Island Insel der großen Kinder

Island ist bankrott. Literarischer Nachruf auf ein schräges und verwunschenes Land

Und immer noch hoffen alle, dass es nicht so schlimm wird. Das machen wir so, in unserer Rasse, Zuversicht nennen wir es, das Gefühl der Ohnmächtigen. Es ist Krieg, aber vielleicht kommt er nicht in unsere Stadt, ein Tsunami, aber sicher bleibt unser Haus verschont – die da oben werden das in Ordnung bringen. Früher gab es nur den da oben, dann wurde die Regierung draus, an der man erst zu zweifeln beginnt, wenn man sich klarmacht, dass das auch nur Menschen sind, wie wir – hilflos und ohne jede Idee.

Wir lassen uns vom Kapitalismus fressen und haben doch alle mitgemacht. Wir haben geahnt, dass da etwas nicht stimmt, mit uns, die wir auf einmal kaufsüchtig wurden, mit der Welt, die immer mehr seltsame Superreiche produzierte, der Ausverkauf, das Verschwinden der letzten schönen Plätze, und einer war übrig.

Waren Sie schon mal in Island?

Dieses seltsame Land, das aussieht, als sei man auf dem Mond, und dessen Bewohner vom Mars zu stammen scheinen? Sind Sie verwirrt über die eine Ringstraße gefahren, die das Land umgibt, und haben sich gedacht: Verdammt, was ist denn hier passiert, war da ein Unfall? Was machen die hier?, fragten Sie sich, wenn Sie, selten genug, auf ein Haus trafen. Und vielleicht stiegen Sie aus dem Auto und wunderten sich, dass die Bewohner des Hauses mindestens perfektes Englisch sprachen, alle deutschen Klassiker kannten, die englischen dazu, im Original gelesen, selbstverständlich, und Sie auf eine Runde Schach einluden, die sie gewannen, und erzählten, dass sie Wissenschaftler seien, aber auch Schriftsteller und Maler und Sänger. Und als Sie aufbrachen, wurde Ihnen geraten, auf die Elfen zu achten und die Trolle, die seien in diesem Jahr eine Plage. Und das waren sie dann auch.

Waren Sie schon mal in Island, haben einen Burger gegessen und 15 Euro dafür bezahlt und sich gedacht, verdammt, warum ist das nur so teuer? Und dann fanden Sie die Antwort: Damit nicht noch mehr von meiner Sorte kommen. Nicht noch mehr Touristen, die dem Land das nehmen würden, was es ausmacht – leer zu sein. Unbequem zu sein. Zu teuer zu sein und weit ab von allem, was wir jemals gesehen haben.

Vielleicht kann sie nicht funktionieren, diese Idee, die die besten Theorien des Kommunismus mit einigen Sahnestücken des Kapitalismus zu mischen sucht. Vielleicht ist nur ein Entweder-oder möglich, was in jedem Fall furchtbar heißt.

Island hat es versucht, genauso wie die Schweiz es versucht hat, das Experiment der schönen neuen Welt: Macht alle reich, gebt ihnen die perfekte Demokratie.

Das funktioniert eine Weile, aber das Geld für alle muss ja irgendwo herkommen. In beiden Fällen von außerhalb der seligen Inseln. Und das rächt sich. Kapitalismus rächt sich immer, der gefräßige Hund, und Kommunismus haben wir bereits von der Liste gestrichen als nicht lebbar.

Island, als es noch glaubte, damit durchzukommen, weil keiner das kleine Land beobachtete, war wie das, was kommunistische Werbeplakate ihren Bürgern versprachen, als die vielleicht noch an Werbeplakate glaubten. Es herrschte Gleichheit. Ein Volk von 320000, die gesund schienen, nicht zwischen Geschlechtern und Status unterschieden, in dem Homosexuelle heiraten und adoptieren konnten. Es gab weder erkennbare Armut noch süffisanten Reichtum. Reich waren irgendwie alle. Und wie es kommt, wenn ein Volk ein wenig zu schlechtes Wetter hat und zu sehr miteinander verwandt ist, hatten auch alle einen hochliebenswerten Knall, dem sie ungehindert nachgehen konnten. Hierzulande erfuhren wir von Island, dass es das Land mit der prozentual höchsten Schriftstellerdichte und mit der staatlichen Elfenbeauftragten war. Was dahinter lag, war eine Welt voller Erwachsener, die nie erwachsen werden mussten, was so ungefähr der angenehmste Zustand ist, in dem sich Menschen aufhalten können.

