Neoliberalimus Die Neunmalklugen

Was haben sie uns nicht alles erzählt über den überlegenen Markt und die Wertlosigkeit des Staates – und was hört man nun? Dröhnendes Schweigen

Wer glaube, dass der Mensch aus Katastrophen lernen könne, müsse enttäuscht werden, schrieb der Philosoph Peter Sloterdijk 1989 in seinem Buch Eurotaoismus: »Nur der reale Weltuntergang wäre eine überzeugende Warnung vor dem Weltuntergang. Die einzige Katastrophe, die allen einleuchtet, wäre die Katastrophe, die keiner überlebt.«

An einer solchen Katastrophe hat niemand Interesse: Auch derjenige nicht, der sich in den vergangenen 15 Jahren gelegentlich ein wirksames didaktisches Instrument gewünscht hätte gegen all die Marktideologen und Staatsverächter, gegen die Sinns und Rogowskis, die Hundts und Henkels, Merzens und Metzgers; gegen die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, gegen unzählige missionarisch tätige Mitarbeiter von Finanzdienstleistungsfirmen und die Deregulierungs-Textbausteine des Bundespräsidenten.

Auch ohne Weltuntergang bringt eine Rezession, die uns nun noch bevorsteht, genug Angst und auch für Nicht-Aktienbesitzer schmerzliche Konsequenzen mit sich: zum Beispiel Arbeitslosigkeit. Wir sollten also, Sloterdijks Pessimismus zum Trotz, die Finanzkrise als Warnkatastrophe zu begreifen versuchen. Von ihrer Unübersichtlichkeit her ist die gegenwärtige Situation, ist das großartige Scheitern aller neoliberalen Verheißung über die Weisheit der Märkte und die Überflüssigkeit des Staates, mit dem Untergang des Sozialismus verglichen worden. Im Gegensatz zu 1989 fällt allerdings ein Unterschied auf: Damals kam es schnell zu breiten Aufarbeitungsdebatten unter Historikern, politischen Akteuren – vielen Intellektuellen, die zum düsteren Alltag des Realsozialismus in Sowjetunion und DDR gar nicht allzu viel beigetragen hatten, die aber trotzdem Verantwortung für ihre latenten Sympathien übernahmen. Und sich ein kleines bisschen schämten für manche ätzende Kritik am demokratischen, freiheitlichen System (nachzulesen zum Beispiel in einer großen ZEIT - Debatte vom Herbst 1989 und der FAZ - Serie What’s left im Winter 1992/93).

Diese selbstkritische Betrachtung der eigenen Rolle, dieses kleine bisschen Scham ist in der aktuellen Krise aufseiten der ökonomischen Elite bisher nicht zu entdecken: wahrscheinlich, weil sich ihre Mitglieder tatsächlich nicht als Anhänger einer Weltanschauung unter mehreren, sondern als Inhaber einer unbestreitbaren Wahrheit betrachtet haben. Und diese Wahrheit – dass der Markt praktisch alles besser könne als der Staat; dass die Börse letztlich das präzisere Abstimmungsinstrument sei als die demokratische Wahl; dass das Spitzenpersonal der Wirtschaft den Politikern himmelweit überlegen sei – beschränkte sich keineswegs auf die wirtschaftliche Sphäre. Diese Wahrheit sollte überall gelten, für Recht und Politik, Militär und Verwaltung, Kirche, Kindergarten und Krankenhaus. Nur stimmte sie nicht einmal für den eigenen Bereich. Es wirkt kurios, wenn Bundespräsident Horst Köhler nun mehr Moral für die Märkte einfordert und sich gegen Selbstzufriedenheit und Zynismus der Manager wendet. Er müsste seine Referenten ins Archiv schicken und sich seine eigenen Reden vornehmen, zum Beispiel die zum Tag der Deutschen Einheit 2004. Da war es noch das »westdeutsche Regelwerk«, das zu sehr geprägt war von »Selbstzufriedenheit«, außerdem von »überzogenem Anspruchsdenken« und einem »alles durchdringenden Regulierungseifer«. Köhler machte sich stark für einen »radikalen und nachhaltigen Abbau von Vorschriften und Bürokratie«. Ähnlich Hans-Werner Sinn, laut Bild- Zeitung »Deutschlands klügster Wirtschaftsprofessor«: »Jedes Land braucht eine Kulturrevolution, wenn der Filz über 50 Jahre akkumuliert wurde. Jetzt ist Deutschland so weit.« Schon 2002 sah Arnulf Baring ( Bild : »Deutschlands klügster Historiker«) die Bundesrepublik als »DDR light«, regiert von einer »drohnenhaften Herrschaftskaste« aus ahnungslosen Politikern und wehrlos ohne eine Notstandsverfassung à la Weimar. Deshalb fand Baring, die Situation sei reif für »einen Aufstand gegen das erstarrte Parteiensystem. Ein massenhafter Steuerboykott, passiver und aktiver Widerstand, empörte Revolten liegen in der Luft.« Antizipierte er den Zusammenbruch der Finanzmärkte und die steuerfinanzierten Milliardenrettungspakete für Banken? Nein, es ging um die staatliche Unfähigkeit zum echten Sozialabbau.

