nicht los, dass Berühmtheit gar nicht mehr das Wichtigste ist, es geht ums Dabeisein. Und jeder ist seine eigene Nische.
Gorny: Auch MySpace und YouTube sind eine Herausforderung, stimmt. Sie stellen Massenmedien und Massenprodukte durch individuelle Nutzung infrage. Man kann das dämonisieren, man kann den Prozess aber auch positiv deuten und sagen: Auch diese jungen Menschen werden irgendwann ein Eigenheim bauen. Abgesehen davon, dass es Sendungen mit den verrücktesten Clips der Welt schon bei Kurt Felix gab, glaube ich nicht, dass YouTube die Zukunft des Fernsehens zeigt. Anders gesagt: Wir haben es mit einer Generation zu tun, die die verschiedenen Ströme, die im Internet zusammenkommen, neu deuten wird und trotzdem am Ende offen ist für Qualität.
Summen: Was wir erleben, ist die Erweckung der »Generation Mediengestalter«. Medienkompetenz steht auf den Lehrplänen ganz oben. Vieles aber ist pseudoindividualisiert: Ein eigenes MySpace-Profil macht noch keine Nische. Hier wird viel auf ästhetischer Ebene vorgetäuscht. In Wirklichkeit hängen alle mit den gleichen Bedürfnissen in ihren Nischen fest: Alle wollen Anerkennung und möchten geliebt werden. Und jeder muss seine Miete zahlen…
ZEIT: Anders gefragt: Leben wir in einer Kultur der Skizze, in der so viel Musik existiert, weil sie gar nicht mehr ausproduziert, sondern nur noch für den Tag gemacht ist?
Summen: Skizzen sind der Anfang einer Idee. Heute werden nur erstaunlich viele Skizzen in den von Ihnen angesprochenen Nischen öffentlich gemacht… Blogs sind ja auch an die Stelle von Tagebüchern getreten, und die Gedanken, die sich dort finden, sind auch nicht selten unausgegoren… Es ist eine Kultur des Affekts.
Gorny: Ich halte das für eine völlig falsche Betrachtungsweise des Phänomens Internet. Was Sie mit »Skizze« meinen, ist einfach nur etwas, das man im Radio oder Fernsehen als »nicht sendefähig« bezeichnen würde. Dieser Humus des Kreativen, dieser Drang zur Selbstdarstellung im Netz, diese digitale Boheme oder wie Sie es nennen wollen, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es darüber hinaus immer noch ganz andere Bedürfnisse gibt. Qualität bleibt ein Faktor, und zwar in allen medialen Bereichen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschen, die man erreichen will, sehr wohl verstehen, dass ein Unterschied besteht zwischen einem Blog und, sagen wir, der ZEIT.
Summen: Es wäre trotzdem wünschenswert, wenn wir das, was abseits des Mainstreams passiert, stärker als neue kreative Strömungen begreifen würden, als neuen Sound mit noch undefinierter Qualität. Wir tun ja gerade so, als hätte es Hip-Hop, Punkrock oder Krautrock nie gegeben. Was ist denn das für eine Popkultur, in der wir der Jugend Tokio Hotel vorsetzen, ein von alten Männern designtes Popprodukt für Teenager. Da fehlt mir als mit Punk sozialisiertem Menschen wirklich alles, was ich persönlich mit meiner Jugend verbinde. Kein Wunder, dass viele Kids lieber Egoshooter-Spiele auf ihrer Playstation spielen.
Gorny: Ein Appell an den Mut der Distributoren. Das halte ich für bedenkenswert, da müssen wir uns schon fragen, ob ein größeres Risiko nicht manchmal mehr bringen würde. Beispiel Pink Floyd: Ob jemand in der Industrie bereit wäre, die Band so unter Vertrag zu nehmen, wie sie Ende der Sechziger war… Obwohl Pink Floyd ja nun wirklich nachhaltig für den Profit von Plattenfirmen gesorgt hat. Das ist aber eine generelle Frage im Umgang mit emotionalen Gütern in Zeiten, wo die Rahmenbedingungen sehr eng sind.
ZEIT: Was muss sich am dringendsten ändern?
