Integration Bilal will arbeiten

Kein Industriestaat bietet Migrantenkindern weniger Chancen als Deutschland. Wer ist dafür verantwortlich?

Eigentlich dachte Bilal El-Ahmad, er hätte vieles richtig gemacht. Er begnügte sich nicht mit der Hauptschule, sondern schaffte die mittlere Reife. Mit vielen Zweien und keiner Vier auf dem Zeugnis glaubte er, sich gegen die Konkurrenten auf dem Lehrstellenmarkt durchsetzen zu können. Heute, 300 vergebliche Bewerbungen später, glaubt El-Ahmad das nicht mehr. Nur einmal kam der 22-Jährige in die Nähe seines Traums. Das Arbeitsamt vermittelte dem Deutschlibanesen ein paar Schnupperwochen in einer Kfz-Werkstatt. Die Chance entpuppte sich als Sackgasse. »Der Betrieb durfte gar nicht ausbilden. Es ging eher darum, die Zeit totzuschlagen.« Nun hofft er, über ein Langzeitpraktikum bei der Deutschen Bahn einen Ausbildungsplatz zu finden – fast fünf Jahre nach seinem Schulabschluss.

El-Ahmad ergeht es wie den meisten seiner ehemaligen Klassenkameraden aus Berlin-Neukölln. Einen Ausbildungsplatz hat kaum einer von ihnen gefunden – egal, ob sie fleißig oder faul waren, erzählt der Deutschlibanese. Die einen jobben bei Verwandten im Gemüseladen oder Restaurant. Andere verbringen ihre Tage mit ihren Kumpeln. Herausgeputzt mit weißen Hosen, Kapuzenpullover oder Baseball-Kappen, voll nervösem Stolz, sieht man die Jugendlichen auf den Straßen des Viertels. Schaulaufen einer verlorenen Generation.

Von der Schule in die Langzeitarbeitslosigkeit: Dieses Schicksal teilen immer mehr Jugendliche aus Einwandererfamilien. Direkt nach der Schule findet nur noch jeder vierte von ihnen eine Lehrstelle, und das meist nicht direkt in einem Unternehmen, sondern nur in überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Vor 15 Jahren bekamen noch doppelt so viele einen Ausbildungsplatz. Ein Großteil der traditionellen Lehrstellen für jugendliche Migranten – einfache Tätigkeiten in Handwerk oder Einzelhandel – seien weggebrochen, sagt Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Für Lehrstellen in zukunftsträchtigen Berufszweigen fehlen ihnen häufig die Qualifikationen. Die Folgen sind ebenso besorgniserregend wie teuer: 42 Prozent der Hartz-IV-Empfänger zwischen 18 und 24 Jahren stammen aus Einwandererfamilien.

Gewandelte berufliche Anforderungen und fehlende Netzwerke, versteckte Diskriminierung und unbewusste Selbstisolation – die Gründe für die Perspektivlosigkeit jugendlicher Einwanderer sind vielfältig. Die Hauptursachen freilich heißen schlechte Schulabschlüsse und mangelnde Deutschkenntnisse.

Die Bildungsarmut des Migrantennachwuchses müsste deshalb ganz oben auf der Agenda des Qualifizierungsgipfels stehen, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs am 22. Oktober in Dresden zusammenkommen. Sämtliche Schwächen des deutschen Schulsystems – die frühe Auslese, die Konzentration auf den Vormittag, die ungenügende individuelle Förderung, die Zersplitterung der Institutionen – treffen Einwandererkinder am härtesten.

So kommt es, dass in keinem Industrieland das Bildungsniveau von Einwanderern und einheimischer Bevölkerung so weit auseinanderklafft wie in Deutschland, analysiert Thomas Liebig von der OECD. Und der Trend weist nach unten: In der Pisa-Untersuchung erzielten Kinder der zweiten Migrantengeneration, die das deutsche Schulsystem komplett durchlaufen hatten, schlechtere Leistungen als Kinder von Zuwanderern, die erst wenige Jahre bei uns leben. Unter den Industrienationen ein einmaliges Ergebnis.

