Dass sie in einem Gewerbe arbeitet, von dem die Menschen in Deutschland wenig halten, spürt Walburga Westbrock in ihrem Geschäft bislang nicht. Offiziere, Politiker und Gewerkschaftsführer gehören traditionell zu den Berufen, die die Deutschen am wenigsten schätzen. Noch unter ihnen stehen laut der Beliebtheitsskala, die das Allensbacher Institut für Demoskopie regelmäßig ermittelt: die Buchhändler. Für Westbrock, die einen kleinen Buchladen im münsterländischen Telgte führt, sind daran vor allem Online-Shops schuld: Wer wisse denn noch, was ein Buchhändler den ganzen Tag macht? "Staub wischen, Regale aufräumen und die eigenen Bücher lesen", wären wohl die Antworten, vermutet die 46-Jährige.

Dabei muss sie, um sich gegenüber den großen Handelsketten zu behaupten, ihre Stammkunden und den aktuellen Buchmarkt genau kennen: Für einen Geschichtslehrer im Ort bestellt sie neue Fachbücher, für die Gartenfreunde den Pflanzenratgeber. Wer lieber skandinavische Krimis mag, weiß sie auch. Sie wolle mit der Auswahl "Orientierung im überschwemmten Buchmarkt bieten". Um junge Zielgruppen für Bücher zu begeistern, veranstaltet sie Lesenächte in Schulen. Während die Kinder dort dem Räuber Hotzenplotz lauschen, empfiehlt Westbrock auch den Erwachsenen eine Lektüre: "Wenn die Eltern ein Buch in der Hand haben, macht das Kinder neugierig." In dieser Woche fährt die Händlerin, wie in jedem Oktober seit 1994, zur Frankfurter Buchmesse. Früher habe sie als Azubi vor allem versucht, dort Freiexemplare zu bekommen. Heute entscheiden die Tipps aus Frankfurt darüber, welche Bücher bald im Schaufenster in Telgte liegen. Daneben präsentieren sich schon jetzt dicke Kunstbände oder Lexika. Das seien, sagt Westbrock, eben "klassische Geschenkbücher fürs Weihnachtsgeschäft".

Ausbildung: Lehre zur Buchhändlerin
Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
Gehalt: 25.000 bis 30.000 Euro