Der große Umbruch Drei Krisen mit einer Klappe

Finanzen, Klima, Hunger – wenn man es nur richtig macht, dann wird die Dritte Welt von ihren Geißeln befreit

In Bhalaswa, einem Slum am Rande der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, bezogen 100 Familien Anfang Oktober neue solide Steinhäuser. Bei der feierlichen Einweihung dankten sie herzlich dem Co-Sponsor ihrer neuen Heime: Richard S. Fuld Jr., bis vor Kurzem Chef von Lehman Brothers. 50000 Dollar hatte die Investmentbank nach Indien gespendet. Am Tag der Schlüsselübergabe in Bhalaswa saß Fuld vor einem Kongressausschuss in Washington und musste aufgebrachten Abgeordneten erklären, wie er innerhalb von acht Jahren eine halbe Milliarde Dollar verdienen und dann die gesamte Bank in den Bankrott habe führen können. »Wenigstens das Wohnprojekt in Delhis Hinterhof hat Lehman noch hinbekommen«, schrieb die Tageszeitung Indian Express.

Nun muss man sich um Fulds materielle Zukunft offensichtlich keine Sorgen machen. Wirklich bedrohlich ist die Finanzkrise für die Menschen in den Entwicklungsländern, jenen Regionen also, die am stärksten von den anderen beiden großen Krisen betroffen sind: Erderwärmung und Hunger. Was also bedeutet der Einbruch auf den Finanzmärkten für die Bekämpfung der Armut und des Klimawandels?

Die Angst hat sich inzwischen von den Börsen auch auf Hilfs- und Umweltorganisationen ausgeweitet. Die Vereinten Nationen, das Internationale Rote Kreuz, Oxfam, Brot für die Welt – sie alle warnen vor einem drastischen Einbruch bei Spenden und Hilfsgeldern. Private Großspender wie Lehman Brothers, dasvergangenes Jahr noch 40 Millionen Dollar an soziale Projekte in aller Welt verteilte, sind inzwischen pleite. Regierungen kündigen, nachdem sie gigantische Rettungspakete für die Banken geschnürt haben, mehr Sparsamkeit bei der Entwicklungspolitik an. »Wer jetzt noch mehr Geld für Entwicklung verspricht«, erklärte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner bei der UN-Generalversammlung Ende September, »der lügt.«

Ähnliches fürchten Umweltexperten. Klimaschutz ist langfristig die lohnendste Investition überhaupt – kurzfristig aber ist er teuer.

Offen sagen würde es keiner, aber tatsächlich kommt manch einem die Finanzkrise durchaus gelegen; allen voran den europäischen Industrieverbänden. Die mobilisieren seit Wochen schon gegen die EU-Klimapolitik und den europaweiten Emissionshandel, den die EU-Kommission einführen will, um den CO₂-Ausstoß Europas zu verringern und so die Klimakatastrophe zu verhindern. In diesen Tagen sollen entsprechende Gesetzesvorschläge vom EU-Parlament und dem Rat verabschiedet werden.

Spätestens im Dezember, so der optimistische Plan, könnten die Europäer ein wirksames Konzept verabschieden und damit bei den UN-Klimaverhandlungen 2009 den Ton angeben und auch andere Länder zum Handeln drängen. Doch der Zeitplan ist knapp bemessen, und genau da setzt die Salamitaktik der Industrieverbände an. Sie hoffen darauf, die Entscheidungen vertagen zu können. Und dafür liefert ihnen die Aktualität zusätzliche Argumente. »Gerade vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise muss alles unterlassen werden, was Jobs gefährdet. Der Vorschlag der Kommission kostet Hunderttausende Arbeitsplätze«, wettern der Bundesverband der Deutschen Industrie und sein italienischer Partner Confindustria.

