Wertewandel

Von wegen Gerechtigkeit!

Die Finanzkrise erschüttert den Glauben an den Markt. Aber es ist nicht das Soziale, das jetzt triumphiert. Es ist die Sicherheit

Kommt jetzt die Gerechtigkeit zurück, die Umverteilung, die Gleichheit, die Linke? Die Finanzkrise scheint eine ganze Weltanschauung und Lebensform zu verschlingen, den radikalliberalen Glauben an Geld und Freiheit, der seit Margaret Thatcher und Ronald Reagan die herrschende Philosophie im Westen und seit 1989 rund um den Globus war. Ungleichheit sollte der Preis des Wachstums sein, wenn nicht seine Triebfeder – bis hin zu den astronomischen Einkünften der Investmentbanker, die nun wie der Gipfel an Frivolität wirken. Der Schluss liegt nahe, dass die Gesellschaft nach dem Crash weniger soziales Gefälle dulden wird, dass sie die Massenwohlfahrt fördern und die Elite kürzerhalten dürfte. Ralf Dahrendorf hatte Anfang der 1980er Jahre das Ende des sozialdemokratischen Zeitalters verkündet. Fängt jetzt ein neues an? SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier jedenfalls redet schon so.

Es ist aber gar nicht gewiss, dass die Alternative zum Freiheitsglauben wirklich eine Renaissance der Gerechtigkeit sein wird. Das Soziale ist nicht der einzige Gegenpol zum Liberalismus, es gibt noch einen anderen: das Streben nach Sicherheit, das Verlangen nach Schutz. Nicht nach einem Staat, der den Wohlstand gleichmäßiger verteilt, sondern der ihn verteidigt, gegen Chaos und Risiko (und gegen Feinde), der den Kapitalismus weniger korrigiert als kontrolliert. Das ist, könnte man sagen, die rechte Spielart der Freiheitskritik, während die Gleichheitssehnsucht die linke ist. Wahrscheinlich wird die Krise eher diesen Hunger nach Ruhe, Ordnung und Stabilität verstärken als eine neue Sensibilität für die Zukurzgekommenen der Marktwirtschaft wecken. Es ist eine Illusion, sich den Bankenkrach als moralisch reinigendes Gewitter vorzustellen, als Abrechnung mit dem Egoismus und Chance für mehr Solidarität. Die Welt wird nicht wärmer, ihre Türen und Fenster sollen bloß fester schließen.

Das heißt nicht, dass der gegenwärtige Linksruck eine Einbildung wäre. Es gibt ihn, und nicht nur in der Empörung über die Managerabfindungen oder in den vorhersehbaren Triumphgefühlen der Linkspartei. Man kann es selbst in jenem Land erkennen, das die Philosophie des »Bereichert euch!« am weitesten getrieben hatte: Wenn in den Vereinigten Staaten die Stimmung gegen den entfesselten Kapitalismus kippt, dann ist das wirklich ein Gezeitenwechsel. Es ist, als hätten die Zaubersprüche des Marktglaubens auf einmal ihre Kraft verloren. Wenn Barack Obama für die Superreichen die Steuern erhöhen will, schimpfen die Republikaner das wie eh und je Neid und Klassenkampf. Aber zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert dringen sie damit nicht mehr durch; es ist, als höre das Land einfach nicht länger zu. Das gesamte politökonomische Gedankengebäude, demzufolge der Überfluss oben mit der Zeit nach unten durchsickern werde und die Armen an ihrem Schicksal im Wesentlichen selbst schuld seien, ist fundamental erschüttert – und das in den Vereinigten Staaten, dem Land ohne Sozialismus. In Europa darf man sich damit erst recht nicht mehr blicken lassen.