In jener Zeit war auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall omnipräsent, die es sich zum gut bezahlten Ziel gesetzt hat, die »Einstellung der Bevölkerung zur Wirtschafts- und Sozialordnung« zu verändern. Sie ging Medienpartnerschaften ein, versorgte Zeitungen mit kompletten Interviews, platzierte wirtschaftsfreundliche Sätze in Vorabend-Soaps, kaufte sich sozialstaatskritische Fernsehbeiträge, präsentierte zweifelhafte Städte-Rankings (mit einem kommunalen Krankenhaus konnte eine Stadt nicht gewinnen, sie hatte dann garantiert zu viele öffentlich Beschäftigte). Und immer lautete die Botschaft Wettbewerb, Deregulierung, Privatisierung, Beschneidung der Arbeitnehmerrechte.

Verschleudert der Staat das Geld der Bürger für »Sozialklimbim«?

Den »weltbürgerkriegsähnlichen Zustand«, den die FAZ vor ein paar Tagen konstatierte, hat freilich nicht das Parlament herbeigeführt, nicht das deutsche Wertpapierrecht oder die städtische Müllverordnung, nicht der erhöhte Mehrwertsteuersatz und auch nicht die Pflegeversicherung. Der – unübersichtliche, beängstigende Zustand hat seinen Ursprung in der Sphäre der Wirtschaft, und jene nun gescholtenen Politiker und Beamten, die in Bankenaufsichtsgremien möglicherweise zu lange stillhielten, agierten in der beschriebenen staatsfeindlichen Großstimmung.

Mit der Bundestagswahl von 2005 und dem zweitschlechtesten Ergebnis für die Union seit Kriegsende (35,2 Prozent) verloren die Deregulierer etwas an Schwung. (Laut einer Umfrage des Instituts Polis/Sinus im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung sprechen sich heutzutage übrigens sechs [!] Prozent der Bevölkerung für weitere »schmerzhafte Reformen« aus.) Aber am Ende war die Marktwahrheit damit noch lange nicht. Noch am 18. August schrieb Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche: »Gerade in diesen Monaten zeigt sich, dass der Steuerstaat bis über die Perversionsgrenze geht: Brutalstmöglich werden jetzt auch kleine Einkommen ausgebeutet … Jeder Entlastung steht die Staatsgier entgegen. So will die SPD sogar die Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung verhindern, um mit dem Geld der Beitragszahler Sozialklimbim zu finanzieren …«. Acht Wochen später setzte die Bundesregierung das den Steuerbürgern abgepresste Geld für den größten Sozialklimbim aller Zeiten ein: für die Rettung der Hypo Real Estate.

Ironischerweise lief das marktradikale Leitmotiv der vergangenen 15 Jahre immer darauf hinaus, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, dass der Exportweltmeister Deutschland kurz vor dem Abgrund stehe und dass seine messbare Wirtschaftsstärke rein gar nichts bedeute. Gewiss war die Arbeitslosenzahl von fast fünf Millionen eine Katastrophe – vor allem für die Betroffenen. Aber alle anderen Arbeitnehmer sollten gefälligst auch in der Angst leben, es könne ihnen bald ebenso ergehen – und sich bescheiden und wirtschaftskompatibel verhalten. Jedes Jahr hielt der Bundesverband der Deutschen Banken sein »gesellschaftspolitisches Forum« ab. Nie ging es dort um Regelungsbedarf im internationalen Finanzwesen – dafür umso öfter um Deutschlands Reformunfähigkeit, die »konfiszierte Freiheit«, »Wettbewerb als Lebensform«.