Zwar werden die Horrorzahlen nicht belegt. Doch wen kümmert das in derart unruhigen Zeiten? »Die Vorstellung, dass der europäische Emissionshandel verschoben werden könnte, ist gruselig«, warnt Klaus Milke von der Klimainitiative Germanwatch und plädiert: »Wir sollten viel mehr aus der Finanzkrise lernen, das nächste Risiko frühzeitiger zu beseitigen. Denn von allein verschwindet es ja nicht.«

700 Milliarden Dollar, das ist ein Viertel der Kosten des Irakkrieges

Reines Wunschdenken, möchte man meinen. Klima, Welternährung, Finanzmärkte – jede neue Krise, so scheint es, kegelt eine andere aus dem Sichtfeld von Regierungen und internationaler Öffentlichkeit.

Globale Existenzfragen in »wichtig« und »weniger wichtig« aufzuteilen, sagt Sunita Narain, werde aber dem Zusammenhang zwischen den Krisen nicht gerecht. Narain ist Direktorin des indischen Centre for Science and Environment. »Finanzdebakel, Preisexplosion bei Öl und Nahrungsmitteln, der Klimawandel haben den gleichen Kern: Das ganze Wirtschaftssystem gründet auf einem Überkonsum, den wir uns nicht mehr leisten können.« Der wichtigste und knappste Rohstoff ist in Narains Augen aber nicht das Geld, sondern Fantasie bei den politisch Verantwortlichen – also bei denen, sagt sie mit hörbarer Skepsis, »die uns das alles eingebrockt haben«.

Nun ist der Einwurf ja erlaubt, wie viel politischer und finanzieller Gestaltungsspielraum bleibt, wenn die USA 700 Milliarden Dollar, die Bundesregierung 500 Milliarden Euro für die Rettung des Finanzsektors bereitstellen müssen. Ein paar Vergleichswerte mögen helfen, die Summen einzuordnen: 700 Milliarden Dollar – das entspricht einem Viertel der Kosten des Irakkriegs. Mit 700 Milliarden Dollar könnte man die Millenniumsziele (dazu zählt die Halbierung der Armut bis 2015) der UN fünf Mal finanzieren. Mit 500 Milliarden Euro wiederum könnte man vier Jahrzehnte lang zehn Millionen Aids-Patienten mit Medikamenten versorgen. Will heißen: Es ist enorm viel Geld – aber nicht so viel, um die Vernachlässigung der wirklich existenziellen Krisen zu rechtfertigen und in politischem »Adhocismus« zu verharren. So nennt Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, die Beschränkung auf hektisch geschnürte Rettungspakete für den Finanzsektor.

Im Fall von Welternährung und Klimawandel ist das keine Option: Hier muss präventiv gedacht und gehandelt werden. Die Frage ist, ob der Schock der Finanzkrise tief genug sitzt.

Ein Anstoß immerhin kam von einem, von dem man es kaum erwartet hätte. Bei der Tagung der Weltbank rief deren Chef Robert Zoellick eine »Krise des Multilateralismus« aus und forderte dazu auf, Klimawandel, Welternährung, Finanzdebakel und die neuen geopolitischen Machtverhältnisse zusammenzudenken. Seine Lösungsvorschläge umfassten eine steering group, die mit China, Indien, Südafrika, Saudi-Arabien, Russland, Brasilien und den G-7-Staaten als Frühwarnsystem und Beratungsgremium der UN. Des weiteren schlägt Zoellick einen UN-Fonds zur Stabilisierung fragiler Staaten vor, um Kriege zu verhindern. Er will auch die ökologische Reform der Energie-Märkte vorantreiben.

Was Zoellick da bot, war zwar nicht neu – diese Ideen und Lösungsvorschläge werfen Experten seit Jahren immer wieder in die Debatte. Aber es war eine erste Skizze der neuen globalen Machtverhältnisse aus dem Munde eines Akteurs mit politischem Einfluss- und für einen ehemaligen neokonservativen Gefolgsmann von George W. Bush ein erstaunliches Bekenntnis zum globalen Regieren.

