Autotest Rebell mit Stoffmütze
ZEIT-Autor Ralph Geisenhanslücke fährt einkaufen mit dem Audi A3 Cabriolet

© Audi AG
Sie nannten es "Erdbeerkörbchen", wegen des Überrollbügels, der an einen Tragegriff erinnerte: das Golf-Cabrio, gebaut in diversen Versionen bis zum Jahr 2002. Nun erlebt es innerhalb der VW-Konzernpalette seine Wiedergeburt in Gestalt des Audi A3. Dieser hat zwar keinen Tragegriff, aber dafür zwei kleine Henkel an den Rücksitzen. Und wieder beginnt die Suche nach einem doppelbödigen Kosenamen. Das Golf-Cabrio war nicht nur ein Klassiker, es galt auch als ziemlich bieder. Es versprach Freiheit und Abenteuer – im Reihenhausformat. Wir wollen was erleben, aber bitte mit garantiertem Wiederverkaufswert. Natürlich sagte niemand: Ich bin so wild nach deinem Erdbeerkörbchen.
Der Audi A3, seit je der Golf für Besserverdiener, wirkt dagegen wie ein Rebell. Und zwar wegen seiner Stoffmütze. Denn unter den offenen Autos im Straßenbild dominieren mittlerweile Butterbrotdosen, die man einfach auf- und zuklappt: Stahldächer, angeblich praktisch, robust und wetterfest. Als ob Cabriofahren jemals etwas mit Vernunft zu tun gehabt hätte. Die Wurzel des Wortes Cabriolet liegt im französischen Wort cabriole, zu Deutsch: Luftsprung.
Bei Luftsprüngen geht es um Vergnügen, um Leichtigkeit und Eleganz. Gerade die lässt mancher Stahldachler vermissen. So eine große Konstruktion muss ja irgendwo am Heck verstaut werden. Das Stoffverdeck des A3 verschwindet in sensationellen zehn Sekunden, und es lässt Platz für einen Kofferraum, in dem man noch einen ganzen Wocheneinkauf verstauen kann. Na ja, fast.
Der A3 wirkt dabei durchaus nicht brav, allein schon wegen des Preises, der endausgestattet in den Bereich von Oberklasselimousinen reicht, und wegen des geschmeidigen Motors, mit dem man manchmal fast schon glaubt, fliegen zu können.
Das schönste Detail sind zwei Slots für die daumennagelgroßen SD-Speicherkarten, von denen man Musik abspielen kann, ohne noch umständlich mit Player und Kabel zu hantieren. Zwei Slots. Deine oder meine Karte, Schatz? Ein zivilisatorischer Sprung, vergleichbar mit der Einführung der getrennt regelbaren Heizung. Während andere Hersteller noch immer an Schnittstellen dafür basteln, hat Audi gleich den ganzen Wagen zum MP3-Player gemacht. Hören muss man aber weiterhin gemeinsam. Erster Vorschlag für einen Kosenamen: das iPödchen.
Technische Daten:
Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 147 kW (200 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h
CO²-Emission: 182 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,6 Liter
Basispreis: 33.250 Euro
- Datum 08.01.2009 - 13:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 09.10.2008 Nr. 42
- Kommentare 4
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... wie beim Thema Auto in der Zeit leider üblich. Übrigens: SD-Kartenleser als Musikquelle ist ja wohl höherer Blödsinn. Ein zeitgemäßes Autoradio hat einen USB-Anschluss.
Dieses Auto verbraucht deutlich mehr Sprit als sinnvoll und machbar. Es liegt weiter über der EU-Norm von 120 gC0²/km.
Damit ist ein weiteres un-Zeit-gemäßes Auto in dieser Kolumne.
Dass Audi im Flottenverbrauch mittlerweile Mercedes und BMW überholt hat, spricht auch gegen dieses Auto. Audi entwickelt sich zum Umweltschädling Nr. 1.
Bitte....bitte, koennen wir nicht EINMAL auf Verbrauchskommentare verzichten ? Oh' Ihr unglaublichen Langweiler, die Ihr wahrscheinlich auch nur 2 Paar Schuhe besitzt und noch immer der Meinung seid, dass man(n) seine Ehefrau nicht betruegen sollte...So herrliche Autotests - wie von der Zeit-Redaktion - findet man selten und verdienen einen Filter gegen jede Art von "Verbrauchsdiskussionen", die einfach an dieser Stelle unnoetig und leidenschaftslos sind.
Herr dborrmann Ihr Umweltbewusstsein in allen Ehren, aber zeigen Sie mir einen Wagen, mit dem ich:
- mehr als eine Handtasche transportieren kann
- Platz für 4 Leute habe (und ich meine Platz, bei dem man nicht mit den Knien an den Ohren fährt)
- LKWs überholen kann, ohne Radiodurchsagen der Art "3km stockender Verkehr auf der A..." zu erzeugen
- UND der dabei weniger als 120g CO2/km erzeugt.
Er sollte natürlich für Jederman bezahlbar sein.
Das bezieht sich nicht auf dieses spezifische Modell hier, sondern ist allgemein gemeint.
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