Mitten unter uns. Verhüllt! Worin besteht nur der Skandal des Kopftuches? Nilüfer Göle, in der Türkei geboren und heute Professorin der Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociale in Paris, durchkreuzt den aufgekratzten Talk, wie er auch in Deutschland gepflegt wird zum Thema Frau und Religion, sie erweitert ihn um die Diskussion von individueller Freiheit im sich abschottenden Bollwerk Europa, untersucht die verfehlten Begegnungen in den Filmräumen von Fatih Akin oder, in Anlehnung an Jürgen Habermas, die Möglichkeiten diskursiver Annäherung der Kulturen. Die Lektüre beweist: Es geht. Gut.

Nilüfer Göle: Anverwandlungen

Der Islam in Europa zwischen Kopftuchverbot und Extremismus; aus dem Französischen von Ursel Schäfer; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2008; 160 S., 10,90 €

Es passierte im Jahre 1249 auf dem Markt von Konya in der Mitte Anatoliens. Damals begann der Tanz eines Mannes, mit rasender Energie hat er ihn der Unendlichkeit entgegengeschleudert, der Tanz hat über die Jahrhunderte an Sogkraft gewonnen, den Geist vieler anderer erfasst, Handwerker, Sultane, Musiker wie Peter Gabriel, Autoren wie Doris Lessing oder Nedim Gürsel, den in der Türkei gebürtigen Direktor des Pariser Centre National de la Recherche Scientifique. Alle Anhänger des Sufismus, des mystischen Islams. Gürsel wandert in den Landschaften seiner Heimat, durch Gärten mit Pflaumen und Walnüssen, und spürt in nachdenklichen Reportagen den großen Sufisten nach. Den Glücksvögeln. Alte Texte überblenden sich mit neuer Literatur, frische Eindrücke mit ewigen Einsichten, sie ergeben das Bild eines Islams, der offen ist und tolerant.

Nedim Gürsel: Sieben Derwische

Anatolische Legenden; aus dem Türkischen von Monika Carbe; Insel Verlag, Frankfurt 2008; 169 S., 17,80 €