Kinder waren gestern. Kein imagebewusster Staatslenker käme mehr auf die Idee, vor Kameras ein fremdes Kind zu knuddeln. Was läse man da nicht alles hinein, familien- und machtpolitisch. Wie viel unverfänglicher da das putzige Küken, mit dem Wladimir Putin auf der Landwirtschaftsausstellung in Moskau posiert. Bislang sah man ihn Tieren gegenüber eher als Jäger und Angler und deutete das als Warnung an die Feinde der russischen Demokratie. Das Küken mag also die Demokratie selbst symbolisieren, ein unfertiges, fragiles Gebilde, fest umklammert von seiner schützenden Hand. Zugleich sagt der ernste, fast hypnotische Blick des russischen Premierministers: "Ich habe noch Pläne mit dir." Wenn das Küken erst mal Huhn ist und anfängt zu krähen, wird es seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten, auf die eine oder andere Art. al

Heute: 11.10.2008

Foto: Alexey Druzhinin/AFP/gettyimages