Selbstverteidigung Wehr dich!
Selbstbehauptungskurse an Schulen sind gefragt. Aber was bringen sie den Kindern? Ein Trainingsbesuch
Martina Schacht kennt das flaue Gefühl im Magen, seitdem ihre Tochter Fenja allein zur Schule geht. »Jeden Morgen habe ich Angst«, sagt die Mutter aus Sattenfelde, rund 30 Kilometer nördlich von Hamburg. Fenja braucht zehn Minuten bis zum Schulbus, und die Haltestelle liegt direkt am Waldrand. »Fenja ist so blauäugig, sie glaubt ja, ihr kann nichts passieren«, sagt ihre Mutter. Vor einigen Monaten soll in den Dörfern ein weißer Kleinbus unterwegs gewesen sein. Die unbekannten Männer sprachen die Kinder an den Haltestellen an, erzählten ihnen, der Schulbus würde ausfallen, und sie sollten nun mit ihnen fahren. Wie ein Lauffeuer sprach sich das herum, alle Kinder wurden gewarnt, niemand stieg ein. Und inzwischen weiß Fenja auch, was sie tun kann, wenn ein Fremder sie anspricht oder ihr gar zu nahe kommt. »Ich schreie: Stopp, bleiben Sie stehen! Oder: Fassen Sie mich nicht an.« Und die dunklen Augen der Achtjährigen funkeln, wenn sie sagt: »Ich kann aber auch treten.«
Das Repertoire ihrer neuen Selbstverteidigungsstrategien hat sich Fenja an vier Nachmittagen in einem Selbstbehauptungskurs der Hamburger Firma Defending-Team angeeignet. Ihren Trainer Gero Cziharz durfte sie nicht nur anschreien, sondern auch richtig treten, in die gepolsterten Schienbeine, Weichteile und in den Magen. Fenja hat all das für den Fall geübt, dass sie irgendwann einem bösen Menschen begegnet, der sie packt, an den Haaren zieht, ins Auto schleift. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß, dass das jemals passieren wird, trotzdem glauben viele Eltern, ihre Kinder auf den »Ernstfall« gezielt vorbereiten zu müssen.
So ist es in vielen Fällen keineswegs die Angst der Kinder, die die Kurse des Defending-Teams füllt. Es ist vor allem die Angst der Eltern. Ohne Qualität und Inhalte der Kurse genau einschätzen zu können, melden sie ihre Kinder »selbstverständlich« beim Defending-Team an und bezahlen 38 Euro für acht Stunden Sicherheitsschulung. Der Hamburger Vater Paul Lose* stieß auf wenig Verständnis, als er entschied, seine Tochter nicht zum Defending-Team zu schicken. »Als ich andere Eltern fragte, weshalb sie diesen Kurs für so wichtig halten, traf ich auf eine Nebelwand aus Oberflächlichkeit: Die Firma mache das ganz toll, man kenne ein Kind, das schon mal dabei war. Ich habe keinen einzigen vernünftigen Grund gehört, meine Tochter dort hinzuschicken«, erinnert sich Lose. Zumal seine Tochter in eine Schule gehe, in der Gewalt keine Rolle spiele.
100.000 Kinder aus Hamburg und Umgebung haben in den vergangenen zehn Jahren einen Kurs des Defending-Teams besucht. Unter denen, die in Hamburg »Mitschnacker«, in Berlin »Kinderklauer« und anderswo »gemeiner Kinderreinleger« heißen, können sich die Kinder selbst meist gar nichts vorstellen. Ihren Eltern aber stehen die schlimmsten Horrorszenarien vor Augen: Kindesentführungen, Sexualstraftaten, Mord. Die reale Bedrohungslage klafft dabei mit der gefühlten weit auseinander. »Tötungsdelikte, aber auch Sexualverbrechen und Sexualmorde sind in den letzten Jahren alle zurückgegangen«, sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer, der das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen leitet. In der Bevölkerung aber herrscht die Auffassung, dass die Anzahl der Verbrechen eher zunehme, die Welt gefährlicher und brutaler geworden und vor allem die Kinder einem weitaus größeren Risiko ausgesetzt seien. »Das ist kein Wunder«, sagt Christian Pfeiffer, »die mediale Berichterstattung hat sich beispielsweise zu einzelnen Fällen des Sexualmordes in den letzten zehn Jahren bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verdreifacht und bei den privaten versechsfacht«. Der Vater Paul Lose hat sich über all das informiert, bevor er eine Entscheidung traf: »Die Statistik sprach für ein klares Nein. Außerdem fand ich es absurd, dass Eltern ihre irrationalen Ängste einfach an ihre Kinder weitergeben und andere ein Geschäft damit machen.«
Das Defending-Team bietet die ersten Selbstbehauptungskurse bereits in Kindergärten an. In den Schulen wenden sie sich vor allem an Zweitklässler, die sogleich ermutigt werden, in der vierten Klasse einen Auffrischungskurs zu buchen. Mädchen und Jungen werden in den Trainingsgruppen stets getrennt.
