China Haft eines HandlungsreisendenSeite 6/6

Am 8. August beginnen die Olympischen Spiele. Reicherts Fall ist noch immer nicht geklärt. Am 20. August, dem Tag, an dem sich seine Verhaftung zum zweiten Mal jährt, unterliegen die deutschen Hockey-Frauen nach zweifacher Führung den Chinesinnen, die damit die Goldmedaille holen. Reichert darf drei Tage nach Hongkong ausreisen, um ein Visum zu beantragen. Vor wenigen Wochen darf er immerhin zum 80. Geburtstag seiner Mutter nach Köln reisen. Dann ist er wieder zurückgeflogen.

Das neue Buch unseres Korrespondenten »Die Konkubinenwirtschaft. Warum westliche Unternehmen in China scheitern und die Chinesen an die Weltspitze stürmen« erscheint in diesen Tagen im Hanser Verlag

 
Leser-Kommentare
  1. Nur in europaeischen Laendern gibt es Rechtssicherheit. In allen anderen Laendern nicht. Selbst in den USA habe ich meine Bedenken. Deshalb muessen Geschaeftsleute, die im Ausland arbeiten, hoellisch aufpassen, nicht in die Muehle von Polizei, Zoll, Justiz oder Politik zu geraten. Das kann sehr teuer und sehr unangenehm werden, auch, wenn sie unschuldig sind. Denn in solchen Laendern gilt: " Gerechtigkeit ist fuer unsere Freunde. Das Gesetz wird auf die anderen angewandt."

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    .. Australien hat evt. auch noch "europäische" Standards zu bieten;-)

    Ganz faltenfrei ist es wohl nirgendwo, besonders seit 9/11 und Guantanamo. Und wie auch der Artikel zeigt, mit der Unterstützung durch deutsche Amtsträger ist auch nicht überall uneingeschränkt zu rechnen.. "Realpolitik" nennt man diese Relativität. Siehe Berichte bei Amnesty International.

    Wie seltsam und manchmal unheimlich es Leuten in östlichen Gefilden zumute wird, beschreibt u.a. die Motorradreise zweier Briten in "Long Way Round". Einige Dinge habe ich ähnlich erlebt, Probleme an der ukrainischen Grenze, Beklautwerden (bei mir im Schlafwagenabteil in der Slowakei), und besonders zwei fürchterlich anmutende Tage im Zug zwischen Wolgograd und Usbekistan, quer durch die kasachische Steppe, als unser Abteil verschlossen war, vollgepackt mit braunen Kisten, über die ich besser keine Fragen stellte, und in einer klaustrophobischen Atmosphäre mit heimtückischen Schaffner und finsterdreinblickenden "Reisegefährten". Und Uniform kann alles bedeuten - von Freundlichkeit bis zur puren Schikane. Man weiß es nie, wenn diese ins Spiel kommen. Naja, als Ossi kennt man das ja von zuhause;-)

    Ganz sicher, die Städte an der Seidenstraße waren wunderschön, Chiwa, Samarkand, Buchara, Taschkent, und auch anderswo war es schön und gastfreundlich. Sicherheit war aber immer relativ.

    In solch einer Atmosphäre würde ich keinerlei Geschäfte machen wollen, das ist mir das Geld denn doch nicht wert. Ich denke, die Gefahren werden von Geschäftsleuten oft verdrängt. Warum sollte denn mir etwas passieren?

    Für einen australischen Arbeitgeber war ich mal eine Woche in Dubai. Das ich für den Zutritt fürs Rechenzentrum, wodrin unsere Rechner standen, viermal durch die Prozedur mit Anrufen und Paßkopieren etc. mußte.. Schlamperei oder Absicht? Wer weiß.. Geschafft habe ich nur die Hälfte, dank organisatorischer Probleme, und ein paar Rechnerteile, die ich einbauen sollte, waren erst zwei Wochen später durch den Zoll, mein Kollegen in Hongkong hatte alles nach der Hälfte der Zeit erledigt.. Man weiß das vorher in so einem Klima nie.

    Viele Grüße aus Melbourne
    Peter

    .. Australien hat evt. auch noch "europäische" Standards zu bieten;-)

    Ganz faltenfrei ist es wohl nirgendwo, besonders seit 9/11 und Guantanamo. Und wie auch der Artikel zeigt, mit der Unterstützung durch deutsche Amtsträger ist auch nicht überall uneingeschränkt zu rechnen.. "Realpolitik" nennt man diese Relativität. Siehe Berichte bei Amnesty International.

