Popkomm 2008 »Illegale Downloads sind Diebstahl«Seite 7/7
Gorny: Wir brauchen dringend ein zeitgemäßes Copyright, und ein letztes Mal: Wir brauchen ein Bewusstsein für den Wert von Kreativität. Eine Gesellschaft, die mit Kunst so umgeht, wie es momentan der Fall ist, verliert sich, ökonomisch wie inhaltlich. Deshalb wünsche ich mir eine Debatte, die auch vonseiten der Politik auf Augenhöhe geführt wird, damit wir nicht immer fünf Jahre hinter der technologischen Entwicklung herhinken. Das, was wir im Musikbereich gerade erleben, ist ja längst dabei, auf andere Sparten überzugreifen, das Kino, den Buchmarkt, den Printbereich. Die digitale Revolution ist längst nicht vorüber. Letztlich müssen wir darüber diskutieren, wie wir im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft in Europa mit Kulturprodukten umgehen, die unvermeidlicherweise zugleich ökonomische Produkte sind.
ZEIT: Wird die Musikindustrie irgendwann wieder zu den Modernisierungsgewinnern gehören, weil sie die Krise, in dem Moment, wo sie die anderen erreicht, schon hinter sich hat?
Gorny: Könnte sein. Warten wir mal ab, bis es beim Buch richtig losgeht, bis die Lawine weiterrollt. Vielleicht wird man erkennen, dass der Dissens, den wir hier austragen, auch was damit zu tun hat, dass wir in der Musikbranche gerade dabei sind, im Kopf einiges zu bewältigen.
Summen: Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Pop hat sein Versprechen eingelöst: Die Welt ist ein Stück weit schöner, moderner und toleranter geworden. Was Pop 2.0 in der Kultur und damit letztlich der Wirtschaft erreichen kann, wird sich zeigen. Im Herzen bleibe ich Musikant, im Geiste leider nur allzu oft: Sarkast.
Das Gespräch führte Thomas Gross
Die Popkomm findet vom 8. bis 10. Oktober in Berlin statt.
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- Datum 24.04.2009 - 12:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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Diebstahl kennzeichent sich dadurch aus, dass ein Gut den Benutzer wechselt.
Im Falle einer Kopie, bleibt der Eigentümer jedoch weiterhin Benutzer nur ein anderer wird es auch.
Kopie sind nicht weniger als etwas bessere Fotos. Jemanden, der ohne mich zu fragen ein Foto von mir macht, als Dieb zu bezeichnen, halte ich für Verleumdung und damit ebenfalls strafrechtswidrig.
was er als "Orwellsche Verschwörungstheorie" abtut:
VIVA wurde 1993 unter Gornys Vorsitz in Köln gegründet und trat damals, als zweiter Musiksender in Deutschland, in Konkurrenz zu MTV. Inzwischen gehören beide Sender zum amerikanischen Medienkonzern Viacom.
Monopolkapitalismus statt Kunst -- und Gorny fabuliert vom "offenen Markt", den er doch selbst verhindert hat.
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Peter Scholl-Latour: "Die Freiheit der Presse im Westen, wobei die viel besser ist als anderswo, ist letztlich die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu veröffentlichen."
Eigenartig, wie häufig die Gebetsmühle namens "Musik ist geistiges Eigentum, ergo muss sie in der gleichen Weise verkauft werden können wie jeder materielle Gegenstand" zu hören ist.
Niemand wird daran zweifeln, dass dem Musiker (ob Komponist, Texter oder...) ein Anteil am Erfolg seiner Arbeit zu gönnen ist.
Aber: die Zeiten ändern sich, und so wie es eine Zeit vor den Tonträgern gab, wird es auch eine Zeit danach geben. Der Vorwurf, der einem großen Teil der Musikbranche zu machen ist, liegt darin, dass man nicht bereit - oder nicht in der Lage - ist, sich auf eine veränderte Situation einzustellen. Die immer wieder neuen Versuche, das alte Geschäftsmodell aus der Zeit vor dem digitalten Kopieren zu retten, sind nur noch erbärmlich.