In der Mädchengruppe, zu der auch Fenja Schacht aus Sattenfelde gehört, kommt Trainer Gero Cziharz ziemlich schnell zur Sache: »Ein Mitschnacker will euch streicheln und küssen«, sagt er, und die Gesichter von Fenja und ihrer Freundin Michelle verziehen sich zu einer angewiderten Grimasse. Ein drittes Mädchen ruft: »Ich dachte, Mitschnacker machen was ganz, ganz Schlimmes?« – »Das ist schlimm, ganz schlimm«, sagt Gero und blickt etwas unsicher. Mit standardisierten Sätzen und Rollenspielen umschiffen die Trainer manch heikle Situation. Es fehlt an Souveränität, mit spontanen Nachfragen der sieben- und achtjährigen Kinder umzugehen.
»Ich hab da eine Packung Powerriegel im Kofferraum«, ruft Gero Cziharz nach der ersten halben Stunde Training. »Die holen wir uns jetzt mal zur Stärkung. Kommt ihr mit?« Die 15 Mädchen überlegen keine Sekunde und rennen hinter ihm aus der Tür. Ein paar Meter weiter pfeift der Trainer alle zurück: »Stopp, ich hab’s mir anders überlegt.« Die Kinder sind enttäuscht, Powerriegel gibt es nicht, denn das war nur ein Test, und keiner hat ihn bestanden. Schließlich könnte auch Gero ein Mitschnacker sein, schon vergessen? Einer von der Sorte, der Kinder mit Süßigkeiten ins Auto locken will. »Hilfe, du bist ein Mitschnacker!«, kreischen einige Mädchen hysterisch. Gero lacht, aber er löst die Situation nicht auf. »Die Kinder sollen selbst entscheiden, ob sie mir vertrauen können«, sagt er später.
Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder gehen nicht von Fremden aus, sondern finden im sozialen Umfeld der Opfer statt. Die Kriminalstatistiken zeigen, dass nur 25 Prozent der Täter fremde Personen sind, 50 Prozent aus dem Bekanntenkreis und 25 Prozent aus dem familiären Umfeld kommen. »Wir wollen durch unsere Kurse das Selbstbewusstsein der Kinder stärken, vor allem durch aktive Körperarbeit, da ist die Herkunft des Täters zunächst weniger wichtig«, sagt André Schäfer, der das Defending-Team leitet. »Wir wollen nicht so weit gehen, dass sich die Kinder einen Täter aus der Familie vorstellen sollen. Aber unsere Rollenspiele enthalten immer wieder Hinweise darauf, dass es nicht nur Fremde sind, die gefährlich werden können.«
Aber was, wenn daraus Fragen entstehen, auf die die Kinder keine Antwort bekommen, weil sie die Routine des Kurses stören oder noch wenig erfahrene Trainer überfordern? Was, wenn Siebenjährige plötzlich nach Vergewaltigung fragen? Was lösen solche Gespräche in Kindern aus, die von Sexualität noch kaum etwas wissen? »Ein sieben- oder achtjähriges Kind sollte sich auf keinen Fall ausmalen, was ein Erwachsener alles mit ihm machen kann«, sagt Herbert Scheithauer, Psychologe an der Freien Universität Berlin. »Kinder sind in diesem Alter nicht in der Lage, die Tragweite sexueller Handlungen zu erfassen.«
Was Eltern besonders quält, ist die Verunsicherung. Wann ist der richtige Moment, um mit dem Kind Themen wie Gewalt und Missbrauch überhaupt anzusprechen? »Wir haben schon darüber geredet, als unsere Tochter vier Jahre alt war«, sagt Stefanie Bruss, die Mutter der heute achtjährigen Michelle. »Ich habe nicht den Eindruck, dass sie jetzt verängstigter ist, sie ist eher selbstbewusster geworden.« André Schäfer vom Defending-Team erzählt die Geschichte eines Mädchens aus Hamburg. Ein fremder Mann hatte versucht, es in sein Auto zu zerren. Das Mädchen hat sich gewehrt, geschrien, vielleicht auch getreten. Der Mann ließ von ihm ab und fuhr davon. »Ich kann nicht sagen, dass das Kind sich so verhielt, weil es unser Training absolviert hat«, sagt Schäfer. »Aber vielleicht ist damit die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es sich überhaupt gewehrt hat.«