Wir sollten lernen von denen, die in den vergangenen Jahren »out« waren

Und Sabine Christiansen ließ Woche um Woche aus ihrer Berliner Sendekugel den Untergang des Standorts verkünden: »Konjunktur-Angst – Aufschwung ade?«, »Sind wir ein Volk von Sozialschmarotzern?« oder »Macht dieses Steuersystem Deutschland kaputt?«. All diese Äußerungen, Sendungen, Veranstaltungen sind zurechenbar. Sie schufen einen Wahrnehmungsnebel, in dem das Land hochgefährdet, Parteien und Demokratie unfähig – und gefährlich – erschienen. Jetzt will es keiner gewesen sein, aber damals wussten alle genau, um was es ging: Effizienz. Rendite. Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Wer anders dachte, geriet schnell in die Defensive.

Das Bildungsbürgertum ließ sich von der Kapitalfraktion ohne Widerstand majorisieren. Auch die Sozialdemokraten unter Gerhard Schröder zollten zumindest verbal Tribut an die Marktradikalen: Viel stärker als die Hartz-Gesetze (die ja auf echte Missstände am Arbeitsmarkt zu reagieren versuchten) oder die Rente mit 67 Jahren (die sich eines konkret bezifferbaren demografischen Problems annahm) war das Schröder-Blair-Papier von 1999 ein Verrat an sozialdemokratischen Idealen. Das Manifest ist eine Orgie der Marktgläubigkeit. »Die Ansicht, dass der Staat Marktversagen korrigieren müsse, führte allzu oft zur Ausweitung von Verwaltung und Bürokratie im Rahmen sozialdemokratischer Politik«, heißt es dort – in beflissenen Variationen.

Nach so viel Gehirnwäsche können wir uns glücklich schätzen, dass es uns noch möglich ist, eine echte Krise zu erkennen, wenn wir sie vor der Nase haben. Und wir können lernen von all denen, die in den vergangenen, effizienzbesoffenen Jahren besonders out waren: Von den Schülern altsprachlicher Gymnasien zum Beispiel, die ihren marktgetrimmten Altersgenossen immer schlechter erklären konnten, wozu Latein und Griechisch denn gut seien. Von den AOK-Versicherten, die darauf beharrten, durch ihren hohen Krankenkassenbeitrag ärmere, ältere, kränkere Patienten mitzufinanzieren. Von den Leuten, die sagen: Bei aller Liebe, ein Museum kann nicht nur ein Profitcenter sein. Von denen, die bis heute nicht verstanden haben, warum es eine marktwirtschaftliche Pflicht sein soll, die Stadtwerke deutscher Großstädte an chinesische Investoren zu verkaufen. Von Lehrern, die nicht glauben, dass sie ein Produkt herstellen – sondern, dass sie Kinder erziehen. Von all diesen Menschen könnten auch die Marktradikalen etwas lernen: dass eine Gesellschaft andere Kraftquellen hat und andere Kraftquellen braucht als nur den Profit. Wenn sie es lernen würden, ließe sich einfacher darüber diskutieren, wie der Kapitalismus aussieht, den wir haben wollen.

Aber vielleicht hat auch Sloterdijk recht.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Einbildungen können in großartige Gesellschaftsmodelle münden, wo der Eigennutz als Motor der Überlegungen hinter der Deckung großartiger Aussichten ganz verschwindet, bis die grellen Scheinwerfer der Realität auch den Hintergrund erfassen, wo die Spiele ausgeknobelt wurden, deren Ergebnis auf dem Tisch liegt.
    Krisen bringen, so schmerzhaft sie treffen, immer auch die Ursachen an das Tageslicht. Sie sind für die Ehrlichen eine Aufforderung für Korrekturen und bessere Wege und für die noch Unbelehrbaren werden sie zu einem immer bedrohlicheren Szenario der Offenbarung.

    • QUOTE
    • 19.10.2008 um 16:34 Uhr
    2. Danke!

    (...)

