Ich wurde in der ehemaligen Sowjetunion in eine namhafte Künstlerfamilie hineingeboren. Mein Vater Boris war ein begnadeter Cellist. Als wir 1977 nach Köln emigriert waren, begann er, mit vielen großen Musikern zu arbeiten, darunter auch Yehudi Menuhin und Gidon Kremer. So lernte ich sehr früh beeindruckende Persönlichkeiten kennen. Ich erinnere mich noch, wie ich meinen Vater zu einem Auftritt begleitete und vor der Konzerthalle den Mercedes des deutschen Bundeskanzlers bestaunte. Plötzlich ertönte hinter mir ein "Entschuldigung". Das war Helmut Schmidt, dem ich im Weg stand, als er in seinen Wagen einsteigen wollte.

Im Alter von vier Jahren bekam ich bereits Unterricht in Gehörbildung und Klavier, mit fünf in Violine. Meine Mutter war meine erste Lehrerin. Mit sechs Jahren durfte ich auf Mozarts Originalflügel in dessen Salzburger Wohnhaus spielen, mit neun erhielt ich dank meiner Begabung eine Sondergenehmigung, um in der Meisterklasse von Professor Igor Ozim in Köln Violine zu studieren. Später reiste ich dann als Konzertviolinist um die Welt und trat gelegentlich sogar mit meinem Vater auf, etwa mit den Philharmonikern von Buenos Aires, der Stockholm Sinfonietta und der Slowenischen Staatsphilharmonie.

Vor zehn Jahren hatte ich einen Unfall und entschied mich musikalisch für einen neuen Weg. Ich entdeckte die Klangwelten von Synthesizern und vertiefte mich in Jazz und Elektronik. Dabei fand ich größere Gestaltungsmöglichkeiten, als ich sie von der Interpretation alter Meister kannte. Ich distanzierte mich vom elitären Klassikbetrieb, auch weil mir dort die Nähe zum Publikum gefehlt hat. Der Dialog mit den Zuhörern ist mir heute ein essenzielles Bedürfnis.

Als Teenager liebte ich Rockmusik. Ein Assistent meines Vaters hatte mir eine Kiste mit Schallplatten geschenkt: Deep Purple, Jethro Tull, Jimi Hendrix. Wenn mich das Üben langweilte, habe ich zu diesen Platten gegeigt. Heute denke ich an diese Momente, wenn ich mit Musikern aus verschiedenen Kulturen arbeite. Ich experimentiere intensiv im Weltmusikgenre und baue darauf, dass Musik die einzige Sprache ist, die kaum missverstanden werden kann. Darin liegt für mich die Chance, verschiedene Menschen emotional zu berühren.

In Wien bin ich in der Jazz-, Blues- und Rockszene unterwegs. Bei der österreichischen Band Supermax trete ich oft als Gast auf. Ich spiele zwar Violine, allerdings elektrisch verstärkt und modifiziert.

Als Künstler ist mir wichtig, abseits kommerzieller Absichten Brücken zu bauen, gerade in Zeiten zunehmender Entfremdung und Oberflächlichkeit.

Aufgezeichnet von Ernst Schmiederer