Vereinigte Staaten

Helden des Rückzugs

Wie kann sich das Land der Siege und des Optimismus auf ein Leben nach dem imperialen Augenblick einrichten?

Absteigen lernen – geht das? Kann eine Weltmacht, die die Welt nicht mehr zu beherrschen vermag, eine neue Rolle finden, ohne Depression oder Angstbeißerei, gibt es ein Leben nach dem imperialen Augenblick? Das ist die Frage, vor der die Vereinigten Staaten stehen und die vom 20. Januar 2009 an die Amtszeit des nächsten amerikanischen Präsidenten bestimmen wird. Das Management des Schwächerwerdens, die Revision des politischen Selbstverständnisses, wenn nicht der nationalen Identität, ist eine mindestens so große Herausforderung wie die greifbareren Gefahren von den Folgen der Finanzkrise über die Konkurrenz durch Russland und China bis zum Terrorismus. Wer Barack Obama und John McCain Ende der vergangenen Woche während ihrer ersten Kandidatendebatte hörte, musste daran zweifeln, dass sie sich (und ihrem Land) die ganze Dimension des amerikanischen Absturzes schon klargemacht haben – oder dass sie schon den Mut finden, die Wahrheit auszusprechen.

Es wirkt wie eine höhnische Strafe der Götter, dass George W. Bush, der einstige Inbegriff amerikanischer Hybris, ganz zum Ende seiner Präsidentschaft auch noch über die ökonomische Demütigung seiner Nation den Vorsitz führen muss – nach der politischen und der moralischen Krise, die schon offen ausgebrochen waren. Amerika zahlt mittlerweile den Preis der Macht und der Ohnmacht zugleich. Das globale Image der Vereinigten Staaten hat sich nicht mehr erholt seit den Tagen ihres Herrschaftsrauschs, als die Bush-Regierung mit dem Irakkrieg und mit den Exzessen von Abu Ghraib sich und ihr Land in der Welt verhasst machte. Zugleich jedoch ist die überlegene Machtstellung, gegen die sich das antiamerikanische Ressentiment immer noch richtet, längst dabei zu zerbröckeln.

Noch 2005 fühlte sich Präsident Bush auf dem Gipfel der Macht

Die wirtschaftliche und politische Dynamik hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Asien verlagert – ein säkularer Prozess, der aber in den letzten drei, vier Jahren erst mit der richtigen Dramatik ins Weltbewusstsein getreten ist. Ein wiedererstarktes Russland darf den US-Klienten Georgien ungestraft militärisch in die Knie zwingen. Der Sturz Saddam Husseins hat nicht die demokratische Transformation der islamischen Welt gebracht, sondern das Ende des amerikanischen Zeitalters im Mittleren Osten – von der iranischen Atomgefahr über die Ölförderquoten von Saudi-Arabien bis zu den Machtspielen der pakistanischen Innenpolitik ist Washington die Kontrolle entglitten.

Das alles vollzieht sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Noch im Januar 2005, zu Beginn seiner zweiten Amtszeit, hatte George W. Bush das vielleicht ambitionierteste historische Programm verkündet, das je ein moderner demokratischer Staatsmann für sein Land proklamiert hat: die Ausbreitung eines »Feuers der Freiheit«, das wie ein Flächenbrand schließlich die entferntesten Winkel der Erde ergreifen werde. Es ist schwer vorstellbar, dass Bushs Nachfolger, ob Demokrat oder Republikaner, noch einmal so wird auftreten und reden können.

Den US-Bürgern selbst ist nicht entgangen, dass sich etwas Unheimliches abspielt; das Land reagiert mit einer Verunsicherung, die tiefer reicht als die politische Unzufriedenheit mit einem extrem unbeliebten Präsidenten. Schon vor der Kreditkrise war das Mutterland des Kapitalismus von einem erstaunlichen Kapitalismuszweifel angefressen, von der Angst vor Billigimporten aus Asien oder vor den Folgen des Freihandels mit Mexiko. Der Zusammenbruch von Wall Street ist auch deshalb ein so gewaltiges Ereignis, weil er zugleich ein Volk trifft, dem seine vertrauten Begriffe von Leistung, Gerechtigkeit und dem Lohn des Tüchtigen fragwürdig geworden sind.