  2. Diese hat noch letzte Woche im Bundestag verkündet Herrn Tietmeyer als Berater einsetzen zu wollen.

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    Frau Merkel hatte nie die Absicht, Hr. Tietmeyer als Berater einzusetzen!!!
    Richtig ist vielmehr: Fr. Merkel wollte Hr. Tegtmeier als Berater einsetzen. Leider wurde ihr zu spät mitgeteilt, daß es sich bei diesem um die Kunstfigur eines rheinischen Komikers der 70iger Jahre handelt, der zu allem Überfluss auch scho seit längerem verstorben ist. Aber Tietmeyer ....Nie!!!

    Frau Merkel hatte nie die Absicht, Hr. Tietmeyer als Berater einzusetzen!!!
    Richtig ist vielmehr: Fr. Merkel wollte Hr. Tegtmeier als Berater einsetzen. Leider wurde ihr zu spät mitgeteilt, daß es sich bei diesem um die Kunstfigur eines rheinischen Komikers der 70iger Jahre handelt, der zu allem Überfluss auch scho seit längerem verstorben ist. Aber Tietmeyer ....Nie!!!

    • LH
    • 19.10.2008 um 16:41 Uhr

    Freuen Sie sich mal nicht zu früh. Die bisherigen Maßnahmen laufen leider auch nur auf eine staatliche Subventionierung der Gewinne großer Unternehmen hinaus. Es ist nicht zu erwarten, dass dies die Rückkehr zum seligen Rheinischen Kapitalismus ist und erst recht wird es kaum den Geldbeutel der kleinen Einkommen schonen, wenn der Staat für alles aufkommen muss.

    Die gegenwärtige Krise könnte ein guter Anlass sein, Grundsätzliches zu ändern, aber bisher gibt es dafür im politischen Diskurs nicht mal eine treffende Ursachenanalyse der Probleme.

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    • Gafra
    • 19.10.2008 um 18:24 Uhr

    "...aber bisher gibt es dafür im politischen Diskurs nicht mal eine treffende Ursachenanalyse der Probleme."
    Doch; "Der globale Countdown" von Harald Schumann und Christiane Grefe.
    Und es liest sich wie ein Krimi!

    • Gafra
    • 19.10.2008 um 18:24 Uhr

    "...aber bisher gibt es dafür im politischen Diskurs nicht mal eine treffende Ursachenanalyse der Probleme."
    Doch; "Der globale Countdown" von Harald Schumann und Christiane Grefe.
    Und es liest sich wie ein Krimi!

    • Serrax
    • 19.10.2008 um 16:50 Uhr

    Wer ist für die Drogensucht verantwortlich? Der Dealer, oder der Drogensüchtige?

    Gier und Inkompetenz findet sich nicht nur in den Vorstandsetagen, den Parlamenten und Ministerien, sondern auch in nahezu jeder Redaktion und in jedem Privathaushalt.

    Als ob die Staatsbanken besser da stünden, als die Privatbanken!

    Oder als ob die staatlich gelenkten Industriebereiche (v.a. der Gesundheitssektor) Musterbeispiele der Effizienz und Gerechtigkeit wären!

    Nur ist jetzt die große Stunde der linksradikalen Klugscheisser gekommen, die schon immer alles besser wussten.

    All jener, denen der (notwendige) Wandel vom Versorgungsstaat zum Selbsthilfestaat schon immer ein Greuel war.

    Und derjenigen, die in einer komplizierten Welt nach einfachen Antworten suchen - und die entsprechend von Demagogen bedient werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    denn Ihren Leserbrief? Auch erbärmlich?
    Übrigens, wir hatten noch nie einen Versorgungsstaat, da sitzen Sie erneut der neoliberalen Propaganda auf!

    • th
    • 20.10.2008 um 10:45 Uhr

    "Und derjenigen, die in einer komplizierten Welt nach einfachen Antworten suchen - und die entsprechend von Demagogen bedient werden."

    Es sind doch gerade die Marktradikalen, die in einer komplizierten Welt einfache Antworten anbieten, bzw. laut dafür trommeln:

    "Der Markt, der Markt, der Markt hat immer recht - Regulierung ist immer schlecht"

    "Umlagerente bringt nichts - lasst Finanzinvestoren fuer Euer Alter sorgen!"

