Spielen Schach
Der indische Schachweltmeister Viswanathan Anand, der vom 14. Oktober an in der Bonner Bundeskunsthalle den WM-Titel in einem Match über zwölf Partien gegen Wladimir Kramnik (Russland) verteidigt, erzählt eine Anekdote: Er fährt im Zug in seine Heimatstadt Madras. Ein älterer Mann fragt ihn, was er mache. »Ich bin ein Schachspieler.« – »Aber Sie studieren irgendetwas?!« – »Nein, ich bin nur ein Schach- spieler.« – »Haben Sie noch eine Arbeit daneben?« – »Nein, einfach Schachspieler.« Dies geht noch eine Zeitlang so weiter, bis der Herr sagte: »Das Leben eines Sportprofis ist schwierig. Sie sollten sorgfältig darüber nachdenken. Tja, wenn Sie Viswanathan Anand wären, sähe es anders aus.«
Nun ist er in der beneidenswerten Lage, just dieser zu sein, in einem umfassenden Sinne: Schon sein Name bedeutet »endlose Freude«, er ist mit seiner bildhübschen Frau Aruna glücklich verheiratet, und in diesem seinem Beruf Schach, den er von Kindesbeinen an liebt, hat er Ende letzten Jahres in Mexiko Kramnik den Titel abgenommen. Und er ist wegen seines freundlichen und bescheidenen Wesens überall beliebt. Die Schachwelt darf sich auf ein faires Match zwischen zwei untadeligen Streitern freuen. Und vielleicht auch auf eine solch herrliche Kombination, wie sie Anand beim Schnellschachturnier in Nizza im Frühjahr gegen seinen großen Rivalen glückte.
Kramnik als Weißer erwartete hier 1…Th1+ 2.Lxh1 Dh2+ 3.Kf1 Dxh1+ 4.Ke2 De4+ mit Dauerschach. Doch mit einem wunderschönen Zug erzwang Anand trotz des eigenen recht luftigen Königs ein Matt in wenigen Zügen. Wie kams?
Helmut Pfleger
Lösung aus Nr. 40:
Wie gewann Schwarz am Zug Material und die Partie? Das Springeropfer
1…Se4!
durfte Weiß wegen 2.fxe4? Dd1+ 3.Lf1 Dxf1+ 4.Dg1 Lxe4 matt nicht annehmen. Nach
2.Dc7 Sxc5 3.bxc5 Lh3
gab er indes die wegen des Qualitätsverlusts hoffnungslose Partie auf
- Datum 02.10.2008 - 16:54 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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