Die Ölabhängigkeit der Autofahrernation USA wird nicht mehr nur von ökologischen Sonderlingen als beschämende und schädliche Sucht wahrgenommen – sie gilt inzwischen als nationales Sicherheitsrisiko ersten Ranges, weil sie den Westen der Gnade von Petro-Regimen zwischen Caracas, Riad und Moskau ausliefert. Das Scheitern von Bushs Kriegskurs hat neben dem Vertrauen der Bürger in die amerikanische Macht auch das in die amerikanische Mission erschüttert, das sichere Gefühl, der Welt etwas unvergleichlich Gutes zu bieten zu haben. Im Grunde klingt es noch viel zu harmlos, wenn Barack Obama die Parole change, » Wandel«, als Losung seiner politischen Erneuerungskampagne ausgegeben hat. Was die Vereinigten Staaten jetzt suchen und brauchen, ist Heilung.

Beruhigungsprediger, die gegen die Niedergangsthese ankämpfen, verweisen auf frühere amerikanische Schwächeperioden, die auch bald wieder vorbei waren: Ende der 1980er Jahre schien Japan die Zukunft zu gehören, und es gab sogar während des Kalten Krieges Experten, die der kargen, straff disziplinierten Sowjetunion bessere Sieges- und Überlebenschancen zutrauten als den üppigen und verweichlichten Vereinigten Staaten.

Aber es ist nicht immer alles schon einmal da gewesen – der heutige amerikanische Machtverlust ist es nicht. Der kommunistische Ostblock war in Wahrheit allein militärisch gegen den Westen konkurrenzfähig und auf allen anderen Gebieten hoffnungslos unterlegen, wie sich nach 1989 beim kompletten industriellen Zusammenbruch von Ost-Berlin bis Wladiwostok sofort zeigte. Und Japan ist ein kleines, als Aggressor im Zweiten Weltkrieg historisch gehandicaptes Land im Vergleich mit selbstbewussten Giganten wie China oder Indien. Die ganze bisherige Geschichte der Vereinigten Staaten war die Geschichte ihres Aufstiegs an die Spitze einer vom Westen dominierten Welt; genau diese Welt jedoch ist nicht mehr selbstverständlich.

Es braucht dabei gar nicht notwendig die Ablösung durch stärkere Mächte oder Machtblöcke, um die amerikanische Einzigartigkeit in Frage zu stellen. Die Mitbewerber um die globale Spitzenstellung haben in der Tat eklatante Schwächen: China kann durch soziale und ökologische Verwerfungen in eine politische Systemkrise geraten; Europa fehlt die strategische Handlungsfähigkeit und der Appetit auf Größe. Die USA werden auf absehbare Zeit der mächtigste und wichtigste Staat bleiben.

Doch das ändert nichts daran, dass Reichtum, Einfluss und Kraft sich nach Süden und Osten verlagern. Das liegt gerade am ungeheuren Erfolg eines uramerikanischen Modells, des Mittelklasse-Traums von Wohlstand und persönlicher Freiheit. Fast jeder auf der Welt will jetzt so leben, Hunderte von Millionen schaffen es auch. Sie machen den Vereinigten Staaten mit ihrer immer noch billigen, aber schon intelligenten Arbeitskraft wirtschaftlich Konkurrenz. Sie setzen die USA zugleich politisch unter Druck und schränken ihren Spielraum ein: Denn die neuen Bürger in Istanbul, Bombay oder Kuala Lumpur wollen nicht mehr postkolonial von Washington oder sonst wo aus dem Westen herumkommandiert werden. Es ist die Amerikanisierung der Welt, durch einen in Amerika erfundenen Massen-Individualismus und durch die von Amerika ausgehende Globalisierung, die mehr an der Überlegenheit der Vereinigten Staaten zehrt als jeder ideologische oder machtpolitische Gegenspieler.

