Heller Wahnsinn? Ungerechtigkeit sondergleichen? Für die Rettung der Banken und den Schutz von Sparkonten stellt der Staat Milliarden zur Verfügung. Bei Hartz-IV-Empfängern dagegen feilscht derselbe Staat um jeden Teller Suppe. Akribisch lässt er ermitteln, was zum Leben nötig ist. Lässt so lange rechnen, bis fürs Essen 4,13 Euro übrig bleiben. Pro Tag, mehr sieht der Regelsatz nicht vor, selbst wenn die Preise steigen.

Beides, Banken und Hartz-IV-Empfänger, gehört durchaus zusammen. Die Dinge sind zwar nicht so simpel, wie sie DGB-Chef Michael Sommer darstellt: Für die Banken gäbe es Milliarden, sagt er, also müsse auch Geld für höhere Löhne und mehr Soziales da sein. Einmal abgesehen davon, dass der Staat nicht die Löhne überweist (außer an Staatsdiener), bleibt das Geld auch ohne Krise knapp. In welchem Umfang die Regierung am Ende tatsächlich für ihre Zusagen an Banken und Sparer zahlen muss, weiß gegenwärtig niemand. Aber sollten die Rettungsmilliarden fällig werden, muss der Staat sie über höhere Steuern, neue Schulden oder geringere Ausgaben finanzieren. Das trifft alle, auch die Armen.

Dass der Staat das Bankensystem vor dem Kollaps zu retten versucht, scheint unvermeidbar. Dennoch besteht ein Missverhältnis – nicht nur, weil laxe Aufsicht im Finanzsystem ein Milliardendebakel ermöglichte, während jeder Hartz-IV-Empfänger bis tief ins Private kontrolliert wird. Zur Schieflage gehört, dass viele soziale Leistungen jahrelang kaum erhöht wurden. Wenn jetzt die Bundesregierung Wohn- und Kindergeld anhebt, ist das nur eine längst überfällige Korrektur. Auch die Hartz-IV-Sätze müssten aufgestockt werden. Das wird durch die Finanzkrise nicht leichter, ist aber möglich. Ein Teil der ganz alltäglichen Wirtschaftssubventionen (jährlich 30 Milliarden Euro) ließe sich streichen. Und der Sozialstaat könnte sich stärker auf die Bedürftigsten konzentrieren. Sie haben Hilfe genauso nötig wie die Banker.