Als der Internetkonzern Google vor zwei Jahren 1,65 Milliarden Dollar in eigenen Aktien zahlte, um das Videoportal YouTube zu übernehmen, fragten sich alle Beobachter Wie lange wird es wohl dauern, bis Onlinevideos zum Geschäft würden. Die Antwort lautet nun: zwei Jahre. In den USA werden in diesem Jahr mehr als 800 Millionen Dollar mit Videowerbung umgesetzt, sagt Jeremy Allaire. Er ist Gründer und Chef der erfolgreichen Firma Brightcove aus Massachusetts, mit deren Software und Computernetzwerk an die 60 Medienunternehmen in den USA ihre Onlinevideos verbreiten. Zu den Kunden von Brightcove gehören die etablierten Fernsehsender CBS, Fox und Discovery genauso wie der Medienkonzern Viacom. In Deutschland nutzt das Verlagshaus Gruner+Jahr die Dienste der Firma.

Durch seine Kunden hat Allaire einen guten Überblick über die sich entwickelnden Geschäftsmodelle. Zwei Dinge zeichneten sich dabei ab. "Bei kurzen Videos akzeptieren die Zuschauer einen Werbespot von 15 Sekunden Länge zu Beginn des Clips", sagt Allaire. Da auch zunehmend längere Videos populär werden, verbreite sich die altbekannte Werbeunterbrechung. Allerdings akzeptierten Internetnutzer bei einem 20-minütigen Video lediglich fünf Werbespots, also knapp eineinhalb Minuten. Im US-Fernsehen kommen bis zu acht Minuten Werbung auf die gleiche Programmmenge.

Was das für die künftige Finanzierung von Sendungen heißt, ist weiterhin unklar. Der Sender CBS, sagt Allaire, glaube immerhin, erste Anzeichen bemerkt zu haben, dass man im Internet mehr Werbegeld pro Zuschauer einnehmen könne als im traditionellen Fernsehen. Würde sich das erhärten, wären die TV-Sender besser dran als die meisten Verlage im Internet. goh

Es könnte der teuerste Streik in Boeings Geschichte werden. Seit fast sechs Wochen legen 27000 Techniker bereits die Produktion des amerikanischen Flugzeugbauers lahm. Der geschätzte Umsatzverlust bisher: rund vier Milliarden Dollar. In der Nacht zum Dienstag brachen die Gewerkschaft IAM und die Konzernführung ihre Verhandlungen erneut ab. "Schwer enttäuscht" darüber ist Boeings Verhandlungsführer Doug Kight, Vizechef der Personalabteilung.

Doch seine langfristige Strategie ist dem Konzern offenbar wichtiger als ein schneller Erfolg. "Wir können unsere ständige Verbesserung der Produktivität und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht einer Einigung opfern", sagte Kight. Die Gewerkschaft hingegen vermutet hinter Worten wie Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit die Auslagerung von 2000 Arbeitsplätzen an Zulieferer. In den Verhandlungen sei klar geworden, dass Boeing diese gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplätze langfristig ersetzen wolle, sagt Gewerkschaftschef Tom Wroblewski. Diese "systematischen Angriffe" will die IAM verhindern.

"Es ist schon verrückt", kommentiert der Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia die Taktik der Gewerkschaft. "Ganz Amerika redet von Zwangsversteigerungen von Eigenheimen und Arbeitslosigkeit, und in Boeings Fabriken soll die Finanzkrise ignoriert werden." Wroblewski begründet die Haltung der IAM mit zahlreichen Zugeständnissen der Vergangenheit an den Arbeitgeber: "Unsere Mitglieder haben sich ein Bein ausgerissen, damit dieses Unternehmen so erfolgreich wurde."

Mit ähnlichen Argumenten will auch die zweite große Gewerkschaft im Konzern, SPEEA, in den Verhandlungen von Ende Oktober an höhere Löhne für ihre über 20000 Mitglieder erzielen – und notfalls erstreiken.