George W. Bush, der Stärke versprach, ist zum Inbegriff des Chaos geworden

Doch die tiefere und stärkere Strömung, die eigentliche Grundtendenz des historischen Augenblicks, geht nicht zur Gerechtigkeit hin, sondern in Richtung Sicherheit. Nicht, dass er ein Präsident der Reichen war und die Spaltung des Landes vertieft hat, spricht George W. Bush innen- und wirtschaftspolitisch das Urteil, sondern der Kontrollverlust, der sich in der Finanzkrise ausdrückt. Der Präsident, der nach dem 11.September2001 Schutz und Gewissheit versprach, ist auf doppelte Weise zum Inbegriff der Unsicherheit geworden, durch die unabsehbaren Kriege im Irak und gegen den Terror und durch den Schock im Bankensystem, dem Stromkreislauf des globalen ökonomischen Apparats. Die Gefahren der Welt und die Risiken des Marktes haben sich übereinandergeschoben. Es ist die Fluchtneigung aus diesem albtraumhaften Bedrohungsszenario, die in den Vereinigten Staaten und weit darüber hinaus in der Welt das politische Bewusstsein bestimmt. Der Boden schwankt, und was würde man nicht dafür geben, wieder fest zu stehen.

Dies ist die Stunde der Erwachsenen, der Suche nach Autorität. In Deutschland daher die Stunde der Großen Koalition, des Notbündnisses der beiden Staatsparteien und ihrer Führungsfiguren, die sich im Sturm den Hut ins Gesicht ziehen. Der Stil, die Geste sind wichtiger als die politischen Lager- und Richtungsfragen. Der Zug zur Ernsthaftigkeit ist der Grund dafür, dass die Linkspartei und überhaupt eine aggressive, sozialistisch inspirierte Linke aus der Krise kaum Profit schlagen werden. Man will das No-Nonsense-Paar Merkel und Steinbrück agieren sehen, nicht die Spieler Gysi und Lafontaine. Bloße Kapitalismuskritik macht jetzt nicht satt. Auch Barack Obama wird den Wahlsieg nicht durch das Aufbrechen der sozialen Probleme allein schaffen. Entscheidend ist, dass er beherrscht und souverän wirkt, als Herr der Lage, im Unterschied zum fahrigen, irrlichternden John McCain. Überall richten sich die Blicke auf die starken Figuren; selbst der unbeliebte Gordon Brown ist aus den Trümmern seiner schon abgeschriebenen Premierministerschaft noch einmal als unentbehrlich auferstanden.

Es ist eben gerade kein revolutionärer Moment, nicht die Zeit, da die »Systemfrage« zugunsten der Unterprivilegierten gestellt wird. Viel mehr als um Weltverbesserung geht es um Wohlstandssicherung, um eine Verteidigungsstrategie der Besitzenden (die wir fast alle sind). Die jetzige Katastrophenkette hat ihren Ursprung im Herzen der reichen Welt, an der Wall Street, und es liegt im primären Interesse dieser reichen Welt, die Verhältnisse wieder in den Griff zu bekommen. Das ist der Unterschied zu den Finanzkrisen vor einem Jahrzehnt in Asien oder Lateinamerika – sie trafen Schwellen- und Entwicklungsländer, sie stellten daher die Frage nach den Ungerechtigkeiten des Weltwirtschaftssystems und einer westlich dominierten Globalisierung. Das war im Kern ein linkes Thema, ein Thema für Attac.

Diesmal ist es dagegen der Westen selbst, der sich seiner Haut wehren muss. Die Weiterungen für den Rest der Welt sind für das Publikum allenfalls ein Nebengedanke. Ob das Geld im modernen, globalen Kapitalismus an die richtigen Adressaten gelangt, wird zur nachgeordneten Sorge in einem Augenblick, da es einfach zu verschwinden droht.