    Aber in Wirklichkeit ist die Devise einfach:
    "Geld regiert die Welt, und so soll es auch bleiben"
    und
    "Es muss auch arme Leute geben"

    Der Verdacht liegt nahe, dass wir es bei der Finanzkrise mit einem schon lange laufenden Schneeballsystem zu tun haben, dass nur weiterfunktionieren kann, wenn immer neue Gelder hineingepumpt werden - damit die Spekulationsblasen nicht platzen und die Aktienkurse weiter steigen

    (Gibt es eigentlich ein staatlich garantiertes Menschenrecht auf Börsengewinne?).

    Wenn gar keine neuen naiven Anleger mehr zu finden sind, muss eben der Staat angezapft werden - und wenn auch diese Gelder erschöpft sind - was kommt dann?

    • a17
    • 20.10.2008 um 21:51 Uhr

    Hätte man vernünftige Menschen, die Sie als "linksradikale Klugscheisser" diffamieren, früher gefragt, wäre es wahrscheinlich nicht zu einem Finanzcrash des derzeit zu beobachtenden Ausmaßes gekommen, [...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Die Redaktion /ft)

    denn Ihren Leserbrief? Auch erbärmlich?
    Übrigens, wir hatten noch nie einen Versorgungsstaat, da sitzen Sie erneut der neoliberalen Propaganda auf!

    • th
    • 20.10.2008 um 10:45 Uhr

    "Und derjenigen, die in einer komplizierten Welt nach einfachen Antworten suchen - und die entsprechend von Demagogen bedient werden."

    Es sind doch gerade die Marktradikalen, die in einer komplizierten Welt einfache Antworten anbieten, bzw. laut dafür trommeln:

    "Der Markt, der Markt, der Markt hat immer recht - Regulierung ist immer schlecht"

    "Umlagerente bringt nichts - lasst Finanzinvestoren fuer Euer Alter sorgen!"

    Aber in Wirklichkeit ist die Devise einfach:
    "Geld regiert die Welt, und so soll es auch bleiben"
    und
    "Es muss auch arme Leute geben"

    Der Verdacht liegt nahe, dass wir es bei der Finanzkrise mit einem schon lange laufenden Schneeballsystem zu tun haben, dass nur weiterfunktionieren kann, wenn immer neue Gelder hineingepumpt werden - damit die Spekulationsblasen nicht platzen und die Aktienkurse weiter steigen

    (Gibt es eigentlich ein staatlich garantiertes Menschenrecht auf Börsengewinne?).

    Wenn gar keine neuen naiven Anleger mehr zu finden sind, muss eben der Staat angezapft werden - und wenn auch diese Gelder erschöpft sind - was kommt dann?

    • a17
    • 20.10.2008 um 21:51 Uhr

    Hätte man vernünftige Menschen, die Sie als "linksradikale Klugscheisser" diffamieren, früher gefragt, wäre es wahrscheinlich nicht zu einem Finanzcrash des derzeit zu beobachtenden Ausmaßes gekommen, [...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Die Redaktion /ft)