»Global Governance erschien vielen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft als ein idealistisches Projekt für Träumer«, sagt der Wissenschaftler Dirk Messner. »Aber es könnte jetzt weltweit ein stärkeres Interesse daran geben.« Und von wem soll die Initiative ausgehen?

Europa sei gefragt, sagt Messner. »Die EU müsste eine globale Konferenz einfordern und, falls dies im UN-Rahmen nicht durchsetzbar ist, selbst organisieren, bei der die Neuordnung des 21. Jahrhunderts diskutiert wird.« Und er fügt hinzu: »Eine wirkliche Neuordnung, die auch die veränderte Machtverteilung mit den Schwellenländern einbezieht.«

Alle Weltkrisen haben etwas hinterlassen, diese nicht

Die Krise nutzen? Der Kolumnist Thomas Friedman hat in der New York Times dieser Tage einen der wenigen klugen Vorschläge gemacht. Friedmann argumentiert: Andere große Wirtschaftkrisen hätten immer etwas real Wertvolles hinterlassen, Eisenbahnlinien oder Internetfirmen. Die Finanzkrise hinterlasse nichts. Also solle wenigstens aus dem Rettungspaket etwas Sinnvolles werden. Friedman fordert daher, die Hilfe für die Banken solle »ökologisiert« werden. »Green the bail-out«, nennt er das.

Was Friedman als »neuen großen amerikanischen Aufbruch« vorschlägt, will der Exekutivdirektor der UN-Umweltbehörde (UNEP), Achim Steiner, am 22. Oktober als globales Projekt bereits ins Leben rufen. UNEP plant schon seit einer Weile ein grünes Wirtschaftsprojekt namens Green Economy Initiative.

Im Angesicht des Desasters an den Finanzmärkten hat Steiner den Vorstoß nun schnell zum »Grünen New Deal« ausgebaut. Der neue Titel, der an Roosevelts staatliche Reformprojekte in der Großen Depression erinnert, ist mehr als PR: In London sollen die politischen Führer einschließlich des US-Präsidenten dazu gedrängt werden, »die größte Geldspritze in der Geschichte der Weltwirtschaft« mit einem doppelten Nutzen zu versehen und mit der Finanzkrise zugleich »die noch größere Katastrophe des Klimawandels zu verhindern«.

Die ursprüngliche UNEP-Initiative, finanziert mit Geldern aus Deutschland und Norwegen, zielt darauf, weltweit den immer noch vorherrschenden Kleinmut gegenüber einer ökologischen Modernisierung zu brechen. Deren Chancen will die UN-Behörde mit umfassenden Daten untermauern. Zum Beispiel damit, dass Arbeitsplätze entstehen werden, die gerade in der Rezession nach der Finanzkrise gebraucht werden, argumentiert Steiner.

Erneuerbare Energien könnten auch die arme Bevölkerung klimaverträglich versorgen und Entwicklungsländer vom teuren Öl befreien. Zudem werde das Wirtschaften sich nicht mehr wie bisher seiner eigenen Grundlagen berauben: So gingen Leistungen der Natur im Wert von 2,5 Billiarden Dollar jedes Jahr allein durch das Fällen der Wälder verloren, errechnete UNEP. Denn Bäume speichern Wasser, bringen Regen, säubern die Luft und verhindern die Erwärmung des Klimas. Zögerliche Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft wollen die UNEP-Fachleute außerdem mit ganz praktischen Umsetzungsideen für die ökologische Modernisierung versorgen.

Nun aber fordert Achim Steiner darüber hinaus, die Regierungen sollten bei ihren Rettungsaktionen für lädierte Banken die Milliardensummen gleich mit Auflagen verknüpfen und Anreize dafür setzen, dass ein Teil des Geldes in das grüne Umsteuern fließt. »Dann könnte es günstige Kredite für erneuerbare Energien und Effizienztechniken nicht mehr nur von der KfW, sondern auch von den Privatbanken geben.« Mit ähnlichen Konditionen könnte man auch den Problemen der Welternährung zu Leibe rücken.

