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Jodeln? Spätestens seit sich Evelyn Hamann in einem Loriot-Sketch stolz über ihr Jodeldiplom ausließ, haben wir uns wohl nicht mehr dafür interessiert. Dabei hat diese merkwürdige Gesangsform aus dem Alpenland unsere Ignoranz gar nicht verdient. Dass das Jodeln nichts mit Lederhosen tragenden Traditionalisten in dumpf daherschunkelnden Volksmusiksendungen zu tun haben muss, zeigt der Schweizer Dokumentarfilmer Stefan Schwietert. In seinem Film Heimatklänge porträtiert er drei Musiker, die das Jodeln auf jeweils ganz eigene Weise in die Musikmoderne überführen: die Stimmartistin Erika Stucky, die die schweizerische Musiktradition in Bühnen-Performances aufmischt. Christian Zehnder, der aus dem Jodeln und anderen Gesangsrichtungen eine hybride Musiksprache entwickelt hat. Und den Volksmusiker Noldi Adler, der irgendwann seine Tracht auszog und eine neue Form des experimentellen Jodelns erfand. Es geht um die Verbundenheit mit einer Landschaft und um die Frage nach den kulturellen Wurzeln der Musik. (Adler: "Wäre ich in der Wüste aufgewachsen, würde ich wohl anders klingen.") Aus Interviews mit den Künstlern, kritischen Gegenstimmen, den Landschaftsaufnahmen, Live-Mitschnitten und den Familiengeschichten der Musiker entwickelt Schwietert das hochmusikalische Porträt einer Kunstform, ihrer Ursprünge und Widersprüche. Dabei wird sein Film weit über das Jodeln hinaus zu einem klugen Kinoessay über den Umgang mit Traditionen, die sich nur erhalten lassen, wenn sie immer wieder aufs Leidenschaftlichste überholt und befragt werden. anke leweke

Heimatklänge

Ventura Film, 82 Min