Die ewige gute Laune wird zum Handicap

Absteigen lernen – das muss den USA besonders schwer fallen. Dies ist eine Gewinnernation. Ihr kollektives Gedächtnis erinnert sich an keine Kriegszerstörungen im eigenen Land, die Geschichte der Moderne und des Kapitalismus haben die Amerikaner bisher als Geschichte ihres eigenen Erfolgs erlebt. Spanier, Portugiesen und Briten haben es gelernt, sich mit dem Verlust ihrer Kolonialreiche abzufinden, zweitrangig zu werden; den Amerikanern steht die Erfahrung einer nach-imperialen Periode erst noch bevor.

In oft herzerhebender, manchmal nervender Weise ist das Seelenleben der Nation auf Optimismus gestellt, von einer Schulerziehung, bei der ständig gelobt wird, bis zum unausrottbaren Glauben an den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt. Es ist diese Mentalität, die die Vereinigten Staaten groß gemacht hat. Es ist aber auch diese Mentalität, die nun zum Problem wird, weil sie dem Selbstzweifel, der Bescheidung, dem friedlichen historischen Älterwerden entgegensteht: die USA sind definitionsgemäß die »Neue Welt«, wie sollen sie sich darauf einstellen, dass auf einmal andere das Junge und Unverbrauchte darstellen? Von den Amerikanern, die bisher fast immer Sieger gewesen sind, weiß man nicht, ob sie gute oder schlechte Verlierer abgeben werden.

Es mag sein, dass die USA sich an die Reste ihrer schwindenden Übermacht und an die Idee ihrer Einzigartigkeit verzweifelt klammern werden. Trotz seiner eindrucksvollen persönlichen Statur wirkt der Kandidat John McCain jetzt wie der Ausdruck dieses rückwärtsgewandten Trotzes, wie das gestaltgewordene Heimweh nach einer unwiderbringlich vergangenen Epoche amerikanischer »Führung« in der freien Welt.

Barack Obama dagegen könnte bei allen Ungewissheiten der erste amerikanische Präsident eines »postamerikanischen Zeitalters« werden. Auch dies, der Weg aus der provinziellen Egozentrik der Macht hinaus, wäre eine uramerikanische Möglichkeit, der Internationalismus eines schon im Innern »internationalen«, weil ethnisch, religiös und kulturell pluralistischen Gemeinwesens. Das Einwanderungsland USA, die einzige universale Nation, kann zur Welt noch ein anderes Verhältnis gewinnen als das der Herrschaft: Es kann sie spiegeln und repräsentieren, ihre Gegensätze in sich austragen und vermitteln. Vielleicht tut Amerika am 4. November einen ersten Schritt dahin.

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Leser-Kommentare

  1. keine Macht hält ewig. Aber ist es schon soweit?

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    Totgeweite leben länger

  2. Heldenhaft ist es nicht, wenn jemand keine Gelegenheit verstreichen lässt, um sich persönlich zu bereichern.
    Das momentane Szenario wird bestimmt von denselben Selbstherrlichkeiten, Gewinnmaximen und Rücksichtslosigkeiten, die das Desaster erst möglich gemacht haben. Wieder wird an dem Unglück verdient, das man angerichtet hat. Gerechtigkeit sieht anders aus.
    Wer wird es sich herausnehmen können, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen.
    Es wird zwei Arten von Opfer geben: Unschuldige und Bauernopfer.
    Wir sind erst auf dem Weg zu einer wirklich zivilisierten Gesellschaft. Der Eigennutz ist nach wie vor attraktiv genug, um immer wieder am obersten Rang bei den Entscheidungskriterien zu landen.
    Die wahren Helden sind die, die unermüdlich weitermachen, obwohl sie meist die Verlierer sind.

