Wenn es ums Erdöl geht, sind teuer und billig relative Begriffe. Anfang der Woche kostete ein Fass (159 Liter) des für die Weltwirtschaft so wichtigen Energieträgers etwas mehr als 80 Dollar. Das war wenig im Vergleich zu dem im Sommer kurzfristig herrschenden Rekordpreis von fast 150 Dollar. Aber gut 80 Dollar sind auch ziemlich viel, verglichen mit der Durchschnittsnotierung des Jahres 2003. Fast dreimal so viel. Es dürfte schwierig sein, ein anderes Produkt ausfindig zu machen, das sich binnen fünf Jahren so verteuert hat – und das dennoch heute als billig gilt.

Wie sich der Preis dieses offenbar sehr besonderen Produkts in Zukunft entwickelt, ist eine gute Frage. Aber leider eine, auf die es keine seriöse Antwort gibt, wie die Erfahrung der jüngsten Vergangenheit lehrt.

Die Finanzkrise und die abflauende Weltkonjunktur haben den Ölpreis in den vergangenen rund 100 Tagen fallen lassen. Er fiel sogar, obwohl die Tropenstürme Gustav und Ike eine Einschränkung der Ölförderung im Golf von Mexiko um bis zu 1,4 Millionen Fass pro Tag erzwangen; normalerweise hätte das den Preis nach oben katapultiert. Anfang der Woche stieg die Notierung tatsächlich, allerdings erst, nachdem die Rettungsmaßnahmen für die Finanzbranche an den Börsen ein Kursfeuerwerk ausgelöst hatten. Dabei gerät die reale, die Öl verbrauchende Wirtschaft erst jetzt ins Trudeln.

Trotz der sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten wird die weltweite Ölnachfrage nach Schätzung der Internationalen Energie-Agentur im kommenden Jahr um täglich 700000 Fass steigen. Dieses Wachstum ist beachtlich; es ist sogar stärker als das dieses Jahres. Allerdings wächst auch das Ölangebot. Wie stark, hängt indes vom Verhalten der Opec ab. Deutlich mehr als vierzig Prozent des weltweiten Ölangebots kontrollieren die Mitgliedsländer des Kartells. Ihre Förder- und Investitionspolitik folgt allerlei Erwägungen, nur nicht rein marktwirtschaftlichen.

In einem Monat versammeln sich die Opec-Verantwortlichen zu einem außerordentlichen Treffen in Wien. Es wird Aufschluss über den weiteren Kurs des Kartells geben. Und damit vielleicht auch darüber, wohin sich der Ölpreis im Winter bewegt. Fritz Vorholz