  3. Hallo,

    ja, aktuell ist über allen Gipfeln Ruh, In allen Wipfeln
    Spürest du Kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde,
    ...
    Aber in den USA sammeln sich schon wieder die Rechtgläubigen: "Die Ursache der Subprime-Krise ist nur die Vergabe von Krediten an Unwürdige (lies: N.I.G.G.E.R, Latinos, Geringverdienende) durch die staatlichen Institutionen Fannie Mae und Freddy Mac. Privaten Hypothekenbanken wäre das niemals nie nicht passiert!"
    Und die gleiche Mischpoke fängt auch in D an zu stänkern, dass ausschließlich die staatlichen Banken in Schwierigkeiten seien. Die Privatbanken seien nur in unruhigem Fahrwasser weil sie Kredite an die staatlichen Institute vergeben hätten, jawoll. Und daher sei ordentlich fette Staatsknete für die privaten Banken unbedingt sinnvoll und angemessen.
    Wenn die Finanzkrise und die Ursachen aus dem Kurzzeitgedächtnis der Bevölkerung entschwunden ist werden wir von den gleichen alten Schätzern sehr schnell wieder den gleichen alten Sermon von der unsichtbaren Hand und der optimierten Resourcenallokation hören. Ergänzt von nachdringlichen Appellen an die Gewerkschaften Maß zu halten, und an den Staat unnötige Sozielleistungen abzubauen oder abzuschaffen. Man könne doch auch, wie eine Studie belegt habe, von 132 € HartzIV sehr gut leben. Dann sei die aktuelle Rezession sehr schnell wieder überwunden.
    Und da der Staat nach den sozialisierten Verlusten der Banken und den Sozialleistungen für Porsche, Mercedes Benz, Betelsmann & Co KG pleite ist, werden die unumgänglichen Einschnitte in die soziale Hängematte dann auch fix umgesetzt werden. (Wie hieß noch mal das Buch von Naomi Klein?)
    Das Rascheln im Blätterwald über Kapitalverkehrskontrollen, das Austrocknen von Steueroasen, Steuern/Abgaben auf Spekulationen, Tobin-Steuer etc. wird sich ganz schnell wieder legen. Es wird nur eines umgesetzt werden: Die Möglichkeit Bilanzen zu schönen, indem man Wertpapiere nicht zum realen Wert ausweist sondern zu einem imaginären Verkaufswert.
    Das wird dann das Vertrauen der Banken untereinander in die veröffentlichten Bilanzen ganz schnell wieder steigern und alles wird gut und alle haben sich wieder lieb. Die Finanzkrise war ja, wie wir alle wissen, nur das Ergebnis staatlicher Eingriffe, nicht etwas des Misstrauens der Banken untereinander. Der Anstieg des Libor war ja auch nur, ääh dem Sonnenflecken-Zyklus geschuldet, keinesfalls aber der Unsicherheit welcher Schuldner/Bank über Nacht kollabiert weil die so sicheren Wertpapiere im Portfolio eher Un-Wertpapiere waren.
    Also lieber deutscher Michel, Warte nur, balde Ruhest du auch.

    Gruß..

    P.S.: Das BfR warnt! Dieses Posting enthält Sarkasmus. Das Durchlesen könnte ihr Vertrauen in die kapitalistische Weltordnung beschädigen!

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    Sie sprechen da einen, wie ich finde, interessanten Punkt an, nämlich die Bewertung von Fianzanlagen bei Banken und der übrigen privaten Wirtschaft.Es wird dringend erforderlich sein, das Aktienrecht bzw. die Bilanzierungsvorschriften so zu ändern, dass bei nachhaltigen Wertminderungen auch nur der niedrigere Börsenwert zum Bilanzstichtag bilanziert werden darf.Desgleichen müssten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften viel mehr in die Pflicht genommen werden als dies bisher der Fall war.Bisher können sich die Prüfungsgesellschaften selbst bei absehbaren Pleiten fast immer aus der Verantwortung stehlen zu Lasten der Anteilseigner und der Gläubiger.

    wichtig für Leute (wie mich), die nach so einem etwas kritelndem Artikel Gefahr laufen, sich einlullen zu lassen.
    Ich erinnere mich genau, daß die Wahl des Bundespräsidenten Köhler mit dem unschlagbaren Argument geführt wurde, dieser verfüge über "exzelente Kontakte zur deutschen Wirtschaft ...!" (A. Merkel)
    Welcher Nutzen dem deutschen Volke aus diesen Kontakten erwachsen ist ... keine Ahnung. Sicher ist aber, das Hr. Köhler von den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Eliten für eine weitere Amtszeit wiedergewählt werden wird. Ein klareres Zeichen für ein "weiter so!" kann man nicht setzen.

    Sie sprechen da einen, wie ich finde, interessanten Punkt an, nämlich die Bewertung von Fianzanlagen bei Banken und der übrigen privaten Wirtschaft.Es wird dringend erforderlich sein, das Aktienrecht bzw. die Bilanzierungsvorschriften so zu ändern, dass bei nachhaltigen Wertminderungen auch nur der niedrigere Börsenwert zum Bilanzstichtag bilanziert werden darf.Desgleichen müssten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften viel mehr in die Pflicht genommen werden als dies bisher der Fall war.Bisher können sich die Prüfungsgesellschaften selbst bei absehbaren Pleiten fast immer aus der Verantwortung stehlen zu Lasten der Anteilseigner und der Gläubiger.