    • 05.10.2008 um 11:52 Uhr
    • iDog

    Beruhigungsprediger ballern aus allen rohren - das ist wahr - denn auch in diesem artikel geschieht doch mal wieder nichts anderes.

    "ob sie ( die US amerikaner) gute oder schlechte Verlierer" sein werden ist eine recht verspaetete frage, denn wir sehen ihrer art zu verlierens ja bereits seit 8 jahren zu.... da wird noch mal das letzte aus dem "kolonialreich" herausgepresst als vorbereitung auf ein ende, das den anfang einer neuen aera markieren soll . der "amerikanische traum" wird privatisiert ! .... und der mythos "vom tellerwaescher zum millionaer" wird neu geschrieben werden muessen als: "von der 'pursuit of happiness' zur totalitaeren weltherrschaft einiger weniger". natuerlich wuenschen wir diesen wenigen gediegenes scheitern und den baldigen entzug ihrer freibeuterlizens. noch liesse sich das schlimmste abwenden ....

    die wirtschaftliche macht, welche sich durch die sogenannte krise weiter konzentriert und konzentrieren wird an einigen ganz wenigen punkten - man beobachte wer all die angeschlagenen banken aufkauft bei diesem ganz aehnlich zu 1929 inszenierten "debakel" - hat ihre vermoegenswerte der "krise" nicht ausgesetzt sondern diese konsolidiert. der hier im artikel besungene untergang ist der untergang des kleinen und mittelstaendigen 'mannes' , der verliert alles und wird ein weiteres mal beherrschbarer als je zuvor . in der krise hat man viele und andere sorgen als die freiheit. opportunitaet wird das tor weiter geoeffnet .

    konzentriert sich wirtschaftsmacht in dieser form und wird damit zur politischen macht, ist die grundvoraussaetzung fuer faschismus gegeben. nur in solchen gesellschaftlichen situationen haben demagogen diktatorischen gepraeges einne naehrboden und die authorisierende unterstuetzung der machtelite, die fuer jeden psychotischen kasperle , der sich zum "fuehrer" hergibt dankbar ist.

    dies soweit zu den im artikel leider vernachlaessigten"greifbareren Gefahren von den Folgen der Finanzkrise über die Konkurrenz durch Russland und China bis zum Terrorismus" .... von welchem terrorismus da die rede ist bleibt wie immer offen. mir scheint es ist einmal mehr der terror des wortes, die geissel des meinungsmonopols, der dumme versuch einem veraengstigtes publikum einzublaeuen, dass die ZEIT alle wunden heilt .... und komme es noch so schlimm ... "wenn du erst verheiteratet bist, ist alles wieder gut". dem domteur ist nix zu schwoer.

  3. ...eine der Fragen bezüglich dem "rise and fall..." der USA im globalen Sinn ist, wer wird die Steuerung zu ersetzen vermögen? Alle Fehler, Lügereien und meist Innenpolitisch motivierter Aussenpolitik zum Trotz... Die USA haben bestimmt einige Hegmoniale Machtansprüche erstickt (allerdings zum Teil selber davon gelebt)... Was aber, wenn da auf einmal jemand merkwürdige Ideen hat und sein Territorium mit aller Macht und Gewalt ausdehnen will... Mir fällt da aktuell niemand ein, aber genau das könnte ja nun an den USA gelegen haben...

    ...bei den Japanern, wirtschaftlicher Gigant der 80' aber weltpolitischer Zwerg, erwartete man zwischendurch etwas mehr an Verantwortung für das Weltgeschehen zu übernehmen. Geschafft habe die das, trotz des Reichtums nie. Was ist mit den Chinesen? Auch da erwarte ich in näherer und auch ferner Zukunft nicht viel was die USA ersetzen könnte... bei den Indern ebenfalls nicht. Einzig die Russen könnten dem noch etwas beitragen... und Teile der globalen Kontrolle die von den USA bis heute wahrgenommen wird, übernehmen.