»Sicherheit« ist ein unterschätztes Bedürfnis und Prinzip. Ihm fehlt das Herzerhebende und Idealistische; anders als für Freiheit oder Gerechtigkeit werden der Sicherheit keine Hymnen gesungen und für sie keine Fahnen geschwenkt. Der Mensch auf der Suche nach Schutz, für sein Sparkonto oder vor dem Raubüberfall in der nächtlichen Fußgängerzone: Ist das nicht der Spießer? Aber die Faszination der Sicherheit hat in den letzten Jahren im Westen dramatisch zugenommen. Wenn China oder Russland oder Singapur auf einmal wie zukunftsfähige Alternativen zur liberalen Demokratie aussehen, dann hat das nichts mit Gerechtigkeit oder Gleichheit zu tun: Die sozialen Gegensätze, das Auseinanderklaffen von Arm und Reich, sind im autoritären Kapitalismus eher schärfer und provozierender als im Westen. Gewerkschaftsarbeit in einem chinesischen Betrieb wird stärker behindert als in der wüstesten amerikanischen Lohndrücker-Marktwirtschaft. Nicht Ausgleich und Umverteilung, nicht gerechte Teilhabe am Wohlstand versprechen die neuen, modernen Autokraten, sondern Stabilität, einen Staat, der sich noch zu regieren traut, der nicht von Wahlergebnissen und Konjunkturdaten hin- und hergeworfen wird. Die westlichen Gesellschaften, bunt und scheinbar schwach, sind dagegen vom Zweifel an der eigenen Identität und historischen Wetterfestigkeit angefressen.

So betrachtet, ist es weniger der politische Linksruck, der für die Renaissance des Staates in der Finanzkrise den ideologischen Rahmen oder Hintergrund bildet. Das Modell liefert eher der kulturelle Konservativismus, die fast nostalgische Sehnsucht nach Bindung, Werten und (restaurierten) Traditionen in einer Purzelbaum schlagenden Hypermoderne. Wir leben in einer Zeit, die eine »neue Bürgerlichkeit« erfunden hat, den »Feuilleton-Katholizismus« mit seiner Begeisterung für die Institution des Papsttums, die Wiederkehr der Verlobung und eine neue Blüte der gegenständlichen Malerei. Konfessionelle Schulen können sich vor Anmeldungen kaum retten, Studenten und Leser zeigen ein tiefes, Hilfe suchendes Verlangen nach Kanonlisten der Klassiker und Bildungsgüter, die man angeblich kennen muss.

Womöglich als Gegenreaktion zu den gewaltsamen Öffnungs- und Beschleunigungsprozessen von Weltmarkt und Weltgeschichte hat sich in der Gesellschaft ein starkes geistiges und ästhetisches Anlehnungs- und Geborgenheitsbedürfnis entwickelt. Jetzt ist auch auf den Geldmärkten die Ära der Selbstverwirklichung (mit gigantischen Bonuszahlungen) und der Avantgarde (mit »innovativen Finanzprodukten«) zu Ende, das bankerhafte Boheme- und Achtundsechzigertum gewissermaßen, und der Staat will als Hüter der guten Sitten eine neue Kultur der Disziplin und Solidität durchsetzen.

Ist die Renaissance der Sicherheit politisch eine gute oder eine schlechte Nachricht? Schutz ist die Ur-Aufgabe des Staates, elementarer als alle Umverteilung und Wohlfahrt: Vor der SPD kam Thomas Hobbes, der Philosoph aus dem englischen Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts, der in der absoluten Autorität des Souveräns die Garantie gegen das Einander-Abschlachten der Menschen sah. Ein Staat – auch das hat Hobbes beschrieben –, der keine Sicherheit mehr zu geben vermag, verliert zugleich den Anspruch auf Gehorsam. Die Hilfspakete, die jetzt geschnürt wurden, die gesetzgeberischen Blitzaktionen, die Notstandsdringlichkeit, wie sie sonst nur für den Krieg typisch ist – das alles sind daher auch dramatische Szenen aus dem Kampf des Staates um seine Legitimität in den Augen der Bürger, um die Anerkennung seiner Leistungsfähigkeit und Daseinsberechtigung. Mit spießiger Harmlosigkeit hat das nichts zu tun, und ein Scheitern wie nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 müsste zu einer schweren Erschütterung der politischen Ordnung führen.