Die meisten Isländer hatten ein mittelschweres Alkoholproblem, ohne dass man Betrunkene sah, tranken doch alle, dass einem schwindlig wurde, und dann tanzten sie in den Bars in Reykjavík, der niedlichen Hauptstadt, die fast nur aus zwei langen Straßen zu bestehen scheint und die das Verwegenste geworden war, was je einer Stadt mit nur wenig über 100000 Einwohnern vergönnt war: ein absoluter Treffpunkt der jungen, weltweiten Kulturelite.

Deren Mitglieder waren alle bezaubert von der verwirrenden Art der Isländer, ihrer seltsamen Schönheit, ihrem Humor und der Selbstverständlichkeit, mit der sie alles auslebten, was ihnen einfiel. Sie führten nonchalant die schlechtesten Restaurants der Welt, zeigten in Kinos ausschließlich Lavafilme, schneiderten die absurdesten Trikotagen, hatten die schicksten Häuser, und Geld war irgendwie allen egal. Wozu braucht man Geld, wenn man ein Haus hat und Spaß? Die jungen Isländer malten, musizierten, machten Mode und eroberten mit ihren seltsamen Dingen die Welt. Island war stolz auf seine Helden, und hatte einer eine Ausstellung in Amerika oder Europa, einen Ballettauftritt oder ein Konzert, kam ein Viertel der Inselbewohner nach, um sie zu feiern, gesponsert von Iceland Air und der Bank, die es nun nicht mehr gibt.

In keinem westlichen Land hatte sich die Bevölkerung so stark vermehrt wie in Island. Kinder zu haben ist kein Problem, die Türen werden aufgemacht, die Kinder rausgeschickt, zu den Verwandten, den Nachbarn, Kriminalität ist kaum erwähnenswert gewesen, 1,7 Morde pro Jahr, aber meist weniger, sagt die Polizei, und warum keine Kinder haben, wenn es so einfach ist, sie groß werden zu lassen, wie auf Island. Mit Mitte 30 sind die meisten Großeltern.

Waren Sie schon mal in Island, als es den Traum davon noch gab?

Das Land der großen Kinder, die sich die Winter mit dem Singen von Schubert-Liedern vertrieben und selbst dann zusammenhielten, wenn sie sich nicht leiden konnten. Die Isländer arbeiteten ein bisschen überall, sie konnten ein bisschen alles, sie hatten immer genug Geld, um nicht darüber nachdenken zu müssen, um wegfliegen und gerne nach Hause zurückkehren zu können. Ungemütlicher wurde es erst, als bei der ersten Krise im letzten Jahr die Russenmafia kam, mit harten Drogen, mit Prostitution, Schwarzhandel und Gewalt, die vorher auch nur unter besoffenen Isländern eine kleine Rolle spielte.

Waren Sie schon mal in Island?

Sind mit dem Mountainbike über Land gefahren, haben gezeltet und sich an der Natur erfreut, die aussieht, so wie wir uns die Welt vorstellen an ihrem Beginn? Haben Sie Geysire geschaut und wilde Pferde? Und, war es schön? Die Landschaft ist nur Landschaft in Island, die kann man sich anschauen und gerührt beobachten, wie die Isländer dieses Stück öden Mondes mögen, wie sie an den Wochenenden auf ihren Ponys in dem Geröll herumreiten und mit Tränen in den Augen ihre Hymne singen, die von sterbenden kleinen Blumen handelt. Die Natur wird wohl noch ein wenig bleiben. Die Menschen, so wie sie waren, die gibt es wohl bald nicht mehr.