    So, aber was nun ist den mit Europa? Eigentlich genau so ein wirtschaftlicher und politischer Block der aber im globalen Sinn leider nicht als solcher wahrgenommen wird. Die Europäer können etwas bestimmt besser als die USA, nämlich an die Verhandlungstische sitzen und auf alle möglichen Forderungen und Ideen mit irgend einem Kompromiss heraus kommen... Was mit den teilweise völlig konträren Meinungen die heute schon durch Europa schwirren und trotzdem konnte sehr oft eine Einigung erzielt werden...

    Also, meine Frage... Wer kann die USA global ersetzen und ist das überhaupt noch nötig? Warum ich diese Frage stelle... ? Weil es schon immer Menschen mit unermesslichen Machtgelüsten gab und gibt und wer weiss wann die über Ihre Landesgrenzen treten...

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

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    also, eigentlich wollte ich ja eine Frage beantwortet haben... einfach nur sternchen klicken, ob nun zustimmend oder ablehnend, wird mich nicht befriedigen.

    Wie währe es nun aber mit dem hier: "... die USA haben (sie tun es immer noch) den Globus beherrscht wegen ihres Energiehungers, namentlich Oel.... Die Russen hingegen werden den Globus beherrschen weil sie Energie liefern können, namentlich Oel und Gas..." Beide Länder haben genügend Aussenpolitische Erfahrungen die andere Energiebezüger oder Lieferanten nicht haben...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
    a

  4. neben den religösen Glaubensgemeinsschaften, gibt es die Glaubensgemeinschaft der Amerika Gläubigen. Die Wanderprediger dieser Zunft, denen die ZEIT besonders in den letzten Tagen viel Raum gibt, schreiben einen knallharten Wirtschaftsimperialismus mit folgenden Sätzen schön.
    'Das Scheitern von Bushs Kriegskurs hat neben dem Vertrauen der Bürger in die amerikanische Macht auch das in die amerikanische Mission erschüttert, das sichere Gefühl, der Welt etwas unvergleichlich Gutes zu bieten zu haben'

    Was interessiert mich das Gefühl von größtenteils geistig wie körperlich verfetteten amerikanischen Burgern ... Bürgern.
    Vollends durch geht es mit den Predigern, wenn diese dann, indoktriniert durch 100 Ami -Spielfilme zuviel, folgendes loslassen :
    'Das liegt gerade am ungeheuren Erfolg eines uramerikanischen Modells, des Mittelklasse-Traums von Wohlstand und persönlicher Freiheit.'
    . Selbst Helmut Schmidt räumt ein, ein paar Jahrzehnte zuviel Amerika Gläubigkeitkeit gelebt zu haben.
    Die Wahrheit schreift man geschickt mit folgendem Satz:
    'Es ist die Amerikanisierung der Welt, durch einen in Amerika erfundenen Massen-Individualismus und durch die von Amerika ausgehende Globalisierung, die mehr an der Überlegenheit der Vereinigten Staaten zehrt als jeder ideologische oder machtpolitische Gegenspieler.'
    Alles was mit Massenproduktion, Massenbeherrschung, Massenvernichtung, generell mit Massen zu tun hat, wurde, wenn nicht in Amerika erfunden, so doch dort als Mittel zur Vertretung der eigenen Interessen brutalst möglich eingesetzt. Viel mehr habe ich bei den Barbaren mit der Todesstrafe noch nie gesehen.
    Aber endlich ist die ausgleichende Gerechtigkeit in Sicht. Ich zahle gerne Geld, nur um zusehen zu dürfen, wie der Geißel der Menschheit die Zähne gezogen werden. Die neue Weltordnung wird durch weniger Kriege und plausibler Machtherleitung über natürliche Populationsverhältnisse geschaffen. - Gut so !

    Das der Begriff Antiamerikanist bei mir nicht ausreicht, dürfte wohl deutlich geworden sein.
    Ich hatte die Schnauze von den Amis schon als Dreikäsehoch voll, als meine Mutter einen Refrain irgendeiner Schnulze aus den 1960'igern mit eben America den ganzen Tag summte. 'Nicht mehr Merika' waren angeblich meine ersten Worte.

