China Der Coup
Was in den USA und Russland scheiterte, gelingt in Europa: Chinas Ölmulti Cnooc kauft ein norwegisches Hightech-Unternehmen

© Marcel Mochet/AFP/Getty Images
Eine Ölplattform im Meer vor der norwegischen Küste
China hat derzeit ein recht einmaliges Problem. Während andere große Volkswirtschaften ganz andere Sorgen plagen, fragt man sich dort: Wohin bloß mit den Gewinnen? Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird China mehr als zwei Billionen Dollar Devisenreserven besitzen. Lange war es eine sichere Sache, in amerikanische Staatsanleihen zu investieren. Sie hatten den Vorteil, gleichzeitig das eigene Exportgeschäft zu fördern, weil die Amerikaner mit dem geliehenen Geld in China auf Großeinkauf gehen konnten.
Das galt zumindest vor der Finanzkrise. Jetzt sind Alternativen gefragt, zum Beispiel mehr Geld in Bodenschätze und Fördertechnologie zu stecken. Damit können sich zum einen die Rücklagen vermehren, zum anderen kann sich das immer noch boomende Land in Energiefragen unabhängiger machen. Die China National Offshore Oil Corporation (Cnooc) ist eines der wichtigsten Unternehmen, wenn es darum geht, diese Ziele zu verwirklichen. Cnooc ist nach Sinopec und der China National Petroleum Corporation (CNPC) zwar nur der drittgrößte Ölmulti Chinas, aber der international wendigste. Das Unternehmen ist vor allem in Afrika, aber auch in Iran engagiert.
Die Chinesen lassen sich das Tiefbohr-Know-how etwas kosten
Cnooc braucht dazu nicht einmal staatliche Devisenreserven – vorerst zumindest nicht. Im vergangenen Jahr hat die Offshore Oil Corporation umgerechnet etwa 5,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht, und im ersten Halbjahr 2008 verdoppelte sich die Marge fast noch einmal. Seit das Unternehmen 2001 mit großem Erfolg in New York und Hongkong an die Börse ging, wächst es im Schnitt um 37 Prozent im Jahr.
Doch selbst mit viel Geld ist es nicht so einfach, sich international vorzuarbeiten. Vor allem wenn man Fördertechnologie braucht. Die gibt’s im Westen, und dessen Regierungen mauern.
Doch nun haben die Chinesen den Widerstand geschickt gebrochen. Während die westliche Welt mit der Finanzkrise beschäftigt ist, hat der Ölkonzern einen Coup eingefädelt. Bereits Ende Juli hat die China Oilfield Services (COSL), eine Tochter der Cnooc, unter dem Strich umgerechnet 2,4 Milliarden Euro für den norwegischen Öl- und Gasförderer Awilco Offshore geboten. Die Chinesen geizten beim Kaufpreis nicht und boten den Aktionären trotz der gegenwärtigen Krisenstimmung einen 19-prozentigen Aufschlag auf den Aktienwert von Anfang Juli an. Auch im September, als es richtig abwärtsging, standen die Asiaten zu ihrem Angebot.

Eine Ölplattform im Meer vor der norwegischen Küste
Awilco besitzt sieben Bohrinseln und drei Spezialschiffe, und durch die Übernahme kann China Oilfield Services die Anzahl seiner Bohrplattformen auf 22 erhöhen. Die Awilco-Konzernleitung und die Mehrheit der Aktionäre haben Ende August grünes Licht gegeben. Die chinesische Planungs- und Entwicklungskommission hatte bereits am 28. Juli zugestimmt. Es ist eine der großen strategischen Akquisitionen in der chinesischen Wirtschaftsgeschichte. Mit der norwegischen Bohrflotte katapultieren sich die Chinesen mit einem Schlag weltweit auf Platz acht der Branche. Sie sind vor allem an der Tiefseebohrtechnik der Norweger interessiert. Während Cnooc bisher nur 500 Meter tief bohren kann, kommt Awilco bereits auf 760 Meter. Eine Anlage, die sogar 1.500 Meter schafft, wird gerade entwickelt. »Unser langfristiges Ziel ist es, bis 2020 ein Global Player als Ölbohrserviceunternehmen zu werden«, sagte Zhong Hua, der Vizepräsident des Tochterunternehmens COSL, bereits Anfang Juli – und klingt dabei ganz wie ein westlicher Chef. Ein COSL-Sprecher geht davon aus, dass das Geschäft abgeschlossen wird.
- Datum 03.08.2009 - 13:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.10.2008 Nr. 43
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