Und wenn Eltern sich scheuen, ihre Kinder in die Grausamkeiten dieser Welt einzuweihen? Handeln sie verantwortungslos, züchten sie eine Idylle um das Kind, die ihm gefährlich werden kann? »Ein gesundes Misstrauen gegenüber fremden Situationen bringt jedes Kind von Natur aus mit«, sagt Psychologe Scheithauer. »Ob wir darüber hinausgehen und dem Kind nun eine übertriebene Sorge einpflanzen müssen, um es im schlimmsten Fall extrem zu verunsichern und zu irritieren, wage ich zu bezweifeln.« Für Präventionsprogramme wie die des Defending-Teams steht der Wirksamkeitsnachweis noch aus. »Wir wissen zwar, dass es einen Wissenszuwachs bei den Kindern gibt, nicht aber, ob sie sich in entsprechenden Situationen wirklich anders verhalten würden«, sagt Herbert Scheithauer. Am wichtigsten sei es, dass Eltern eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufbauen und ein Klima der Offenheit herstellen, in dem sie sich auch trauen, unangenehme Dinge zu erzählen.
Experten sind sich einig, dass auch Selbstverteidigungskurse für Kinder stets einem personenbezogenen Ansatz folgen sollten. Das heißt, dass sich die Kurse auf die Kinder einstellen müssen, dass sie einen Raum bilden sollten, in dem ohne Vorbehalt alles angesprochen werden kann. Sicherlich kann ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Trainer in regelmäßigeren Trainingsstunden eher hergestellt werden. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Selbstverteidigungsalternativen, egal ob sie Karate, Judo oder Wendo heißen. Dort gehört das Verarbeiten des Gelernten zum Training dazu, während das Defending-Team nach acht Stunden Unterricht zur nächsten Schule zieht.
Bei den Kindern zeigt sich oft erst ein paar Tage später, dass das Geübte nicht so spurlos an ihnen vorübergeht. Eltern berichten, dass manche Kinder nicht einschlafen können, Albträume haben, ihre Bedrückung aber kaum in Worte fassen können. Manche beschreiben nur ein »komisches Gefühl im Bauch«. Mit etwas Abstand gelangt dann doch noch nach oben, was während des Kurses im allgemeinen Gekicher der Mädchen unterging.
Nur am letzten Trainingstag, bei der Abschlussübung, steht einigen Kindern die Verunsicherung ins Gesicht geschrieben. Sie sollen allein um einen Schulcontainer herumlaufen – wobei sie wissen, dass dahinter das Böse lauert. Natürlich ist das nur einer der vier Trainer, gut gepolstert wie immer, und natürlich lässt er sich durch das Schreien und Treten der Kinder entmutigen und lässt sie fliehen. Doch die Ausgelassenheit ist aus den Gesichtern der Mädchen verschwunden, plötzlich sieht man, dass sie Angst haben.
Alle Mädchen in Fenjas Klasse haben das Abschlusstraining erfolgreich bestanden. Es gibt gelbe Urkunden wie beim Sportfest. Die Mädchen sind stolz, auch wenn niemand weiß, ob sie nun sicherer sind. Und vielleicht ist es gut, dass die meisten schon aus der Tür gerannt sind, als Trainer Gero ihnen zum Abschied noch einmal zuruft: »Und denkt daran, jeder könnte ein Mitschnacker sein.«
* Name von der Redaktion geändert
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- Datum 09.10.2008 - 10:41 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 09.10.2008 Nr. 42
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wichtig wären zwei Sachen:
Es sollten Kinderpsychologen der wenigstens in dem Thema erfahrene Sozialpädagogen dabei sein.