Die Zukunft nach der Krise wird weder schöner noch moralischer

Die Schattenseite der neuen Sehnsucht nach Sicherheit ist die Gefahr der Erstarrung, der Sichtbeschränkung und Engherzigkeit. Verlangen nach Schutz, das heißt auch Neigung zum Protektionismus, in vielerlei Gestalt – gegen Waren aus Billiglohnländern, gegen fremde Menschen wie Einwanderer, womöglich gegen ungewohnte Ideen. Der Hang zum Sich-Abschotten ist der Punkt, an dem sich rechte und linke Marktkritik treffen. Das Sicherheitsbedürfnis hat seine Opfer wie der Freiheitsglaube auch – nicht »die da unten«, wie im radikalen Liberalismus, sondern »die da draußen«. Schöner und moralisch höherstehend ist diese Art der Marginalisierung nicht. Die wilde Zeit des Finanzkapitalismus ist vorbei. Die Gefahr für die Zukunft ist eine graue, bleierne Zeit, eine Zeit der heruntergelassenen Rolläden.

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Leser-Kommentare

    • 18.10.2008 um 15:19 Uhr
    • Chi

    Aufwachen ist angesagt! Aber das dauert noch. Dass passiert vermutlich bei den meisten erst dann, wenn sie rein physisch Hunger oder Durst bekommen oder all die "Sicherheiten" plötzlich so gar nicht mehr da sind, an die wir - öffentlich-rechtlich abgesichert - so sehr gewöhnt sind.

    Gut beraten ist derjenige, der sich keineswegs jetzt in jener Scheinsicherheit wiegt, die da suggeriert: Unsere politischen Macher haben ein Glanzstück geleistet! ... jetzt können wir wieder sicher schlafen, selbst für unser kleines Kontoglück sorgt unser lieber Staat.

    Ich denke, man muss schon recht einfältig sein, um es so zu sehen. Dennoch scheint die Rechnung derzeit noch aufzugehen, weil eben die "Sicherheitsdemarkationslinie" noch gar nicht überschritten wurde - weil es eben für die meisten noch nicht real spürbar ist (nehmen wir die Direktbankkundenkandidaten von Lehman und Co. mal eben aus).

    "Sicherheit" sollte zum Unwort des Jahres gewählt werden. Einfach weil es die größtmögliche Fehlerquote enthält, die ein Wort nur enthalten kann. Vor allem im Hinblick auf die Milliardenversprechen, die u.U. rein cash noch eingelöst werden müssen - und ohne dass es zur vielbeschworenen "Gerechtigkeit" überhaupt nur im Ansatz käme.

    "Sicherheit" ist das Zauberwort für alle Träumer, Angsthasen, Wegschauer, Verdränger, Schönredner, Beschwichtiger... Aber ich gebe zu: Es suggeriert etwas sehr, sehr Süßes, dass Verlockung verspricht in dieser immer komplizierter werdenden Welt mit de facto immer mehr Unsicherheiten.

    Was ist denn wirklich sicher: Der Tod. Der kostet das Leben. Das physische zumindest. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und Geburt ergötzen wir uns gern privat und weltpolitisch am zweifelhaftesten Wort der menschlichen Sprache!

    Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)

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    Was Sie geschrieben haben, begeistert mich, und ich kann Ihnen nur zustimmen.Im Leben gibt es keine Sicherheit; das ist eine Gewissheit, die die Schule des Lebens für einen jeden von uns bereit hält. Der Ausspruch der Bibel, "sehet die Vögel des Himmels, sie säen nicht und sie ernten nicht, doch ihr himmlischer Vater ernähret sie doch", meint im Grunde nicht die Speise des Leibes, denn dafür müssen die Vögel viel auf sich nehmen.Bei der Aufzucht ihrer Brut verlieren sie zwei Drittel ihres Normalgewichts.Gemeint ist eine andere Speise, Seelennahrung gewissermaßen. Denn alles, was der Mensch besitzt, kann über Nacht verloren gehen.Das mussten schon viele Menschen auf diesem Planeten erfahren.

