Danke, danke, danke!!! Dieses Gerede von schlechten Kindern und bösen Monstern ist kaum noch zu ertragen. Und alle, die glauben, sie können es besser als wir, dürfen gern ein paar Tage bei uns vorbeikommen.

Susanne Waßmer, Hamburg

(verheiratet, 2 Kinder)

Gestern begann in meiner Klasse die Beratungslehrerin mit einer Unterrichtseinheit zum Thema "Mobbing". Während des Films, der den Kindern gezeigt wurde, brach eine Schülerin in Tränen aus. Sie war das jüngste Mobbingopfer in dieser Klasse – aber nicht das erste: Nach den Ferien hatte sich ein Junge geweigert, zur Schule zurückzukehren, weil er neuerliche Hetzjagden befürchten musste. Ein drittes Kind hatte Angst, den Bus zu besteigen, weil es dort im Gedränge immer wieder heimlichen Übergriffen ausgesetzt war. Wo befinden wir uns? In der Unterschicht? – Nein, im bilingualen Zweig der 6. Klasse eines Hamburger Gymnasiums. Warum verharmlost Herr Spiewak solche Vorkommnisse als übliche "Hänselei"?

Gernot Reifner, Reinbek

Ein Fünftel bis ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen gehört, wie Spiewak schreibt, zu einer Gruppe mit vielfältigen Risiken durch ungünstige soziale Umstände, Vernachlässigung, Gewalt, Fehlernährung, extremen Konsum elektronischer Medien. Das sind in jedem Geburtsjahrgang über 150000 und in der Gesamtbevölkerung unter 18 Jahren zwei Millionen Kinder und Jugendliche! Das soll kein Grund zur Aufregung sein? Da müssen doch bei allen die Alarmglocken schrillen.

Nach Martin Spiewak findet sich diese Risikogruppe "am unteren Rand der Gesellschaft, etwa bei den Kindern von Einwanderern und Arbeitslosen". Abgesehen davon, dass diese Aussage eine pauschale Diskriminierung bedeutet, ist sie in dieser Form auch falsch. Emotionale Vernachlässigung und Misshandlung, missbräuchlicher Medienkonsum, falsche Ernährung und andere schädliche Einwirkungen sind in allen Gesellschaftsschichten präsent, freilich in der sozialen Unterschicht statistisch stark gehäuft. Wenn es nicht auch in den so genannten bürgerlichen Kreisen eine beträchtliche Rate von Problemen bei den Kindern gäbe, wäre die große Nachfrage nach Elternratgebern kaum zu erklären. Ob solche Bücher die richtigen Fragen zu den Ursachen stellen und daraus die richtigen Antworten ableiten, steht freilich auf einem anderen Blatt.