Des Weiteren führt der "böse fremde Mitschnacker" in die Irre - besser wäre es, den Kindern klar zu machen, dass sie jedem anderen Grenzen setzen dürfen und müssen, was ihre Person und ihren Körper angeht. Und dass "Grenzverletzer" oft mit einer List (Kompliment, Bestechung, Erpressung) versuchen, diese Grenze zu übertreten. Anhand einfacher Beispiele verstehen das auch 7jährige.
Mir ist als Achtjährigen um ein Haar das passiert was diese Eltern für ihre Kinder fürchten.
Eines stillen Sommermittags bremste mitten auf der Dorfstraße plötzlich ein Kombi neben mir, ein Mann in Bauarbeiterkleidung sprang heraus (ein zweiter war am Steuer), packte mich und zerrte mich vom Fahrrad.
Ich habe getreten, geschlagen, gebrüllt und gekratzt. Genützt hat es mir nichts.
Was mich rettete war nicht meine Gegenwehr, sondern die Feuerwehrsirene, die plötzlich - aus ganz anderen Gründen - los ging.
Ich glaube aufgrund dieses Erlebnisses, dass die Eltern, die ihre Kinder in solche Kurse schicken, sich in falscher Sicherheit wiegen.
Ein Kind kann einen entschlossenen Erwachsenen nicht abwehren. Sich und dem Kind das einzureden ist falsch. Ein Tritt und Geschrei können vielleicht einen unsicheren Täter kurz stoppen, viele Andere wird beides nicht beeindrucken.
Wichtiger ist meiner Meinung nach Kinder Aufmerksamkeit (für mich kam der Überfall total überraschend) und Vorsicht zu lehren. Ihnen zu sagen, dass sie schleunigst weg laufen sollen und mit ihnen zu überlegen, wo sie auf dem Schulweg (oder dem Weg zum Spielplatz etc.) Hilfe oder wenigstens ein Versteck finden könnten.
Und ja, man sollte mit den Kindern reden. Ich konnte mir in damals in den Siebziger Jahren absolut nicht vorstellen, was der Mann denn von mir gewollt hatte. Ich war entsetzt und total verunsichert (Ja, ich hatte ein sehr komisches Gefühl im Bauch). Der Freund, dem ich als einzigem davon erzählte, meinte die Bauarbeiter hätten sich wohl dafür rächen wollen, dass wir uns immer heimlich auf den Baustellen im Neubauviertel rumdrückten. Als Folge traute ich mich nicht meinen Eltern etwas davon zu sagen. Was der Mann aller Wahrscheinlichkeit mit mir vor hatte, habe ich erst als Teenager kapiert.
Und danach dauerte noch einmal Jahre bis mir klar wurde, dass mein Schweigen sehr wahrscheinlich dazu führte, dass andere Kinder die Erfahrungen machen mussten, die mir gerade noch erspart blieben. (Nein, ich weiß es nicht definitiv, aber sowohl die Dreistigkeit als auch die Heftigkeit des Angriffs auf mich sprechen dafür, dass ich weder das erste noch das letzte Opfer war.)
Also: Mit den Kindern reden. Man muss ihnen nicht die ganze grausame Wahrheit sagen. Aber ihnen nur zu erklären, dass sie jemand vielleicht gegen ihren Willen küssen und streicheln will, ist definitiv zu wenig.
Und, achja: Wieso hat man eigentlich in dem konkreten Fall die Kinder nur gewarnt in den angeblichen „Ersatzschulbus“ zu steigen? Diese Männer hätten von der Polizei gestellt und zumindest erkennungsdienstlich behandelt werden müssen.
39,- Euro pro Kind, das muss jedem schon die Sicherheit wert sein, wer da spart, der ist im ganzen Dorf oder im Stadtteil in Erklärungsnot - und wenn das Kind dann eines Tages doch überfahren wird, dann werden sie hinter vorgehaltener Hand sagen: "Wir haben es doch immer gewusst, aber sie haben ja nicht auf uns gehört."
Solche Kurse greifen schon deshalb nicht, weil die Leute, die Kinder missbrauchen in den meisten Fällen nicht gewaltsam vorgehen. Das Bild vom herumfahrenden Triebtäter, der Kinder in sein Auto zerrt, ist so wahr wie selten und keineswegs der übliche Weg.
