Danke für die deutlichen Worte! Und für die Platzierung des Artikels im Wirtschaftsressort. Denn seit einiger Zeit hat die Ökonomie im Umgang mit unseren Kindern den Vorrang. In Bayern beschlossen die Bezirke 2006, die Förderung behinderter oder von Behinderung bedrohter Kinder in sogenannten Integrationsgruppen (5 Integrationskinder und 10 "Regelkinder") um die Hälfte zu kürzen. Weiters werden jetzt von allen Kindern mit Migrationshintergrund die Aufenthaltstitel verlangt. Kindern, die das Pech haben, dort nicht die richtigen Zahlen stehen zu haben, wird jede Förderung verwehrt. Sie erhalten nicht einmal einen Sprachkurs! Bitte, was ist das für eine Logik? Es drängen sich mir die alten Vokabeln von wertem und unwertem Leben auf. Wollen wir das wieder? Wo doch die Kinder zu Botschaftern für ein hoffnungsvolles Miteinander werden könnten?

Bettina Mayer, Kirchweidach

Als Mitarbeiter eines freien Trägers der Jugendhilfe sehe ich täglich, welche Auswirkungen die Ignoranz der Politik gegenüber den Schwächsten und Ärmsten in unserer Gesellschaft zeitigt. Sozialhilfe in dritter Generation zu beziehen ist in den Familien, mit denen wir im Auftrag des Staates arbeiten, Normalität. Daran ist der Staat nicht unschuldig: Durch ein extrem überkommenes Bildungssystem, unüberwindbare Verwaltungsgebirge und radikale Sparsamkeit bei Sozialausgaben auch im Bereich der Jugendhilfe entkommt das benachteiligte Kind dem Hamsterrad der Armut nur schwer.

Das Jammern der Industrie über Fachkräftemangel erscheint auf diesem Hintergrund zynisch. Vielleicht nutzt die Industrie ihre Lobbyisten zur Abwechslung mal an dieser Stelle und zeigt sich sozial verantwortlich.

Horst Baur, Neuss