DIE ZEIT: Innovation heißt Um- und Aufbruch. Haben Sie Sorge, dass in Zeiten einer drohenden Weltwirtschaftskrise das Innovationsklima in Deutschland schlechter wird?

Joachim Milberg: Die jüngsten Zahlen, die uns zum Thema Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Deutschland vorliegen, sind gut. Die Unternehmen haben mehr Geld in Forschung und Entwicklung investiert und schaffen dort Arbeitsplätze. Wir müssen aber vermeiden, dass es jetzt zu einer Trendwende kommt. Gerade in Zeiten der Krise müssen wir den Nachwuchs fördern. Wenn sich die wirtschaftliche Lage beruhigt hat, müssen wir wieder durchstarten. Und das Wachstum der Zukunft kann sich nur aus Forschung und Entwicklung speisen. Die Finanzkrise könnte auch eine positive Seite haben: Junge Menschen mit Sinn für Zahlen und Technik, die sich bislang Richtung Bankenwelt orientieren wollten, werden vielleicht wieder mehr Lust auf »reale Innovationen« bekommen.

ZEIT: Für den Bürger signalisieren die Schlagzeilen aus den großen Unternehmen etwas anderes. Da ist von Produktionsstopp die Rede, von Kurzarbeit. Die Boulevardzeitungen fragen stellvertretend für ihre Leser: Wie sicher ist mein Job? Dass Unternehmen kontinuierlich forschen und in diesem Bereich Nachwuchs suchen, wird kaum sichtbar.

Milberg: Dahinter steckt auch ein Mentalitätsproblem, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Ist uns eigentlich allen in ausreichendem Maße klar, wie sehr unser Wohlstand von diesem Bereich, von Investitionen in die Zukunft, von Forschungs- und Entwicklungsausgaben, aber auch von Investitionen in die Bildung abhängt?

ZEIT: Wie lautet Ihre Einschätzung?

Milberg: Die Antwort muss wohl nein lauten.

ZEIT: Warum werden diese Chancen, diese Arbeitsplätze in der Öffentlichkeit so wenig wahrgenommen?