Kinder sind nun einmal - nicht ganz ungewollt - in der unbequemen Lage, dass sie auf Gedeih und Verderb von Erwachsenen abhängig sind. Sie sind in der sozialen Hierarchie das Schlusslicht, körperlich ohnehin unterlegen und auch nicht die verklärten Engel, als die sie gerne dargestellt werden (was wiederum - so heißt es ja - die Notwendigkeit und Durchsetzung von Erziehung verlangt. Anders ist es auch nicht denkbar - oder man stelle sich eine Welt vor, in der Kinder etwas zu sagen hätten. Das würde unser ganzes System gehörig auf den Kopf stellen.
Wenn man nun hergeht und das kleinste aller möglichen Risiken derart in den Vordergrund stellt, erreicht man meines Erachtens nur, dass die weit wahrscheinlicheren Risiken in den Hintergrund treten. Gewalt durch andere Kinder und daheim durch die Eltern zum Beispiel - das ist doch nichts im Vergleich zu dem, was ein Triebtäter machen würde. Schließlich weiß man ja, dass Triebtäter in jedem Fall ungeheuer brutal vorgehen, verletzen und in nahezu allen Fällen Gewalt anwenden - das das schlicht nicht wahr ist, muss man ja nicht sagen. Wir sind soweit, dass ein Kind wohl mehr Angst davor haben muss, dass es an "bösen Stellen" berührt wird, als davor, wann es sich die nächste Ohrfeige einhandeln wird. Als ich etwa ein Kind war, hätte ich mir natürlich lieber die Ohrfeige eingehandelt, als mich von irgendwem "da unten" anfassen zu lassen.
Man darf bei allem nicht vergessen, wo die Unterdrückung und der Missbrauch des Kindes jahrhundertelang mit eiserner Tradition ihren Sitz hatte - und auch heute noch hat. Ich verstehe darum Kinderschutz hauptsächlich darin, Kinder von der Herrschaft und dem guten Willen Erwachsener unabhängiger zu machen: mehr direkt wahrnehmbare und einklagbare Rechte, mehr Gewicht der kindlichen Meinung, weniger Bevormundung und eine realistische Auseinandersetzung mit Gefahren.
Womit kann der Mensch von Kindheit an seine Lebensprobleme bewältigen wenn nicht mit seinen Potentialen, Kräften, Fähigkeiten, Talenten? Das ist die Kernfrage der neuen Ich-kann-Schule. Eine Dressur körperlicher Handlungen wäre ihr viel zu wenig. Da stellt sie lieber die Frage: Schwächt nicht die übliche Pädagogik, macht sie einen lebensuntüchtig und geradezu zu einem Magneten für Unglück?
Die Pädagogik arbeitet heute so gut wie ausschließlich mit immer noch gesteigertem DRUCK; das kommt bei jedem Problem, das sich auch nur etwas zuspitzt, heraus. Man quält sich in der und für die Schule beim Lernen und diese permanenten Gewaltakte gegen sich selbst werden als ganz selbstverständlich hingestellt. Die Fehler werden mehr und größer, die Menschen werden immer kränker und dennoch wird dieser Irrsinn immer noch mehr perfektioniert in dem Wahn, diese ungeheure Verdichtung der Probleme sei Lösung.
Gib Dir Mühe, lass nicht locker, strenge Dich an, überwinde Dich - permanent wird man gedrängt´, sich selbst übler als den schlimmsten Feind zu behandeln. Es erstaunt mich, dass niemand auf die Idee kommt, dass daraus eine SOG-Wirkung entstehen kann: Wenn ich mich dauernd quäle, dann fühlen sich vielleicht irgendwann andere aufgefordert, mir dabei zu helfen und mich auch mit DRUCKmitteln zu traktieren.
Die Ich-kann-Schule arbeitet deshalb nach dem SOG-Prinzip. Wenn der Mensch schon mit Geist begabt ist, dann sollte er ihn doch wohl auch nutzen und sich etwas einfallen lassen, was ZIEHT.
Wenn ich lerne, meine eigenen Kräfte nicht dauernd zu quälen und für die von der Schule verlangten Schablonen zu vergewaltigen, wenn ich lerne, der beste Freund aller meiner Talente zu sein, wenn ich mich für sie interessiere, sie achte und schätze und voll zu ihnen stehe, wenn ich sie liebe und mit ihnen EINS bin, dann werden wir stark und zu ganz anderen Leistungen fähig als durch die übliche päd. Dressur. Wenn meine Kräfte meine Freunde sind, dann tun sie immer alles für mich - auch wenn ich noch keinen Überlebenskurs gemacht habe: sie führen mich, sie schützen mich, sie strahlen eine Atmosphäre der Stärke aus usw. usw. usw.