    Wie seltsam und manchmal unheimlich es Leuten in östlichen Gefilden zumute wird, beschreibt u.a. die Motorradreise zweier Briten in "Long Way Round". Einige Dinge habe ich ähnlich erlebt, Probleme an der ukrainischen Grenze, Beklautwerden (bei mir im Schlafwagenabteil in der Slowakei), und besonders zwei fürchterlich anmutende Tage im Zug zwischen Wolgograd und Usbekistan, quer durch die kasachische Steppe, als unser Abteil verschlossen war, vollgepackt mit braunen Kisten, über die ich besser keine Fragen stellte, und in einer klaustrophobischen Atmosphäre mit heimtückischen Schaffner und finsterdreinblickenden "Reisegefährten". Und Uniform kann alles bedeuten - von Freundlichkeit bis zur puren Schikane. Man weiß es nie, wenn diese ins Spiel kommen. Naja, als Ossi kennt man das ja von zuhause;-)

    Ganz sicher, die Städte an der Seidenstraße waren wunderschön, Chiwa, Samarkand, Buchara, Taschkent, und auch anderswo war es schön und gastfreundlich. Sicherheit war aber immer relativ.

    In solch einer Atmosphäre würde ich keinerlei Geschäfte machen wollen, das ist mir das Geld denn doch nicht wert. Ich denke, die Gefahren werden von Geschäftsleuten oft verdrängt. Warum sollte denn mir etwas passieren?

    Für einen australischen Arbeitgeber war ich mal eine Woche in Dubai. Das ich für den Zutritt fürs Rechenzentrum, wodrin unsere Rechner standen, viermal durch die Prozedur mit Anrufen und Paßkopieren etc. mußte.. Schlamperei oder Absicht? Wer weiß.. Geschafft habe ich nur die Hälfte, dank organisatorischer Probleme, und ein paar Rechnerteile, die ich einbauen sollte, waren erst zwei Wochen später durch den Zoll, mein Kollegen in Hongkong hatte alles nach der Hälfte der Zeit erledigt.. Man weiß das vorher in so einem Klima nie.

    Viele Grüße aus Melbourne
    Peter

  2. .. Australien hat evt. auch noch "europäische" Standards zu bieten;-)

    Ganz faltenfrei ist es wohl nirgendwo, besonders seit 9/11 und Guantanamo. Und wie auch der Artikel zeigt, mit der Unterstützung durch deutsche Amtsträger ist auch nicht überall uneingeschränkt zu rechnen.. "Realpolitik" nennt man diese Relativität. Siehe Berichte bei Amnesty International.

    Wie seltsam und manchmal unheimlich es Leuten in östlichen Gefilden zumute wird, beschreibt u.a. die Motorradreise zweier Briten in "Long Way Round". Einige Dinge habe ich ähnlich erlebt, Probleme an der ukrainischen Grenze, Beklautwerden (bei mir im Schlafwagenabteil in der Slowakei), und besonders zwei fürchterlich anmutende Tage im Zug zwischen Wolgograd und Usbekistan, quer durch die kasachische Steppe, als unser Abteil verschlossen war, vollgepackt mit braunen Kisten, über die ich besser keine Fragen stellte, und in einer klaustrophobischen Atmosphäre mit heimtückischen Schaffner und finsterdreinblickenden "Reisegefährten". Und Uniform kann alles bedeuten - von Freundlichkeit bis zur puren Schikane. Man weiß es nie, wenn diese ins Spiel kommen. Naja, als Ossi kennt man das ja von zuhause;-)

    Ganz sicher, die Städte an der Seidenstraße waren wunderschön, Chiwa, Samarkand, Buchara, Taschkent, und auch anderswo war es schön und gastfreundlich. Sicherheit war aber immer relativ.

    In solch einer Atmosphäre würde ich keinerlei Geschäfte machen wollen, das ist mir das Geld denn doch nicht wert. Ich denke, die Gefahren werden von Geschäftsleuten oft verdrängt. Warum sollte denn mir etwas passieren?

