"Die Fotos sind zu dunkel. Viel zu dunkel. Seltsam"

Nur yogisches Fliegen ist schöner: In Düsseldorf werden Fotos von David Lynch ausgestellt

Manchmal scheint es, als ginge ein Riss mitten durch die Figuren des Regisseurs David Lynch. Wie von dunklen Mächten gesteuert wirken sie, führen Doppelleben, verwandeln sich mitten im Film in andere, und am Ende zweifelt man oft, ob vielleicht alles nur Einbildung war. Einige seiner Werke – Blue Velvet, Wild At Heart, Lost Highway oder die TV-Serie Twin Peaks – schimmern einsam und irreal als Edelsteine in der Filmgeschichte. Da sie sich nie eindeutig entschlüsseln ließen, stellten sie auch eine Art soziales Kunstwerk dar: die ewige Lynch-Diskussion. Das alles war unterhaltsam, solange Lynchs Filme einen erkennbaren Plot hatten.

Seit einiger Zeit aber ist die Frage, ob nicht auch ein Riss durch das Leben des David Lynch geht. Nicht genug damit, dass seine stundenlangen Bildmoränen mittlerweile auch den härtesten Nerd ratlos im Kinosessel zurücklassen. Eine fremde Macht scheint ihm auch eine beängstigende Selbstdemontage zu befehlen. Die fremde Macht hat einen Namen. Es ist der Bewusstseinskonzern des kürzlich verstorbenen Gurus Maharishi Mahesh Yogi, für den Lynch als Werbefigur auftritt. Jeder, der Lynch in den letzten Jahren persönlich begegnete, erzählte entgeistert davon, wie der Regisseur, unter Aufsicht von Herren in cremefarbenen Anzügen, für die sogenannte Transzendentale Meditation warb, durch die man angeblich fliegen und den Weltfrieden herbeimeditieren könne. Techniken, die in kostspieligen Seminaren gelehrt werden.

Lynch hat Ende vorigen Jahres ein Grundstück auf dem Berliner Teufelsberg erworben, um dort eine "Superuniversität" zu errichten. Die Baugenehmigung steht noch aus. Derweil verkauft der Regisseur über seine Internetseite Kaffee. Dass die Sendeleistung seiner Meditationen immerhin von der Sektenzentrale im niederländischen Vlodrop bis ins Rheinland reicht, zeigt die Ausstellung in der Düsseldorfer Galerie "Epson Kunstbetrieb" des gleichnamigen Druckerherstellers. Dort werden Lynchs düster-diffuse Kompositionen in Auflagen von je sechs Exemplaren für 5000 bis 12000 Euro angeboten. Sie loten, so der Katalog, "Grenzbereiche des Mediums Fotografie aus".

Mögen ihre Bewegungsunschärfen und Überbelichtungen auch flüchtig und beliebig wirken, ähnlich den dunklen Ahnungen in manchen seiner Filme; der Druckerhersteller verspricht, dass immerhin die Tinte hält, mit der die Fotos gedruckt werden: mindestens 100 Jahre.Ralph Geisenhanslüke

David Lynch, geboren 1946 in Missoula/Montana, USA, ist Filmregisseur