Die Menschen in Island hoffen, dass alles doch nicht so schlimm wird. Aber vielleicht wird es schlimm, und sie werden sich daran gewöhnen, das ist das eigentlich Schreckliche, sich an die Angst zu gewöhnen, an Stress, an Neid, an Angeberei, an Erwachsenenspielen. Sie werden beginnen, Anzüge zu tragen und Schlipse, sie werden effektiv werden, und es wird ein Gefälle geben zwischen Arm und Reich, Mann und Frau, Isländern und Ausländern. Und wenn Sie das Land dann besuchen, mit einer Touristengruppe in einer billigen Hotelkette wohnend, die ganz Island bebaut haben wird, dann werden Sie sich darüber freuen, wie billig die Reise war und wie hübsch die blaue Lagune, in der man im warmen Wasser schwimmen kann. Die Geysire und die Pferde werden Sie bestaunen, und die Isländer, werden Sie sagen, die sind ja so ein bisschen wie wir, also wie alle. Nein, da ist mir nichts Besonderes aufgefallen.

Foto (Ausschnitt): Chanan Messer

 
Leser-Kommentare
    • Telma
    • 20.10.2008 um 18:35 Uhr
    1. ...

    ich liebe island, dieser artikel ist wohl einer der schönsten und auch traurigsten die je über dieses grandiose land geschrieben wurden!
    danke

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 20:32 Uhr

    Die Sympathie für ein Volk ist jedem sein Privatvergnügen.
    Es ist aber schon beeindruckend mit welcher Nachsicht mit der fatalen Inkompetenz der Isländer in hiesigen Medien umgegangen wird, während die Amerikaner fast schon an den Schandpranger gestellt werden.

    Die dortige, ach so vorbildlich-demokratische, Regierung hat ebenso versagt wie die dortigen Banken, aus Gier und Großmannssucht. Vielleicht wollte man die Schweiz kopieren, was weiss ich.
    Grüne Wiesen gibt's in Massen auf der Welt und Naturschönheiten hat keine Nation für sich gepachtet. Vielleicht ist's meine allgemein Abneigung gegen die nordischen Länder (inklusive Norddeutschland), aber seitdem einer meiner Bekannten möglicherweise sämtliche Ersparnisse bei einer Bank dieser ach so vorbildlichen Gesellschaft verloren hat - und der dortige Staat auch nicht fähig ist für die Garantien die er gegeben hat einzustehen - bin ich einfach nicht imstande diese Schwärmerei zu goutieren.
    Auf jene die alles verloren haben wirkt sowas leicht wie Hohn.

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    • drelux
    • 20.10.2008 um 21:43 Uhr

    Meinen Sie nicht, dass Ihrem Bekannten, der „möglicherweise sämtliche Ersparnisse bei einer Bank dieser ach so vorbildlichen Gesellschaft verloren hat“ eine gewisse Mitschuld anzulasten ist?

    Warum hat er, vermutlich mit wenigen Mausklicks, sein Geld einer Bank anvertraut, die einen geringfügig höheren Zins geboten hat? Ist er niemals auf die Idee gekommen, dass in Geldangelegenheiten immer dann Prämien gezahlt werden (müssen), wenn höhere Risiken vorhanden sind? Hat er sich genau informiert, welche Sicherheitsgarantien die Bank geboten hat? Waren die Guthaben von Ausländern in diesen Garantien eingeschlossen?

    Sie schreiben: „Die dortige, ach so vorbildlich-demokratische, Regierung hat ebenso versagt wie die dortigen Banken, aus Gier und Großmannssucht.“

    Es ist leicht, die Schuld immer bei anderen zu suchen und seine Hände in Unschuld zu waschen. Warum, wenn nicht ebenfalls aus „Gier“, haben deutsche Anleger ihr Geld nach Island transferiert?

    Wohl noch nie in den nordischen Ländern (ausdrücklich: inkl. Norddeutschland) gewesen,

    sehr geehrte(r) Mahun,

    wenn Sie eine allgemeine Abneigung gegen diese Regionen so sehr plagt, dass Sie nicht zwischen einem wunderschönen, abwechlsungsreichen Land und dem Geschäftsgebaren einiger dortiger Banken unterscheiden können?