Doch bislang verspricht der Gipfel auf dem Feld der Integration wenig Neues. Der Bund wird wieder den längst beschlossenen Ausbildungsbonus präsentieren, mit dem Unternehmen geködert werden, schwer vermittelbaren Jugendlichen eine Lehrstelle anzubieten. Die Länder verpflichten sich, Migrantenkinder vor Schuleintritt einem Sprachtest zu unterziehen – was sie bereits auf dem Integrationsgipfel 2006 getan haben. Ein großes Programm »Einbürgerung durch Bildung« steht dagegen nicht zur Diskussion.

Dabei mahnen Experten seit Langem, die leistungsschwächsten Schüler »systematisch und massiv zu fördern«, wie es in einem internen Gutachten der Kultusministerkonferenz heißt ( ZEIT Nr. 24/08). Jeder zweite Jugendliche türkischer Herkunft gehört mittlerweile zu den Risikoschülern, denen einfachste Texte große Verständnisprobleme bereiten und die so gut wie keine Chance auf eine Lehrstelle haben.

Die neue Unterschicht spricht zu Hause türkisch, arabisch oder russisch

In Deutschland entsteht ein neues, durch die Herkunft bestimmtes Proletariat. Es trägt fremde Namen, spricht zu Hause türkisch, arabisch oder russisch. Gerade die ethnische Prägung der neuen Unterschicht heizt den sozialen Konflikt an – auf beiden Seiten. In der Mehrheitsgesellschaft wächst die Überzeugung, die Zuwanderer wollten sich hier nicht integrieren, sondern sich nur aus den Sozialkassen bedienen. Die Migranten wiederum haben das Gefühl, dass ihnen der Weg nach oben wegen ihrer Herkunft verwehrt wird.

Gerade viele junge Einwanderer empfinden das Scheitern bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als bewusste Ausgrenzung und ziehen sich in ihre Community zurück. »Je weniger erfolgreich diese Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf sind, desto größer ist die Gefahr einer Desintegration«, analysiert eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts in München.

Auch Bilal El-Ahmad ist überzeugt, dass seine Herkunft bei den vielen Absagen eine Rolle spielte. In den wenigen Vorstellungsgesprächen, zu denen man den Deutschlibanesen eingeladen hatte, wurde er mal nach seinen politischen Einstellungen gefragt (»Was denken Sie über Israel?«), mal auf das böse Wort in seinem Lebenslauf angesprochen. »Rütli« stand da, die Ausländerschule mit dem Chaotenimage.

Abwegig ist El-Ahmads Verdacht nicht. Verschiedene Studien belegen, dass Migranten es bei gleichem Bildungsniveau schwerer haben, einen Job oder eine Lehrstelle zu finden, als deutsche Bewerber. So liegt die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolventen aus Migrantenfamilien dreimal so hoch wie bei einheimischen Akademikern. Tendenziell ist der deutsche Stellenmarkt also tatsächlich ausländerfeindlich. Entscheidender für die hohe Arbeitslosigkeit unter Migranten ist jedoch etwas anderes: die wachsende Kluft zwischen dem, was sie an Wissen und Zertifikaten mitbringen, und dem, was die Unternehmen fordern.

Lange Zeit hatte Fevzi Çakmak kein Problem, Arbeit zu finden. Wurde er bei der einen Firma entlassen, fand sich ein Job bei einer anderen. Ob im Lager oder als Kraftfahrer, bei Bosch oder Toyota: Irgendjemand konnte Çakmak immer gebrauchen. 1980 war er seinem Vater aus der Türkei nach Baden-Württemberg gefolgt. Vier Jahre lang ging er hier zur Hauptschule. Auf eine Berufsausbildung glaubte er verzichten zu können. »Wie alt bist du? Was kannst du?«, fragten die Unternehmen, erinnert sich Çakmak. Nach Zeugnissen oder Diplomen fragten sie nicht.

Zwei Jahrzehnte lang lief das so. Doch irgendwann wurden die Phasen ohne Job länger. Kraftfahrer aus Osteuropa besorgten die Fuhren für weniger Geld. Selbst im Warenlager musste man plötzlich mit Computern arbeiten. Andere Tätigkeiten erledigten Maschinen. Als der Deutschtürke mit seiner Familie nach Berlin übersiedelte, wollte ihn keiner mehr haben. 40 Jahre ist er jetzt alt, sein jüngster Sohn ist gerade in den Kindergarten gekommen. Doch das Arbeitsleben scheint für Fevzi Çakmak beendet. Auf die jüngsten Bewerbungen bekam er keine Antwort mehr. Seine letzte Hoffnung ist ein Taxischein.

