Schon lange bevor das mit den Schulden im siebenundzwanzigstelligen Bereich anfing, bereicherte eine neue Wortbildung den Alltag der Bessersprechenden: geschuldet. Die besonders üppige Apfelernte, so hieß es da zum Beispiel, ist dem frühen Frost und der späten Sonneneinstrahlung geschuldet. Oder: Nietzsches Feststellung, dass Gott tot ist, schuldet sich der bedrängenden Fürsorge seiner Schwester, die sehr unvorteilhaft gekleidet war. Es gab auch Zeiten, wo solche Kausalsätze sich einem Dank schuldeten. Also: Die üppige Apfelernte und Nietzsches Totenschein für Gott verdankten sich dem frühen Frost, der Sonneneinstrahlung sowie der bedrängenden Fürsorge und der unvorteilhaften Kleidung seiner Schwester. Warum wurde der Dank zur Schuld? Wenn man zunächst den Verdacht hatte, dass dieser Wörterwechsel einer Allüre der Schlechterverdienenden geschuldet sei, so muss man nun wohl zugeben, dass er sich einer hellseherischen Disposition verdankt. Und schließlich auch auf das Konto des wunderbaren Matthias Claudius, Kreissparkasse Wandsbek, geht: "’s ist Krieg, ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, / Und rede Du darein! / ’s ist leider Krieg – und ich begehre / Nicht schuld daran zu sein!" So wie es eine größere Steigerung von Leid nicht gibt, so gibt es offensichtlich auch niemanden, dem die Schuld an den Schulden geschuldet ist. Petra Kipphoff