Die Basis, das unbekannte Wesen, gehört in der Politik zu den einerseits am leichtesten zu missbrauchenden, andererseits aber auch unberechenbarsten Elementen. Letzteres gilt vor allem für die Grünen. Nachdem die Basis verdächtig lange brav gewesen war, hat sie nun wieder zugeschlagen: Cem Özdemir, anatolischer Schwabe, Nachwuchshoffnung und Herrscher über ein Paar imposanter Koteletten, darf zwar Parteichef werden, nicht aber Bundestagsabgeordneter. Die sicheren Listenplätze reservierten die Delegierten seiner Partei im Schwabenland lieber für Abgeordnete wie Gerhard Schick, Winfried Hermann oder Alexander Bonde, allesamt respektierte Experten, die jedoch außerhalb ihres Ländles kaum jemand kennt. Nun muss Özdemir sein Amt als "der Gedemütigte" antreten, wie ihn die Zeitungen tauften. Mindestens so demütigend wie die Nichtunterstützung der Parteifreunde war allerdings das Foto, das das ehemalige Strellson-Model Özdemir von hinten zeigt, wie er in Cordanzug (eigentlich die traditionelle Bekleidung von Lehrern und ZEIT - Redakteuren) und mit aufgeschnalltem Rucksack den Ort der Schmach verlässt. Da war sie noch mal, die Erinnerung an Kurt Beck. Hatte nicht der sich kurz vor der Schlacht am Schwielowsee beklagt, seine Genossen hätten ihm Steine statt Butterbrote in den Rucksack gepackt? Wir halten fest: Männer, Führungsaufgaben und Rucksäcke, das geht so wenig zusammen wie Draufgängertum und Brustbeutel. Es könne sein, dass Özdemir auch im Bund ein Desaster erlebe, meint nun Winfried Hermann, einer seiner Bezwinger. Meine Herren: Sie dürfen sich abschnallen. Die komfortablen Zeiten sind vorbei. Tina Hildebrandt