Ein kleiner Denkanstoß:
Der Musikmarkt ist ein Markt. Was geschieht auf einem Markt, weil sich keine vernünftigen Preise durchsetzen lassen? Das Angebot sinkt. Folglich
Und ist es nicht so, dass viele Musiker weit mehr Geld durch Konzerte verdienen als durch Verkäufe ihrer Musik?
Für Techno-DJs sind ihre MP3-Files ein Marketinginstrument, um an Auftritte zu kommen. Dies weiter gedacht bedeutet, dass wir die Musik selbst als Werbung für Events begreifen können.
Die Musikwelt verändert sich - und wird sich weiter verändern. Statt die Rechtsabteilungen ihre urheberrechtsspezifischen Klingen schärfen zu lassen (erinnert sich noch jemand an Napster?) wäre man besser beraten, darüber nachzudenken, wie die Musikwelt in Zukunft aussehen kann - und welche Rolle man darin zu spielen gedenkt. Strategie und Kreativität sind gefragt!
Wir erleben stattdessen eine Branche, die den Strukturwandel nicht wahrhaben will, die ein armseliges, aussichtsloses Rückzugsgefecht nach dem anderen führt.
Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen darum, dass es auch künftig Musik, Musiker und Musikfans geben wird.
Ob eine unterstützende Musikbranche dann noch existiert und was sie tut - who cares?
Ist doch ganz einfach. Führt eine Kulturflatrate ein, die direkt auf die Telefonrechnung kommt, unabhängig, ob man was runtergeladen hat oder nicht (denn nur so wird sie niedrig sein, sonst akzeptieren "Die Leute" sie nicht so leicht), dann ist das Problemchen gelöst. Ist doch egal, zahlt man halt 20 statt 10 Euro fürs Internet, und jetzt?
Ich verstehe gar nicht, dass die Musikindustrie so heulen muss. Die Lösung wäre so nah. Sie sind halt stur, was? Wollen sich nicht anstrengen und alle Arbeit die Staatsanwälte machen lassen?
"Seit dem Jahr 2000 haben Raubkopien die Umsätze nahezu halbiert."
So, so, also waren es wieder nur die bösen Raubkopien. Kein Wunder, dass die Musikindustrie angesichts solcher Fantasielosigkeit vor die Hunde geht. Zu Recht.
Nicht die bösen Raubkopierer sind an den Umsatzeinbußen schuld, sondern eine Änderung des Konsumverhaltens! Während die Spieleindustrie 2005 schon 29 Milliarden Dollar umsetze, sollen es 2011 wohl schon 44 Milliarden Dollar sein. Die jungen Menschen geben ihr Geld heute eben anders aus. Das ist besonders interessant, da Spiele genauso anfällig für das Raub!?kopiererproblem sind. Trotzdem verdient diese Branche blendend.
Die jungen Menschen geben ihr Geld heute anders aus. Nur für die Musikindustrie sollen wir unsere über jahrhunderte errungenen Grundrechte nicht wegen ein paar Euro verwerfen.
Die Musikindustrie liefert einen schönen Beleg für die These, daß Profit nur aus Mangel geschlagen werden kann. Bei allgemeinem Wohlstand funktioniert Kapitalismus nicht, bei großen Wohlstandsunterschieden umso besser. Und daher kämpft der Kapitalist (mustergültig in dieser Rolle: Herr Gorny) auch für den Mangel bei Vielen und nicht für den Wohlstand bei Vielen. Er nimmt ihnen weg, was sie schon haben oder gratis bekommen könnten.
Denn nur wenn die Menschen die Güter nicht gratis vervielfältigen und jedem schenken, der sie haben will, kann man sie verkaufen.
Bei immateriellen Gütern bahnt sich der Sozialismus an - ganz von alleine. Die Postulierung des "geistigen Eigentums" ist der verzweifelte Versuch der Kapitalisten, die allgemeine Armut, von der sie leben, ins digitale Zeitalter zu retten.
Wenn die Brotpreise im Verhältnis zum Warenwert so hoch wären wie die
CD Preise, dann wäre Brotdiebstahl an der Tagesordnung!
Die Musikindustrie nutzt eine durch Absprachen erreichte Monopolmacht um Wucherpreise für CD´s zu verlangen, das ist der eigentliche Diebstahl!
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