    Erleichterung, dass andere es auch so sehen und froh, dass es jemand noch besser ausdrücken kann, als mir das eingefallen wäre. Das gilt auch für andere Kommentare von Ihnen, die ich inzwischen gelesen habe.

  1. Kommentar zum Beitrag: Von wegen Gerechtigkeit!

    Die aktuelle Banken- und Finanzkrise hat zwar die Menschen weltweit getroffen und diese zudem in erhebliche Panik versetzt. Die Börsenkurse waren und sind noch immer im freien Fall, aber letztendlich werden auch viele Unternehmen als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen. Die Dedutsche Bank hat, laut ihrem Vorstandschef Ackermann, trotz Bankenkrise noch drei Milliarden Euro verdient. In wenigen Monaten wird die Bankenkrise vergessen sein, und alles geht genauso weiter wie bisher. Ändern wird sich an den Systemen selbst nicht viel, und ob aus dieser Krise die Bankenmanager, die Bankenaufsicht und die Politiker etwas lernen, bleibt abzuwarten. Meines Erachtens wird diese Krise jedoch von der Politik ebenso überbewertet, wie von den Banken selbst.
    Thomas Brockmann

    • 18.10.2008 um 17:40 Uhr
    • keox

    ein sehr guter Artikel. Beschrieben wird ja nix anderes als greifbare Realität. Gerechtigkeit resp. Solidarität haben in D€ keine Tradition.

    Nicht zuletzt deshalb die Stilisierung der Ich-AG zur neudeutschen Edelindentität, die brutale Segmentierung der Gesellschaft in Leistungsklassen, nur in einem solchen gesellschaftlichen Klima ist ein Herr Müntefering möglich, der die herrschende Meinung wie gewohnt knackig und kurz auf den Punkt bringt:

    "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen."

    Nur in einem solchen Klima können sowohl Politiker als auch Medien ungestraft konzertierte Kampagnen gegen die Verlierer dieses parasitären Systems fahren, ohne die geringste Befürchtung, es stünde ihnen eine Klage wegen Volksverhetzung in´s Haus.

    Machen wir´s kurz, ich teile die Befürchtungen des Autors.

    • 18.10.2008 um 18:32 Uhr
    • iDog

    witzig , dass die "linke" und die gerechtigkeit in einem atemzug genante werden.
    aber auch ansonsten ist einiges ungereimt in diesem artikel :::

    "sicherheit" und "soziales" gegeneinander zu stellen ist eine perfide methode die welt auf den kopf zu stellen, denn es soll nichts anderes suggerieren, als dass der schutz durch die schutzmacht zum preis der freiheitlichen rechte mehr bedeutet als die sicherheit durch soziale solidaritaet.... die diktatur ist besser als die demokratie ? die tyrannei besser als die verantwortliche selbstverwaltung?

    "gleichheitssehnsucht" schlaegt in die selbe kerbe - wer hat schon gleichheitssehnsucht? gibts das ueberhaupt ? wortschmarrn ... wenn es denn um sehnsucht geht , dann um die nach mehr gerechtigkeit : vor dem gestzt sollten alle gleich sein , dass aber macht uns nicht gleicher als wir schon gemacht worden sind , sondern sicherer - jeden einzelnen, und garantiert dei freiheit des einzelnen.