Und wenn es meinen Talenten GUT geht und sie die Güte ausstrahlen, dann können sich daran auch die darbenden Talente anderer stärken und aufrichten, womit ich sagen will, dass schon Kinder ganz tiefen und weitreichenden Einfluss auf jeden Erwachsenen ausüben können. Ich habe das Mit Kindern in verzwickter Notlage ausprobiert und es geht gut. Wir können also viel mehr und Stärkeres tun, als nur Kinder ein paar technische Kraftakte einüben lassen. Wir können unseren gesamten Lebensstil ändern und damit unseren gesamten Einfluss. Ich wünsche gute Ergebnisse beim Darüber-Nachdenken.
Franz Josef Neffe, DCI
Aha, in diesen Kursen geht es nur um ein paar technische Kraftakte. Dann sollten sie sich aber mal besser informieren und nicht nur diesen Artikel hier dazu lesen.
Wie dem auch sei, dann werde ich jetzt also immer meine Harfe mitnehmen und wenn mich jemand vergewaltigen will, dann sage ich: "Halte ein ! Ich habe unglaubliches Talent im Harfespielen.Spürst Du das denn nicht? Ich spiele Dir mal eben ein selbstkomponiertes Stück von mir vor.Es ist in Fis-Dur. Vielleicht überlegst Du es Dir dann anders. Spürst Du nicht diese Güte? Meine Güte, was fällt Dir ein? Du versuchst mich hier in den Sog Deiner verzwickten Gewalt zu ziehen. Kannst Du Deine Aggressionen nicht mit Panflöte-Spielen oder mit einer Sportart wie Synchronschwimmen kanalisieren? Komm, ich will Dir ein Vorbild sein. Meine musikalischen Kräfte sind EINS mit mir. Mein Lied wird Dich zu einem friedlichen Menschen machen."
Aha, in diesen Kursen geht es nur um ein paar technische Kraftakte. Dann sollten sie sich aber mal besser informieren und nicht nur diesen Artikel hier dazu lesen.
Wie dem auch sei, dann werde ich jetzt also immer meine Harfe mitnehmen und wenn mich jemand vergewaltigen will, dann sage ich: "Halte ein ! Ich habe unglaubliches Talent im Harfespielen.Spürst Du das denn nicht? Ich spiele Dir mal eben ein selbstkomponiertes Stück von mir vor.Es ist in Fis-Dur. Vielleicht überlegst Du es Dir dann anders. Spürst Du nicht diese Güte? Meine Güte, was fällt Dir ein? Du versuchst mich hier in den Sog Deiner verzwickten Gewalt zu ziehen. Kannst Du Deine Aggressionen nicht mit Panflöte-Spielen oder mit einer Sportart wie Synchronschwimmen kanalisieren? Komm, ich will Dir ein Vorbild sein. Meine musikalischen Kräfte sind EINS mit mir. Mein Lied wird Dich zu einem friedlichen Menschen machen."
"Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere legen." (Giovanni Guareschi)
Statt diese Gewalt-Präventionskurse nur zu kritisieren, sollte man lieber dankbar sein, dass es sie gibt. Schließlich schaffen sie lebenswichtige Redeanlässe über ein Thema, das anscheinend in der Schule nicht ausreichend behandelt wird. Sonst wären diese kostenpflichtigen Kurse nicht so beliebt, sonst gäbe es diese Marktlücke nicht. Sie provozieren bewusst dazu, sich damit zu beschäftigen. Sie helfen mit, Grundsteine zu legen für ein künftiges staatliches Schulsystem, das konfliktfähige, zivilcouragierte, selbstbewusste Bürger haben wird, um das mal optimistisch auszudrücken. Sie wollen mithelfen, die Welt zu verbessern. Natürlich machen sie dabei auch Fehler. Diese Unsicherheit kommt vielleicht daher, dass es ihnen keiner beigebracht hat, als sie noch Kinder waren.
Schülerinnen und Schüler lernen und vergessen gern, was mit der Realität außerhalb der Schule wenig zu tun hat - Zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder raus.