In Berlin stellt sich die Lage der Migranten besonders dramatisch dar, wie es in einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung heißt. Ein Drittel der Einwanderer dort ist erwerbslos, besonders häufig jene aus der zweiten oder dritten Generation. Unter den Deutschtürken der Hauptstadt lebt gar jeder zweite vom Staat. Drei Viertel von ihnen verfügen über keinen Berufsabschluss. Angesichts der großen Zahl von Kindern mit Migrationsgeschichte – in der Hauptstadt gehören 43 Prozent der unter Zehnjährigen dazu – warnt das DIW vor »sozialen Spannungen« in Berlin wie auch in anderen Metropolen.

Dass diese bislang ausgeblieben sind, liegt auch an Menschen wie Steffi Mauksch und ihren »Maßnahmen«. 80 davon hat die Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Kreuzberg-Friedrichshain im Instrumentenkoffer, die meisten zugeschnitten auf Schulabgänger. Für den einen gibt es ein Praktikum, für andere eine Berufsorientierung. Wer erst einmal einen geordneten Tagesablauf lernen muss, erhält eine »Aktivierungshilfe«. Sogar mit einer Schulung zum Konditor mit Aufenthalt in Italien kann sie aufwarten – »unser Angebot de luxe«.

Nur mit einem kann Mauksch selten dienen: einem Ausbildungsplatz in einem Betrieb. 5000 Lehrstellen gab es im Jahre 2003 noch in Berlin-Mitte, 1000 sind davon übrig geblieben – und viele sind für ihre Klientel außer Reichweite. »Wenn ein Personalchef in der Bewerbung ein halbes Dutzend Deutschfehler entdeckt, wird sie sofort aussortiert«, weiß die Arbeitsvermittlerin.

Viele ihrer jungen Kunden stammen aus türkischen oder arabischen Familien, was den Job von Mauksch nicht einfacher macht. Junge Frauen mit Kopftuch zum Beispiel lassen sich nur schwer vermitteln. Zum einen wollen sie nicht überallhin, zum anderen will sie nicht jeder Arbeitgeber haben. Die Grenzen zwischen Diskriminierung und Selbstisolation verlaufen fließend.

Hätte Steffi Mauksch einen Wunsch frei, was würde sie tun? Die Arbeitsvermittlerin überlegt nicht lange und antwortet, was alle sagen, die etwas von der Sache verstehen: Früher beginnen, wenn man noch etwas bewegen kann; in der Schule die Berufsberatung und das Deutschlernen stärken; den klassischen Unterricht mit praktischen Erfahrungen kombinieren. »Im Jobcenter können wir nur auf das reagieren, was vorher falsch gelaufen ist«, sagt sie.

Gut einen Kilometer entfernt kann man sehen, wie eine Schule aussehen müsste, die sich die Experten vorstellen. Im Bildungswerk Kreuzberg (BWK) sind die Klassen klein, selten lernen mehr als zehn Auszubildende in einem Raum. Werkstätten bereiten die Jugendlichen auf die berufliche Praxis vor. Wer Probleme in Deutsch oder Mathe hat, bekommt ausreichend Nachhilfe. Zwei Dutzend Sozialarbeiter, von denen viele selbst aus Einwandererfamilien stammen, kümmern sich um die 600 Jugendlichen. Sie machen Förderpläne, haken nach, wenn jemand unentschuldigt fehlt. Zum Vergleich: Berliner Hauptschulen können in der Regel froh sein, wenn sie über mehr als einen Sozialpädagogen verfügen.

Denn das BWK ist keine Schule, sondern eine sogenannte überbetriebliche Ausbildungsstätte. Hierher schickt Steffi Mauksch jene Jugendlichen, die auf dem regulären Ausbildungsmarkt ohne Erfolg bleiben. Friseur kann man hier werden, auch Bankkauffrau oder Koch, und fast 90 Prozent schaffen den Abschluss am Ende auch, sagt Nihat Sorgec. Der 50-Jährige erscheint wie das wandelnde Dementi zu der Behauptung, dass Einwanderer in Deutschland keine Chance hätten. Die Mutter Analphabetin, der Vater Heizer bei Siemens – trotzdem gelang dem Deutschtürken der Sprung von der Hauptschule über den zweiten Bildungsweg bis zum Ingenieurstudium. Heute gehört Sorgec zu den erfolgreichen Unternehmern der Hauptstadt. Als die Bundeskanzlerin auf ihrer Bildungsreise eine Station in Berlin suchte, fiel ihre Wahl auf sein privates Ausbildungswerk.

