Manfred Wittenstein?

Manfred Wittenstein wäre die Idealbesetzung für die Saga vom "dynamischen Unternehmer". Geschrieben hat sie in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts der österreichische Volkswirt und Sozialwissenschaftler Joseph A. Schumpeter, damals einer der renommiertesten Männer seines Fachs. Das Vokabular, das Schumpeter für sein theoretisches Werk nutzte, liest sich etwas vereinfacht wie ein Fundus für Wittensteins praktisches Tun. "Schöpferische Zerstörung", "Innovation", "technischer Fortschritt", "Wachstum".

In kurzen Strichen: Manfred Wittenstein entwickelte aus der relativ bescheidenen väterlichen Fabrik für Damenhandschuh-Nähmaschinen einen weltweit agierenden Konzern, der sich der mechatronischen (mechanisch-elektronischen) Antriebstechnik verschrieben hat. Aus fünfzig Mitarbeitern wurden 1200. Der Umsatz erreicht, nach regelmäßig zweistelligen Wachstumsschüben, fast 164 Millionen Euro.

Eine so schöne Erfolgsgeschichte ziert nicht nur das eigene Unternehmen. Sie kann auch für das Ansehen der ganzen Branche nutzbar gemacht werden. Und so ist er denn im Oktober vergangenen Jahres zum Präsidenten des Maschinenbau-Verbands VDMA gekürt worden. Zu einem der einflussreichsten Lobbyisten der deutschen Industrie.

Er spielt Querflöte und liest seiner Frau abends Märchen vor

Seine Umgebung, seine Sprache, seine Selbstdarstellung lassen von alledem wenig ahnen. Er sitzt da in einem entschieden nüchternen Konferenzraum in der Firmenzentrale im baden-württembergischen Igersheim-Harthausen. Und umbaut sich sofort mit einer unsichtbaren Mauer. Meidet beinahe jeden Augenkontakt. Sucht und hält Distanz. Erst als er diese Position gesichert hat, ist er bereit, ein wenig von sich preiszugeben. Die FAZ hat ihn als "ruhig, aber schneidig, gewitzt und nicht ohne Humor" beschrieben. Das will er nicht kommentieren. "Optimistisch und gern lebendig" sei er, sagt er von sich, jedoch auch "ungeduldig, wenn man seine Ziele nicht erreicht".

Freundlich ist das alles, wenn auch nicht sehr erhellend. Interessanter sind da so disparate Sätze wie: In der Bundeswehr "habe ich keinen Sinn für mich gesehen – vielleicht wäre das heute anders". Oder: "Zum Einschlafen lese ich meiner Frau Märchen vor." Auch lese er viel Belletristik, um seinen Ausdruck zu schulen. Oder spiele Querflöte – aus "Neigung zu den schöneren Dingen im Sinne von Seelenvollerem". Schließlich gehe es ja auch in der Musik "um Rhythmen und Harmonien". Das "auch" meint: So wie in seinem Unternehmen, der Wittenstein AG.