Aus dem rasend schnell hervorgespuckten Slang sticht vor allem eine Phrase heraus: »Fuck that shit«. Der Saal tanzt ekstatisch, während die beiden schwarzen Rapperinnen über die Bühne toben. Die eine, Shunda K., in Army-Hose und kurzem Top, adressiert das Publikum mit einer verhalten eleganten Variation breitbeiniger Ghetto-Posen. Die andere, Jewel B. genannt, steht in breiten Schlabberjeans da. Ihre Sonnenbrille wird sie aufbehalten, wenn sie sich irgendwann in einen entfesselten menschlichen Kreisel verwandelt. Aber das T-Shirt fliegt bald zur Seite – und zwei üppige nackte Brüste dem Publikum geradezu ins Gesicht.

Club Action heißt der Hit der Rapperinnen-Crew Yo! Majesty aus Tampa, Florida, zu bestaunen in einigen gefilmten Live-Versionen im Internet. Ein unwiderstehlicher Party-Song zu einem ultratrockenen Elektrobeat, bei dem es um geschüttelte Hintern und gekühlten Wodka geht.

Aber über den Spaß hinaus ist die Club Action purer politischer Aktionismus. »Hey, ich weiß nicht, was ihr wollt, ist doch nur Gewebe und Haut«, sagt Jewel B. grinsend, wenn sie in Interviews auf ihre provokanten Strip-Aktionen angesprochen wird. Doch ihre nackten Brüste sind das Gegenteil dessen, was man im Hip-Hop-Land der weiblichen Pin-up-Körper bislang zu sehen bekam. Rub Your Monkey heißt ein anderer Hit des Projekts, eine unverblümte Aufforderung an alle Frauen, sexuell autonom zu bleiben, Kryptonite Pussy ein weiterer: Yo! Majesty rappen die Vaginamonologe des Hip-Hop.

Oder sind’s Dialoge? Daheim in Florida haben sich die bekennenden Lesben Jewel B. und Shunda K. mit ihrem punkinspirierten Selbstbewusstsein jedenfalls schon seit knapp zehn Jahren über Rap-Wettbewerbe und Vorstadtbühnen nach oben gekämpft. Bis vor Kurzem auch noch gemeinsam mit einer weiteren Rapperin namens Shon B., die ihren majestätischen Status gern mit einer Pappkrone bekräftigte. In diesem Jahr hat Shon B. die Band verlassen – sie habe nicht so richtig mitziehen wollen, jetzt, wo es um den internationalen Durchbruch geht, kommentiert Jewel B. etwas ausweichend.

Umso entschlossener hat das verbliebene Duo an seiner Debüt-LP Futuristically Speaking… Never Be Afraid gearbeitet. Produziert wurde die Platte von dem britischen Team Hard Feeling UK, das seit Jahren schon die Southern Hip-Hop-Songs von Yo! Majesty mit Elektropunkbeats komplettiert – im Zeitalter des Internets ist diese transatlantische Zusammenarbeit kein Problem. Auch das Plattenlabel sitzt in Großbritannien: Domino Records, das ansonsten eher für weiße Indie-Rocker wie die Arctic Monkeys steht.