Zuerst lernen die Azubis, pünktlich zu sein und regelmäßig zu erscheinen

Vielen seiner Schützlinge bietet das BWK eine letzte Chance. Hier lernen sie, so Sorgec, die »klassischen Arbeitstugenden«, die ihnen weder in der Schule noch in den Jahren des ziellosen Jobbens und Herumhängens jemand abverlangt hat: regelmäßiges Erscheinen, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen, auch wenn eine Aufgabe nicht auf Anhieb gelingt. Rund ein halbes Jahr dauert es, bis die Jugendlichen »stabilisiert sind«, sagt Sorgec. Erst dann mache es Sinn, mit einem Praktikum zu beginnen.

Rund drei Milliarden Euro gibt allein die Bundesagentur für Arbeit jedes Jahr für derartige Reparaturmaßnahmen aus. In der Schule und im Kindergarten wären sie besser angelegt: für zusätzliche Deutschkurse, Extraunterricht an Wochenenden und in den Ferien, für Hausaufgabenhilfe und Elternberatung. Doch für die Bildungspolitik sind die Länder und nicht der Bund oder die Agentur für Arbeit zuständig. Hier müsste das Gipfeltreffen in Dresden eine Brücke schlagen. Nicht nur, weil die Jugendlichen aus Einwandererfamilien eine Zukunft brauchen, sondern auch, weil die Unternehmen wegen des Geburtenrückgangs zunehmend auf den Migrantennachwuchs angewiesen sind.

Fachkräfte aus dem Ausland werden die Lücken nicht füllen. Sie ziehen in andere Länder, wo man leichter aufsteigt und sich schneller heimisch fühlt. Obwohl die Alterung der Bevölkerung in Deutschland besonders schnell voranschreitet, liegt die Zahl der Einwanderer laut einer OECD-Studie im internationalen Vergleich am unteren Rand. Der Bundesrepublik bleibt nur der mühsame Weg, diejenigen, die bereits hier sind, besser zu qualifizieren. Vierzig Jahre habe man sich nicht um die Gastarbeiter und ihre Familien gekümmert, um dann festzustellen, dass die Integration gescheitert sei, sagt Nihat Sorgec bitter: »Wir sollten den Fehler nicht erneut begehen.«

 
Leser-Kommentare
  1. Als Lehrer eines Berufskollegs kann ich dem Artikel vollständig zustimmen, auch kann ich die dargestellte Problematik jeden Tag in der Schule wiederfinden. Doch eines muss ich ergänzen, es fällt Kollegen und mir wiederkehrend auf:
    Lernende mit Migrationshintergrund haben es in deutschen Schulen schwer, das dürfte klar sein. Ihnen steht zu wenig Hilfe zur Verfügung, auch das ist klar. Ihre sprachliche Fähigkeiten sind zu oft schlechter als die ihrer Alterskohorte mit deutschen Wurzeln, klar. Auffällig ist, dass die dargestellten Probleme in besonderen Maße auf die männlichen Lernenden zutreffen, die eine nichtdeutsche Herkunft haben, wobei die jungen Frauen häufig genauso erfolgreich oder sogar erfolgreicher als ihre Mitschülerinnen ohne Migrationshintergrund sind.
    Kurz: Junge Männer haben mehr Schulprobleme als junge Frauen. Junge Männer, deren Eltern nichtdeutscher Herkunft sind, versagen in der Schule und daher im Arbeitsleben deutlicher häufiger. Diese Jungs brauchen Hilfe, und zwar deutlicher früher als in der Hauptschule oder irgendeiner Weiterbildungsmaßnahme. Ansonsten folgt: angry turkish young men, lebenslange Transferzahlungen, Rechtspopulismus und alles andere, was schon tausendfach gesagt, gefordert und versprochen wurde.

