Gerettet!" So feierte die Hamburger Lokalpresse am Montag den Kauf von Hapag-Lloyd durch das Hamburger Konsortium "Albert Ballin". Es sei gelungen, die Reederei "in ihren Heimathafen zu führen", freute sich Wolfgang Peiner, Koordinator des Konsortiums. Von einem "Befreiungsschlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland" sprach Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag.

Am Wochenende hatte der Aufsichtsrat des TUI-Konzerns zugestimmt, die Schifffahrtssparte zu veräußern. Zu einem Drittel bleibt der Touristikkonzern noch an Hapag-Lloyd beteiligt, unterm Strich beträgt der Erlös 1,4 Milliarden Euro. Eine Wahl hatte TUI am Ende kaum. Schon am Freitag zuvor hatte sich der zweite Interessent zurückgezogen – NOL, jene Großreederei, deren Haupteigner ein Staatsfonds aus Singapur ist. Groß war der Widerstand gegen NOL.

Groß wie die Angst vor der Macht aus Fernost und vor einem Stellenabbau in Hamburg. Hat hier also wieder die Deutschland AG gesiegt? Ist der Verkauf ein Beispiel für einen neuen deutschen Protektionismus?

Das stärkste Argument gegen eine solche Sicht ist der Preis. Während des Verkaufsprozesses hat Michael Frenzel, der Vorstandschef von TUI, wiederholt klar gestellt, dass patriotische Motive weder im Aktienrecht noch vor den Eigentümern selbst zählen. Und gegen alle Erwartungen hat dann tatsächlich das Hamburger Konsortium ein Gebot vorgelegt, das hoch genug war für TUI und – wichtiger noch – offenbar höher als das von NOL. So sahen sich weder Frenzel noch der Aufsichtsrat im Zwiespalt zwischen Preis und Patriotismus. Nun kann Frenzel Schulden abbauen und den TUI-Großaktionär John Fredriksen, der einst auf die Trennung von Hapag-Lloyd gedrängt hatte, per Sonderdividende besänftigen.

Jetzt endet eine kleine Epoche. Im Jahr 1997 übernahm TUIs Vorläuferkonzern Preussag die Reederei, es folgten Jahre des Wachstums, in denen sie zur fünftgrößten der Welt aufstieg. Ein Börsengang schien so gut wie ausgemacht, doch es blieb bei der Idee. Anfang 2008 wollte Frenzel Hapag-Lloyd dann ganz mit TUI verschmelzen – nur um kurz darauf eine Kehrtwende zu vollziehen und auf Druck von John Fredriksen die Trennung von der Reederei einzuleiten. Mit dem Verkauf hat der Mutterkonzern nun voraussichtlich Ruhe – und er kann sein Touristikgeschäft ausbauen.

Für Hapag-Lloyd und die Stadt Hamburg ist der Verkauf ebenfalls positiv, zumindest kurzfristig. Das ewige Gezerre um das Unternehmen hat ein Ende, der Konzern, dessen Wurzeln 161 Jahre zurückreichen und der unter Generaldirektor Albert Ballin groß wurde, ist wieder eigenständig.

Zentrale, Arbeitsplätze und Strukturen bleiben erhalten. Eine Übernahme durch NOL hätte gravierende Folgen gehabt: Synergien wären unweigerlich genutzt, sprich Stellen in der Hansestadt gestrichen und die Strategie wäre kaum mehr am Ort definiert worden. Da konnte NOL noch so sehr beteuern, der Standort Hamburg werde im Konzern eine zentrale Rolle spielen und die Marke Hapag-Lloyd erhalten bleiben.