Khalil Gibran: Der Prophet

Und dieses Buch eines armen Bauernjungen aus dem Libanon-Gebirge (1883–1931) soll das nach Shakespeare und Laotse "dritterfolgreichste Buch" der Welt sein? Aus Armut muss die Familie 1912 nach New York emigrieren, in die damals zweitgrößte arabische Diaspora der USA. Wenig später ist der begabte Zeichner, Dichter, Philosoph der erfolgreichste Schriftsteller der arabischen Moderne. Verfolgt in seiner arabischen Heimat ("Khalil der Ketzer"), weil er nicht arabisch schreibt, weil er antiklerikal und sozialkritisch argumentiert, weil er Zensur ablehnt. Damit gewinnt er die westliche Welt: Schulen werden nach ihm benannt, "Blumenkinder" lassen sich nach seinen Versen trauen. Die Mischung aus Koran, Bibel und – ja: Nietzsche war (ist?) willkommen. "Die Liebe besitzt nicht, noch will sie Besitz sein. Denn der Liebe ist Liebe genug." Rolf Michaelis

Gelesen von Christian Redl; C.H. Beck, 59 Min., 9,95 €