    Für einen australischen Arbeitgeber war ich mal eine Woche in Dubai. Das ich für den Zutritt fürs Rechenzentrum, wodrin unsere Rechner standen, viermal durch die Prozedur mit Anrufen und Paßkopieren etc. mußte.. Schlamperei oder Absicht? Wer weiß.. Geschafft habe ich nur die Hälfte, dank organisatorischer Probleme, und ein paar Rechnerteile, die ich einbauen sollte, waren erst zwei Wochen später durch den Zoll, mein Kollegen in Hongkong hatte alles nach der Hälfte der Zeit erledigt.. Man weiß das vorher in so einem Klima nie.

    Viele Grüße aus Melbourne
    Peter

    Antwort auf "Immer aufpassen !"
  3. Wenn es nicht "Die Zeit" wäre, die diesen Artikel veröffentlichte, ich hätte erheblich an der Seriosität der Berichterstattung gezweifelt. Und trotzdem kann ich kaum glauben, was ich da lese. Wut und Verzweiflung mischen sich mit üblichen gedanklichen Beschwichtigungsversuchen ('Es handelt sich da gewiss um einen sehr unglücklichen Einzelfall' und 'Das deutsch-chinesische Verhältnis darf nicht (weiter) belastet werden).

    Aber es bleibt bei Beschwichtigungsversuchen. Stellen Sie sich doch mal den gleichen Fall mit einem chinesischen Manager hier in Deutschland vor! Fällt einem doch richtig schwer, oder? Ich glaube nicht, dass China das geduldet hätte. Hätte China auch nicht dulden müssen, denn den öffentlich Druck hätten wir Deutschen den deutschen Behörden schon selbst gemacht, wenn es denn überhaupt jemals zu diesem wahnwitzigen Fall gekommen wäre.

    'Ja, aber man muss ja doch Verständnis für die chinesischen Besonderheiten haben...'. Nein, muss man nicht! Man kann doch nicht sein gesundes Rechtsempfinden, seine Menschenrechtsethik auf dem Altar der wirtschaftlichen Gewinnmaximierung opfern. Die zunehmende internationale Wirtschaftsverflechtung ist eine begrüßenswerte Entwicklung: Sie bringt unterm Strich Wohlstand für einen größeren Kreis von Menschen; sie hilft, Vorurteile gegenüber Andersartigkeit abzubauen; sie hilft totalitäre, menschenfeindliche Systeme zu überkommen. Trotzdem oder gerade deswegen muss mit Nachdruck auf die Einhaltungen eines Mindestmaßes an "Spielregeln" gedrungen werden. Spielregeln, mit denen alle, und nicht nur die Chinesen leben können.

    Niemand möchte in der Rolle des Herrn Reichert stecken, auch ein Chinese nicht. Und deshalb verstehe ich nicht, warum das auswärtige Amt, das in diesem Artikel eine denkbar schlechte Figur macht, sich hinter diplomatischen Floskeln zu verstecken scheint. Man gewinnt hier leicht den Eindruck, dass ein offenbar redlicher, unbescholtener deutscher Staatsbürger von seinem Land im Ausland im Stich gelassen wird. Dabei wäre gerade bei einem einschlägig bekannten Land wie China höchste Wachsamkeit und damit ein gesundes Misstrauen gegenüber den Handlungen und Aussagen chinesischer Behörden erforderlich gewesen. Nicht auszuschließen ist, dass das Auswärtige Amt schlicht und ergreifend unter mangelnder Durchsetzungsfähigkeit leidet. Man darf sicherlich mehr von der schützenden Hand des Staates erwarten.

    Wie geht es nun weiter mit Ulrich Reichert? Halten Sie uns bitte auf dem Laufenden. Und Herrn Reichert von Herzen das Beste, auch den deutsch-chinesischen Beziehungen!

  4. Heúte am 17.Nov.2008 besuchte der Bundespräsident Horst Köhler das Stammwerk der Wirtgen - Group in Windhagen. Es wird wohl nicht nur eine Werbetour für den Standort Deutschland gewesen sein. Die politische brisants des Unternehmens ist nicht ohne. Es könnten mit Sicherheit verschiedene Themen angesprochen worden sein:
    Während der Olympischen Spiele waren über 80 Unternehmen in China aufgefordert worden die Produktion einzustellen um die Umweltbelastungen zu reduzieren. Wirtgen gehörte dazu. Patentverletzungen der Chinesen sind an der Tagesordnung und wieder könnte die Wirtgen - Group davon betroffen sein.
    Wie weit das Thema Reichert angesprochen wurde, lässt sich nur vermuten.

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