    "Bankenkrach als moralisch reinigendes Gewitter" ist eine illusion - aha - wessen den bitte - diese suggestion hoert man hier zum erten mal - hoffentlcih auch zum letzten mal, denn sie ist der pure unsinn. wissen wir nicht alle , dass der bankencrash nichts weiter ist als die antizipierte umverteilung unserer steuergelder, ein weiteres abhaengigmachen der bevoelkerung und eine weitere entmuendigung derselben bzw der beweiss , dass sie laengst entmuendigt wurde?

    auch ist es nicht Barack Obama, der für die Superreichen die Steuern erhoehen wird , sondern der amerikanische rechnungshof , der die staatspleite leangst errechnet hat.

    das Bankensystem ist nicht dem Stromkreislauf des globalen oekonmomischen systems, sondern die leistung, welche erbracht wird . gerade weil man versuchte geld ohne leistung zu vermehren brach das system zusammen.

    die "Suche nach Autorität" entlarvt dann den artikel endgueltig als ideologisches pamphlet , als agitprop neo-konservativer faerbung. hier wird eine hierarchie besungen und angepriese, welche die elende situation erst heraufbeschworen hat. diese "autoritaet " wollen wir loswerden Herr Ross - und sonst wollen wir nichts - schauen sie sich um ! wir sind es satt , dass diese pseudo autoriatet alle jahre das kostumchen wechselt und ansonsten bleibt alles beim alten. wir brauchen eben keine autoritaet sondern gesunden menschenverstand und selbstbewustsein. sie wissen doch wohl selber, dass sie sich mit dem ruf nach dem kaiser laecherlich machen. haetten sie nach kompetenz gerufen - das waere was anders gewesen, denn da haetten unsere bekannten "auroritaeten" leider ausscheiden muessen.

    in einem punkt haben sie natuerlich recht: es ist "nicht die Zeit, da die »Systemfrage« zugunsten der Unterprivilegierten gestellt wird" - nein ganz gewiss nicht - sie wird zugunsten der machtelite gestellt und auch beantwortet." es liegt im primären Interesse dieser reichen Welt, die Verhältnisse wieder in den Griff zu bekommen" ist allerdings ein euphemismus - sollte es in dem satzt nicht "weiter" anstatt "wieder" heissen?

    der gipfel des zynismus aber ist dies : "Ob das Geld im modernen, globalen Kapitalismus an die richtigen Adressaten gelangt, wird zur nachgeordneten Sorge in einem Augenblick, da es einfach zu verschwinden droht." dazu bracht man eigenlich nichts sagen - jeder freitagsabends komoediant bekaeme stehende ovationen fuer diese phrase , wenn sie als satire daherkaeme. pbrainwashversuch oder ignoranz fragt man sich hier, bei der beschreibubg eines tatbestand es, der ganz offensichtlich die bezeichnunmg kriminell verdient. jeder mensch beobachte sehr genau wohin sein geld verschwindet , wenn es das dann tut.

    .. weiter ist »Sicherheit« natuerlich kein Prinzip, sondern allenfalls ein produkt oder eine serviceleistung - sie wird aber gerne als gehirnwaescheartige illusion verkauft : (die chance die naechten 12 monate zu ueberleben betrifft fuer jeden immer nur 1:1000 - staendig.) dabei ist zu bemerken , dass die forderung nach besagter sicherheit nicht aus der bevoelkerung kommt , wie hier behauptet wird, sonder von oben verordnet erscheint. existenzaengste weren unter umstaenden fuer notstaendsgesetze gebraucht , wie in den USA angedroht. das ist aber eine ganz andere kausalitaet als hier im artikel bewiesen werden soll.

    meine guete - nimmt den dieser artikel gar kein blatt vor den mund? wird doch geruehmt der "... Staat, der sich noch zu regieren traut, der nicht von Wahlergebnissen und Konjunkturdaten hin- und hergeworfen wird" ... wird dies tatsaechlich als als versprechen bezeichnet ? na dann viel spass in der industriediktatur mit lrigider stabilitaet und sklavenhafter freiheit ... die unverfrorenheit diese machwerkes hier kennt kein pardon ... bereitet sie uns doch auf die anscheined angestrebte politik in hervorhebung ihrer zweifelhaften seiten vor. jawohl : nierder mit dem zweifel - wir wollen endlich wissen wo der hammer haengt und bestraft werden fuert den missbrach der freiheit durch die maechtigen. aeh - spass ist nicht angebracht - ich halte diesen zitierten satz oben fuer rechtsradikale propaganda.