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    aber derartiger Zynismus ist mir mindestens so unsympathisch wie die Hybris die Sie in einem grandiosen Rundumschlag allen Amerikanern unterstellen, unterfüttert mit widerlichen Vorurteilen. Simple Charaktere mit großer Wampe, Currywurst in der einen und Bierflasche in der anderen Hand kann man als genauso typisch deutsch bezeichnen wie man für jeden Flecken der Welt so einen Stereotyp aufbauen kann.
    Deutsche sollten historisch wissen dass man vorsichtig sein sollte damit. Zum einen weil sie damit viel Unheil über die Welt brachten und zum anderen weil sie in Folge deutscher Verbrechen der Vergangenheit auch lange - und teils bis heute - in Sippenhaft genommen werden für die Taten ihrer Vorfahren.
    Ich bin immer wieder erstaunt welchen Eifer Antiamerikanisten und auch die Amerikafans entwickeln. Keine andere Nation wird so leidenschaftlich diskutiert, angehimmelt und verdammt. Auf jeder Kleinigkeit und Nickligkeit wird breit herumgeritten, während himmelschreiende Ereignisse anderswo in der Welt absolut unreflektiert bleiben und maximal als kulturelle Eigenheit abgetan werden - also genau jene kulturelle Selbstständigkeit die man den Amerikanern nicht gewähren will.
    Eine Weltsicht der zwei Standards. "Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt, dada-dam".

    tOpSeCrEt schreibt:

    "Was interessiert mich das Gefühl von größtenteils geistig wie körperlich verfetteten amerikanischen Burgern ... Bürgern"

    Bei aller Abneigung gegen den american way of life, aber wir Deutschen sitzen im Glashaus. Wir haben uns hoffnungslos amerikanisieren lassen. Man betrachte mal die "Blüte" unserer deutschen Jugend morgens: Wie viele Kalorienbömbchen sind darunter, die zur Schule watscheln. Wir Deutschen erleben auch einen Abstieg.

  5. Ein Volk, eine Nation oder ein Reich besteht aus sterblichen Menschen und unterliegt deshalb biologischen Gesetzen wie Altern und Vergreisen.

    C.G.Jung nennt es in seiner Schrift "Die Lebenswende" eine gewaltige Aufgabe, wenn ein Mensch, der den Zenit überschritten hat und seine Midlife Crisis hinter sich bringen will, lernen muss, nicht mehr zu expandieren, sondern das Erreichte zu pflegen und zu verteidigen. Dazu tun Einsicht und Bescheidung not.

    Auch die Römer mussten es lernen. In der Kaiserzeit erreichte der römische Reichsorganismus seine Lebenswende. Der beeindruckende Militärapparat eroberte keine neuen Länder mehr, sondern musste das Vorhandene gegen frische starke Barbaren verteidigen. Der Historiker Florus zum Beispiel vergleicht das Reich mit einem alternden Menschen.

    Das galt auch für das Osmanische Reich. Der Gelehrte und Philosoph Khatib Celebi verglich den niedergehenden osmanischen Reichsorganismus mit einem alternden Menschen, dessen Kräfteverfall ärztliche Kunst verzögern, aber nicht stoppen kann. Mit ärztlicher Kunst meint er Reformen (oft in Form bitterer Medizin), die der neue amerikanische Präsident seiner Nation auch wird angedeihen lassen müssen.

  6. also, eigentlich wollte ich ja eine Frage beantwortet haben... einfach nur sternchen klicken, ob nun zustimmend oder ablehnend, wird mich nicht befriedigen.

