Was bleibt von Jörg Haiders Phantompartei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) nach dem Tod des Gründers übrig? Das ist ja keine politische Partei im eigentlichen Sinn, sondern eher eine Kombination aus Kärntner Heimatverein und dem persönlichen Fanklub des verstorbenen Volkstribunen. Zuletzt hatte sich Haider österreichweit wieder ein Wählerreservoir von erstaunlichen elf Prozent erschlossen, die Kärntner Landtagswahlen im nächsten Frühjahr hätten vermutlich die absolute Mehrheit gebracht. Die Strahlkraft des erratischen Politikers schien ungebrochen. Doch nach dem Verlust der dominanten Identifikationsfigur besitzt sein Bündnis bestenfalls eine trübe Zukunft.

Vor allem jenseits der Kärntner Landesgrenzen ist Haiders Kreation jetzt lediglich eine virtuelle Kraft, die einigen politischen Auslaufmodellen noch einmal die Verlängerung ihrer Karriere um weitere fünf Jahre ermöglicht. Jeglicher zentralen Autorität beraubt, wird sich das bunte Rudel höchst eigenwilliger Persönlichkeiten schon bald in den Haaren liegen und um Einfluss und Vormachtstellung in der Wiener Parlamentsfraktion rittern. Dazu werden sie verblüffend viel selbstzerstörerische Energie aufbringen.

Auch eine Wiedervereinigung der beiden rivalisierenden Fraktionen der Rechtspopulisten, die nach dem unerwartet großen Wahlerfolg das Gebot der Stunde zu sein schien, hat viel von ihrer zwingenden Logik verloren. Die Freiheitlichen haben es nun schlicht nicht mehr nötig, ihrer Konkurrenz irgendwelche Konzessionen zu machen. Vielmehr werden die Fundamentalisten rund um Heinz-Christian Strache glauben, seelenruhig abwarten zu können, bis die nunmehr heimatlosen Haider-Wähler sich ihnen zuwenden werden. Dass diese Protestwähler dann doch eher wieder zur Volkspartei zurückkehren könnten, weil ihnen ein Radaubruder wie Strache zu ordinär erscheint, passt nicht in das blaue Denkschema – ist allerdings nicht ganz unwahrscheinlich.

Fast zwangsläufig werden sich daher Haiders Erben, die letzte Garnitur in der stets stark fluktuierenden Menge an Protegés und Ministranten, in ihre südliche Trutzregion zurückziehen und dort versuchen, das Gedächtnis an einen Kärntner Übervater möglichst lang am Leben zu erhalten. Da die nächsten Regionalwahlen nur wenige Monate entfernt sind, könnte es in der eher sentimentalen Gefühlsheimat des Unfallopfers sogar gelingen, mit dieser Form politischer Geisterbeschwörung einen Achtungserfolg zu erzielen. Dadurch würde eine makabre Losung aus Ständestaat-Tagen nach dem Dollfuß-Attentat wiederbelebt: "Voran – ein Toter führt uns an!" jr