    hier wird unter dem deckmaentelchen einer scheibnbar gesellschaftskritischen betrachtung der bevoelkerung das "wort im munde" umgedreht, dem "kleinen man" und durchschnittsbuerger suggeriert, er wuerde nach dem starken autoritaeren staat rufen - aber tut er das wirklich? ich bezeifele es im ganzen. mir scheint der "kleine man" zwar sorgen um seine existenz zu haben aber auch um seinen freiheit, wird doch beides von der gleichen seite bedroht . dies ist bereits erkannt worden und so offensichtlich, dass jeder versuch wie hier die ursachen der sorge mit den mystifizierenden nebeln der missinterprtation zu uberschuetten und so wieder unkenntlich zu machen scheitern mussen - hier in der ZEIT auf jeden fall. dumme leser, herr ross, koennen sie so nicht erzeugen aus der duennen luft , aus der sonst nur terror und angst herbeigebetet wird..

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    ...Terror und Angst herbeigebetet werden können, zeigt der Bericht der New York Times, über den heute in SPIEGEL-Online berichtet wird:

    FBI fehlen Agenten zur Jagd auf Finanzbetrüger

    Schon 2004 hat das FBI das erste Mal vor der drohenden Hypothekenkrise gewarnt. Doch in Washington blitzte die US-Bundespolizei mit ihrer Bitte um mehr Mittel und Agenten ab - Priorität hatte die Terrorbekämpfung.

    "Wie die "New York Times" am Sonntag meldete, hat das Federal Bureau of Investigation (FBI) schon 2004 das erste Mal in Washington vorgesprochen und vor der drohenden Krise am Hypothekenmarkt gewarnt. Das Blatt zitiert mit Chris Swecker einen hochrangigen Beamten des FBI, der damals prophezeite, faule und betrügerische Hypothekendeals könnten sich zu einer "Epidemie" auswachsen, wenn sie nicht bekämpft würden. Aber die Abwehr dieser Gefahr musste zurückgestellt werden - wegen Personalmangel."

    Ein Schuft, wer sich Schlechtes dabei denkt?

    Der Link: http://www.spiegel.de/wir...

    Der Link zur NYT: http://www.nytimes.com/20...

  2. ... an die Sicherheit.

    Die Schneekugel wird gerade wieder geschüttelt. Es ist wieder ein Moment in dem es schneit, und es kann dauern bis der Schnee sich legt und eine neue "virtuelle" Sicherheit sich breitmacht.

    Der Fall der Mauer, der Zwillingstürme, der Banken wirkt sich ähnlich aus wie bei einem Krankheits- oder Überfall.
    Es ist die Sicherheit, das Vertrauen, das feste Weltbild, und die Gelasenheit die zusammenbricht. Der "feste" Boden wackelt und treibt die Menschen auf die Strasse. Die Dynamik die entsteht und die Umorientierung kann chaotische Züge annehmen. In der Phase der Umorientierung kann alles passieren, und es lässt sich schwer steuern.
    "Wende" oder amerikanisch "Change" wird angesagt und wer es schafft sich an die Spitze der Entwicklung zu setzen kann ganz nach oben gespült werden.
    Der Mensch liebt Sicherheit, und wird den neuen Versprechen auf Papier gerne trauen, da die Realität zu unangehm ist.