    Wie währe es nun aber mit dem hier: "... die USA haben (sie tun es immer noch) den Globus beherrscht wegen ihres Energiehungers, namentlich Oel.... Die Russen hingegen werden den Globus beherrschen weil sie Energie liefern können, namentlich Oel und Gas..." Beide Länder haben genügend Aussenpolitische Erfahrungen die andere Energiebezüger oder Lieferanten nicht haben...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
    a

    Antwort auf "...eine der Fragen"
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    Antwort   BenediktG

    Bleiben wir Zuschauer, können wir nur Beifall und Buhrufe verteilen und unsere "Gerechtigkeit" bleibt uninteressant. Wenn wir da anfangen, nach den Maximen zu denken und zu handeln, die wir von unseren Wagenlenkern erwarten, dann werden die Änderungen in Gang kommen, wofür "denen da oben" das Interesse und die Kompetenz fehlt.

    • 05.10.2008 um 13:04 Uhr
    • mahun

    aber derartiger Zynismus ist mir mindestens so unsympathisch wie die Hybris die Sie in einem grandiosen Rundumschlag allen Amerikanern unterstellen, unterfüttert mit widerlichen Vorurteilen. Simple Charaktere mit großer Wampe, Currywurst in der einen und Bierflasche in der anderen Hand kann man als genauso typisch deutsch bezeichnen wie man für jeden Flecken der Welt so einen Stereotyp aufbauen kann.
    Deutsche sollten historisch wissen dass man vorsichtig sein sollte damit. Zum einen weil sie damit viel Unheil über die Welt brachten und zum anderen weil sie in Folge deutscher Verbrechen der Vergangenheit auch lange - und teils bis heute - in Sippenhaft genommen werden für die Taten ihrer Vorfahren.
    Ich bin immer wieder erstaunt welchen Eifer Antiamerikanisten und auch die Amerikafans entwickeln. Keine andere Nation wird so leidenschaftlich diskutiert, angehimmelt und verdammt. Auf jeder Kleinigkeit und Nickligkeit wird breit herumgeritten, während himmelschreiende Ereignisse anderswo in der Welt absolut unreflektiert bleiben und maximal als kulturelle Eigenheit abgetan werden - also genau jene kulturelle Selbstständigkeit die man den Amerikanern nicht gewähren will.
    Eine Weltsicht der zwei Standards. "Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt, dada-dam".

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    "Keine andere Nation wird so leidenschaftlich diskutiert, angehimmelt und verdammt. Auf jeder Kleinigkeit und Nickligkeit wird breit herumgeritten, während himmelschreiende Ereignisse anderswo in der Welt absolut unreflektiert bleiben und maximal als kulturelle Eigenheit abgetan werden -"

    Doch, doch. Israel und Israelis, und in allg. die Juden werden noch leidenschaftlicher diskutiert und verdammt. Angehimmelt selten.

    Die Juden und die Israelis sind viel öfter die Zielscheibe von Ressentiments als die US Amerikaner. Den Amis wünscht man meistens nur den Niedergang und das Erleben einer Demütigung. Den Israelis wünscht man meistens das Verschwinden aus der Weltkarte und man dämonisiert sie gern indem man ihnen die Weltverschwörung unterstellt.
    Das ist schon ein qualitativer Unterschied.
    Den Amis unterstellt man den Imperialismus, den Juden unterstellt man, dass die USA beherrschen und heimlich regieren.

    meines basiert auf Zahlen. Die mediale Inzenierung des 'Ameriican Way of Life' mit der Vorführung einiger weniger Figuren beeindruckt mich im Gegensatz zu vielen anderen Amerika Gläubigen recht wenig. Ein paar Super-Gescheite bzw. Super- Erfolgreiche die uns pausenlos präsentiert werden, stehen wahrscheinliich 250-300 Millionen 'Sterotypen' gegenüber. Ein Volk von Versuchskaninchen und wir sind nicht die einzigen Anwendungsfälle für amerikanische Methoden in fast jeglicher Hinsicht. Den amerikansichen Bürger kann und will ich nicht verurteilen, mein Zorn gilt der amerikanischen Administration und deren direkte Kopplung an die Wirtschaft besonders die Waffenindustrie.

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  • Von Jan Roß
  • Datum 19.2.2009 - 12:02 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
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  • Schlagworte USA | Finanzkrise
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