    wichtig für Leute (wie mich), die nach so einem etwas kritelndem Artikel Gefahr laufen, sich einlullen zu lassen.
    Ich erinnere mich genau, daß die Wahl des Bundespräsidenten Köhler mit dem unschlagbaren Argument geführt wurde, dieser verfüge über "exzelente Kontakte zur deutschen Wirtschaft ...!" (A. Merkel)
    Welcher Nutzen dem deutschen Volke aus diesen Kontakten erwachsen ist ... keine Ahnung. Sicher ist aber, das Hr. Köhler von den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Eliten für eine weitere Amtszeit wiedergewählt werden wird. Ein klareres Zeichen für ein "weiter so!" kann man nicht setzen.

  4. Nur villeicht sollte man solchen Geistern nun mehr Platz in den Zeitungen einräumen so das sie nicht zu seitenotizen einer Zeit werden in der die Kriese sichtbar gewesen wäre.

    • Piepe
    • 19.10.2008 um 17:06 Uhr

    Es ist enttäuschend. Welche Konsequenzen ist die Politik bereit zu tragen?

    Das Krankenkassenbeiträge ab 2009 steuerlich absetzbar sind, ist kein Konjunkturprogramm, sondern eine weitere Umverteilung von unten nach oben.
    Die Besserverdienenden werden es dem Staat danken. Und das Steuerersparte ihrer Bank geben, mit dem Auftrag minestens 10% Rendite zu erzielen.

    Dabei weiß auch Herr Merz, bei einer Wachstumsrate von 1% des BIP's können nur höhere Nettorenditen erzielt werden, wenn andere Verzichten. Die Lohnquote (Anteil am Volkseinkommen der Lohnabhängigen) muß also weiter gedrückt werden. Das ist der Auftrag der Banken im Namen der Besserverdienenden.

    Nichts wird sich ändern.

    Wird bei den Gipfeltreffen der G7 Staaten eine neue Weltwirtschaftsordnung beschlossen werden.

    Werden wir sehen, das Waren der Länder die pernament Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaften mit Strafzöllen belegt werden, damit Entwicklungsländer wirklich eine Chance haben, sich zu entwickeln?

    Wird der Spitzensteuersatz wieder auf 80% erhöht werden, wie es schon einmal zu Kennedys Zeiten war?

    Milton Friedman kann sich auf den Egoismus verlassen. Es wird sich nichts ändern.

    Übrigens Frau Gaschke: Hartz IV ist ein Umverteilungsprogramm.
    Warum ist die Lohnquote von 75% auf 60% gesunken?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • LJA
    • 19.10.2008 um 18:08 Uhr

    Ihr Beitrag ist ein hervorragendes Beispiel für die verquaste Mixtur aus Gutmenschentum und linker Smplifizierung, die man in diesen Foren leider zu häufig antrifft. Das sich diese zumeist widersprechen überrascht nicht. Was meinen Sie denn wie es Deutschland aussähe, wenn das Land nicht seit Jahrzehnten hohe Handelsüberschüsse erwirtschaftete ? Glauben Sie wirklich den Deutschen ALGII Empfängern und Geringverdienern ginge es dann besser ?
    Ich weiß nicht, ob da jetzt Ignoranz oder Naivität aus Ihnen sprechen. Beides zusammen ist ein gutes Rezept für den Untergang.

    • LJA
    • 19.10.2008 um 18:08 Uhr

    Ihr Beitrag ist ein hervorragendes Beispiel für die verquaste Mixtur aus Gutmenschentum und linker Smplifizierung, die man in diesen Foren leider zu häufig antrifft. Das sich diese zumeist widersprechen überrascht nicht. Was meinen Sie denn wie es Deutschland aussähe, wenn das Land nicht seit Jahrzehnten hohe Handelsüberschüsse erwirtschaftete ? Glauben Sie wirklich den Deutschen ALGII Empfängern und Geringverdienern ginge es dann besser ?
    Ich weiß nicht, ob da jetzt Ignoranz oder Naivität aus Ihnen sprechen. Beides zusammen ist ein gutes Rezept für den Untergang.

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  • Quelle DIE ZEIT, 16.10.2008 Nr. 43
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