    Banken im übrigen, deren Bedeutung für die Weltwirtschaft doch etwas geringer sein dürfte, als die jener (auch) amerikanischen Institute, welche die Ursachen für die aktuelle Finanz- und mögliche künftige Wirtschaftskrise gelegt haben. Ich finde schon, dass man da diffferenzieren darf. Ansonsten: Volle Zustimmung zu "3. Gier"!

    JoshWolf, SLDD

    • drelux
    • 20.10.2008 um 21:43 Uhr

    Meinen Sie nicht, dass Ihrem Bekannten, der „möglicherweise sämtliche Ersparnisse bei einer Bank dieser ach so vorbildlichen Gesellschaft verloren hat“ eine gewisse Mitschuld anzulasten ist?

    Warum hat er, vermutlich mit wenigen Mausklicks, sein Geld einer Bank anvertraut, die einen geringfügig höheren Zins geboten hat? Ist er niemals auf die Idee gekommen, dass in Geldangelegenheiten immer dann Prämien gezahlt werden (müssen), wenn höhere Risiken vorhanden sind? Hat er sich genau informiert, welche Sicherheitsgarantien die Bank geboten hat? Waren die Guthaben von Ausländern in diesen Garantien eingeschlossen?

    Sie schreiben: „Die dortige, ach so vorbildlich-demokratische, Regierung hat ebenso versagt wie die dortigen Banken, aus Gier und Großmannssucht.“

    Es ist leicht, die Schuld immer bei anderen zu suchen und seine Hände in Unschuld zu waschen. Warum, wenn nicht ebenfalls aus „Gier“, haben deutsche Anleger ihr Geld nach Island transferiert?

    Wohl noch nie in den nordischen Ländern (ausdrücklich: inkl. Norddeutschland) gewesen,

    sehr geehrte(r) Mahun,

    wenn Sie eine allgemeine Abneigung gegen diese Regionen so sehr plagt, dass Sie nicht zwischen einem wunderschönen, abwechlsungsreichen Land und dem Geschäftsgebaren einiger dortiger Banken unterscheiden können?

    Banken im übrigen, deren Bedeutung für die Weltwirtschaft doch etwas geringer sein dürfte, als die jener (auch) amerikanischen Institute, welche die Ursachen für die aktuelle Finanz- und mögliche künftige Wirtschaftskrise gelegt haben. Ich finde schon, dass man da diffferenzieren darf. Ansonsten: Volle Zustimmung zu "3. Gier"!

    JoshWolf, SLDD

    • drelux
    • 20.10.2008 um 21:43 Uhr
    3. Gier

    Meinen Sie nicht, dass Ihrem Bekannten, der „möglicherweise sämtliche Ersparnisse bei einer Bank dieser ach so vorbildlichen Gesellschaft verloren hat“ eine gewisse Mitschuld anzulasten ist?

    Warum hat er, vermutlich mit wenigen Mausklicks, sein Geld einer Bank anvertraut, die einen geringfügig höheren Zins geboten hat? Ist er niemals auf die Idee gekommen, dass in Geldangelegenheiten immer dann Prämien gezahlt werden (müssen), wenn höhere Risiken vorhanden sind? Hat er sich genau informiert, welche Sicherheitsgarantien die Bank geboten hat? Waren die Guthaben von Ausländern in diesen Garantien eingeschlossen?

    Sie schreiben: „Die dortige, ach so vorbildlich-demokratische, Regierung hat ebenso versagt wie die dortigen Banken, aus Gier und Großmannssucht.“

    Es ist leicht, die Schuld immer bei anderen zu suchen und seine Hände in Unschuld zu waschen. Warum, wenn nicht ebenfalls aus „Gier“, haben deutsche Anleger ihr Geld nach Island transferiert?

