Penetrant kitzelt der Kokosgeruch in der Nase. Es geht die Treppe hinunter, in einem kargen Lagerhaus, tief im industriellen Westen Sydneys. Hier produziert die britische Naturkosmetikkette Lush Badekugeln, Shampoos und Cremes für den australischen und neuseeländischen Markt. Wie in einer Großküche sieht es hier aus. An einer Kachelwand lehnen Trockensäcke, gefüllt mit Rosenblüten, Orangenscheiben und Kokosraspeln, daneben ein Bottich voller Seifenflocken. Weiter hinten, in einer dunklen, feuerfest verriegelten Kammer, lagern die kostbaren Aromaöle – Lavendel, Zitronengras, Sandelholz.

Nervös hält Mark Lincoln inne. "Das Sandelholzöl da verwenden wir kaum noch", sagt der Lush-Direktor und räumt eine halb leere Flasche nach vorn. "Zu teuer, zu gefährlich. Haben Sie den Film Blood Diamond gesehen? So ungefähr sieht der Markt für indisches Sandelholzöl aus. Gewalttätige Mafiosi verhökern die letzten wild wachsenden Bestände." Radikal habe Lush sein Sortiment beschnitten, erklärt Lincoln. Nur 20 von 320 Produkten enthielten noch die strittige Essenz. Trotzdem: "Wir brauchen dringend einen einwandfreien Lieferanten."

In Indien wird das wertvolle Holz oft illegal gefällt

Kosmetikhersteller wie Lush haben ein Problem: Wichtige pflanzliche Rohstoffe gehen ihnen aus, und das nicht erst, seitdem der zuletzt hohe Ölpreis die Nachfrage nach alternativer Energie vom Acker befeuert hat. Das Geschäft mit exotischen Extrakten boomt, in der Schönheitsindustrie, der Arzneimittelbranche und der chemischen Industrie. Kunden greifen gern zu Parfüms aus Sandelholzöl, Zahnpasta mit Aloe-Vera-Zusatz, Mückenschutz aus Teebaumöl oder Waschpulver aus Palmöl. Um 20 Prozent jährlich wachse allein der Naturpflegemarkt in der EU, dem weltgrößten Produzenten von Kosmetikartikeln, so die europäische Importförderagentur CBI. Entsprechend steigende Preise für Ackerfrüchte und Aromaöle wecken weltweit das Interesse von Bauern, aber auch das von Anlegern.

"Fortschritte in der Biotechnologie und der hohe Ölpreis haben die Nachfrage nach Biorohstoffen verstärkt", bestätigt Andreas Holzer, Analyst für Nachhaltigkeit bei der Schweizer Privatbank Sarasin. Noch sind Anlagemöglichkeiten im Feld der nachwachsenden Rohstoffe für die Kosmetik-, Chemie und Pharmaindustrie begrenzt. Doch einige Finanzhäuser haben Zertifikate und Fonds aufgelegt, die auch in die Nische der Naturessenzen investieren. Diese versprechen oft eine nachhaltige Geldanlage und fördern Firmen, die ressourcenschonende Land- oder Forstwirtschaft betreiben.

Jährlich bringt das globale Geschäft mit den rund 300 kommerziell nutzbaren Pflanzenessenzen rund 1,8 Milliarden US-Dollar ein, schätzt das australische Agrarforschungsbüro RIRDC. Viele Länder hoffen auf weiteres Wachstum, und so locken großzügige Steuervorteile australische Investoren bereits in Massen in die Plantagenwirtschaft. Ähnlich die EU: Seit sie ihre Agrarförderung geändert hat, pflanzen englische Bauern blauen Borretsch für die Aromatherapie-Industrie. In Ostdeutschland blüht Kamille, aus der entzündungshemmende Öle gewonnen werden. Und Entwicklungs- und Schwellenländer, die von jeher die Welt mit Exotikgewürzen beliefern, suchen verstärkt Kapitalgeber. In Südafrika entwickelt sich das Ostkap zu einem Zentrum der Aromaölindustrie. Nigeria wirbt um ausländische Investoren.

Ins Blickfeld der Kapitalgeber ist indes vor allem Australien geraten. Gezielt fördert die dortige Regierung den Anbau. Der dürre Kontinent ist reich an Duftgewächsen wie Teebaum oder Eukalyptus, deren heilende und aromatisierende Wirkung die Ureinwohner, die Aborigines, seit Jahrtausenden schätzen und deren Öle Australien exportiert.