Was treibst du so?", wurde die amerikanische Schriftstellerin Joan Didion einmal von einem ihrer Freunde gefragt, und als sie darauf antwortete: "Ich schreibe an einem neuen Roman", sagte er ziemlich herzlos: "Ein Roman –ist es das, was die Welt braucht?"

Ein neues Literaturmagazin –ist es das, was die Welt braucht? Trotzdem machen wir eins. Obwohl es angesichts einstürzender Banken wahrscheinlich Wichtigeres gibt als die neue Übersetzung von T. S. Eliots The Waste Land, das der Dichter Durs Grünbein in seinem Magazin-Essay als das Gründungsdokument der modernen Lyrik feiert. Und wenn der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, den wir gebeten haben, den ZEIT-Lesern die Entstehung seiner Privatbibliothek zu schildern, davon erzählt, wie er schon als Junge in der Welt der Literatur versank und alle Bücher sammelte, die ihm, mochten sie noch so abgelegen sein, in die Hände fielen, dann sehen wir, dass die Dichter nicht in jenen Etagen wohnen, wo die tüchtigen Macher zu Hause sind. Wir ahnen aber auch, dass von einem Gedicht Durs Grünbeins oder einem Roman Orhan Pamuks womöglich mehr erkenntnisstiftende Kraft ausgeht als vom Studium fallender Kurse.

Insofern brauchen wir vielleicht doch den neuen Roman, das neue Gedicht, und unser neues Magazin hat nichts anderes im Sinn, als den lebensnotwendigen Luxus, den Bücher bedeuten, zu erläutern und anschaulich zu machen. Anschaulich heißt: Dieses Magazin darf man anschauen. Etwa die Bilder des Fotografen Martin Parr, den Verszeilen aus The Waste Land dazu angeregt haben, ihnen mit den Mitteln seiner Kunst zu entsprechen; seine Fotos erzählen das Gedicht auf eigene Weise. Oder die Galerie junger Lyriker, von Nora Bossong und Daniela Danz  bis André Rudolph und Jan Wagner: Die Bilder erzählen uns von ihrer Weltanschauung, also davon, wie sie mit ihren Gedichten die Welt sehen.

All dies wäre in der klassischen Literaturbeilage, die unsere Leser seit vielen Jahren kennen, nicht möglich gewesen. Das Magazin ZEITLiteratur erscheint in handlicherem Format und mit besserem Druck, es bietet die Möglichkeit, große Texte angemessen zu präsentieren.

Dabei verabschieden wir uns keineswegs von der ehrwürdigen Tradition der Kritik. Im Mittelpunkt des ersten Heftes steht Charles Darwin. Iris Radisch rezensiert Dietmar Daths riskanten, faszinierenden Roman Die Abschaffung der Arten. Ein Essay würdigt die wichtigsten Bücher zum Thema Darwin, dessen 200. Geburtstag im Februar gefeiert wird. Außerdem erzählt das Heft von einer Begegnung mit der Schriftstellerin Ruth Klüger in Kalifornien samt einem Besuch im Freibad, und wir dokumentieren ein Gespräch mit dem Autor Dieter Thomä, der ein Buch über die Geschichte der Väter geschrieben hat. Und natürlich finden unsere Leser Rezensionen der neuesten Bücher aus den Kategorien Belletristik, Politisches Buch, Sachbuch sowie Kinder- und Jugendbuch. Neu sind die Kolumnen: Harry Rowohlts Berichte aus seinem Übersetzerleben Lost in Translation; Harald Martensteins Bestseller; die Krimikolumne der Schriftstellerin Regula Venske.

In diesen Tagen wird die Schwedische Akademie bekannt geben, wer den Literaturnobelpreis 2008 erhalten wird. Horace Engdahl, der Sekretär der Akademie, hat kürzlich einige abfällige Bemerkungen über die amerikanische Literatur geäußert.

Die 25 Schriftsteller aus dem In- und Ausland, die wir gefragt haben, wer ihrer Ansicht nach den Literaturnobelpreis bekommen sollte, teilen diese Kritik offenbar nicht. Es sind viele Amerikaner unter ihren Vorschlägen. Ian McEwan votiert für John Updike, Ralf Rothmann wählt Cormac McCarthy, Louis Begley und Adolf Muschg plädieren für Philip Roth, Ingo Schulze ist für William H. Gass. Und Martin Walser wünscht den Preis Botho Strauß, "weil er frei ist von Oppositions-Opportunismus".