    Antwort auf "Schön und gut"
  1. Schade, daß ich nie dort war.
    Die Isländer (gar nicht so wenige), die ich hier in Wien getroffen habe, haben mir aber auch nicht unbedingt den Eindruck gemacht, es wäre dringend notwendig, ihre Heimat zu besuchen.
    (btw: Gegen Alkohol hatte ich noch nie etwas einzuwenden.)
    Wahrscheinlich, weil sie sich entschieden hatten, gar so kraß gegenteiligen Boden wie hier betreten zu wollen? Nicht bei den Elfen bleiben wollten / konnten? Sie gar nicht mochten?
    Weiß nicht.
    Die koboldig überschlagende Stimme Björks habe ich nach kurzer Begeisterung ja auch sehr bald auch nur mehr als lästig-hysterisch empfinden können...
    Aber trotzdem: ein wunderschöner Zeit-Artikel von Sybille Berg - allein weil er geeignet ist, Sehnsucht zu wecken.
    Sehnsucht nach der "anderen Seite".
    Wo immer sie auch sein mag.

  2. Die Quintessenz des Artikels :
    Allen Isländern ging es bis vor kurzem gut.
    Morgen geht es ihnen durch Bankenbankrott vermutlich nur etwas schlechter.
    Mies wird's erst für Mensch und Natur, wenn internationale Investoren ins Land kommen.
    RICHTIG !

    320.000 Menschen gleicher Kultur und Sprache können gut miteinander auskommen. Es gibt mehr Arbeit als Menschen und bei 1,3 Einwohnern pro km² gibt es Wohnraum im Überfluß und die Natur bleibt gesund.

    Eindeutiger kann man doch das einzige Problem, daß Europa heute hat, nicht aufzeigen : maßlose Überbevölkerung !

    Welche Probleme hätte Deutschland bitte bei 30 Mio Einwohnern ? Wie wären dann die Arbeitslosenzahlen in einem Land, daß zur Weltelite bei Agraprodukten, Maschienenbau und Hightech sowie Umweltschutz gehört ? Wie wären wohl dann Grundstückspreise und Mieten ? Und die Natur ?

    Und da sollen wir mehr als 1 oder 2 Kinder zeugen ? Und mehr Migranten ins Land holen ? Und unsere Wirtschaft mehr international verflechten ?

    Diese Abwärtsschleife einer aufklaffenden Schere zwischen wenigen Reichen und immer mehr Armen, die immer noch mehr arme Rentner versorgen sollen, kann niemals durch Handel oder technischen Fortschritt durchbrochen werden.

    Nur eine schrittweise Reduktion der Bevölkerung und ein Zufriedensein mit dem, was das eigene Land bietet, könnte aus Deutschland wieder das Paradies machen, das es ist.
    An Schöhnheit an Natur und Kultur zwischen Alpen und Nordsee fehlt es uns nicht.
    Und an liebenswerter Kauzigkeit der Einwohner diverser deutscher Regionen auch nicht.

    Der einzige Unterschied zwischen Island und Deutschland ist 1,3 zu 230 Einwohner / km².

    • lef
    • 22.10.2008 um 13:54 Uhr

    Auch auf Island gibt es nicht nur superreiche Tagträumer, denen Essen, Wohnung ff von Elfen zugetragen wird.
    Auch auf Island wird von der Mehrzahl der Bewohner harte Arbeit erwartet,
    und die technischen Erfolge dort sind sogar erstaunlich:
    Wie auf Island aus Geothermie, Geysiren, Vulkanuntergründen ff wirklich zukunftsfähige Energietechnologie entwickelt wird, ist bemerkenswert.

    Davon kriegen etliche Bewohner wenig mit - die genießen (jetzt: genossen) den Kredit, den der Rest der Welt den Isländern freiwillig zukommen ließ,

    schade nur, dass es überwiegend Privatmenschen auch aus dem Festlandeuropa waren, deren Ersparnisse von diesen feudal anwirkenden Tagträumern (wie der im Artikel beschriebene) sinnlos verprasst worden sind.