Nicht zuletzt, sagt Steiner, gewänne die Politik mit solchen Interventionen auch wieder Legitimität. »Für die Bevölkerung ist es nur schwer nachvollziehbar«, sagt Steiner, »wenn Kapital nur dazu benutzt wird, privaten Spekulanten und Banken aus der Krise zu helfen – ohne dass wir dabei einen weiter reichenden gesellschaftlichen Nutzen schaffen.«

Und was sagen die dazu, die als Erste vor der großen Finanzkrise gewarnt haben? Der Globalisierungskritiker Sven Giegold, Finanzexperte von Attac, ist zwar skeptisch, ob sich die Manager auf derartige Bedingungen einlassen werden; er plädiert neben der Zähmung durch globale Regeln dafür, die bald notwendigen Konjunkturprogramme zugleich als »soziale und ökologische Erneuerungsprogramme zu gestalten«.

Dennoch zeigt sich in der UNEP-Initiative genau das big thinking, das die Lösungen aller globalen Krisen miteinander verbindet. Und das müsse sehr schnell geschehen, glaubt auch Steiner: »Die Diskussionen der nächsten Wochen werden entscheidend sein.«

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich, liebe Frau Christiane Grefe, melden Sie sich nach Ihrem fantastischen Buch "Der globale Countdown" ( zusammen mit Harald Schumann ) in der ZEIT zurück!

    Ich zitiere aus dem jetzt vorliegenden Beitrag:

    "Ein Anstoß immerhin kam von einem, von dem man es kaum erwartet hätte. Bei der Tagung der Weltbank rief deren Chef Robert Zoellick eine »Krise des Multilateralismus« aus und forderte dazu auf, Klimawandel, Welternährung, Finanzdebakel und die neuen geopolitischen Machtverhältnisse zusammenzudenken. Seine Lösungsvorschläge umfassten eine steering group, die mit China, Indien, Südafrika, Saudi-Arabien, Russland, Brasilien und den G-7-Staaten als Frühwarnsystem und Beratungsgremium der UN. Des weiteren schlägt Zoellick einen UN-Fonds zur Stabilisierung fragiler Staaten vor, um Kriege zu verhindern. Er will auch die ökologische Reform der Energie-Märkte vorantreiben."

    zu dem von Weltbank-Chef Zoellick vorgeschlagenen UN-Fonds weise ich auf

    "Albert Einsteins Brief aus dem Jenseits an die Reichsten auf unserem Planeten"

    hin. Die 10 Millionen Reichsten verfügen über ein Gesamtvermögen von 40 000 Milliarden Dollar (Ich bitte die ZEIT - Redaktion, dies zu überprüfen und zu bestätigen).

    Natürlich müsste der UN-Weltrettungsfond sorgfältigst von vertrauenswüdigen ( !!!) Institutionen kontrolliert werden, damit es wirklich um Lösung der gigantischen Weltprobleme geht und nicht die nächste Gierwelle und Abzockereiwelle gestartet wird:

    http://www.sonnenseite.co...

    Bereits früher habe ich in einem ZEIT-Kommentar empfohlen, dass die ZEIT das gesamte Buch "der globale Countdown" abdrucken möge: Dies würde vielen die Augen öffnen, wie mir: Herzlichen Dank !