„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ (Lucius Annaeus Seneca)
Klar, einem Grundschulkind sollte man das doch eher abstrakt erklären. Ok, dann lesen wir ihnen also weiterhin "Hänsel und Gretel" oder "Kasperle und der Kinderdieb" in der Schule vor und hoffen, dass die Kinder von alleine darauf komme, wie sie sich aus solchen Gefahr-Situationen befreien könnten. Wir lassen das einfach so stehen. Sie werden sicher schon von allein darauf kommen.
Man könnte ihnen ja wenigstens kurz erklären, wie sie sich im Notfall am besten verteidigen oder mutig anderen helfen könnten. Aber das können sie ja außerhalb der Schule ausprobieren. Aber das darf nicht zu viel Zeit beanspruchen. Schließlich müssen ja die Hausaufgaben gemacht werden, damit sie dem Räuber auch grammatikalisch korrekt mit Konjunktiv I und Konjunktiv II entgegentreten können:
Konkunktiv I: "Man sagte mir in der Schule, böser Herr Mitschnacker, ich solle mich in einer solch gefährlichen Situation möglichst verbal verteidigen...Nur im allergrößten Notfall, wenn das laute Artikulieren nichts mehr bringe, möge ich doch bitte meine körperlichen Kräfte einsetzen. So viel zur Theorie. Genau wie alle anderen Schüler bin ich ja ein abstrakter Lernen und kann das dann ohne ausprobieren in die Praxis umsetzen. Warten Sie, ich probiere das jetzt mal aus. Wie war das noch gleich?"
Konjunktiv II:"Wenn Sie mich nicht ausraubten, Herr Räuber, wäre ich sehr entzückt."
Mit Erschrecken stelle ich Grammatik- und Rechtschreibfehler fest.
1. "..beigebracht hat,.." - sollte man nicht hier besser das Präteritum benutzen?
2. "..dass die Kinder von alleine darauf komme,..." - da fehlt ein "n"...also "kommen"
3. "..Gefahr-Situationen" - das sollte man doch lieber in einem Wort schreiben.
3. "..ohne ausprobieren.." - Ausprobieren wird hier natürlich groß geschrieben.
Aha, in diesen Kursen geht es nur um ein paar technische Kraftakte. Dann sollten sie sich aber mal besser informieren und nicht nur diesen Artikel hier dazu lesen.
Wie dem auch sei, dann werde ich jetzt also immer meine Harfe mitnehmen und wenn mich jemand vergewaltigen will, dann sage ich: "Halte ein ! Ich habe unglaubliches Talent im Harfespielen.Spürst Du das denn nicht? Ich spiele Dir mal eben ein selbstkomponiertes Stück von mir vor.Es ist in Fis-Dur. Vielleicht überlegst Du es Dir dann anders. Spürst Du nicht diese Güte? Meine Güte, was fällt Dir ein? Du versuchst mich hier in den Sog Deiner verzwickten Gewalt zu ziehen. Kannst Du Deine Aggressionen nicht mit Panflöte-Spielen oder mit einer Sportart wie Synchronschwimmen kanalisieren? Komm, ich will Dir ein Vorbild sein. Meine musikalischen Kräfte sind EINS mit mir. Mein Lied wird Dich zu einem friedlichen Menschen machen."
Nein, selbstverständlich muss man den Kindern erst einmal richtig Angst machen und dann, wenn sie verängstigt sind beibringen, wie sie einem potentiellen, fiktiven Täter ins Schienbein treten können...
Dabei gibt's nur ein Problem: Wenn Kinder verängstigt werden, verlieren sie ihr Selbstvertrauen. Und wenn sie kein Selbstvertrauen haben, werden sie sich nie(!) effektiv gegen potentielle Gewalttäter zur Wehr setzen können. Wenn sich hingegen die Eltern viel mit ihren Kindern abgeben und sie nicht als Lernmaschinen sondern als Menschen, die vor allem Liebe brauchen, begreifen und ihnen letztere geben (und damit meine ich nicht, sie mit Ramsch zu überhäufen, sondern einfach mal mit ihnen spielen, da sein), werden die Kinder Selbstvertrauen entwickeln. Mehr, als wenn sie in irgendwelche bescheuerten Kurse abserviert werden, in denen sie Mechanik pauken.
Dann werden sie sich einerseits weniger mit potentiellen Tätern einlassen und in Gefahrensituationen schneller um Hilfe rufen.