  2. jemand sagen wer eigentlich in Deutschland noch Chancen hat ? Das ist doch hier ein Land das seine Zukunft verbraten und als Dividende ausgezahlt hat. Die komandierenden Ratten haben doch schon längst das Schiff verlassen, wen interessieren denn noch die kleinen "Bilal"s die arbeiten wollen. Arbeiten ? Als ausgebildeter Dreckwühler vieleicht.

  3. deutsch-staemmige Jugendliche nur wenig Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz haben wird es schwer sein fuer unqualifizierte Jugendliche zu finden, es wird wohl so sein dass der Steuerzahler immer tiefer in die Tasche greifen muss um den' Deckel' drauf zu halten.

  4. Ich denke man sollte nicht so stark generalisieren. Es gibt in Deutschland auch zahlreiche Ärzte, Ingenieure, Handwerksmeister und Anwälte mit türkischem, russischem oder anderem Migrationshintergrund und fast jeder kennt in seinem Umfeld bestimmt auch erfolgreiche Migranten. Darum halte ich die Aussage, eine neue Unterschicht würde "türkisch, russisch oder arabischsprachig sein" für problematisch. Insgesamt sollte an den Schulen mehr dafür getan werden Kindern zu helfen, die im Elternhaus keine Unterstützung für die Schule bekommen.

    Dies gilt nicht nur für Migranten. Ein Kind mit Migrationshintergrund, dessen Eltern zum Beispiel Lehrer sind und die ihrem Kind bei den Hausaufgaben helfen, vorlesen, mit ihm ins Museum gehen usw. hat zum Beispiel in der Schule wohl mehr Chancen als ein Kind ohne Migrationshintergrund, dessen Eltern sich nicht um seine Schullaufbahn kümmrn und ihm keine Nachilfe bezahlen können. Am besten wäre ein Ausbau der Ganztagsschulen, da dann die schulische Entwicklung der Kinder nicht mehr so stark von dem Elternhaus abhängt.

    Ich kann nicht verstehen, warum jemand mit einem guten Realschulabschluss trotz 300 Bewerbungen keine Ausbildungsstelle bekommen hat. Vielleicht sind viele Betriebe zu anspruchsvoll. Wenn sie den Schulabgängern keine Chance geben sollten sie später nicht über angeblichen Fachkräftemangel klagen....

  5. Da heißt es, »Kein Industriestaat bietet Migrantenkindern weniger Chancen als Deutschland.«
    Das stimmt aber gar nicht, Migranten haben hervorragende Chancen in Deutschland: Beispiel: 50 Prozent aller Schüler mit vietnamesischem Hintergrund schaffen in Deutschland das Abitur, mehr als bei den deutschen Schülern.[1]

    Die Bildungs-Chancen (und damit die beruflichen Chancen) hängen in erster Linie von der sozialen Schicht ab, von den Eltern und von der Beurteilung durch Grundschullehrer.

    Für die Unter- und Arbeiter-Schicht sieht es in Deutschland leider generell eher düster aus. Nun sind aber viele Migranten nach Deutschland gekommen, nicht weil hier Akademiker gesucht wurden, sondern weil hier Arbeiter gebraucht wurden für Tätigkeiten, die nicht unbedingt große Bildung erforderten. Dass die Nachkommen dieser Leute jetzt schlechte Chancen haben, liegt aber weniger an ihrem Migrationshingergrund sondern der Schichtzugehörigkeit.
    (Die oben als Beispiel angeführten Vietnamesen, entstammen tendenziell eher bildungsnäheren Schichten und schon sieht’s bei ihnen sogar besser aus als bei Deutschen.)

    Das Problem schlechter Bildungs-Chancen einfach an den Migrationshintergrund zu koppeln, ist jedenfalls unsinnig, weil der Migrationshintergrund mit anderen Faktoren korelliert, die sehr viel besser geeignet sind, die schlechten Bildungs-Chancen zu erklären.

    Es mag zwar sein, dass der ein oder andere Grundschullehrer (auch unterbewusst) Vorurteile hat, die ihn z. B. türkischen Schülern schlechtere Empfehlungen geben lassen, aber auch bei Türken sind die Chancen ganz wesentlich davon abhängig, welcher Schicht die Eltern entstammen, welcher Umgang gepflegt wird und wie viel Wert die Eltern auf Bildung legen. Wie bei deutschen Schülern auch.

    [1] http://www.halleforum.de/...

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