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    • ttob
    • 19.10.2008 um 13:21 Uhr

    "Natürlich müsste der UN-Weltrettungsfond sorgfältigst von vertrauenswüdigen ( !!!) Institutionen kontrolliert werden, damit es wirklich um Lösung der gigantischen Weltprobleme geht und nicht die nächste Gierwelle und Abzockereiwelle gestartet wird"

    Und was wären das für Institutionen? Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo sie Bilionen von Euros und Dollars kontrollieren, wären die Mitarbeiter mit einem Fingerschnipsen korrumpierbar oder Schwupp-di-Wupp durch Handlanger ersetzt. Wirkliche Kontrolle, das sollte eine Erkenntnis des letzten Jahrhunderts sein, kann nur demokratisch erfolgen und zwar basisdemokratisch, denn auch Vertreter sind korrumpierbar. Weltweite Volksentscheide sind aber nicht nur aus ethnischen, sprachlichen und bildungstechnischen Gründen ein Problem, sondern auch logistisch und kostenmässig.

    • ttob
    • 19.10.2008 um 13:21 Uhr

    "Natürlich müsste der UN-Weltrettungsfond sorgfältigst von vertrauenswüdigen ( !!!) Institutionen kontrolliert werden, damit es wirklich um Lösung der gigantischen Weltprobleme geht und nicht die nächste Gierwelle und Abzockereiwelle gestartet wird"

    Und was wären das für Institutionen? Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo sie Bilionen von Euros und Dollars kontrollieren, wären die Mitarbeiter mit einem Fingerschnipsen korrumpierbar oder Schwupp-di-Wupp durch Handlanger ersetzt. Wirkliche Kontrolle, das sollte eine Erkenntnis des letzten Jahrhunderts sein, kann nur demokratisch erfolgen und zwar basisdemokratisch, denn auch Vertreter sind korrumpierbar. Weltweite Volksentscheide sind aber nicht nur aus ethnischen, sprachlichen und bildungstechnischen Gründen ein Problem, sondern auch logistisch und kostenmässig.

  2. Im soeben erschienenen Buch "Zur Verantwortung der Wissenschaft - Carl Friedrich von Weizsäcker zu Ehren" schreibt der ehemals ranghöchste Klimaforscher der Welt, Prof. Hartmut Graßl (Max Planck Institut) im Einklang mit den ausgezeichneten Vorschlägen von UNEP-Direktor AchimSteiner zum New Green Deal:

    " 2. Befund:Nie zuvor war das Leben so vieler Menschen, ja der gesamten Menschheit, so bedroht" (S.107)

    und unter der Überschrift

    "Welche Architektur von Institutionen ist notwendig, um eine nachhaltige Entwicklung noch zu erreichen ? (S. 114)

    schlägt er vor:

    - "dann sollte ein Rat ähnlich dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sich nicht nur dieser Gefahren annehmen, sondern sie entschärfen."
    Diesen "neuen UN-Rar nennt er "Umweltrat"

    - "Manche Nationen geben hohe, die Mittel für zivile öffentliche Forschung übersteigende Beträge für die Militärforschung aus. Würden sie nur kleine Anteile davon für die Friedensforschung ausgeben, gäbe es nicht nur weit bessere Konfliktlösungsstrategien, sondern auch damit gelöste Konflikte.Ähnliches gilt für die Erforschung der Wirkungen von Klimaänderungen und der Verlustes an biologischer Vielfalt" (S. 115)

    und seine "Schlussbetrachtung" lautet (S. 117):

    Die Göttinger 18 haben aus Verantwortung gehandelt. ....

    Der Frieden ist heute jedoch genauso durch unseren Lebensstil gefährdet, weil wir durch Plübderung unseres Planeten die Lebensgrundlagen vor allem der weniger entwickelten Regionen schmälern. "

    Sein Credo lautet:

    "Ohne Weltinnenpolitik ist der anthropogene Klimawandel nicht zu dämpfen. Er wird für andere Felder zum Wegbereiter werden."

    Offensichtlich verfolgt UNEP-Direktor Achim Steiner mit dem Vorschlag zu einem "New Green Deal" für eine "Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert" ähnliche "Weltrettungs-Ideen".