Nein, selbstverständlich muss man den Kindern erst einmal richtig Angst machen und dann, wenn sie verängstigt sind beibringen, wie sie einem potentiellen, fiktiven Täter ins Schienbein treten können...
Dabei gibt's nur ein Problem: Wenn Kinder verängstigt werden, verlieren sie ihr Selbstvertrauen. Und wenn sie kein Selbstvertrauen haben, werden sie sich nie(!) effektiv gegen potentielle Gewalttäter zur Wehr setzen können. Wenn sich hingegen die Eltern viel mit ihren Kindern abgeben und sie nicht als Lernmaschinen sondern als Menschen, die vor allem Liebe brauchen, begreifen und ihnen letztere geben (und damit meine ich nicht, sie mit Ramsch zu überhäufen, sondern einfach mal mit ihnen spielen, da sein), werden die Kinder Selbstvertrauen entwickeln. Mehr, als wenn sie in irgendwelche bescheuerten Kurse abserviert werden, in denen sie Mechanik pauken.
Dann werden sie sich einerseits weniger mit potentiellen Tätern einlassen und in Gefahrensituationen schneller um Hilfe rufen.
ein Täter, der ein Kind abpasst, um es in seine Gewalt zu bringen, wird sich nicht von der Gegenwehr des Kindes abschrecken lassen und einen Ort für seine Attacke suchen, an dem das Schreien des Kindes niemandem auffällt. Schnellkurse für Kinder unter dem Aspekt der Selbstverteidigung in einem solchen Fall (dem man einem Kind ja erklären muss) halte ich für eine unverhältnismäßige Verunsicherung, so wie auch der Vater im Artikel sie beurteilte. Man kann und sollte versuchen, ein Kind zu größtmöglichem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu erziehen, so dass es Grenzüberschreitungen von Erwachsenen widerspricht und sich nicht alles gefallen lässt. Den extrem seltenen Fällen des Kidnapping auf offener Straße ist sehr schwer zu begegnen, denn die Verhältnismäßigkeit der Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert zu der massiven Verunsicherung meines Kindes ist einfach zu schräg. Ich selber habe als erwachsene Frau einen derartigen Selbstverteidigungskursus vor einigen Jahren absolviert mit anschließender Überfall-Prüfung in einem Steinbruch. Ich muss sagen, dass mich die Vorbereitung auf diese Prüfung (Abwehr des Angriffs von Männern in der Sporthalle, bestimmte Tritte und Schläge, Schreien) und die Prüfung unter Extrembedingungen im Dunkeln seelisch unheimlich gestresst und beansprucht haben. Ich jedoch kannte den Hintergrund, vor dem ich diesen Kurs besuchte und kann seine Verhältnismäßigkeit einschätzen. Wie will man einem Grundschulkind erklären, dass es in eine derartige (extrem unwahrscheinliche) Situation kommen kann, in dem es um sein Leben kämpfen muss, ohne massive Ängste in ihm wachzurufen? Die Erziehung zur Wachsamkeit und Vorsicht, die Aufklärung, dass es böse Menschen gibt, die Schlimmes im Schilde führen und das Trainieren von Selbstbestimmung und -bewusstsein sollten meiner Meinung nach ausreichend sein, um Kinder altersgemäß vorzubereiten.
Okay, dann ruft mein Kind in Notsituationen also sofort die Polizei oder Superman. Wozu gibt es Handys!? Die sind dann in fünf Sekunden da und regeln alles.
Wie sieht Ihr Trainingskonzept für Selbstbewusstseins- und Selbstbestimmungsstärkung zwecks Unverwundbarkeit konkret aus? (für eine Hauptschulklasse mit SchülerInnen aus einer Wohnbausiedlung, zum Vergleich eine aus einem Mittelklasse-Viertel und eine aus einem Villenviertel (jeweils mit 25 SchülerInnen)
Okay, dann ruft mein Kind in Notsituationen also sofort die Polizei oder Superman. Wozu gibt es Handys!? Die sind dann in fünf Sekunden da und regeln alles.
Wie sieht Ihr Trainingskonzept für Selbstbewusstseins- und Selbstbestimmungsstärkung zwecks Unverwundbarkeit konkret aus? (für eine Hauptschulklasse mit SchülerInnen aus einer Wohnbausiedlung, zum Vergleich eine aus einem Mittelklasse-Viertel und eine aus einem Villenviertel (jeweils mit 25 SchülerInnen)
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