Die Versager von gestern sind heute oben auf.  Der syrische Finanzminister gratuliert mitten in der globalen Finanzkrise sich und seinem Land: "Ich möchte den Söhnen unseres Volks, unseren Geschäftsleuten und Investoren versichern, dass die Auswirkungen auf Syrien sehr gering sein werden - dank unserer Politik der graduellen Reform", sagt Muhammad al-Hussain. "Bei uns hat der Staat stets effektiv die Interessen der heimischen Wirtschaft und des Volkes geschützt." Wer so gut vom Rest der Welt isoliert ist wie das Regime in Damaskus, hat dieser Tage gut Lachen.

Doch den Optimismus des Syrers teilen längst nicht alle Araber. Schließlich sind viele von ihnen bestens vernetzt in der internationalen Finanzwelt. Auch im Mittleren Osten breitet sich die Sorge aus, die Krise könne die arabischen Staaten ereilen. Zugleich kommt auf die Reichen unter ihnen die Frage zu, ob sie mit ihrem überschüssigen Geld den USA und Europa nicht aus der Liquiditätskrise helfen können. Wo steht die arabische Welt in der Krise?

Wenn die Syrer frohlocken, kann man mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass ihre Lieblingsfeinde, die Saudis, schlechte Laune haben. "Wir fürchten eine weltweite schwere Rezession", sagt der saudische Außenminister Saud al-Faisal.

Der Mann weiß, wovon er spricht, denn er wurde 1975, in der globalen Wirtschaftskrise, Außenminister des mächtigsten Petrostaates der Welt. Saudi-Arabien und andere Ölstaaten hatten den Westen 1973 in die Ölkrise gestürzt und mussten anschließend bitter dafür bezahlen. Im weltweiten Abschwung sank der Ölpreis und verharrte mit wenigen Ausnahmen ein Vierteljahrhundert auf geringem Niveau. Magere Zeiten für die Scheichs.

Deshalb sind die Saudis und die Golfaraber heute an der möglichst schnellen Stabilisierung der westlichen Bankensysteme interessiert. Mitte dieser Woche sackte der Preis für ein Fass Rohöl erstmals in diesem Jahr wieder auf 80 Dollar. Ein Warnzeichen, mehr noch: eine Gewinnwarnung. Der Ölscheich drückt dem Westen also die Daumen. Zwei Fragen drängen sich auf: Kann er was für den Westen tun? Und will er es auch?

Der Finanzplatz Dubai ist anders als die auf der Ölblase schwimmenden Regierung der Krise viel unmittelbarer ausgesetzt. Die Börse folgt dem Fieberverlauf westlicher Handelsplätze. Dubai hat als Bankenplatz natürlich auch Schulden. Die Rating-Agentur Moody’s hat gerade öffentlich Zweifel an der Bonität von Dubai geäußert. Das Emirat habe 47 Milliarden Dollar Schulden und müsse sich wohl künftig vom benachbarten Emirat Abu Dhabi aushelfen lassen. Abu Dhabi wiederum hat mehr als 90 Prozent der Öleinkommen der Vereinigten Emirate und hat damit stetigen, wenn auch den Zuckungen des Rohstoffpreises folgenden Geldzufluss.

Folgt man dem strotzenden Selbstbewusstsein von Adnan Ahmed Jussif, haben die Araber reichlich Möglichkeiten, die Krise gut zu überstehen. Der Vorsitzende der Vereinigung Arabischer Banken sagte vergangene Woche, dass die Finanzinstitute in seinem Verband im Ablauf dieses Jahres um 20 Prozent mehr Geld in der Kasse haben werden. Die arabischen Banken hätten Ende September die Leitzinsen um die Hälfte auf durchschnittlich vier Prozent gesenkt. "Das zeigt unseren Überfluss an Liquidität mitten in der globalen Krise", sagte Jussif. Eine Reihe von Zentralbanken am Golf wären durchaus bereit, Geld in die Märkte zu pumpen, "wenn das nötig wird".