Die Pressekonferenz am Montag dauerte bereits eine Stunde, als die Frage kam: Ob sich schon Banken bei ihm gemeldet und um Hilfe gebeten hätten? Peer Steinbrück, Sozialdemokrat, Bundesfinanzminister und bald wohl Herr über die vielen neuen Milliarden, gab sich lakonisch: "Ich bin ja noch gar nicht wieder in meinem Büro gewesen." Der Minister erntete Lacher – und ließ sich auch auf Nachfragen nicht entlocken, ob deutsche Institute beim Bund bereits um Unterstützung nachgesucht haben.

Welche Bank will gegen Gebühr die Staatsgarantie für Kredite an andere Banken in Anspruch nehmen? Wer wird stärkendes Kapital nachfragen – bei Auflagen, die von einer Begrenzung der Managerbezüge auf 500000 Euro über den Verzicht auf Boni bis hin zu Vorgaben für die Kreditvergabe reichen? Seit das Rettungspaket für Banken vorliegt, hat das Rätselraten begonnen.

Erste Kandidaten sind, bleibt es bei den bisherigen Plänen, die Landesbanken. Jene Geldhäuser im Besitz von Ländern und Sparkassen, die sich fast alle mit riskanten Papieren verspekuliert haben und nun unter enormen Abschreibungen leiden. Ihnen fehlt ein eigenes Privatkundengeschäft, weshalb sie zur Refinanzierung auf den Kapitalmarkt angewiesen sind – in diesen Tagen und bei ihrem Ruf ein Problem. "Die werden das wahrscheinlich alle nehmen", sagt ein Brancheninsider. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kündigte bereits an, die Details des Pakets zu prüfen. Ähnliches ist von WestLB und BayernLB zu hören. Letztere benötigt mehr als eine Milliarde Euro, sollte die EU die Garantien des Landes Bayern für schlechte Papiere nicht billigen.

Wie der Bund den Landesbanken helfen könnte, ist noch offen. Die meisten von ihnen sind keine Aktiengesellschaften, es fehlen also Anteile, die Berlin ohne Probleme erwerben und später wieder abstoßen kann. Überdies dürfte jede neue Beteiligung die Debatte um die Zukunft der Landesbanken anheizen. Der Stabilisierungsfonds diene nicht dazu, Landesbank A oder B in eine Heirat zu treiben, sagte Steinbrück. Insider halten es aber für eine Illusion zu glauben, der Bund wolle die Institute dauerhaft erhalten. Einer spricht vom "Todeskuss". Denkbar ist derzeit alles: das Zusammenführen der sieben Landesbanken zu zwei oder drei Häusern, die Integration mit Sparkassen und ihren Kunden, ein Zurechtstutzen oder Abwickeln.

Was ist mit der Deutschen Bank, der Commerzbank, den größten privaten Banken, deren Chefs maßgeblich am Schnüren des Rettungspakets beteiligt waren? Sie begrüßen den Fonds – wie auch die Dresdner Bank –, wiegeln aber ab, wenn es darum geht, ob auch sie sich unter die schützende Hand des Staates begeben wollen. Vor allem die Deutsche Bank weiß sich stark: Sie hat jüngst erfolgreich eine Kapitalerhöhung durchgezogen, ein Wachstumsprogramm im Privat- und Firmenkundengeschäft gestartet und seit September Zuflüsse von einer Milliarde Euro verzeichnet. Wozu also Hilfe?

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, bezahlt von Steinbrücks Gnaden – das ist schwer vorstellbar. Doch auch die Nummer eins hat Risiken in der Bilanz, enorme Kredite etwa an Finanzinvestoren für Firmenübernahmen. Analysten rechnen mit Milliardenabschreibungen.

"Das Rettungspaket muss für jede Bank ein Thema sein", sagt Thomas Raab, Geschäftsführer der Finanzberatung Oliver Wyman. Ein Bankmanager, der ungenannt bleiben will, ist sogar sicher: "Alle werden Hilfen in Anspruch nehmen. Sie wären schön blöd, wenn nicht." Doch welche Bank genießt mehr Vertrauen: die, die keine Hilfe will, oder die, die den Staat unter ihren Eignern weiß? Die britische HSBC oder die französische Société Générale wollen lieber am Markt Kapital auftreiben. So angesehene Institute wie die Royal Bank of Scotland oder Goldman Sachs in den USA holen sich dagegen den Staat ins Boot. Stolz kann auch zum Wettbewerbsnachteil werden.