Es wird das alte Spiel des Kapitalismus gespielt, jetzt als Blasenkapitalismus. Er ist ein Spielkasino, verkleidet als Börse. Die Spielregeln: Blase erzeugen, jeder will ja schnell reich werden. Gewinne im Aufschwung privatisieren. Die Verluste der platzenden Blase werden sozialisiert, "weil sonst ja das ganze ›System‹ in Gefahr gerät".

Wenn man ein Spiel spielt, sollte man nicht mittendrin die Regeln ändern. Wieso die Banken nicht Bankrott gehen lassen? Der Staat kann dann, und erst dann, die Reste übernehmen und es wieder richten. Das hat viele Vorteile, zum Beispiel muss man sich über die Abfindungen der Bankmanager keine Sorgen machen, und in den bankrotten Banken würde auch das Geld der Reichen verschwinden, die am meisten von der Blase profitiert haben. Das mögen die aber nicht. Ein paar Reförmchen tun da nicht weh, es bleiben sicher neue Schlupflöcher für neue "Gewinnspiele". Wirklich helfen würde nur eine Systemänderung, die zu denken man sich aber schon freiwillig verbietet.

Dieter-Josef Walter, Böblingen

Aller Kritik am Finanzkapitalismus wurde stets entgegengesetzt, dass alles den Gesetzen des Marktes überlassen bleiben müsse und ein Eingreifen des Staates, und somit Sozialismusvorstellungen, hier nur schaden könnten. Es ging nur noch um kurzfristige Gewinnmaximierung, auch wenn das (oftmals fiktive) Geld dafür mehrmals online um den Globus gejagt werden musste. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich wurde immer größer. Nun, wo es der Finanzwelt durch eigenes Verschulden schlecht geht und sie nach der Hilfe des Staates ruft, ist nicht einzusehen, warum der Staat, also der Steuerzahler, also der normale Bürger für die Gier und Fehler von Bankern bluten soll. Gescheiter wäre es da, die Banken gleich zu verstaatlichen, denn so ist gewährleistet, dass der Staat, und somit auch der Steuerzahler, in besseren Zeiten die Gewinne verbuchen kann. Auch sollte man die Manager für ihre Fehlentscheidungen haftbar machen. Es ist nämlich unanständig, in guten Zeiten Millionen zu kassieren und in schlechten Zeiten den Steuerzahler anzupumpen und beim eigenen Scheitern noch Millionen an Abfindung zu kassieren! Auf diese Weise könnte sich der Kapitalismus noch selbst umbringen.

Dirk Bekemeier, Bad Oeynhausen

Wir haben uns daran gewöhnt, dass in den Morgennachrichten nach einem Bericht über politische Maßnahmen die Frage kommt: "Und wie wirkt das auf die Börse?" Nicht allen Zuhörern wird dabei bewusst, wie sehr sich die Politik auf Kosten der Steuerzahler in den Dienst der Aktionäre stellt. Es wird als selbstverständlich hingenommen, dass Maßstab für Zweckmäßigkeit und Richtigkeit politischer Maßnahmen die Reaktion der Börsen sei. So ist das auch in der gegenwärtigen Krise. Nicht die Reaktion der Steuerzahler auf Maßnahmen der Politik mit ihrem Geld ist gefragt, sondern die Zufriedenheit derer, in deren Bereich die Krise gemacht wurde.

Weder Medien noch Volksvertreter kommen anscheinend auf die Idee, dass man das Geld für die Finanzierung der Krisenbewältigung auf den Finanzmärkten von deren Nutznießern auftreiben könnte. Dabei hatten sie uns eben noch gepredigt: "Weniger Staat, mehr privat!" Die Notwendigkeit einer Rettungsaktion für die amerikanische Finanzwirtschaft und die global vernetzten Finanzmärkte ist unbestritten. Dass jedoch für die Verluste nur die an den Gewinnen unbeteiligten Steuerzahler aufkommen sollen, ist nicht gottgewollt. Die Demokratie darf sich nicht in den Dienst der Börse stellen lassen.