  3. Die in den Regierungen der Staaten sitzenden Lakaien des Großkapitals wenden alle verfügbaren staatlichen und somit gesellschaftlichen Reserven auf, um den in eine Existenzkrise hineingeratenen Kapitalismus noch einmal über die Runden zu retten. Durch diesen gigantischen Finanzierungsaufwand werden gleichzeitig der Gesellschaft die Mittel entzogen, um gegen die wachsenden Probleme im In- und Ausland etwas unternehmen zu können. Somit verschärfen die momentanen "Rettungsaktionen" die allgemeine Krise des Kapitalismus nur noch mehr - und damit auch die Gefahr eines Abgleitens in Katastrophen für die Weltgesellschaft und die Lebenshülle unseres kleinen Planeten Erde.

    Offensichtlich kann diesem Lakaientum der Regierungen nur die aus einem Überlebungswillen gespeiste Kraft der Volksmassen Einhalt geboten werden!

  4. Wie schön: Jetzt sind wir wieder eine einzige große Menschheit, ein globales Dorf.

    Und das grade mal fünf Jahre nachdem man uns erzählt hat, die UNO sei ja längst obsolet und müsse abgeschafft werden, weil für den größten Netto-(Nicht)-Zahler, die USA, das "Kosten-Nutzen-Verhältnis" nicht mehr stimmte.

    Da kann man sich ja gleich vorstellen, wieviel Vertrauen "die dort unten" neuen Vorschlägen aus Washington entgegenbringen werden.

    Und überhaupt würden all diese Vorschläge am Ende darauf hinauslaufen, daß man mit Ländern, Kulturen und Regierungen zusammenarbeiten muß, die weder christlich noch abendländisch noch demokratisch-marktwirtschaftlich-rechtsstaatlich verfaßt sind.

    Wollen, dürfen, können wir das überhaupt? Wäre das nicht eine gefärliche, relativistische Haltung, ganz nach dem Geschmack von uns prinzipienlosen Europäer?
    Anders gefragt: Müssen wir nicht erst den "Kampf der Kulturen" fertiggewinnen, müssen wir nicht erst dem Westen die ihm gebührende militärisch-poltische Vorherrschaft erkämpfen, bevor wir uns um den Planeten als ganzen kümmern können?

    Herr Joffe, übernehmen Sie!

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    An berechtigten Zynismen hat es in den letzten Wochen nicht gefehlt !
    Wir sollten jetzt mit konstruktiven Beiträgen den Problemlösungsdruck erhöhen !

    An berechtigten Zynismen hat es in den letzten Wochen nicht gefehlt !
    Wir sollten jetzt mit konstruktiven Beiträgen den Problemlösungsdruck erhöhen !

    • gorgo
    • 19.10.2008 um 13:02 Uhr

    Vermutlich müssen wir uns langsam mal abgewöhnen in nur zwei Kategorien zu denken: Sowjet-Sozialismus und "Kapitatalismus" der aktuellen Sorte sind eben nicht die einzigen Möglichkeiten der Lebensweise, wir müssen keineswegs immer alles mitnehmen, was uns unter dem letzteren Etikett angeboten wird. Es gibt sehr große Spielräume, wenn man es schafft, einigermaßen international zu handeln.
    Wir brauchen vielmehr Information/Diskussion um diese Möglichkeiten - und die Bereitschaft von allen, an Lösungen mitzuwirken.
    Ich fürchte, der Leidensdruck ist hierzulande nicht groß genug. Natürlich: die nächste Finanzkrise kommt bestimmt, wenn jetzt nicht sehr Wesentliches geändert wird. Wenn wir aber warten, bis der Klimawandel soweit ist, dass er sich auch hierzulande durch Katastrophen bemerkbar macht, dann ist es dummerweise zu spät.

    • ttob
    • 19.10.2008 um 13:09 Uhr

    ... der (Alp-)Traum von einer globalen Weltregierung:

    "»Global Governance erschien vielen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft als ein idealistisches Projekt für Träumer«, sagt der Wissenschaftler Dirk Messner. »Aber es könnte jetzt weltweit ein stärkeres Interesse daran geben.« Und von wem soll die Initiative ausgehen?"

