Wie gut tut es in diesen Tagen, auch einmal positive Neuigkeiten aus der Finanzwelt zu hören! "Bankmanager, die bereits nach 25 oder 30 Jahren im Berufsleben ihre Schäflein im Trockenen haben, gehen jetzt lieber in ein mehr oder weniger freiwilliges Sabbatical", heißt es in der Pressemitteilung eines Düsseldorfer Karrieredienstleisters. Das erleichtert, denn es beweist, dass unsere Banker anscheinend doch mit Geld umgehen können. Aber was soll aus den jüngeren Bankmanagern werden, die grad all ihre Schafsfelle davonschwimmen sehen? Für sie hat der Karrieredienstleister die Lösung: eine Premium-Mitgliedschaft im firmeneigenen "Headhunting-Portal". Banker können dort drei Monate lang ihren Lebenslauf hinterlegen. Kostenlos. "Mit dieser Aktion", lässt der Geschäftsführer verlauten, "wollen wir unseren Beitrag zur unkomplizierten Unterstützung der betroffenen Führungskräfte leisten." Des einen Leid, des anderen Werbestrategie! Fragt sich, ob sie in diesem Fall aufgehen kann: Welcher Headhunter (der, der kluge Köpfe sucht) sollte sich zurzeit für den Finanznachwuchs interessieren? Und jagt das Wort "Headhunting" der Branche inzwischen nicht eher Schrecken ein? Was für Türen stehen den verunsicherten Jungbankern überhaupt noch offen? Eine Antwort darauf findet sich ebenfalls in der Pressemitteilung: Sie könnten zum Beispiel den Einstieg "bei kleineren Fondsboutiquen" suchen. Das Derivat als Negligé. Vermutlich werden sie dort unser letztes Hemd verkaufen. Alexandra Werdes

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