Immer wieder sind die großen US-Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler totgesagt worden. Die Finanzkrise könnte es dieses Mal ernst werden lassen. Die Detroiter Big Three haben extreme Probleme, sich das notwendige Geld für ihr laufendes Geschäft zu beschaffen. Gleichzeitig haben potenzielle Käufer große Probleme, sich Geld für ein neues Modell zu leihen. Die Autoabsatzzahlen in den USA fallen wohl auf ein 15-Jahres-Tief. Bei GM ist der Umsatz um 18 Prozent seit Jahresbeginn eingebrochen. Vergangene Woche verlor die GM-Aktie zeitweise über 30 Prozent, der Marktwert fiel auf das Niveau von 1929.

Am Freitag musste Vorstandschef Rick Wagoner eine bevorstehende Insolvenz öffentlich dementieren. Aber erst als durchsickerte, er rede mit Chrysler über eine Fusion, erhielt der immer noch größte US-Autohersteller eine Atempause. Grundlage wäre wohl ein Tauschgeschäft. Die Beteiligungsgesellschaft Cerberus hält 51 Prozent an GMs Autofinanzierungsarm GMAC und 80,1 Prozent an Chrysler. Der Plan sieht vor, dass Cerberus die restlichen 49 Prozent an GMAC von GM übernimmt und im Gegenzug die Chrysler-Mehrheit an GM abgibt. Das erklärt, weshalb Cerberus kürzlich Daimler anbot, die restlichen 19,9 Prozent an Chrysler zu übernehmen. Doch Experten sind wenig begeistert. "Die Vorteile einer Fusion zwischen GM und Chrysler sind, auf den ersten Blick, sehr bescheiden. Beide haben bedeutende und sehr ähnliche Probleme", schreibt Aaron Bragman, Autoanalyst bei der Research-Firma Global Insight. Beide hätten zu viele Händler, beschädigte Marken, fallende Absatzzahlen, Überkapazitäten, Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung. Auch bei der Ratingagentur Standard & Poor’s bleibt der zuständige Analyst Robert Schulz skeptisch. Er geht zwar davon aus, dass GM noch genügend Bares bis Jahresende hat. Danach aber stehe der 100 Jahre alte Konzern vor einer "schwierigen Herausforderung". hb