Summen: Neue Medien zu verteufeln liegt anscheinend in der Natur des Menschen. Wir sollten endlich begreifen, dass wir mit Hilfe neuer Medien unsere Kultur weiterentwickeln. Die zukünftige Musikwirtschaft wird sich ohnehin Künstler aus dem digitalen Nachwuchs herauspicken und vermarkten: Business as usual. Mit Gangsta-Rap einen Riesenbatzen Geld verdienen und hintenrum die Jugendlichen, die CDs für Freunde brennen, strafrechtlich zu verfolgen halte ich jedenfalls für den falschen Weg. So macht man aus der Popkultur einen in der Masse unpopulären, elitären Kulturzweig.
Gorny: Wir brauchen dringend ein zeitgemäßes Copyright, und ein letztes Mal: Wir brauchen ein Bewusstsein für den Wert von Kreativität. Eine Gesellschaft, die mit Kunst so umgeht, wie es momentan der Fall ist, verliert sich, ökonomisch wie inhaltlich. Deshalb wünsche ich mir eine Debatte, die auch vonseiten der Politik auf Augenhöhe geführt wird, damit wir nicht immer fünf Jahre hinter der technologischen Entwicklung herhinken. Das, was wir im Musikbereich gerade erleben, ist ja längst dabei, auf andere Sparten überzugreifen, das Kino, den Buchmarkt, den Printbereich. Die digitale Revolution ist längst nicht vorüber. Letztlich müssen wir darüber diskutieren, wie wir im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft in Europa mit Kulturprodukten umgehen, die unvermeidlicherweise zugleich ökonomische Produkte sind.
ZEIT: Wird die Musikindustrie irgendwann wieder zu den Modernisierungsgewinnern gehören, weil sie die Krise, in dem Moment, wo sie die anderen erreicht, schon hinter sich hat?
Gorny: Könnte sein. Warten wir mal ab, bis es beim Buch richtig losgeht, bis die Lawine weiterrollt. Vielleicht wird man erkennen, dass der Dissens, den wir hier austragen, auch was damit zu tun hat, dass wir in der Musikbranche gerade dabei sind, im Kopf einiges zu bewältigen.
Summen: Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Pop hat sein Versprechen eingelöst: Die Welt ist ein Stück weit schöner, moderner und toleranter geworden. Was Pop 2.0 in der Kultur und damit letztlich der Wirtschaft erreichen kann, wird sich zeigen. Im Herzen bleibe ich Musikant, im Geiste leider nur allzu oft: Sarkast.
Das Gespräch führte Thomas Gross
Die Popkomm findet vom 8. bis 10. Oktober in Berlin statt.
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- Datum 24.04.2009 - 12:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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Diebstahl kennzeichent sich dadurch aus, dass ein Gut den Benutzer wechselt.
Im Falle einer Kopie, bleibt der Eigentümer jedoch weiterhin Benutzer nur ein anderer wird es auch.
Kopie sind nicht weniger als etwas bessere Fotos. Jemanden, der ohne mich zu fragen ein Foto von mir macht, als Dieb zu bezeichnen, halte ich für Verleumdung und damit ebenfalls strafrechtswidrig.
was er als "Orwellsche Verschwörungstheorie" abtut:
VIVA wurde 1993 unter Gornys Vorsitz in Köln gegründet und trat damals, als zweiter Musiksender in Deutschland, in Konkurrenz zu MTV. Inzwischen gehören beide Sender zum amerikanischen Medienkonzern Viacom.
Monopolkapitalismus statt Kunst -- und Gorny fabuliert vom "offenen Markt", den er doch selbst verhindert hat.
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Peter Scholl-Latour: "Die Freiheit der Presse im Westen, wobei die viel besser ist als anderswo, ist letztlich die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu veröffentlichen."
Eigenartig, wie häufig die Gebetsmühle namens "Musik ist geistiges Eigentum, ergo muss sie in der gleichen Weise verkauft werden können wie jeder materielle Gegenstand" zu hören ist.
Niemand wird daran zweifeln, dass dem Musiker (ob Komponist, Texter oder...) ein Anteil am Erfolg seiner Arbeit zu gönnen ist.
Aber: die Zeiten ändern sich, und so wie es eine Zeit vor den Tonträgern gab, wird es auch eine Zeit danach geben. Der Vorwurf, der einem großen Teil der Musikbranche zu machen ist, liegt darin, dass man nicht bereit - oder nicht in der Lage - ist, sich auf eine veränderte Situation einzustellen. Die immer wieder neuen Versuche, das alte Geschäftsmodell aus der Zeit vor dem digitalten Kopieren zu retten, sind nur noch erbärmlich.