    Wie demokratisch das dann noch sein soll, muss mir bei Gelegenheit mal jemand erklären. Schon die EU ist doch der Horror, wenn ich in andere Mega-Staaten schaue, von Amerika, über Indien, China, Russland, alles riesige Staaten und alle haben sie eher mehr soziale und demokratische Defizite als die kleinen Länder.

    Abgesehen davon, dass sowas auf freiwilliger Basis nicht kommen wird, da die Interessen der einzelnen Regionen und Ethnien einfach zu unterschiedlich sind, würde es auch keine Verbesserung bringen. Denn was der Artikel verschweigt: es gibt keine "Krise des Multilaterismus", sondern eine Krise des wachstumsgetriebenen Kapitalismus. Er ist nicht nur für den Treibhauseffekt verantwortlich, sondern oft auch für den Hunger in vielen dritte Weltländern, für die Finanzkrise, für die wachsenden Unterschiede zwischen arm und reich. Eine globale Regierung könnte unter Umständen Abhilfe schaffen wenn sie alternative Konzepte hätte, da sie aber wahrscheinlich genauso korrupt, marktfreundlich und naiv wäre wie alle westlichen Regierungen derzeit und dafür noch viel weiter vom Bürgerwillen entfernt, würde sie wahrscheinlich eher alles verschlimmern.

    Fangen wir also zur Abwechslung mal LOKAL, bzw. auf nationaler Ebene an und arbeiten uns aus dem Schweinesystem heraus. Dann können wir im Optimalfall wenigstens als Vorbild dienen. Erfolgsversprechende internationale Bemühungen kann man ja trotzdem weiter verfolgen, sich aber von ihnen große Besserungen zu erhoffen ist weltfremd. Zumindest wenn ich die letzten 50 Jahre extrapoliere. Keine internationale Organisation hat es geschafft, die Welt nennenswert umzukrempeln und die absehbare Todesfahrt zu stoppen.

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    Damit ist das Wichtigste gut gesagt.

    "Global Governance" hat mit "Weltregierung" - hinter der leicht eine Diktatur gewittert werden kann - ob "Ökodiktatur", "Weltfinanzdiktatur" usw. :
    Diese Sorgen kann ich bestens nachvollziehen !

    Es geht um eine internationale und interkulturelle Abstimmung auf Weltebene !
    Das es noch nie funktioniert hat, ist evident !

    Aber der globale Countdown und auch Prof. Graßl (s.o.) geben uns noch ca. 10-15 Jahre Zeit zum globalen Umsteuern !

    Eine irreversible EIgendynamik könnte dann sehr viele Lebewesen auf unserem Heimatplaneten die Lebensenergie abdrehen.

    • keox
    • 19.10.2008 um 15:09 Uhr

    Wir müssen nicht alle Fehler immer wiederholen.

    Damit ist das Wichtigste gut gesagt.

    "Global Governance" hat mit "Weltregierung" - hinter der leicht eine Diktatur gewittert werden kann - ob "Ökodiktatur", "Weltfinanzdiktatur" usw. :
    Diese Sorgen kann ich bestens nachvollziehen !

    Es geht um eine internationale und interkulturelle Abstimmung auf Weltebene !
    Das es noch nie funktioniert hat, ist evident !

    Aber der globale Countdown und auch Prof. Graßl (s.o.) geben uns noch ca. 10-15 Jahre Zeit zum globalen Umsteuern !

    Eine irreversible EIgendynamik könnte dann sehr viele Lebewesen auf unserem Heimatplaneten die Lebensenergie abdrehen.

    • keox
    • 19.10.2008 um 15:09 Uhr

    Wir müssen nicht alle Fehler immer wiederholen.