    Es wurde höchste Zeit, diesen Schmarotzern endlich die Spendengelder zu entziehen.
    Als einzige Legitimation derer Existenz - so im Artikel zu lesen - ist das Schmökern in Klassikern, die ganz sicher nicht auf Island entstanden, Schach zu lernen und von Elfen zu träumen? Und natürlich: Jede Menge Kinder zu produzieren?
    Das reicht nicht und wird niemals reichen.

    Zum Glück gibt es auch auf Island Andere, die ganz pragmatisch zukunftsfähige Lösungen entwickeln,
    und es wäre SEHR schlimm, wenn deren Existenz mitsamt deren Ideen und Innovationsfähigkeit eben wegen solcher Schmarotzer wie im Artikel beschrieben, mit in den Abgrund gezogen werden.

    Von Elfen wurde - wie überall auf der Welt - auch auf Island früher NACH der Arbeit geträumt.

  3. 7. Schade

    Wohl noch nie in den nordischen Ländern (ausdrücklich: inkl. Norddeutschland) gewesen,

    sehr geehrte(r) Mahun,

    wenn Sie eine allgemeine Abneigung gegen diese Regionen so sehr plagt, dass Sie nicht zwischen einem wunderschönen, abwechlsungsreichen Land und dem Geschäftsgebaren einiger dortiger Banken unterscheiden können?

    Banken im übrigen, deren Bedeutung für die Weltwirtschaft doch etwas geringer sein dürfte, als die jener (auch) amerikanischen Institute, welche die Ursachen für die aktuelle Finanz- und mögliche künftige Wirtschaftskrise gelegt haben. Ich finde schon, dass man da diffferenzieren darf. Ansonsten: Volle Zustimmung zu "3. Gier"!

    JoshWolf, SLDD

    Antwort auf "Schön und gut"
  4. 8. Unsinn

    Genau wie in Deutschland gibt und gab es in Island die Wirtschaftsliberalen, die ausschließlich dem Rausch des Geldes und des unaufhörlichen Wirtschaftswachstums verfallen sind.

    Im Buch "Neues von der Elfenfront - Die Wahrheit über Island" aus der Edition Suhrkamp macht der Autor Wolfgang Müller das bereits 2007 sichtbar und beginnt mit dem Kapitel "Island auf Euro vergessen". Er berichtet von der "größten Summe Bargeld, die je auf einer Ausstellung zu sehen war" und im Kapitel "Ökonomie des Kauens", über den allesfressenden Kapitalismus in Island. Das wurde bereits vor dem Finanzcrash geschrieben und ist nun umso aktueller.

    Man könnte also auch genausogut davon sprechen, dass mit der Krise die guten Eigenschaften der Isländer wieder sichtbar werden könnten. Dass soziale Gerechtigkeit, die in den Boomjahren keine vordergründige Rolle spielte, neu diskutiert werden muss.

    Die Autorin vermittelt dagegen den Eindruck, als sei in den letzten Jahren vor dem Finanzcrash in Island alles ganz wunderbar gewesen. Dem ist nicht so. Überhaupt erst seit 1999 gibt es eine linke grüne Partei in Island, die sofort mit über 10 % ins Parlament kam. Davor dachten alle Isländer, sie seien sowieso Naturschützer, eine grüne Partei hatte keine Chance. Dann wuchs die Unzufriedenheit einiger, es entstanden Protestbewegungen wie "Saving Iceland", die sich gegen den grenzenlosen Neolliberalismus, gegen den Datenverkauf aller isländischen Krankenakten an den Pharmakonzern DeCode/La Roche Genetics protestierte, mehr Kontrolle der Wirtschaft forderten, die Unterbringung und miese Bezahlung der Gastarbeiter bei den Aluminium-Projekten des Alcoa-Konzern im Hochland beklagten, sich aber auch für einen humaneren Umgang mit Asylanten und anderes mehr engagierten. Also, es gab - wie in Deutschland - auch in Island eine ganze Menge Widerstand gegen diese neoliberalen Tendenzen. Nur - es hat hier keinen Menschen interessiert. Und in Island war es - wegen der recht gleichgeschalteten Presse - noch schwieriger zu vermitteln.

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  • Quelle DIE ZEIT, 16.10.2008 Nr. 43
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