Ein kleiner Denkanstoß:
Der Musikmarkt ist ein Markt. Was geschieht auf einem Markt, weil sich keine vernünftigen Preise durchsetzen lassen? Das Angebot sinkt. Folglich
Und ist es nicht so, dass viele Musiker weit mehr Geld durch Konzerte verdienen als durch Verkäufe ihrer Musik?
Für Techno-DJs sind ihre MP3-Files ein Marketinginstrument, um an Auftritte zu kommen. Dies weiter gedacht bedeutet, dass wir die Musik selbst als Werbung für Events begreifen können.
Die Musikwelt verändert sich - und wird sich weiter verändern. Statt die Rechtsabteilungen ihre urheberrechtsspezifischen Klingen schärfen zu lassen (erinnert sich noch jemand an Napster?) wäre man besser beraten, darüber nachzudenken, wie die Musikwelt in Zukunft aussehen kann - und welche Rolle man darin zu spielen gedenkt. Strategie und Kreativität sind gefragt!
Wir erleben stattdessen eine Branche, die den Strukturwandel nicht wahrhaben will, die ein armseliges, aussichtsloses Rückzugsgefecht nach dem anderen führt.
Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen darum, dass es auch künftig Musik, Musiker und Musikfans geben wird.
Ob eine unterstützende Musikbranche dann noch existiert und was sie tut - who cares?
Ist doch ganz einfach. Führt eine Kulturflatrate ein, die direkt auf die Telefonrechnung kommt, unabhängig, ob man was runtergeladen hat oder nicht (denn nur so wird sie niedrig sein, sonst akzeptieren "Die Leute" sie nicht so leicht), dann ist das Problemchen gelöst. Ist doch egal, zahlt man halt 20 statt 10 Euro fürs Internet, und jetzt?
Ich verstehe gar nicht, dass die Musikindustrie so heulen muss. Die Lösung wäre so nah. Sie sind halt stur, was? Wollen sich nicht anstrengen und alle Arbeit die Staatsanwälte machen lassen?
"Seit dem Jahr 2000 haben Raubkopien die Umsätze nahezu halbiert."
So, so, also waren es wieder nur die bösen Raubkopien. Kein Wunder, dass die Musikindustrie angesichts solcher Fantasielosigkeit vor die Hunde geht. Zu Recht.
Nicht die bösen Raubkopierer sind an den Umsatzeinbußen schuld, sondern eine Änderung des Konsumverhaltens! Während die Spieleindustrie 2005 schon 29 Milliarden Dollar umsetze, sollen es 2011 wohl schon 44 Milliarden Dollar sein. Die jungen Menschen geben ihr Geld heute eben anders aus. Das ist besonders interessant, da Spiele genauso anfällig für das Raub!?kopiererproblem sind. Trotzdem verdient diese Branche blendend.
Die jungen Menschen geben ihr Geld heute anders aus. Nur für die Musikindustrie sollen wir unsere über jahrhunderte errungenen Grundrechte nicht wegen ein paar Euro verwerfen.
Die Musikindustrie liefert einen schönen Beleg für die These, daß Profit nur aus Mangel geschlagen werden kann. Bei allgemeinem Wohlstand funktioniert Kapitalismus nicht, bei großen Wohlstandsunterschieden umso besser. Und daher kämpft der Kapitalist (mustergültig in dieser Rolle: Herr Gorny) auch für den Mangel bei Vielen und nicht für den Wohlstand bei Vielen. Er nimmt ihnen weg, was sie schon haben oder gratis bekommen könnten.
Denn nur wenn die Menschen die Güter nicht gratis vervielfältigen und jedem schenken, der sie haben will, kann man sie verkaufen.
Bei immateriellen Gütern bahnt sich der Sozialismus an - ganz von alleine. Die Postulierung des "geistigen Eigentums" ist der verzweifelte Versuch der Kapitalisten, die allgemeine Armut, von der sie leben, ins digitale Zeitalter zu retten.
Wenn die Brotpreise im Verhältnis zum Warenwert so hoch wären wie die
CD Preise, dann wäre Brotdiebstahl an der Tagesordnung!
Die Musikindustrie nutzt eine durch Absprachen erreichte Monopolmacht um Wucherpreise für CD´s zu verlangen, das ist der eigentliche Diebstahl!
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