    • ttob
    • 19.10.2008 um 13:21 Uhr
    7. *lol*

    "Natürlich müsste der UN-Weltrettungsfond sorgfältigst von vertrauenswüdigen ( !!!) Institutionen kontrolliert werden, damit es wirklich um Lösung der gigantischen Weltprobleme geht und nicht die nächste Gierwelle und Abzockereiwelle gestartet wird"

    Und was wären das für Institutionen? Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo sie Bilionen von Euros und Dollars kontrollieren, wären die Mitarbeiter mit einem Fingerschnipsen korrumpierbar oder Schwupp-di-Wupp durch Handlanger ersetzt. Wirkliche Kontrolle, das sollte eine Erkenntnis des letzten Jahrhunderts sein, kann nur demokratisch erfolgen und zwar basisdemokratisch, denn auch Vertreter sind korrumpierbar. Weltweite Volksentscheide sind aber nicht nur aus ethnischen, sprachlichen und bildungstechnischen Gründen ein Problem, sondern auch logistisch und kostenmässig.

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    Natürlich sind Ihre Bedenken völlig berechtigt! Bedenken Sie bitte aber auch, dass die die Kassierer von Banken und Sparkassen auch nicht ständig Millionen auf ihre Konten abzweigen! Dass in viel höheren Ebenen Abzockerei üblich war (und ist) müssen wir ja nicht wiederholen.

    Übrigens: der Gründer des ALternativen Nobelpreises: Jakob von Uexkuell hat nun einen Weltzukunftsrat gegründet, dem unter anderem der Physiker und Kernenergiegegner, Prof. Hans-Peter Dürr, Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Werner Heisenberg, angehört. Ihm würde ich blind als Kontrolleur vertrauen!

    Schaun Sie mal, ob Sie vielleicht auch einige "vertrauenswürdige Gestalten" dort finnden:

    www.worldfuturecouncil. org

    Basisdemokratisch: Ja gerne ! Legen Sie los !
    Wir haben insgesamt noch ca. 10 - 15 Jahre Zeit und müssen "nur" auf der Weltebene wirksam werden, um dort die angeführten Weltprobleme zu lösen !:

    Die Global MArshall Plan Initiative für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft ist schon seit 2003 unterwegs, also: 5 Jahre sind schon rum. Fragen sie einmal nach, wie weit sie schon gekommen sind:

    www.globalmarshallplan.org

    Sie können auch bei greenpeace usw fragen, die sind schon einige Jahrzehnte länger unterwegs.

    Natürlich sind Ihre Bedenken völlig berechtigt! Bedenken Sie bitte aber auch, dass die die Kassierer von Banken und Sparkassen auch nicht ständig Millionen auf ihre Konten abzweigen! Dass in viel höheren Ebenen Abzockerei üblich war (und ist) müssen wir ja nicht wiederholen.

    Übrigens: der Gründer des ALternativen Nobelpreises: Jakob von Uexkuell hat nun einen Weltzukunftsrat gegründet, dem unter anderem der Physiker und Kernenergiegegner, Prof. Hans-Peter Dürr, Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Werner Heisenberg, angehört. Ihm würde ich blind als Kontrolleur vertrauen!

    Schaun Sie mal, ob Sie vielleicht auch einige "vertrauenswürdige Gestalten" dort finnden:

    www.worldfuturecouncil. org

    Basisdemokratisch: Ja gerne ! Legen Sie los !
    Wir haben insgesamt noch ca. 10 - 15 Jahre Zeit und müssen "nur" auf der Weltebene wirksam werden, um dort die angeführten Weltprobleme zu lösen !:

    Die Global MArshall Plan Initiative für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft ist schon seit 2003 unterwegs, also: 5 Jahre sind schon rum. Fragen sie einmal nach, wie weit sie schon gekommen sind:

    www.globalmarshallplan.org

    Sie können auch bei greenpeace usw fragen, die sind schon einige Jahrzehnte länger unterwegs.

  5. Damit ist das Wichtigste gut gesagt.

    Antwort auf "Auch hier wieder..."

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