    • 19.10.2008 um 8:28 Uhr
    • mahun

    der Kommentator vor mir hat "Glauben" erwähnt. Darauf möchte ich zurück kommen.
    Aber anders als er es meinte.
    Kein Mensch ist ohne ein Weltbild an was er glaubt. Ganz gleich ob von einer religiös-spirituellen Gruppe, der Humanismus oder die politischen Ideologien als geschlossene Weltbilder. Die meisten Menschen dürsten nach Orientierung, nach festen Horizonten. Analysiert man es ganz wertfrei so gibt es rein soziologisch keinen Unterschied zwischen Gottesstaaten und totalitären Regimen. Der Führerkult in Nazideutschland hat dies besonders deutlich gemacht, selbiges gilt aber auch für alle anderen Despoten in Europa und anderswo. Und auch die Art mit denen Anhänger (der Begriff schon!) einzelner Parteien und Denkrichtungen ihre Sichtweise verteidigen entwickelt oft einen fanatischen Eifer der auch vor Militanz nicht zurückschreckt. Exakt die selben Vorgänge wie bei religiösen Fanatikern.
    Nun wird eben der Götterglaube an die Masters of the Universe an den Finanzplätzen abgelöst vom Götterglaube an den Staat und seine regelnde Hand ("Vater Staat", auch so eine verrätische Vokabel). Wenn es doch eine Lehre gäbe aus der Geschichte der Ökonomie und der Politik ohnehin, dann doch jene dass es immer dann am besten lief wenn sich alle auf einen moderaten modus vivendi verständigt haben und es immer dann schlecht lief (oder in die Krise führte) wenn einzelne Strömungen die Oberhand gewannen. Die "gute alte" Bundesrepublik der Jahre 1949 bis 1989 war das institutionalisierte Mittelmaß und man ist gut damit gefahren. Nun hat der Mensch halt auch die Eigenart mit dem Status Quo nie zufrieden zu sein, gut so! Aber dann sollte er doch bitte auch die Lehren aus der Vergangenheit ziehen und nicht alles wieder und wieder austesten, in dem seltsamen Glaube bloß weil nun ein anderes Jahr geschrieben wird gelten die damaligen Mechanismen nicht mehr. Ich bin ein klarer Freund der Besinnung auf die Politik von Willy Brandt, Ludwig Erhard und Helmut Schmidt die so prägend war für eine in Deutschland einmalige Zeit der Stabilität, des Wohlstandes, der sozialen Wohlfahrt, der Sicherheit und auch der progressiven Gesellschaftsentwicklung! Bedenkt man in welcher relativ kurzen Zeit sich aus dem faschistischen Deutschland ein Land entwickelt hat was Willy Brandt zugejubelt hat ist das schon erstaunlich. Dies ist eine Periode in der deutschen Geschichte auf die man ausnahmsweise unumwunden stolz sein kann, die vorbildhaft ist.

  3. Was Sie geschrieben haben, begeistert mich, und ich kann Ihnen nur zustimmen.Im Leben gibt es keine Sicherheit; das ist eine Gewissheit, die die Schule des Lebens für einen jeden von uns bereit hält. Der Ausspruch der Bibel, "sehet die Vögel des Himmels, sie säen nicht und sie ernten nicht, doch ihr himmlischer Vater ernähret sie doch", meint im Grunde nicht die Speise des Leibes, denn dafür müssen die Vögel viel auf sich nehmen.Bei der Aufzucht ihrer Brut verlieren sie zwei Drittel ihres Normalgewichts.Gemeint ist eine andere Speise, Seelennahrung gewissermaßen. Denn alles, was der Mensch besitzt, kann über Nacht verloren gehen.Das mussten schon viele Menschen auf diesem Planeten erfahren.

  4. Erleichterung, dass andere es auch so sehen und froh, dass es jemand noch besser ausdrücken kann, als mir das eingefallen wäre. Das gilt auch für andere Kommentare von Ihnen, die ich inzwischen gelesen habe.

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  • Von Jan Ross
  • Datum 22.10.2008 - 13:37 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 16.10.2008 Nr. 43
  • Kommentare 11
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  • Schlagworte Finanzkrise | Private Sicherheit
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